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Multimedia-Dokumentationen – ein Beispiel-Projekt aus der Praxis

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Juni 1997

Von Ulrich Thiele

Inhaltsübersicht:

Echte Multimedia-Anwendungen für Technikdokumentationen sind bislang eher selten, von einigen Pseudo-Projekten im Acrobat-, FrameViewer oder HTML-Format abgesehen.

Das folgende Praxis-Beispiel stellt die Multimedia-Inbetriebnahme-Anleitung eines elektronischen Antriebsregelgerätes für Aufzugsteuerungen vor.


Was sind Multimedia-Anleitungen?

Multimedia-Anleitungen sprechen verschiedene menschliche Sinne durch hörbare Sprache/Geräusche, durch extensiven Gebrauch von fotografischen Abbildungen und durch bewegte Bilder an. So erlauben Multimedia-Anleitungen die über die vorwiegend textbasierte Papierdokumentation hinausgehende zusätzliche Ansprache menschlicher Sinne, durch die eine weitaus effizientere Informationsübertragung vom Medium zum Adressaten möglich wird.

Darüber hinaus bieten Multimedia-Anleitungen interaktive Bedienmöglichkeiten: Der Adressat kann mit geeigneten Recherchehilfsmitteln exakt und auf schnellstem Wege die Informationen ansteuern, die er sucht.


Screenshots der typischen Benutzeroberfläche:

Abb. 1: Die Benutzeroberfläche einer Multimedia-Inbetriebnahme-Anleitung:
Links die fotografische Abbildung des originalen Regelgerätes mitden vier Tasten, über die auch die Bildschirmanleitung bedient wird. Darüber dasLC-Display mit dem jeweils aktuellen Anzeigetext.
Auf der rechten Seite der Überblick über die Menüstruktur mit Anleitungstexten und Einstellungsempfehlungen.


Abb. 2: Wie beim realen Regelgerät gelangt man über Tastendrücke auf die vier Bedientasten vom Hauptmenü in die entsprechenden Untermenüs. Auch hier zeigen Anleitungstexte die Bedeutung des Menüeintrages an und geben Hilfestellung bei der Parametrierung.



Das Beispiel-Projekt

Der asiatische Kunde eines deutschen Herstellers für elektronische Antriebsregelgeräte (Frequenzumrichter) forderte eine audiovisuelle Trainingsunterlage zur Ausbildung des Service-Personals. Es wurde dabei zunächst an einen Videofilm gedacht.

Jedoch schied diese Lösung aus, da unter anderem die komplexe Menüstruktur des Parametriervorganges mit ihren vielfältigen Verzweigungen nicht nachhaltig genug vermittelt werden konnte.

Schließlich wurde eine Konzeptstudie erstellt, die die Realisierung einer Multimedia-Anleitung vorsah. Auf Basis dieser Studie wird derzeit die Umsetzung durchgeführt.


Die Aufgabenstellung im Detail

Kernaufgabe ist die Vermittlung der komplexen Menüstruktur für die Parametrierung. Das Regelgerät selber wird über ein LCD-Display und vier Tasten parametriert. Die Struktur der Menübäume besteht aus 9 Hauptmenüs und etwa 30 Untermenüs, in denen Zahlenwerte und Zustandsanweisungen vom Nutzer geändert werden können.

Das Konzept sieht nun vor, die Bedienung des Reglers im Detail nachzubilden. Der Benutzer verwendet also eine Bildschirmdarstellung des LCD-Displays und vier Schaltflächen, um das Gerät "trocken" zu bedienen.

Die eigentliche Anleitung besteht aus einer zusätzlichen Orientierungs-Anzeige eines relevanten Menübaum-Ausschnittes und aus Textfenstern, die Erläuterungen zum angewählten (Unter-)Menü und zu den Parametergrenzwerten sowie vor allem Empfehlungen zur Einstellung geben.


Die Umsetzung

Ausgangsbasis für die fachlichen Informationen war die vorhandene Papier-Anleitung. Die Realisierung erfolgte mit dem Entwicklungssystem Multimedia-Toolbook von Asymetrix. Die Wahl auf dieses Paket fiel nach einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.

Dem Schlagwort "Multimedia" genügt die entstandene Anleitung - strenggenommen - nicht ganz, da außer Bildmaterial, Textboxen, einer interaktiven Benutzeroberfläche und wenigen akustischen Signalen keine typischen Medien verwendet wurden.

Man könnte diese Multimedia-Anleitung auch als "interaktiven Gerätesimulator mit On-Screen-Hilfe" bezeichnen.


Das Ergebnis

Der Anwender erhält die Multimedia-Anleitung auf zwei Disketten, die er unter den verschiedenen MS-Windows-Varianten über ein komfortables Installationsprogramm auf seinem PC installieren kann. Das Programm ist auch auf Laptop-Computern lauffähig.

Alternativ kann der Vertriebsingenieur des Herstellers mittels der Multimedia-Anleitung die Leistungsfähigkeit des Gerätes beim Kunden demonstrieren, ohne wie bislang ein funktionsfähiges Regelgerät beim Kunden installieren zu müssen.

Einen erheblichen Nutzen wird das Programm sicherlich auf Messen und Ausstellungen zeigen, wenn der "Reglersimulator" über einen Touchscreen bedient werden kann und dem Interessenten somit ein sehr realistisches "Feeling" von der Gerätebedienung vermittelt.

Schließlich erhofft sich der Gerätehersteller, daß die Telefonhotline durch diese Form der interaktiven Anleitung entlastet werden wird.

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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