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Abschied oder Aufbruch? – Eindrücke vom "ersten Fachkongreß im Internet"

 

Artikel erschienen in
Ausgabe November 1997

Von Ansgar Knauf

"Abschied vom Jugendkult: Zielgruppendenken vor dem Quantensprung" – unter diesem Titel fand vom 15. bis 17. Oktober 1997 der erste vollständig im Internet durchgeführte Fachkongreß statt. Ob es wirklich die erste Veranstaltung dieser Art war, bleibt dahingestellt, aber zumindest die Organisatoren der Hamburger Firma CongressNet sind von der Bedeutung ihrer multimedialen Pioniertat überzeugt.

Inhaltlich ging es um die Frage, ob unsere Gesellschaft angesichts der soziodemografischen Veränderungen und der dadurch erforderlichen Neuorientierung am Ende des Jugendkults steht. Fragen nach dem sich wandelnden Altersbegriff sowie Veränderungen in den Werte- und Alterssegmenten im Fokus von Marktforschern und Mediaplanern standen dabei im Vordergrund. Ein Artikel in der Wirtschaftswoche hatte auf das Ereignis und die Internetadresse http://www.congressnet.com aufmerksam gemacht. Folgt man den Angaben des Veranstalters, so haben sich täglich über 600 Teilnehmer dafür interessiert – oder aber einfach nur einmal hineingeschaut.

Was als erstes auffiel, war der trotz ISDN langsame Seitenaufbau. Ob das an der zwar guten, aber aufwendigen Grafik lag oder am hohen Internetverkehr zu Hauptgeschäftszeiten, bleibt unklar – jedenfalls dürften sich insbesondere die Modembenutzer ziemlich darüber geärgert haben. Zusätzliche Serverprobleme auf Seiten des Veranstalters taten ein übriges. Überhaupt scheinen die technischen Probleme, die solch ein Kongreß mit sich bringt, noch nicht vollständig gelöst zu sein, aber davon später mehr.

Vor der Teilnahme stand zunächst die Anmeldung. Wer den oft ungenügenden Datenschutz im Internet kennt, dem fiel hier positiv auf, daß die Daten, die zur "Akkredition" abgefragt wurden, auf ein Minimum beschränkt blieben. Die Bestätigung kam prompt und ermöglichte ein sofortiges Anmelden im System.

Dort konnte der Kongreßteilnehmer wählen, ob er dem Kongreßverlauf "normal" oder in der multimedial aufbereiteten Version mit Hilfe des zur Verfügung stehenden Plugin folgen wollte. Letzteres war allerdings nur bei entsprechend vorhandenen Hardwarekapazitäten sinnvoll.

Außer einer Lobby, in der man sich Fotos der CongressNet-Crew ansehen und sich mittels E-mail ins Gästebuch eintragen konnte, standen den Teilnehmern die Materialien der schon abgeschlossenen Veranstaltungen zur Verfügung. Das Herzstück des Kongresses war der Zugang zur "stage", der virtuellen Diskussionsbühne. Dort wurden – ähnlich einer moderierten Newsgroup – die per E-mail an den Veranstalter gerichteten Diskussionsbeiträge von einem Moderator gefiltert und fast in Echtzeit veröffentlicht. Aufgrund von Voreinstellungen wurde der Bildschirm in 10 Sekunden-Intervallen neu aufgefrischt – was gut war, wenn man auf neue Beiträge wartete, aber störte, wenn man diese gerade konzentriert las.

Wer wie ich allerdings in der "Kaffepause" (den Kaffee mußte man sich schon selbst zubereiten...) zum ersten Mal hineingeschaut hat, den konnten die belanglosen "chat"-Fetzen sehr schnell entnerven. Kamen bei offiziellem Plemnumsbeginn zudem erst einmal für mehrere Minuten überhaupt keine Beiträge mehr, dann wurde dem Kongreßteilnehmer schon eine Geduldsprobe abverlangt. Der Grund dafür war laut CongressNet eine massive "Serverüberlastung" durch zu viele Neuanmeldungen: "Der Server war auf einmal stärker mit sich selbst beschäftigt als mit seinen Aufgaben", meinte CongressNet-Webmaster Detlef Niemann-Bode. "Er hat sich zu Tode verwaltet (Dead Lock)", hieß es dazu auch im allabendlich per E-mail erschienenen Newsletter.

Für all diejenigen, die nicht die Zeit und die Geduld aufbringen konnten, selbst interaktiv teilzunehmen, erschienen dort zudem detaillierte Zusammenfassungen des Tages, ein Pressespiegel, Kontaktadressen sowie sehr hilfreiche Tips zu den am häufigsten auftretenden technischen Problemen. Diese waren dann auch die Hauptursache dafür, daß es noch recht schwer fiel, sich wirklich auf die Inhalte zu konzentrieren. Wenn virtuelle Kongresse aber erst einmal zur Realität geworden sind, dürfte sich wohl das Fazit der Veranstalter bestätigen: "Man kann offenbar auf hohem Niveau chatten."

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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