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Arbeitssicherheit vom Spickzettel?
Alle Beschäftigten müssen die Ziele akzeptieren

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Dezember 1997

Von H.P. Hahn

Das neue Arbeitsschutzgesetz erzeugt Abneigung. Das ist angesichts der hohen Zielsetzung bedauerlich. Besonders engagierte Arbeitnehmer beklagen zuviel Regulierung anstatt Motivation von oben.

Hoffentlich finden wir dort einen Parkplatz!

Das Glück ist mit den Tüchtigen!

Haste den Kollegen Kinski heute wieder gehört – bei der Sicherheitsunterweisung, meine ich?

Ja, wieso?

Na hör mal! Der Junge tut doch so, als hätte er die Arbeitssicherheit persönlich erfunden!

Ist ja auch wichtig, oder?

Schon, aber der redet doch nur von Sicherheitsaudits, Organisationseinheiten und Schwerpunktkontrollen!

Ja, das ist mir auch aufgefallen! Aber Kontrolle der Sicherheitsmaßnahmen muß schließlich sein...

Aber hör mal! Arbeitssicherheit kannst du genauso wenig durch Kontrolle erreichen wie Qualität!

Da ist was Wahres dran!

Bei uns kommt mir die Arbeitssicherheit zu sehr von oben! Das muß an der Basis anfangen, wenn das funktionieren soll! Schwerpunktkontrollen – daß ich nicht lache!

Der Kinski meint das sicher ganz anders!

Dann soll er eben sagen, was er wirklich meint! Ich glaube, der Mann besteht nur noch aus hunderttausend Gefährdungslisten – daß der sich morgens überhaupt noch aus dem Bett traut!

Vielleicht übertreibt er, aber irgendwie müssen diese Gefährdungen doch definiert werden.

Schon, aber wenn ich keinen Stuhl mehr anfassen kann, ohne gleich an den Risikofaktor "Holzwurm" zu denken...

Das solltest du auch – bevor du auf einen Stuhl steigst, anstatt die Leiter zu benutzen!

Genau so, wie du neulich in deiner Küche!

Lach nicht! Das hab' ich mir danach wirklich angewöhnt – auch ohne Gefährdungslisten.

Oder mit hochhackigen Schuhen Karre fahren...

Mach ich ja auch nicht mehr!

Du meinst: Aus Erfahrung gelernt seit dem Absturz?

Hey, warte mal! Das ist doch genau der Punkt, worauf es ankommt! Wenn wir die Gefahrenvermeidung ganz bewußt an den Erfahrungen orientieren, die jeder hat – wird dann nicht die ganze Bürokratie überflüssig?

Schon möglich! Aber wie könnte das funktionieren?

Bild 1: Sokrates-Büste [1]

Sowas hab ich mal in einem Seminar gehört! "Sokrates-Konzept" nennt man das!

Sokrates? Lebt der denn noch?

Schon lange nicht mehr – aber vielleicht bald wieder! Das war vielleicht ein irrer Typ, der hat jedes Problem durch Fragen gelöst!

Und was hat dieses Sokrates-Konzept mit Arbeitssicherheit zu tun?

Eigentlich nix – aber ich glaube, das läßt sich prima dafür einsetzen: Nur vier Kernfragen, und du hast Arbeitssicherheit total!

Aha? Mhmmm?

Das geht ganz einfach, also:
1. Frage: Wo entsteht oder worin liegt die Gefahr?
Am Beispiel "Stuhl statt Leiter" wäre das der Holzwurm! Oder die mangelhafte Standfestigkeit!

Mhmmm, stimmt! Und dann?

2. Frage: Was darf ich nicht tun?
Ganz klar: Ich darf den Stuhl nicht zum Hochsteigen benutzen!

Weiter!?

3. Frage: Was muß ich tun?
Ist auch klar: Ich muß eine Leiter benutzen!

Das war's schon?

Noch nicht, zum Schluß kommt die Erfahrung mit ins Spiel!
4. Frage: Wie muß ich das tun?
Na, wie schon!? Ich muß die Leiter so aufstellen, daß sie sicher steht! Ende.

Bild 2: Sokrates-Konzept [2]

WOUWW! Diese 4 Fragen sollte man sich glatt auf einen Spickzettel schreiben! Hört sich leicht und locker an. Und ohne jeden Formelkram!

Und paßt auf alle Situationen. Wirklich!

Das sollten wir dem Kollegen Kinski mal verklickern!

Na klar! Das machen wir gleich morgen!

Hoffentlich ist ihm sowas Einfaches nicht zu langweilig! Aber...

Aber was..?

Auf ein Problem paßt das Konzept aber doch nicht!

Nämlich?

Gehen wir zu dir oder zu mir?

Nix da! Wir wollten ins Kino!

Ok, ok! Krimi oder Western?


Quellennachweis:

[1] © H.P. Hahn.

[2] Bild 2 ist der Fachschrift "So unterweisen Sie Arbeitnehmer" von H.P. Hahn entnommen (Oranien Verlag, Potsdam). Alle Rechte des Sokrates-Konzepts liegen bei der Oranien Gesellschaft für Wissensvermittlung mbH, Potsdam.


Literatur:

H.P. Hahn: KMUcompact 3: Die Gefährdungsanalyse zum Arbeitsschutzgesetz. 3. Aufl. Potsdam 1997.

H.P. Hahn: KMUcompact 4: So unterweisen Sie Arbeitnehmer. 2. Aufl. Potsdam 1997.

H. P. Hahn: Betriebliche Schulung leichtgemacht. Mit QM-Elementen nach ISO 9000. München 1997.

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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