Fachbücher

 
  Programm
Appetithappen
Bestellung

 

doculine Archiv

  Übersicht
Index
Autoren
Streifzüge

 
 

Service

 
  transline tecNews
Suche
Impressum
 

Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews

KMU-Kooperation über Telearbeit – Wie theoretisch eigentlich alles kompatibel ist, in der Praxis aber Murphy´s Gesetze gelten

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Mai 1997

Von Wolfram W. Pichler und Ulrich Thiele

Inhaltsübersicht:


Der Fall

Ein Konzern H in Frankfurt am Main beauftragt den Dienstleister T in Alzenau mit der Erstellung einer ca. 30seitigen Datenblattbroschüre.


Die Bedingungen

Der Auftragnehmer erhält vom Kunden H Text-Manuskripte, eine Word-Musterdatei als Layoutvorgabe, Fotos und Vektorgrafiken im DXF-Format. Die Broschüre mit Texten, Tabellen, Vektor- und Pixelgrafiken ist auf Datenträger als MS-Word-Datei für Windows abzuliefern.


Der Preis

Der Auftragnehmer mußte sich auf eine Honorarobergrenze einlassen, die nichts mit Leistungsentgelt zu tun hat, sondern im Nachhinein lediglich als kleines Ehrengeld (daher der Name Honorar: pecunia honoris causa) angesehen werden kann.


Die Kooperation

Dienstleister T in Alzenau zieht für die Grafikkonvertierung und die Textbearbeitung Dienstleister P in Berlin hinzu. Dienstleister T steigt in die Archive von Konzern H und sammelt Papiere und Dateien. Daraus entwickelt er einen Arbeitsplan in Form einer Excel-Datei, nach dem Dienstleister P die Detailarbeiten durchführt. Am Ende überprüft T die von P gelieferten Dateien, fügt die Zeichnungen und Fotos in die Word-Datei ein und paßt das Word-Layout an die Vorgaben des Kunden an.

Der DTP-Arbeitsplatz bei T:

PC, Pentium Pro mit 200 MHz, 128 MB RAM, 7 GB Festplatte, OS Windows NT, CorelDraw 6.0, MS Word 6.0, PhotoShop 3.0, Scanner HP Scanjet, V.34-Modem, T-Online-Account

Der DTP-Arbeitsplatz bei P:

Apple Macintosh IIfx, 25 MHz, 16 MB RAM, 400 MB Festplatte, MacOS 7.5.3, FreeHand 5.5, MS Word 5.1, V.34-Modem, Internet-Shell-Account, Eudora 1.5.1


Der Projektablauf

Der Excel-Projektplan enthält eine Auflistung aller Textbausteine, Grafiken und Fotos, die das fertige Produkt enthalten wird, und zu jedem Baustein eine Statusbeschreibung mit Verlaufskontrolle. Der Projektplan wird an den Kunden H zur Freigabe weitergegeben und dient als Fahrplan für den Projektablauf – rückblickend ein hervorragendes Werkzeug für die Abstimmung mit Kunde und Partner.

Die Fotografien wurden als Retuschen oder (leider bereits) gerasterte Druckvorlagen vom Kunden gestellt. Gerade letztere bedeuteten hohen Arbeitsaufwand bei der Nachbearbeitung. Als dritte Kategorie wurden Dateien mit Aufnahmen von einer Digitalkamera zur Verfügung gestellt, die aber aufgrund der typischen Probleme nahezu unbrauchbar waren: Die Auflösung reichte für die vorgesehene Bildgröße von 4 x 5 cm nicht aus, die Kanten der abgebildeten Objekte waren treppenförmig. Details waren verschwommen und mit Artefakten versehen, ähnlich wie man es bei einer überkomprimierten JPG-Datei sehen kann.

Die Vektorgrafiken wurden als Dateien im DXF-Format beigestellt und bedeuteten letztlich das wirtschaftliche Scheitern des Projektes. Doch davon später mehr.

Die Abstimmung zwischen T und P lief überwiegend über E-Mail, gelegentlich über Telefonate. Als erstes war abzustimmen, welche Vektorgrafikformate zu Windows und MacOS gleichermaßen kompatibel sind. Die Originaldateien stammten aus einem CAD-System, die T über das Format .DXF in CorelDraw importierte. Obwohl die Grafiken vergleichsweise wenig komplex waren, stieß der PentiumPro an seine Leistungsgrenzen. Der anschließende Export in das Mac-kompatible Adobe Illustrator 3.0 dauerte bis zu 45 Minuten und führte gelegentlich zum Aufhängen von CorelDraw.

So konnten die Illustrator-Dateien auf der Mac-Seite in FreeHand geöffnet und bearbeitet werden. Die nicht benötigten Konstruktionsangaben mußten entfernt werden, die Bildgröße mußte angepaßt werden und schließlich auch die Schriftgröße. Erstaunlich (und wohl verantwortlich für die Verarbeitungsprobleme) war die AUTOCAD-typische Layertechnik, wobei manche Schriftelemente identisch bis zu 255 mal übereinander lagen. Die Schriftart war im Original Arial und mußte auf der Mac-Seite in Helvetica umgewandelt werden. Nach dem Rücktransport waren auf der Windows-Seite die Umlaute verstümmelt. Die griechischen Buchstaben für Winkelbezeichnungen waren im Original in der Schriftart Wingdings formatiert und mußten auf der Mac-Seite in Symbol geändert werden – und am Ende wieder zurück in Wingdings.

T komprimierte mehrere Vektorgrafiken mit PKZIP und schickte sie als Attachment per E-Mail an P. P packte das .zip-Archiv mit ZipIt aus. Nachdem mehrmals aus einem Dateinamen wie „name.zip" auf dem Transportwege „Untitled.html" geworden war, was PKUNZIP nicht interpretieren konnte, hatte P die bearbeiteten Grafik-Dateien unkomprimiert zurückgemailt – wenn sie die Größenordnung von 1 MB erreicht hatten, mitunter auch klassisch auf Diskette per Snail-Mail.

Die Vektorgrafiken von P wurden dann wiederum in CorelDraw eingelesen und die Konvertierungs-Artefakte bearbeitet. Da Word nur wenige saubere Importfilter für Grafiken anbietet, wurde letztlich folgender Weg gefunden: Weil der Word-Import-Filter für Corel-Dateien nicht funktioniert, wurden die Grafiken als WMF aus Corel exportiert. Dabei wurden die Original-Corel-Dateien behalten, da Texte beim Export unwiderruflich in Kurven verwandelt wurden, die das spätere Bearbeiten unmöglich machen. Probleme am Rande: Einige der FreeHand-Grafiken wuchsen auf nicht-handhabbare 4,5 MB an, die Corel kaum bewältigen konnte.

Zunächst einmal funktionierte der Import der TIF- und WMF-Dateien nach Word ganz gut. Mit zunehmender Arbeitszeit wurde allerdings Word zunehmend instabiler und suchte vergeblich nach eigenen Systemkomponenten beim Bildschirmaufbau. Schließlich haben wir alle Grafiken aus Word gelöscht und nur noch als Verknüpfungen mit den Originaldateien angelegt. So blieb die Word-Datei angenehm klein, was zunächst ein Vorteil war. Allerdings bekam nach jeweils etwa einstündiger Arbeitszeit Word regelmäßig immer noch interne Probleme, die durch Neubooten des Rechners bis zur nächsten Stunde aber verschwanden. Word überraschte dann damit, daß die Verknüpfungspfade nicht änderbar sind, da Word alle Pfade absolut speichert. Das heißt: Das Portieren des Dokumentes auf ein anderes Laufwerk war nicht mehr möglich (schlecht, daß T auf seinem Rechner auf Laufwerk G gearbeitet hatte, und Kunde H die Dateien auf C benötigte). Vor Auslieferung an den Kunden H mußten alle Pfade manuell geändert werden. (Kennt jemand ein sinnvolles Workaround?)

Zum Schluß gab es noch einige massive Probleme mit Word:

  • Der Seitenumbruch verändert sich bei Word bekanntlich mit der Auswahl des Druckertreibers. Also mußten wir den beim Kunden H verfügbaren Druckertreiber installieren und im Betriebssystem als Standarddrucker anmelden. Damit war es allerdings nicht mehr möglich, das Dokument auf einem der Drucker bei Dienstleister T auszudrucken, ohne daß alle Seitenumbrüche und Grafikstände verändert wurden!
  • Obwohl die Grafiken sowohl in Corel als auch in Word auf dem Monitor korrekt angezeigt wurden, erschienen verschiedene Elemente auf dem Ausdruck beim Kunden verstümmelt: Erst auf diesem Ausdruck wurden Maßpfeile vergrößert, Beschriftungen gedreht und Schriftarten verändert. Das Problem ist leider noch nicht gelöst.
  • Auf die mittlerweile bekannten Probleme, die Word bei der Bearbeitung mit größeren Dateien und etwas anspruchsvolleren Layoutvorgaben hat, müssen wir hier nicht eingehen.



Fazit

Zu Word:

Es hat sich gezeigt, daß Word nach wie vor für wirtschaftlich zu erstellende Dokumente nicht geeignet ist. Das Argument des Kunden H, daß Übersetzer in der Regel nur über Word verfügten und somit durch die Verwendung von Word Kosten eingespart werden könnten, ist gegenstandslos angesichts der immensen Probleme bei der Erstellung der deutschen Dokumentversion. Vor Abwicklung des Auftrages waren sich die Dienstleister P und T einig, daß gegenüber typischer Dokumentationssoftware wie FrameMaker, PageMaker oder Interleaf der Mehraufwand für die Verwendung von Word etwa bei 20 % liegenwürde – nun sind wir uns einig, daß 100 % Mehraufwand wohlkaum reichen. Und dabei reden wir über ein Dokument mit weniger als 30 Seiten! Empfehlung an den Auftraggeber H, bei der Kooperation mit Dienstleistern (Übersetzern, Redakteuren...) Software und Dateiformate nach dem Stand der Technik zuzulassen!

Zu PC und MAC:

Obwohl Grafik-Dateiformate und Word auf beiden Plattformen als kompatibel gelten, bedeutete die Zusammenarbeit einen großen Mehraufwand. Dieser wäre allerdings bei Verwendung von FrameMaker oder PageMaker erfahrungsgemäß nicht aufgetreten.

Zu AUTOCAD:

Eine vernünftige Möglichkeit, selbst kleine DXF-Dateien zu bearbeiten, haben wir nicht gefunden. Man sollte sich vor diesem Format hüten.

Zur Kooperation über elektronische Kommunikation:

Abgesehen von den ZIP-Problemen ist die Zusammenarbeit über beliebige Entfernungen bei vernünftiger Projektplanung unproblematisch. Telefonate waren im Verlauf des Projektes selten. Für größere Projekte sollte man aber aus Geschwindigkeitsüberlegungen Übertragungs-Alternativen prüfen:

  • Provider oder Online-Dienst mit schneller Übertragungstechnik
  • FTP statt Internet-E-Mail
  • Mailbox
  • direkte Modem-zu-Modem-Verbindung

  Doculine durchsuchen:   

  

Empfehlenswerte Seiten zur technischen Übersetzung
von transline - Übersetzungsdienst für technische Übersetzung
technische Übersetzungen | Übersetzung Software | Software Lokalisierung
Spez. Seiten zu Sprachen
Chinesisch Übersetzung | Englisch Übersetzung | Französisch Übersetzung | Niederländisch Übersetzung | Russisch Übersetzung | Spanisch Übersetzung | Portugiesisch Übersetzung | Italienisch Übersetzung | Japanisch Übersetzung
Infos zum Übersetzungsservice transline

Übersetzungen Ihrer Patente - Dr. Sturz Patentübersetzungen

Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
© doculine Verlags-GmbH, ein Unternehmen der transline Gruppe