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Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews
Fotografie
in der Technikredaktion ein Ratgeber für Redakteure
und Entscheidungsträger
Artikel
erschienen in
Ausgabe April 1997
Von
Ulrich Thiele
Inhaltsübersicht:
Angesichts
der technischen Fortschritte bei Digitalkameras, bei moderner
Bildverarbeitungssoftware und bei hochqualitativen Vervielfältigungs-Möglichkeiten
erlebt die Fotografie als Visualisierungsmittel in Technikdokumentationen
eine nicht zu übersehende Renaissance. Der alte Streit
Strichgrafik gegen Fotos scheint im Sinne einer vernünftigen
Symbiose ausgestanden.
Dieser
Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Erstellung von
Technikfotos durch den Technikredakteur, sowohl von der Kosten/Nutzen-Seite
als auch von der Seite des fotografischen Know-hows. Das Thema
Bildverarbeitung für Technikredakteure ist einem späteren
Artikel dieser Serie vorbehalten.
Soll er - oder soll er nicht?
Technikredakteure
werden vor allem in kleineren Dokumentationsabteilungen, zu Generalisten
mit hohem Perfektionsgrad: Nicht nur zielgruppengerechtes Schreiben
mit technischem Background, Normenbeherrschung und Detailkenntnisse
in Satz und Layout sind verlangt, sondern dank der zunehmenden
Komplexität der EDV-Umgebung auch noch fundierte Computer-Erfahrungen.
Und jetzt soll man auch noch selber fotografieren?
Zunächst
das Kontra:
- Investition
in eine geeignete Fotoausrüstung
- Investition
in zusätzliche Computer-Hardware und Bildverarbeitungs-Software
- Zeitaufwand
für das Einarbeiten in die Technikfotografie, die Bilddigitalisierung
und die elektronische Bildverarbeitung
Jetzt das
Pro:
- Kostenersparnis
durch das Entfallen der Beauftragung externer (oder hausinterner)
ausgebildeter Fotografen.
Zeitersparnis: Der Redakteur muß für den Fotografen
nicht mehr Regisseur spielen und ihm über die Schulter
gucken", um die gewünschten Detailaufnahmen zu erhalten.
- Optimale
Auswahl der Motive dank des Fachwissens des Technikredakteurs
- Mehr Flexibilität
bei der Temingestaltung: Der fotografierende Redakteur kann
entsprechend dem Baufortschritt eines technischen Objektes die
für die Dokumentation benötigten Details fotografieren
und unmittelbar verwenden.
- Eigentlich
kann jeder technische Objekte fotografieren. Denn Knipsen im
Urlaub tut ja auch (fast) jeder; warum also sollte es für
einen Technischen Redakteur nicht möglich sein, mit den
notwendigen Tips seine Gerätefotos für die Technikdokumentation
selbst herzustellen?
Im folgenden
möchte ich zeigen, daß die Gegenargumente im Rahmen
einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung nicht stichhaltig sein
müssen: insbesondere lassen sich die Investitions- und Einarbeitungskosten
bei vernünftiger Auswahl der Fotoausrüstung und bei
Anwendung nur einiger weniger systematischer Arbeitsschritte beim
Fotografieren und bei der Bildverarbeitung reduzieren.
Digital oder chemisch?
Digitalkameras
liegen im Trend der Zeit, ihre Qualität wird aber im wesentlichen
von den Consumeranforderungen bestimmt. Nur sehr teure Digitalkameras
bieten die für Technikfotografie unerläßliche
Spiegelreflextechnik, die geforderte Bildauflösung und einen
separaten Blitzgeräte-Anschluß. Eine ausführliche
Bewertung digitaler Kameras für die Verwendung in Technikredaktionen
finden Sie in der Ausabe
Dezember/Januar der doculine news oder unter http://www.thiele-dokumentation.de.
Derzeit sind
aus Gründen der Kosten-/Qualitäts-Betrachtung nur herkömmliche
Kleinbild-Spiegelreflexkameras für die Erstellung von Aufnahmen
zur Übernahme in Dokumentationen geeignet. Eine komplette
Ausrüstung könnte man so definieren:
- Kameragehäuse
Spiegelreflex, möglichst ohne Autofokus und Belichtungsautomatik.
Kostenpunkt: unter 1.000 Mark
- Normalobjektiv,
Weitwinkelobjektiv (kein Zoom!), Kosten: zusammen etwa 1.000
Mark
- optional
für schwierige Objekte: Shiftobjektiv, Makroobjektiv...,
Kosten ab 1.000 Mark
- großes
Stabblitzgerät, Kosten: etwa 500 Mark
- Zubehör
zu Stabblitz: Reflektor oder Lichtverteiler, Kosten: etwa 50
Mark
- alternativ:
professionelles Studioblitzgerät mit Kabel, Schirmreflektor,
Stativ und Zubehör. Kosten: etwa 2.000 Mark
- genormte
Graukarten zur Belichtungsmessung, Kosten: 50 Mark
- alternativ:
externer Belichtungsmesser, Kosten 500 Mark
Als Film
verwendet man einen Farbnegativfilm mit 200 ASA. Kommt es auf
besonders hohe Qualität an, so geht man zum Diafilm über,
der später kostengünstig auf Kodak-Photo-CDs übertragen
werden kann.
Beleuchtung
Tageslicht
und Mischlicht
Das
am Aufnahmeort zufällig vorhandene Umgebungslicht ist in
der Regel wegen ungleichmäßiger Ausleuchtung, falscher
Lichtrichtung und zu geringer Intensität nicht für die
Technikfotografie geeignet.
Ideale
Verhältnisse schafft man durch gezieltes Kunstlicht, das
möglichst nicht durch Fremdquellen verfälscht wird.
Kunstlicht erzeugt man entweder mit Spezial-Glühlampen oder
mit Blitzlicht.
Lichtform
Die
genannten Lichtquellen sind (nahezu) punktförmig. Das unerwünschte
Ergebnis sind harte Schatten und scharfe Reflexe. Man strebt also
eine Lichtverteilung auf eine möglichst große Lichtaustrittsfläche
am Beleuchtungskörper an. Dazu kann man Schirm-Reflektoren
am Blitzlicht verwenden oder auch indirekt gegen größere
weiße Flächen blitzen.
Lichtaufbau
Grundsätzlich
sollte man die Lichtquelle nicht in der Nähe der Kamera installieren.
Damit erhält man zwangsläufig unerwünschte Reflexe.
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Abb.
1a: Unerwünschte Reflexe durch harte Beleuchtung direkt
neben der Kamera. Es ist unmöglich, die Beschriftung
der Regler zu entziffern; sie ist völlig überstrahlt.
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Abb.
1b: Reflexe sicher vermeiden durch weiche Beleuchtung (große
Lichtaustrittsfläche) von der Seite. Hier: Hauptlicht
gegen weiße Fläche geblitzt von links, Styroporplatte
als Reflektor von rechts.
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Vor
allem aber wird jede Schattenbildung vermieden, die erst die Tiefe
von Konstruktionsteilen aufzeigt. Schattenlose Aufnahmen lassen
die Struktur von Maschinen nicht erkennen!
Die
Lichtquelle soll möglichst nahe am Objekt stehen, da mit
wachsendem Abstand das Licht an Härte zu- und an Ausbeute
abnimmt. Optimal ist die Plazierung einer zweiten Lichtquelle
oder einer weißen Reflektorfläche gegenüber der
Hauptlichtquelle.
Belichtung
Technische
Oberflächen unterscheiden sich bezüglich der Lichtreflexion
von den Normbedingungen, unter denen die in Kameras eingebauten
Belichtungsmesser geeicht sind. Diese messen nämlich nur
dann richtig, wenn die Objektoberfläche gleichförmig
grau mit einer Dichte von 18% angelegt ist.
Für
die Technikfotografie ist daher ein externer Belichtungsmesser
nötig, um das tatsächlich auf das Objekt auftreffende
Licht zu messen. Eine Alternative sind sogenannte Graukarten,
mit deren Hilfe man mit dem kameraeigenen Belichtungsmesser ebenfalls
das auf das Objekt auffallende Licht direkt messen kann.
Bei
korrekter Messung wird der Belichtungsmesser unmittelbar vor der
Objektfläche plaziert, die Meßzelle weist genau auf
das Kameraobjektiv.
Verzerrungen
Perspektivische
Verzerrungen (stürzende Linien)
Stürzende
Linien können bei der Technikfotografie kaum toleriert werden.
Sie entstehen immer dann, wenn die Filmebene nicht parallel zur
Objektebene ausgerichtet ist.
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Abb.
2: Perspektivische Verzerrungen durch Neigen der Kamera
(links). Die Filmebene muß parallel zur Objektfront
ausgerichtet werden (rechts). Als Alternative bei großen
Objekten, bei denen die Neigung der Kameraachse keine Lösung
darstellt (Architektur, große Prozeßanlagen),
helfen Spezialobjektive (Shift-Objektive).
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Zwei
Methoden zur Vermeidung:
- Ausrichtung
der Kamera: Filmebene parallel zur Betrachtungsebene der Maschine.
In der Praxis bedeutet dies meistens: die Filmachse parallel
zur Objektfront ausrichten.
- Spezialobjektive:
sogenannte Shift-Objektive erlauben die Parallelverschiebung
des Objektivs in bezug zur Filmebene; dadurch können stürzende
Linien meistens vollständig ausgeglichen werden.

Wirtschaftlichkeit bei der Technikfotografie
Die moderne
Bildnachbearbeitung bietet umfangreiche Möglichkeiten zum
Ausgleich auch grober Fehler bei der Fotografie. Jedoch kann man
bei vertretbarem Zeit- und Kostenaufwand nicht alles reparieren,
was bei der Aufnahme daneben gegangen ist.
Vor der Aufnahme
sollte man bereits eine Fehler-/Kostenabschätzung durchführen,
um die Gesamtkosten aus Aufnahmeaufwand und Nachbearbeitungsaufwand
zu minimieren.
- Beispiel
Freistellung: Das Transportieren einer unhandlichen Maschine
in ein Studio oder einen anderen Raum mit geeignetem Hintergrund
kann oftmals teurer sein, als die spätere Freistellung
in der elektronischen Bildverarbeitung.
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Abb.
3: Nachträgliche Freistellung und Retusche:
Das bei üblichemHallenlicht (von oben) aufgenommene
Foto (links) wurde infolgenden Schritten bearbeitet:
Retusche des Kranhakens,Freistellen und neuen Hintergrund
einfügen, Farb- undKontrastkorrekturen, Aufhellen
des Mittelteils (Kammer),perspektivisch entzerren.
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- Beispiel
verdeckte Maschinenteile bei Großanlagen oder fehlende
Komponenten bei Prototypen lassen sich meistens bei der Aufnahme
nicht korrigieren: Hier sollte man überlegen, ob nicht
eine fotorealistische Computerdarstellung die sauberste Lösung
darstellt.
- Beispiel
Oberflächenfehler: Elektronische Retuschen lassen sich
häufig einfacher durchführen als Neulackierungen.
- Beispiel
ungleichmäßige Beleuchtung oder unerwünschter
Schattenwurf: Das sind für die EBV in der Regel harte Nüsse,
die auch nicht immer befriedigend geknackt werden können.
Oftmals bleibt nur die Lösung einer fotorealistischen Computerillustration.
- Beispiel
Farbstiche: Hier sind die EBV-Kosten in der Regel niedriger
als der Lichtaufwand zur Vermeidung bei der Aufnahme.

Vervielfältigung von Fotografien in Technikdokumentationen
Erzielte
man bislang bei der Vervielfältigung von Technikdokumentationen
mit eingebundenen Fotos nur im Offsetdruck brauchbare Ergebnisse,
so hat sich dies mit der Verbreitung digitaler Druckverfahren
gänzlich geändert:
- Die Reproduktion
von Fotos mit üblichen Laserdruckern (Auflösung 600
dpi) erfüllt alle Forderungen an die Qualität der
Technikdokumentation mit eingebetteten Fotos.
- Digitale
Druckverfahren können Technikdokumentationen auch in Kleinauflagen
von 50 bis zu 700 Stück wirtschaftlich drucken. Durch diese
Verfahren ist es im Vergleich zum Fotokopieren erst möglich,
Halbtonbilder in unverminderter Qualität wiederzugeben.

Fazit - Ja, Technikfotografie ist für Redakteure machbar
und sinnvoll!
Mit einigen
Tips und Tricks, einer handelsüblichen Fotoausrüstung
und etwas Übung kann auch der Technikredakteur Fotografien
guter Qualität zum Einbinden in Dokumentationen herstellen.
- Mit zusätzlichen
(Blitz-)Leuchten kann man das Umgebungslicht soweit korrigieren,
daß eine gute Objektausleuchtung erreicht wird.
- Störende
Reflexe vermeidet man durch großflächige Reflektoren
und geschickte seitliche Aufstellung der Lichtquellen.
- Zur korrekten
Lichtmessung verwendet man einen externen Belichtungsmesser.
- Stürzende
Linien aufgrund perspektivischer Verzerrungen vermeidet man
durch Ausrichten der Filmebene parallel zur Betrachtungsebene
oder durch Spezialobjektive.
- Mit den
modernen Methoden der elektronischen Bildverarbeitung lassen
sich Aufnahmefehler häufig korrigieren. Vor der Aufnahme
ist eine Nutzen-/Aufwandsbetrachtung für die Korrektur
absehbarer Aufnahmefehler durchzuführen.
- Die eingeführten
Digitaldruck-Verfahren zur Vervielfältigung von Technikdokumentationen
lassen eine verlustfreie Reproduktion von Fotografien zu.

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