Fachbücher

 
  Programm
Appetithappen
Bestellung

 

doculine Archiv

  Übersicht
Index
Autoren
Streifzüge

 
 

Service

 
  transline tecNews
Suche
Impressum
 

Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews

Technische Texte für höchste Anforderungen

 

Artikel erschienen in
Ausgabe September 1997

Von Gerhard Mark

Inhaltsübersicht:

Technische Neuerungen überspringen die Schwelle in das kommende Jahrtausend. Immer häufiger kommt es jedoch vor, daß Anwender diese hochentwickelten Produkte nur eingeschränkt nutzen können. Neben den Bemühungen um Qualität und Kundenorientierung ist offensichtlich eine wichtige Brücke zum Kunden noch immer nicht fertiggestellt: die Begleitinformation in Form von verständlichen Handbüchern und Betriebsanleitungen.


Fälle aus der jüngsten Praxis

  • Der Inhaber eines Meßlabors kaufte sich im Frühjahr 1996 mehrere hochwertige Meßgeräte im Wert von 80 000 DM. Damit wäre er in der Lage gewesen, komplexe Messungen an Elektronik-Bauelementen durchzuführen. Ärgerlich war jedoch, daß die Begleitunterlagen nur in englischer Sprache mitgeliefert wurden. Als nach mehreren Rückfragen keine deutschen Handbücher geliefert wurden, behielt er kurzerhand 20 % des Auftragswertes ein. Mehrere Gerichtsurteile bestätigten die Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens.
  • In einem anderen Fall mußte ein Maschinenhersteller auf die Bezahlung des Kaufpreises von 800 000 DM so lange warten, bis die vollständige Dokumentation ausgeliefert war. Unter juristischen Gesichtspunkten war auch hier die Lieferung der Maschine fehlerhaft, da unvollständig.
  • Ganz übel erging es einer Reihe von Herstellern: Ihren Erzeugnissen lagen nur unvollständige oder fehlerhafte Sicherheits-Hinweise bei. Dies führte zu teilweise schweren Unfällen. Die Folgen waren nicht nur Verurteilungen der Verantwortlichen zu Schadensersatz, sondern in einzelnen Fällen sogar Gefängsnisstrafen für die Geschäftsführer wegen fahrlässiger Körperverletzung.


Verstärkte Überprüfung von Unfällen

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz will den Unfallursachen in einer groß angelegten Kampagne auf den Grund gehen: Bis September 1997 werden ca. 2 500 halbstündige Intensiv-Befragungen zu Unfallgeschehen durchgeführt. Über Betriebskrankenkassen, Deutsche Bank, Kaufhof und Siemens sind ca. 440 000 Personen aufgerufen, sich an der Umfrage zu beteiligen. Dabei werden auch Gebrauchsanweisungen auf Schwachstellen untersucht!

Aber selbst wenn technische Unterlagen vollständig vorhanden und in deutscher Sprache abgefaßt sind, ergibt sich häufig eine Reihe von Problemen. Verärgerte Kunden und unerwartete Folgekosten nehmen immer mehr zu:

  • verzögerte Inbetriebnahmen durch unübersichtliche oder schwer verständliche Handbücher
  • Maschinen- und Produktionsausfälle durch Fehlbedienungen
  • kostenaufwendige Service-Einsätze und häufige Rückfragen



Akuter Handlungsbedarf für die Hersteller

Diese Faktoren werden bisher betriebswirtschaftlich noch nicht erfaßt. Der dringend benötigte Handlungsbedarf läßt sich deshalb nicht oder nur sehr spät erkennen. Den Schwarzen Peter haben eindeutig die Hersteller.

Der weitaus größten Anzahl herkömmlicher Anleitungen fehlt die Klarheit und Transparenz der Informationen. Unstrukturierte Langtexte sind jedoch mehr als nur ein Schönheitsfehler. Sie verursachen

  • nur schwer nachvollziehbare Handlungsanweisungen
  • unübersichtliche "Grauzonen", in denen es kaum ein Durchkommen gibt
  • Resignation und Hilflosigkeit beim Anwender



Vorbild Flugzeug-Industrie

Obwohl technische Sachverhalte in englischer Sprache einfacher zu vermitteln sind, hat die internationale Flugzeugindustrie schon vor vielen Jahren ein erfolgreiches Konzept entwickelt, um die Folgekosten durch Mängel in der Begleit-Dokumentation zu reduzieren. Mit SIMPLIFIED ENGLISH wurden Regeln für die einfache Texterstellung erarbeitet sowie Vorgaben für die inhaltlichen Strukturen. Die Ziele sind:

  • weltweit vereinheitlichte Dokumentationen
  • Reduzieren der Mißverständnisse und Unklarheiten durch vereinfachte Texte
  • Verringern von Zeitaufwand und Übersetzungskosten

Unter der gleichen Zielsetzung entwickelte sich in Deutschland schon vor über 10 Jahren die DTV-Methode mit strukturierten Texten (DTV = Didaktisch Typografisches Visualisieren). Als SIMPLIFIED GERMAN wurde diese Methode auf der CLAW 96 vorgestellt, dem ersten internationalen Workshop für vereinfachte Sprachanwendungen. Auf Einladung der EU-Kommission trafen sich ca. 100 Teilnehmer aus Europa, Kanada und den USA an der Universität Leuven in Belgien.

Übersetzungen sind Pflicht

Diese Initiative der EU-Kommission begründete sich aus der Notwendigkeit, daß der freie Warenverkehr in Europa nur funktionieren kann, wenn den Produkten eine Begleit-Dokumentation in der jeweiligen Landessprache mitgeliefert wird. Fehlt die entsprechende Übersetzung, drohen nicht nur Haftungs-Risiken oder eingeschränkte Zahlungen, sondern in gravierenden Fällen sogar ein Verkaufsverbot im europäischen Ausland. Für die Hersteller in stark exportorientierten Märkten bedeutet dies eine empfindliche Kostenbelastung durch zusätzliche Übersetzungen.

Die Kostenbelastung reduzieren

Ein Test bewies, daß strukturierte Texte Kosten sparen: Namhafte, unabhängige Übersetzungs-Experten führten Vergleichstests durch zwischen konventionellen technischen Langtexten und DTV-optimierten Texten. Das Auflösen unübersichtlicher Textpassagen in klar strukturierte zeigte eine verblüffende Bilanz:

  • Die Einsparungen an Übersetzungskosten lagen zwischen 30 und 40 %.
  • Die Texte ließen sich in kürzerer Zeit übersetzen.
  • Die Qualität sowohl des Ausgangstextes als auch die der Übersetzung war deutlich besser.



Warum strukturierte Texte nach der DTV-Methode?

Erschwerend zu den immer komplizierter werdenden technischen Weiterentwicklungen wirken die komplizierten Regeln der deutschen Sprache: weitschweifige Schachtelsätze gepaart mit sachlogischem Durcheinander bilden zusammen mit einer unübersichtlichen Seitengestaltung ein kaum zu überwindendes Hindernis. Dies hatte auch die Stiftung Warentest bei einer Untersuchung über Anleitungen für Videorecorder im August 1995 festgestellt: Die Hälfte der untersuchten Betriebsanleitungen erhielt ein "mangelhaft".

Mark Twain hat diesen Zustand sehr treffend charakterisiert:

"Wenn der deutsche Schriftsteller in einen Satz hineintaucht, dann hat man ihn die längste Zeit gesehen – bis er am Ende wieder auftaucht mit einem Verb im Mund."

In der Literatur und in Zeitungstexten haben wir uns an diese Informations-Erschwerer gewöhnt. Ein solcher Stil ist jedoch höchst ungeeignet beim Beschreiben komplizierter Technik oder Software, denn hier geht es um

  • Sicherheit
  • Kostenbewußtsein
  • Konkurrenzfähigkeit und
  • Transparenz der Information



Komplexe Sachverhalte einfach darstellen

Daß es auch anders geht, hat die Praxis der letzten 10 Jahre gezeigt. Unter Berücksichtigung weniger Grundregeln lassen sich mit der DTV-Methode selbst komplizierte technische Zusammenhänge einfach und verständlich darstellen:

  • kurze Sätze
  • aktive Verben
  • strukturierte Texte
  • sachlogische Gliederung
  • Aufbau in Informations-Ebenen

Die DTV-Methode legt die Erkenntnisse psychologischer Wahrnehmung durch den Menschen zugrunde. Die positiven Wirkungen dieser Informations-Beschleuniger sind vielfach bestätigt worden:

  • motiviertes und interessiertes Lesen
  • schnelles und leichtes Verstehen
  • sicheres Reagieren durch klare Handlungsvorgaben
  • Vermeiden von Fehlbedienungen und somit von hohen Folgekosten



Zum Informieren gehört das Motivieren

Der Informations-Transfer in Anleitungen, Anweisungen, Vorgaben und Vorschriften ist immer eine Lernaufgabe – sowohl für den Autor als auch für den Leser. Um diese Lernaufgabe bewältigen zu können, muß der Autor den Leser auf seinem Wissensstand abholen. Schreibende Ingenieure und Techniker unterschätzen häufig die schwierigen Randbedingungen für den Leser. Auf die anfängliche Motivation, ein Gerät in Betrieb zu nehmen, folgt schnell der Frust, wenn keine Erfolgserlebnisse sichtbar werden.

Viele Verantwortliche für technische Anleitungen stellen sich ihre Adressaten als reine Vernunftmenschen vor. Der bestimmende Faktor sind jedoch auch im technischen Bereich die Emotionen mit den Gesetzen von Lust und Unlust. Damit sich Menschen informieren, ist die emotionale Bereitschaft Voraussetzung. Dabei spielen Intelligenz und Bildungsstand des Lesers keine Rolle. So war Herbert Henzler, Deutschland-Chef von Mc Kinsey, nicht bereit, sich mit der Betriebsanleitung einer neuen Telefonanlage zu beschäftigen.

Neben der sachlichen Information benötigt der Leser also auch zusätzliche Motivatoren auf dem Weg zum Erfolg, wie z. B.:

  • Piktogramme
  • Lernleit-Zeichen (Bullets, Blickfangpunkte)
  • Beispiele
  • Fragen



Fazit

Die aktuellen Probleme lassen sich mit vergleichsweise geringem Aufwand beheben. Das Bewußtsein über die Zusammenhänge und einige wenige klare Regeln sind eine wesentliche Voraussetzung für leicht verständliche und übersichtliche Betriebsanleitungen. Damit reduzieren sich nicht nur die Übersetzungskosten, sondern auch die Risiken aus Produkthaftung und Reklamationen.


Literatur:

Reichert, Günther W.: Kompendium für Technische Dokumentationen. Anwendungssicher mit Didaktisch-Typografischem Visualisieren (DTV). 2. Aufl. Leinfelden-Echterdingen 1993.

 

  Doculine durchsuchen:   

  

Empfehlenswerte Seiten zur technischen Übersetzung
von transline - Übersetzungsdienst für technische Übersetzung
technische Übersetzungen | Übersetzung Software | Software Lokalisierung
Spez. Seiten zu Sprachen
Chinesisch Übersetzung | Englisch Übersetzung | Französisch Übersetzung | Niederländisch Übersetzung | Russisch Übersetzung | Spanisch Übersetzung | Portugiesisch Übersetzung | Italienisch Übersetzung | Japanisch Übersetzung
Infos zum Übersetzungsservice transline

Übersetzungen Ihrer Patente - Dr. Sturz Patentübersetzungen

Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
© doculine Verlags-GmbH, ein Unternehmen der transline Gruppe