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Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews
Fotografie
für Technikredakteure digital oder chemisch?
Artikel
erschienen in
Ausgabe Dezember 1996/Januar
1997
Von
Ulrich Thiele
Inhaltsübersicht:
Als
Folge der allgemeinen Internet-Euphorie sind bei digitalen Kameras
rasche Weiterentwicklungen zu verzeichnen. Lohnt es sich nun für
die Technische Redaktion, für Technikaufnahmen von der herkömmlichen
Filmrolle abzulassen? Ulrich Thiele gibt einen Marktüberblick
über digitale Kameras, untersucht das Preis-Leistungs-Verhältnis
im Vergleich zu herkömmlichen Kameras und gibt Technikredaktionen
nützliche Auswahlkriterien an die Hand.
Langsam
beginnen sich die Digitalkameras zu mausern, nicht zuletzt als
Folge der allgemeinen Internet-Euphorie. Gibt es für die
Technische Redaktion Gründe, für Technikaufnahmen von
der herkömmlichen Filmrolle abzulassen?
Marktspiegel
Derzeit
sind Digitalkameras grob in drei Klassen einzuteilen:
- Point-and-Shoot:
Knipskameras mit der Zielanwendung Internet.
Horizontalauflösungen von 300 bis 900 Pixel.
Eingebauter Mini-Blitz, Objektivqualität passend zur dürftigen
Bildqualität.
Keine externen Blitzquellen anschließbar.
Preise unter 2.000 Mark.
- Die Kleinbildalternative:
Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven, Ausstattung vergleichbar
mit Kleinbildfilmkameras.
Horizontalauflösung 1000 bis 2000 Pixel.
Preise zwischen 13.000 und 40.000 Mark (Ausnahmen: Schneider
und Polaroid mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis
unter 10.000 Mark).
- Die Studiooberklasse:
Verschiedene Konzepte nutzen die Vielfalt von Mittelformat-
und Plattenkameras.
Horizontalauflösungen bis 6000 Pixel. Preise bis 80.000
Mark.
Auswahl für die Technikredaktion
Die Vertreter
der Point-and-Shoot-Klasse sind aus einer Vielzahl von Gründen
für die direkte Bildverwendung in Betriebsanleitungen nicht
nutzbar: Völlig ungenügende Bildauflösung, keine
Blitzlichtquellen höherer Qualität anschließbar,
keine Wechselobjektive. Diese Kameras kann man lediglich für
die Illustrationsvorlage oder zur schnellen Beschaffung von Anschauungsmaterial
verwenden.
Die Oberklasse
scheidet zumeist aus Kostengründen aus, wäre aber aufgrund
der Ausstattung und Zubehörvielfalt für hochwertige
Technikfotografie hervorragend geeignet. Jedoch erweisen sich
die großen produzierten Datenmengen von etwa 30 bis 100
MB pro Foto als Hemmschuh, sowohl was die Datentransfergeschwindigkeit
innerhalb der Kamera als auch die zum Rechner betrifft. Von der
elektronischen Nachbearbeitung der Datenmassen einmal abgesehen.
Es bleibt
die Mittelklasse der oben genannten Gruppe 2. Hier würde
der Technikredakteur sicherlich die geeignete Kamera finden: Die
Bildauflösungen reichen auch für leichte Ausschnittsvergrößerungen,
die Verwendung von professionellem Blitzzubehör ist gewährleistet
und nicht zuletzt können auch die typischen Spezialobjektive
für die Technikdokumentation eingesetzt werden.
Kosten-Nutzen-Betrachtung
Geht
man heute von einer Spiegelreflexkamera im Kleinbildformat aus,
so wird man für das passende Gehäuse einer Oberklassekamera
etwa 1500 Mark investieren müssen (Blitzzubehör, Belichtungsmesser
und Objektive sollen hier nicht kalkuliert werden, da diese
Ausgaben ja in gleicher Höhe auch für die Digitalkamera
zu Buche schlagen).
Dazu ist ein hochwertiger Scanner (etwa 1500 Mark) zu rechnen,
mit dem die Fotos später digitalisiert werden können.
Als Nachteil
der herkömmlichen Kombination Kleinbildkamera /Scanner gilt
der Zeitfaktor: Im günstigen Fall liegen 24 h Stunden zwischen
der Aufnahme und der Verfügbarkeit des Bildes im Rechner.
Eine Digitalkamera
ausreichender (wenn auch noch lange nicht vergleichbarer) Qualität
kostet wie erwähnt (wiederum nur das Gehäuse) etwa 10.000
Mark. Dazu muß man allerdings noch den Datenträger
zählen, auf dem die Bilder später dauerhaft archiviert
werden. Derzeit gilt die beschreibbare CD als günstigstes
Medium, auf dem man etwa 100 komprimierte Fotos speichern kann.
Jedoch muß man CD-Writer, Festplattenkapazität und
Verarbeitungsaufwand mitzählen.
Fazit: Für
die Technikredaktion lohnt sich die Investition in eine Digitalkamera
in der Regel nicht. Den Zeitgewinn durch das digitale Fotografieren
kann man bei Projekten mit üblichen Laufzeiten im Monatsbereich
vernachlässigen. Dabei wird die digitale Bildqualität
noch auf lange Zeit deutlich hinter der gewohnten Kleinbildqualität
zurückbleiben.
Ausblick
Der Technische
Fortschritt auch im Digitalkamera -Bereich wird derzeit größtenteils
vom Consumerverhalten bestimmt. Das bedeutet, daß es rasche
Entwicklungen im Bereich der Point-and-Shoot-Kameras geben wird,
um die Internet-Tauglichkeit zu verbessern. Dabei wird aber die
Bildauflösung keine so große Rolle spielen, weil dies
von den Wiedergabe-Medien nicht gefordert wird und weil auch im
Zeitalter der 32 MB-Standard-RAM-Ausstattung große Dateien
vom Consumer schlecht zu verarbeiten sind.
Im Bereich
gehobener Ansprüche wird man sich noch gedulden müssen,
hier wird der Fortschritt von den Forderungen der Zeitungsredaktionen
diktiert, die die größte Zielgruppe für Digitalkameras
darstellen. Betrachtet man aber die Entwicklung der letzten Jahre
auf diesem Gebiet, so sollte man weder bezüglich rapide sinkender
Preise noch steigender Bildauflösung zu euphorisch sein.
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