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Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews
Ausstellung
über die Geschichte der Gebrauchsanleitung: "Erst
lesen dann einschalten!"
Artikel
erschienen in
Ausgabe April 1997
Von
Wolfram W. Pichler
Wenn
man mit dem Fahrstuhl im zweiten Stockwerk des Museums für
Post und Kommunikation Berlin ankommt, muß man ganz langsam
aussteigen und sich dann blitzschnell orientieren. Sonst hat man
die Sonderausstellung bereits nach wenigen Schritten wieder verlassen,
bevor man merkt, daß man schon drin war, und landet stattdessen
in der Dauerausstellung des Postmuseums, was allerdings auch die
eine oder andere interessante Stunde verspricht. Da wir aber diesmal
gezielt die Geschichte der Gebrauchsanleitung besichtigen wollen,
müssen wir uns mit festem Blick nach unten strikt auf dem
schmalen Laufsteg halten, der auf den Fußboden geklebt ist.
Die
Ausstellung ist in drei Räumen aufgebaut: Zuerst gelangt
man in den Durchgangsraum mit Telefonen und Dokumentation rund
ums Telefonieren, wie Anleitungen, Telefonbücher, Buchstabiertafeln
und Ausspracheregeln für Ziffern. Diese Abteilung wirkt wie
das Bindeglied zum Postmuseum. Vom Durchgangsraum gehen rechts
die beiden anderen Räume ab.
Der
Rundgang im zweiten Raum beginnt rechts mit einer tekom-Ecke.
An einem kleinen PC-Arbeitsplatz kann man die tekom-Web-Site durchsurfen,
Adressen aus der aktuellen CD-ROM "Telefonbücher"
recherchieren und Technische Zeichnungen aus 5 Jahrhunderten betrachten.
An der Wand kleben die in allen Presseberichten genüßlich
zitierten Stilblüten aus fernöstlich übersetzten
Gebrauchsanleitungen. Weitere Themen sind Spielzeug, Haushaltsgeräte
und ein Auto, alles Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Schließlich
gibt es im hinteren Bereich eine Aktionsecke, in der man nach
Ravensburger Anleitungen Papierobjekte falten kann.
Im
letzten Raum befinden sich Objekte und Zitate aus Mittelalter
und Antike, wie zum Beispiel eine Anleitung zum Bau von kommunalen
Wasserleitungen im alten Rom, garniert mit einem Foto vom Pont
du Gard bei Nîmes. Viele Objekte sind in Vitrinenwürfeln
arrangiert, die mit Packpapier umhüllt sind, das oben aufgerissen
ist und so einen voyeuristischen Schlüsselloch-Durchblick
freigibt.
"Kein
fertiges Konzept, keine umfassende Darstellung und keine einteilenden
Theorien sind zu erwarten, sondern eine Sammlung, die sich erstmals
bemüht, Licht in die Vergangenheit der Technikdokumentation
zu bringen. Wo beginnt sie? Welche Wendepunkte sind auszumachen?
Welche Einflüsse spielen eine Rolle?" Diesen Fragen
aus der Einleitung des Ausstellungs-Begleitheftes für 24
Mark (Seite 11) möchte ich meine eigenen hinzufügen:
Wo
ist der rote Faden, die Konzeption und Orientierung - in der Ausstellung
und im Begleitheft? Wie weit geht die Systematik, und wo fängt
die Beliebigkeit von Aufbau, Anordnung und Auswahl an? Wie kommen
Buchstabiertafeln und Ausspracheregeln für Ziffern zu ihrem
Übergewicht? Warum haben alle Presseberichte über die
Ausstellung offensichtlich nur den Waschzettel abgedruckt? Warum
schildert kein Organ persönliche Eindrücke? Warum findet
die Fach- und Ratgeber-Literatur der vergangenen Jahrzehnte keinen
Niederschlag, vor allem nicht die Oral History (vgl. tekom-Nachrichten
1/94, Seite 33)?
Und
warum fehlt ein Hinweis auf die Goldgrube, in der man über
100 Jahre alte Gebrauchs- und Betriebsanleitungen findet: die
Bibliothek des Deutschen Technikmuseums Berlin (dieses Museum
ist übrigens ein leuchtendes Beispiel für die sensible
und meisterliche Ausrichtung von Sonderausstellungen; vormals
Museum für Verkehr und Technik, vgl. tekom-Nachrichten 2/94,
Seite 36 f.), nur drei U-Bahn-Stationen (Wittenbergplatz - Linien
U1, U15, U2 - Gleisdreieck) entfernt?
Das
Begleitheft relativiert mögliche Fragen so: "Endgültige
Antworten wird die Ausstellung nicht geben können."
(Seite 12)
Info:
Museum
für Post und Kommunikation Berlin
An der Urania 15
10787 Berlin
U-Bahnhof Wittenbergplatz, Bus 119, 129, 187, 219
Tel.: 030/75016-890, Fax: -810
Noch bis 25. Mai 1997, Dienstag bis Sonntag 9 bis 17 Uhr,
Eintritt frei
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