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High-Tech auf der grünen Wiese – Bericht von der tekom-Fachtagung T.I.E.M. ‘97

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Juli 1997

Von Alexander von Obert

Inhaltsübersicht:

Schon seit vielen Jahren veranstaltet die tekom jährlich zwei Weiterbildungsveranstaltungen für Technische Redakteure. Seit 1990 kam fast jedes Jahr eine Fachtagung speziell für die Ersteller elektronischer Dokumente hinzu – anfangs unter dem Titel "Fachtagung Online-Dokumentation", zuletzt als "T.I.E.M. – Technische Information in elektronischen Medien". Der Namenswechsel zeigt, wie sehr sich dieser Bereich weiterentwickelt hat. Dieses Jahr wurde das besonders deutlich, weil 1996 keine Tagung zustande kam. Von HTML und World Wide Web war im Tagungsband von 1995 noch nicht die Rede.

Dieser Beitrag kann nur einige Schlaglichter auf die Vorträge, Tutorials und Workshops werfen, die sich um Themen wie SGML, Publizieren im Web, benutzer-orientiertes Design oder das ESPRIT-Projekt Metodoc drehten.

Speziell sei aber auf den Tagungsband verwiesen, der über die tekom-Zentrale erhältlich ist. Papier ist gerade für solche Werke immer noch ein sehr günstiges Medium. Dem Tagungsband liegt auch eine CD-ROM bei, die den Tagungsband in drei unterschiedlichen elektronischen Fassungen enthält.

Der große Wermutstropfen sind die Kosten dieser Veranstaltungen: Spätestens mit einem der extra zu bezahlenden Workshops gehen die Kosten weit über die 1000 DM-Grenze hinaus. Da fragt man sich unwillkürlich, worin sich ein kommerzieller Seminaranbieter von einem gemeinnützigen Verein wie der tekom unterscheidet. An den Kosten der Tagung wird es kaum gelegen haben, da viele der Organisatoren und Referenten ehrenamtlich tätig waren.

In die gleiche Richtung gehen auch die Gedanken einer Studentin, die sich eine – für sie bezahlbare – Teilnahme ziemlich erkämpfen mußte.

Falls Sie mit Organisatoren und Teilnehmern der T.I.E.M.-Tagung diskutieren möchten, bietet sich die Mailingliste t-sigonl an – ohnehin ein interessantes Medium für alle, die sich mit elektronischer Dokumentation befassen.


Schlaglichter von der T.I.E.M.

Breiten Raum nahm die Gestaltung von Multimedia-Dokumenten ein: Von der Typografie über die Bewältigung komplexer Informationsstrukturen bis zu Erfahrungen bei der Akzeptanz multimedialer Produktkataloge reichte das Spektrum.

Zahlreiche Beispiele aus der Praxis zeigten gangbare Wege zur Dokumentation im Inter- und Intranet. Mittlerweile gibt es viele Automatisierungsansätze, die entweder den Erstellungsaufwand verringern, die Navigation erleichtern oder völlig neue Möglichkeiten aufzeigen – etwa die Dokumentation eines großen Netzwerkes, die sich bei Bedarf über das Netz mit den aktuellen Details versorgt.

Wenigstens für eine längere Übergangszeit werden wir mit Medienbrüchen leben müssen, denn so manche papierene Altlast muß in elektronische Dokumente eingefügt werden. Hierzu wurden verschiedene Möglichkeiten präsentiert, vom Faksimile im PDF-Format bis zum SGML-Konverter.

Die inhaltliche Auszeichnung von Dokumenten ermöglicht zunehmende Automatisierung bei der Dokumenterstellung. Das geht von der automatischen Linkverwaltung in HTML-Dokumenten bis zum Datenbank-Publishing für Kataloge. Viele dieser Systeme benutzen HTML, die ganz großen auch SGML.

Wer sich dem Thema SGML nähern wollte, fand reichlich Gelegenheit. Einige Workshops und Tutorials gingen das Thema einige Schritte konkreter an als die üblichen Schlagwortsammlungen. Ein Vortrag zeigte anhand eines Beispiels, für welche Zwecke SGML ein geeignetes Dokumentationswerkzeug ist: pro Produktgeneration und Sprache 20.000 Seiten, 60.000 Links, 400 Dokumente.

Ganz anders sieht es bei der Verwandtschaft HTML aus: Dieses SGML-artige System entwickelt sich immer weiter von der reinen SGML-Lehre weg und erlebt zum guten Teil eben deshalb einen riesigen Aufschwung.

Vorgestellt wurden auch zwei EG-Förderprojekte:

  1. Die Europäische Gemeinschaft versucht, den Bereich "Inhalte in Multimedia" zu fördern. Im Programm INFO2000 stehen 65 Mio. ECU (rund 150.000 DM) für den Zeitraum 1996 bis 1999 bereit.
  2. Methodik und Werkzeuge zum Erstellen multimedialer Dokumentation fördert die EG im Rahmen des Metodoc-Projekts. Als assoziierter Partner ist hier auch die tekom beteiligt – ihr zweites Engagement in einem EG-Projekt.


Bezug des T.I.E.M.-Tagungsbandes

Der Tagungsband ist bei der tekom-Zentrale zum Preis von DM 50,- plus Versandkosten erhältlich (ca. 340 Seiten, 1 CD-ROM mit drei elektronischen Fassungen des Tagungsbandes, ISBN 3-7950-4400-6, Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck).


Elektronische Fassungen des T.I.E.M.-Tagungsbandes

Die Papierfassung des Tagungsbandes wurde mit Framemaker erstellt. Dabei wurde bereits darauf geachtet, daß die Umsetzungen nach HTML und vor allem SGML möglichst einfach wurden. Dies bedeutete das Auszeichnen nach einer strikten inhaltlichen Struktur.

Die dem Tagungsband beigelegte CD-ROM enthält drei unterschiedliche elektronische Fassungen:

  1. eine Acrobat-Version
  2. eine SGML-Version
  3. eine HTML-Version

Am schnellsten war die Acrobat-Version zu erstellen. Von den rund eineinhalb Arbeitstagen beanspruchte das Erstellen der Stichwortliste schon die Hälfte. Diese elektronische Fassung sieht bis in die Details so aus wie die Papierfassung. Nach Aussage des Autors ist die Acrobat-Fassung die aktuellste und vollständigste: Aufgrund der einfachen und schnellen Umsetzung konnte er hier bis zum letzten Moment eingreifen.

Die SGML-Version macht optisch am wenigsten her, ihre Qualitäten liegen unter der Oberfläche und erschließen sich bei einem Werk wie dem Tagungsband kaum. Die benutzte Volltext-Datenbank kann ihre Stärken auch erst bei viel größeren Dokumentmengen und bei der langfristigen Pflege solcher Bestände ausspielen.

Die HTML-Variante ist eine Kombination aus einem mit HTML verwirklichten Navigationssystem und darin eingehängten Acrobat-Dokumenten mit den einzelnen Vorträgen. Diese Kombination ist die Folge der speziellen Stärken und Schwächen des Autorensystems Schematext: Durch einen objektorientierten Ansatz erstellt Schematext jenseits von 80% der eingefügten Links algorithmisch. Der Autor definiert die Struktur des Systems und setzt damit schon die Mehrheit der manuell erzeugten Links. Schematext konnte die Framemaker-Seiten aber schlecht importieren, da war gerade unter dem Zeitdruck beim Erstellen des Tagungsbandes der Umweg über Acrobat ein guter Kompromiß. Nebenbei lassen sich so die Vortragstexte leicht gegen Veränderungen schützen, was bei HTML unmöglich wäre.


Die T.I.E.M. aus studentischer Sicht

von Anke Wübbenhorst

An den Nachwuchs der Technischen Redakteure und das Umfeld dieses Berufes scheinen die tekom und die Organisatoren der T.I.E.M.-Tagung nicht ernsthaft zu denken. Meine Kritik geht in Richtung Finanzierbarkeit solcher Veranstaltungen für Studenten sowie Werbung an den Universitäten.

Ich bin Studentin der Technischen Universität Berlin im Studiengang Medienberatung. Von der tekom und der Frühjahrstagung vor Ort erfuhr ich nur durch Claus Noack, den Vorsitzenden der tekom, der bei uns als Dozent wirkt. Erst auf der Frühjahrstagung in Berlin erfuhr ich von der T.I.E.M. im Schwarzwald.

In der Vergangenheit gab es wohl für Studenten kostenlose Plätze für die tekom-Tagungen. Auf der T.I.E.M. war es mir erst auf spezielle Anfrage möglich, kostenermäßigt teilzunehmen. Ohne die tatkräftige Unterstützung von Bosch Telecom Berlin, wo ich zur Zeit meine Diplomarbeit schreibe, hätte ich die Kosten der Tagung allerdings trotzdem nicht tragen können.

Man sollte den Studenten und anderen Berufseinsteigern solche Tagungen schmackhafter machen und ihnen überhaupt die Möglichkeit der Teilnahme bieten. Diese Möglichkeiten, viel Wissen über Leute im beruflichen Alltag zu erwerben, Kontakte zur Industrie zu knüpfen sowie Diskussionen über praxisrelevante Probleme beiwohnen zu können, müssen den Studenten nähergebracht werden. Kostengünstige Unterkünfte und Fahrgelegenheiten wird sich der Student in der Regel selbst besorgen können.

Genug der Kritik, es gibt noch einige sehr positive Sätze zu sagen:

  • Der Tagungsablauf war ausgesprochen gut organisiert. Man fühlte sich zu jeder Zeit gut betreut.
  • Die Vorträge waren für mich sehr ergiebig und ich denke, ich habe sehr viel Wissen und einen guten Überblick über viele Problematiken mit nach Berlin genommen.
  • Meine Fragen zu Begriffen, strukturellen Unklarheiten und Meinungen konnte ich immer schnell in den Diskussionen zwischen den Vorträgen klären.
  • Die Atmosphäre war so, daß ein guter Erfahrungsaustausch stattfinden konnte.

In dieser Umgebung, so denke ich, fällt es einem Laien relativ leicht, sich zu bewegen, zuzuhören und eben mitzudiskitieren. Das hatte ich nicht unbedingt so erwartet.

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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