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Onscreen-Dokumentation: Werkzeuge und Vorgehensweise zur Erstellung und Verbreitung

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Juni 1997

Von Dipl.-Ing. Wolfram W. Pichler

Inhaltsübersicht:


Offsetdruck oder Bildschirm

Gedruckte Gebrauchsanleitungen werden so schnell nicht vom Markt verschwinden. Aber sie bekommen heutzutage immer mehr Konkurrenz von Anleitungen, die man zunächst am Bildschirm (onscreen) lesen oder individuell ausdrucken kann, wenn man will – auch abschnittsweise oder sonstwie nach Bedarf, also on demand.

Eine Anleitung, die man am Bildschirm lesen kann, muß sich mindestens als Datei auf einem Datenträger befinden. Oder sie kann über eine Online-Verbindung aus irgendeinem firmeninternen oder globalen Netz kommen. Sobald diese Anleitung für mehr als drei Leser bestimmt ist, sollte die Datei in einem Format angeboten werden, das sich mindestens als Quasi-Standard durchgesetzt hat.


Dateiformate für Bildschirmverteilung

Dieses Standard-Format hätte folgende Kriterien zu erfüllen:

  • Es müßte plattformübergreifend und auf Betriebssystemen wie UNIX, Windows, MacOS darstellbar sein.
  • Es müßte applikationsübergreifend sein, um nicht auf jedem Rechner dieser Erde die Installation derselben Software (Word oder FrameMaker oder PageMaker oder QuarkXpress oder…) vorauszusetzen.
  • Die Software zum Lesen dieser Formate soll so gut wie keine zusätzlichen Investitionskosten verursachen.



PDF und HTML

Historisch haben sich zwei Dateiformate von zwei verschiedenen Medien her in diese Richtung entwickelt: Aus dem Umfeld der CD-ROMs ist das Dateiformat PDF (portable document format) gewachsen. Mit dem World Wide Web (WWW) ist das Dateiformat HTML (hypertext mark-up language) entstanden. Beide Formate hatten und haben in ihrem Bereich unangefochtene Vorteile, auch wenn sie sich derzeit heftig aufeinanderzubewegen und die Überschneidung der Funktionen und Möglichkeiten immer größer wird. Insofern sind die jeweiligen Vorteile schon wieder etwas relativierter zu sehen.

PDF hat den Vorteil, daß die Leser am Bildschirm oder anschließend auf dem Ausdruck die Gestaltung der "Druck"sache genauso sehen, wie die Autoren Typografie und Layout für die Seiten geplant haben. Gibt es von dieser Dokumentation zusätzlich eine Print-Version, dann ist die Übereinstimmung 100prozentig. Und: Die Dateien können gegen Veränderungen durch die Leser geschützt werden.

Die PDF-Dateien eignen sich nebenbei auch direkt zum Offset-Drucken. Anwendungsbeispiele hierfür sind Prospekte, Zeitungen, Zeitschriften, Betriebs- und Gebrauchsanleitungen sowie alle Präsentationen, für die Corporate-Design-Vorschriften keinerlei Kompromisse zulassen.

HTML hat den Vorteil, daß die Dateien bei sorgfältiger Konstruktion recht klein sein können, so daß sie in Netzen schneller geladen werden können. Bei den Lesern kann das Dokument auf jedem Bildschirm rechnerabhängig anders aussehen. Zusätzlich können die Leser das Aussehen durch individuelle Einstellungen beeinflussen, was nicht automatisch zu lesefreundlicheren Darstellungen führen muß. Anwendungsbeispiele hierfür sind kurzlebige Dokumente, die häufig gewartet, vielleicht sogar tagesaktuell aus Datenbanken gespeist werden müssen.

Beide Formate sind am Anfang dieses Jahrzehnts entstanden. HTML erfreute sich allerdings wegen des spektakulären Booms des WWW der größeren Popularität. Wer aber Gebrauchsanleitungen zu erstellen hat, sollte sich intensiver mit der PDF-Technologie auseinandersetzen – und sei es nur, um Dateien komfortabel an Offset-Druckereien zu transportieren.


Adobe Acrobat Software

PDF wurde von Adobe Systems Inc. aus dem PostScript-Format entwickelt. Als Anwender-Applikation brachte Adobe die Acrobat-Software für DOS, Windows, UNIX und MacOS heraus, die aus mehreren Modulen zum Konvertieren, Bearbeiten und Lesen/Drucken besteht. Den Acrobat Reader 3.0 zum Lesen/Drucken für die Betriebssysteme MacOS, Windows, SunOS, Solaris, HP-UX, Silicon Graphics IRIX, IBM AIX verteilt Adobe kostenlos auf CD-ROM (Tel. 0 89 - 32 18 26 - 0) und über das WWW http://www.adobe.de/. Er blickt inzwischen auf eine installierte Basis von über 20 Millionen zurück – mit täglich steigenden Zuwachsraten.



So erzeugen Sie PDF-Dateien

Sie können PDF-Dateien erzeugen aus Ihren ganz normalen DTP-Dateien und dafür zunächst Ihre Lieblings-Satz- und -Layout-Software benutzen oder auch vorhandene DTP-Dateien konvertieren. Gehen Sie dabei so vor:

  1. Erzeugen Sie die Gebrauchsanleitung mit einer postscriptfähigen Text- oder Layout-Software Ihrer Wahl. PageMaker und FrameMaker organisieren Inhaltsverzeichnis und Index so, daß später in der PDF-Datei ein Klick auf das Stichwort sofort per Hyperlink zu der richtigen Stelle im Text führt.
  2. Bestimmen Sie das Seitenformat so, daß es den Onscreen-Ansprüchen gleichermaßen gerecht wird wie den Print-Ansprüchen, zum Beispiel "DIN A5 Quadrat", also 21 x 21 cm statt DIN A4.
  3. Achtung: Sichern Sie die Text- oder Layout-Dateien nicht nur im applikationseigenen Format, sondern zusätzlich im PostScript-Format (= "auf die Festplatte drucken").
  4. Wandeln Sie die PostScript-Dateien mit Adobe Acrobat Distiller in PDF-Dateien um. Danach benötigen Sie die großen PostScript-Dateien nicht mehr, Sie können sie also löschen.
  5. Wenn Ihnen die (Quer-)Verweise, die Sie bereits aus Ihrer Satz- und Layout-Software übernommen haben, nicht ausreichen, können Sie nun mit Acrobat Exchange zusätzliche interne Links und WWW-Links einbauen.
  6. Geben Sie die PDF-Dateien auf Datenträger heraus oder stellen Sie sie ins WWW ein.


Beispiele für PDF im WWW

Frühe Beispiele für PDF im WWW waren die Tageszeitung Libération bereits seit 1993 und die New York Times. Ein Unternehmen für Kommunikationstechnik hat die Gebrauchsanleitung für seine ISDN-Anlage als PDF-Datei ins WWW eingestellt*. Diese Anleitung liegt 1:1 als Papiervariante vor mit 64 Seiten DIN A5 Hochformat.

Schließlich finden Sie meine Broschüre über das Erstellen von Qualitätsanleitungen* ebenfalls als PDF-Dateien im WWW. Auf dieser HTML-Seite finden Sie ein Dutzend anklickbare PDF-Dateinamen, über die Sie sich die einzelnen Kapitel herunterladen können. Insofern ist diese Seite ein gutes Beispiel für das kombinierte Anwenden von HTML- und PDF-Technologie.

Und wenn Sie HTML direkt mit PDF vergleichen wollen, dann klicken Sie auf onscreen.pdf. Damit laden Sie sich diesen Beitrag, den Sie hier gerade im HTML-Format lesen, als PDF-Datei. Aber Achtung: Dieser Dateiname ist nur auf der HTML-Seite verlinkt, nicht in der PDF-Datei, denn es ergäbe ja keinen Sinn, dieselbe Datei aus sich selbst heraus herunterzuladen.

Ich habe diese PDF-Datei zunächst in PageMaker 6 aufgebaut. DasSeitenformat entspricht einem 9-Zoll-Bildschirm im Querformat. Damit ist das Dokument auch noch in handelsüblichen Labtops vernünftig lesbar.


Acrobat 3 in Netscape 3

Wenn Sie Netscape Navigator 3+ benutzen und das Plug-In PDF-Viewer installiert haben, können Sie PDF-Dokumente direkt im Netscape-Fenster betrachten –einschließlich aller Acrobat Reader-Navigations-Buttons. Wenn Sie jedoch Online-Zeit sparen wollen, können Sie Ihren Netscape Navigator so konfigurieren, daß PDF-Dateien nicht direkt angezeigt, sondern auf Ihre Festplatte kopiert werden.


Dicke PDF-Bücher auf CD-ROM

Einen weiteren Anwendungsfall für die PDF-Technologie bereitet derzeit ein anderes Unternehmen für Kommunikationstechnik vor. Es beabsichtigt, mehrere Service-Handbücher für ein Kommunikations-System in zwei Sprachen auf einer CD-ROM unterzubringen und einige Hundert davon an seine Vertragswerkstätten im In- und Ausland zu verteilen.

Die 2 x ca. 1.500 Seiten liegen bisher schon als FrameMaker-Dateien und in gedruckter Form im "DIN A5 Quadrat"-Format vor. Sie müssen buchweise destilliert und in Acrobat Exchange nachbearbeitet werden, um die Seitenminiaturen zum komfortablen Springen und eventuelle zusätzliche Links zu erzeugen. Über allem muß wieder eine Acrobat-Datei als Benutzerschnittstelle zum Navigieren durch den Seiten-Urwald eingerichtet werden. Die CD-ROM soll hybrid per MacOS und Windows lesbar sein.


Redaktionelle Gruppenarbeit

Man stelle sich ein virtuelles Unternehmen vor, sagen wir: einen Spezialverlag. Der Verlag sei in Reutlingen ansässig, die Redaktion operiere von Stuttgart aus, und die Autoren von Berlin, Hannover, Frankfurt – kurz: von überall. Für die Manuskriptbearbeitung sei ein Verfahren festgelegt, das eine stufenweise Be- und Verarbeitung Autor–Redaktion–Autor–Redaktion–Verlag vorsieht.

In diesem Fall kommt die Möglichkeit von Acrobat Exchange groß heraus, an jede beliebige Stelle des Manuskripts und der vorbereiteten Druckvorlage Notizzettel anzuheften, wie diesen hier:

Jeder Organisationseinheit werden Notizzettel mit eigenem Namen und eigener Farbe zugeteilt, so daß alle Beteiligten erkennen, von welcher Stelle Anregungenund Bedenken vorgetragen wurden.

Wie schön papierlos und per E-Mail overnight können mit diesem Verfahren Verlagsprojekte – und jedes andere Workgroup-Publishing – abgewickelt werden!

 

 

 

* URL ist inzwischen nicht mehr verfügbar, daher wurde dieser externe Link deaktiviert.

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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