Fachbücher

 
  Programm
Appetithappen
Bestellung

 

doculine Archiv

  Übersicht
Index
Autoren
Streifzüge

 
 

Service

 
  transline tecNews
Suche
Impressum
 

Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews

Online-Hilfe: RTF oder HTML? – Bericht von der Windows Help Conference Europe ’97

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Juli 1997

Von Petra Ntoufas

Inhaltsübersicht

Im Juni fand in London erstmals die Windows Help Conference Europe statt – ein paar Monate nach der etablierten "großen Schwester" in den USA. Durch sie soll von nun an auch in Europa alljährlich interessierten Help-Autoren, Technischen Redakteuren, Software-Entwicklern etc. ein Forum für Online-Hilfe geboten werden.

Nachdem Microsoft im vergangenen Jahr angekündigt hatte, das auf dem RTF-Format basierende Windows Help durch ein Hilfesystem auf HTML-Basis abzulösen, verbreitete sich Unsicherheit in der Gemeinde der Ersteller von Online-Dokumentationen: Fragen wie "Müssen wir nun wechseln?", "Was kommt dabei auf uns zu?", "Müssen wir HTML lernen?", "Was würde uns ein Wechsel bringen?" kamen auf.

Folgerichtig war HTML-basierte Online-Hilfe auch das beherrschende Thema der Konferenz, zumal diese fast gleichzeitig stattfand mit der Herausgabe von Microsofts neuer Help-Technik Ende Mai. Die Vorträge und Podiumsdiskussionen beleuchteten Aspekte wie die Unterschiede zwischen Windows Help und HTML-basierten Hilfesystemen, die Konversion in HTML Help oder die bei einer Umstellung zu beachtenden Kriterien. Daneben wurden auch Fragestellungen zu Lokalisierung und Intranets behandelt sowie einige prämierte WinHelp-Designs vorgestellt.

Netscape ist Microsoft im Kampf um die Vorherrschaft auf dem Online-Markt nachgezogen und präsentierte das ebenfalls auf HTML basierende Hilfesystem NetHelp. Außerdem erhielt man einen kurzen Überblick über das Java-basierte Hilfesystem, das momentan bei Sun Microsystems entwickelt wird.

Es scheint, als bahnten sich große Veränderungen an für die Online-Dokumentation, und manch einer mag den Zwang zum Mit-Ziehen verspüren. Oder ist das alles noch gar nicht so wild, und man sollte nicht in Hektik verfallen?


Unterschiede zwischen HTML-basierter Online-Hilfe und Windows Help

Die Vorteile eines Online-Hilfesystems, das auf dem HTML-Format basiert, liegen auf der Hand: Es erlaubt

  • größere Interaktivität (durch den möglichen Sprung ins WWW oder Intranet)
  • eine dynamische Client-Server-Architektur
  • die Integration von Web-Techniken
  • eine einfachere Navigation (durch ein eingebettetes Inhalts- und Stichwortverzeichnis, was ein Hin- und Herspringen zwischen den Fenstern erspart)

Und vor allem ist es möglich, mit Hilfe des HTML-Formats plattformunabhängige Hilfesysteme zu schaffen.

Doch besitzt auch das auf RTF aufbauende Windows Help seine unbestrittenen Vorzüge: Es ist ein ausgereiftes, weitverbreitetes Online-Hilfesystem, während HTML-basierte Hilfen noch im Entwicklungsstadium sind. Zudem ist Windows Help schneller als die auf Browsern beruhenden HTML-Hilfesysteme.

Eines der stärksten WinHelp-Kennzeichen fehlt bei HTML-Hilfesystemen: Die SHED-Bilder (segmented hotspot graphics). Stattdessen werden Hyperlink-Grafiken über sogenannte image maps erzeugt.

Eine detaillierte Zusammenfassung der Unterschiede* zwischen HTML-basierter Online-Hilfe und Windows Help (sowie zwischen HTML Help und NetHelp) ist auf den Web-Seiten von Scott Boggan zu finden, der dort die Unterlagen zu seinem die verschiedenen Systeme vergleichenden Vortrag veröffentlicht hat.


HTML Help

HTML Help liegt derzeit in der Beta 2.0-Version vor, die man sich von den Microsoft-Webseiten herunterladen kann. Die endgültige Version ist für August ’97 angekündigt.

HTML Help benötigt den Browser Internet Explorer 3.0 bzw. teilweise 4.0 (erscheint ebenfalls im August) und läuft auf den 32-bit-Versionen von Windows (Windows 95 und Windows NT), zukünftigt sollen jedoch auch Macintosh-, Unix- und Windows 3.1-Systeme unterstützt werden.

Die von Windows Help bekannte Kontext-Sensitivität leistet auch HTML Help, wobei pop-ups durch die ActiveX-Technik realisiert werden. HTML Help bietet auch einige neue Tricks. So kann man in sogenannten information types die dargebotenen Informationen kategorisieren, z. B. für bestimmte Benutzergruppen (Fortgeschrittene und Anfänger).

Die Hilfe-Dateien können wie bei Windows Help zu einer einzigen Datei kompiliert werden, wobei jedoch bei Updates ein Rekompilieren nicht nötig ist. Auch das Komprimieren der Daten ist möglich. HTML Help ist somit optimiert für das lokale Speichern auf Festplatte.


NetHelp

NetHelp erfordert zum Lesen der Dateien Netscape Navigator 3.0 oder höher, was – im Gegensatz zu HTML Help – mit Lizensierungskosten für den Browser verbunden ist.

Einen enormen Vorteil besitzt NetHelp im Vergleich zu HTML Help: Die momentan erhältliche SDK-Version 1.0 ist vollkommen plattformunabhängig. NetHelp 1.0 kann man sich ebenfalls im Internet herunterladen, Version 2.0 soll in Kürze erscheinen.

Die Möglichkeit, Hilfe-Dateien zu einer einzigen Datei zu kompilieren und die Daten zu komprimieren, bietet NetHelp nicht. Somit ist das lokale Speichern der Dateien nicht gerade attraktiv. NetHelp eignet sich hingegen eher für das Ausliefern von Daten über ein Intranet oder das Internet.

Auch NetHelp unterstützt die Kontext-Sensitivität, doch fehlen einige wichtige Eigenschaften von Windows Help, es können z. B. keine pop-ups erstellt werden. Ebenso ist die Möglichkeit der Volltextsuche nicht gegeben.


JavaHelp

Bei Sun Microsystems wird gerade ein vollkommen plattformunabhängiges JAVA-basiertes Hilfesystem entwickelt, das alle Java-fähigen Browser unterstützt, also z.B. Internet Explorer, Netscape Navigator und Hot Java. Diese Java-Online-Hilfe ist noch nicht erhältlich und wird von Sun hauptsächlich hausintern genutzt. Die Beta-Version des Java Workshop 2.0 kann man sich von den Sun-Webseiten downloaden.


Was ist beim Wechsel zu beachten?

Zunächst geht es bei den betroffenen Unternehmen um die Entscheidung, überhaupt auf ein HTML-Hilfesystem umzustellen – und wenn ja, wie schnell. Gründe für einen Wechsel wären:

  • Die dargebotenen Informationen ändern sich häufig. Ein HTML-basiertes Hyperlinksystem gewährleistet die rasche Aktualisierung der Daten.
  • Man möchte mehr Interaktivität mit dem Anwender erreichen.
  • Multimedia-Elemente oder aufwendige Graphiken sollen integriert werden.
  • Die Anwender arbeiten auf unterschiedlichen Plattformen (Windows, Macintosh, Unix).

Jedoch sollte man besser nichts überstürzen, wenn Windows Help als kontextsensitives und leicht zu beherrschendes System die augenblicklichen Bedürfnisse befriedigt – zumal die für HTML-Hilfesysteme nötigen Werkzeuge eine Nachlaufzeit benötigen, und man als früher Umsteller wohl zu mehr manueller Arbeit gezwungen ist.

Außerdem ist es sinnvoll, sich kurz- und langfristige Ziele abzustecken: Welche Inhalte publiziert man gegenwärtig, welche in Zukunft, und könnte man dabei wirklich Nutzen ziehen aus den neuen Techniken?

Auch die zum Erlernen der neuen Help-Techniken notwendigen Ressourcen sollte man abschätzen: Sind angemessene Hard- und Software sowie Ausbilder vorhanden, wie groß ist die vorhandene Erfahrung mit HTML...?

Wenn die Entscheidung zum Wechsel gefallen ist, stellt sich dieFrage nach dem richtigen Online-Hilfesystem. Dabei sind folgende Kriterien zu beachten:

  • Wie wichtig ist Plattformunabhängigkeit, auf welchen Plattformen arbeiten die Anwender? (Microsoft hat zwar HTML Help-Versionen für Macintosh, Unix und Windows 3.1 angekündigt, doch die Termine stehen noch nicht fest.)
  • Welchen Browser benützen die Anwender? (Bislang dominiert noch Netscape Navigator, doch Microsoft schließt so langsam die Lücke.) Dabei sind auch die Lizensierungskosten für den Navigator zu berücksichtigen.
  • Sollen die Hilfe-Dateien lokal auf der Festplatte gespeichert werden oder sucht man eher eine Lösung zum Bereitstellen der Dateien in Intranet und Internet?


Fazit: Keine Panik!

Es bahnen sich große Veränderungen an für die Online-Hilfe-Dokumentation, doch sind diese momentan noch kein Grund, in Hektik zuverfallen. Denn zum einen, so die Einschätzung von Joe Welinske, dem Präsidenten von WinWriters, wird Windows Help noch für ungefähr ein Jahr das dominierende Hilfe-System sein. Zum anderen wird es trotz der von Microsoft angekündigten Ablösung durch HTML Help noch eine ganze Zeit lang verfügbar sein. Außerdem liegen noch keine Vollversionen vor, die HTML-Hilfesysteme sind noch im Entwicklungsstadium.

Dennoch ist es natürlich ratsam, die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen und die Beta-Versionen zu testen, um auf einen späteren Wechsel vorbereitet zu sein. Dieser muß dann auch nicht abrupt erfolgen. Man kann schrittweise vorgehen, indem man sich allmählich mit der HTML-basierten Online-Hilfe vertraut macht und parallel dazu Projekte mit Windows Help und kontinuierlich zunehmend mit einem HTML-Hilfesystem abwickelt.

 

 

* URL ist inzwischen nicht mehr verfügbar, daher wurde dieser externe Link deaktiviert.

  Doculine durchsuchen:   

  

Empfehlenswerte Seiten zur technischen Übersetzung
von transline - Übersetzungsdienst für technische Übersetzung
technische Übersetzungen | Übersetzung Software | Software Lokalisierung
Spez. Seiten zu Sprachen
Chinesisch Übersetzung | Englisch Übersetzung | Französisch Übersetzung | Niederländisch Übersetzung | Russisch Übersetzung | Spanisch Übersetzung | Portugiesisch Übersetzung | Italienisch Übersetzung | Japanisch Übersetzung
Infos zum Übersetzungsservice transline

Übersetzungen Ihrer Patente - Dr. Sturz Patentübersetzungen

Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
© doculine Verlags-GmbH, ein Unternehmen der transline Gruppe