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Elektronische Kommunikation für geschlossene Benutzergruppen – ein Fallbeispiel

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Februar 1998

Von Wolfgang Sturz

Inhaltsübersicht:

Nachdem die Internet-Technik zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil moderner Kommunikation geworden ist, werden inzwischen schon wieder neue Begriffe wie „Intranet" und „Extranet" diskutiert. Am besten lassen sich die Einsatzmöglichkeiten dieser neuen Techniken anhand eines Fallbeispiels erläutern; dies soll hier am Beispiel der Firma Dr. Sturz Übersetzungen erfolgen.


Dezentrale Struktur

Dieses Unternehmen mit Sitz in Reutlingen ist als Zentrale eines internationalen Netzwerkes von Übersetzungsbüros für die Bearbeitung von Übersetzungsprojekten in und aus unterschiedlichen Sprachen und in unterschiedlichen Fachbereichen verantwortlich. Die dezentrale Struktur des Firmenverbundes stellt sehr hohe Anforderungen an die interne Kommunikation.


Server-Client-Technik zum Schutz vor unbefugtem Zugriff

Die gesamte Kommunikation zwischen der Zentrale und den ausländischen Tochtergesellschaften erfolgt über elektronische Post, wobei die Internet-Technik genutzt wird. Problematisch ist bei einem normalen Einsatz der Internet-Technik die ungesicherte Datenübertragung: Jede E-Mail könnte an jedem x-beliebigen Internet-Knoten, den sie passiert, gelesen und abgefangen werden.

Deshalb kommt hier die sogenannte Server-Client-Technik zum Einsatz: Sämtliche E-Mails werden auf einem Lotus Notes-Mail-Server in der Hauptverwaltung gesammelt. Die Außenstellen verfügen über Lotus Notes-Clients, die sich in einem beliebig definierbaren Zyklus (z.B. stündlich oder einmal am Tag) automatisch über das Internet in den Mail-Server in Reutlingen einwählen. Alle zu übertragenden E-Mails werden dann automatisch in beide Richtungen ausgetauscht, wobei eine Verschlüsselung der Daten erfolgt. Dadurch ist gewährleistet, daß innerhalb der Übertragungsstrecke kein unbefugter Zugriff auf die ausgetauschten Daten möglich ist.


Internes Informationssystem

Neben der elektronischen Post wird das aufgebaute Intranet auch als internes Informationssystem verwendet. Je nach Zugriffsberechtigung können Sturz-Mitarbeiter in den Tochtergesellschaften weltweit auf die Daten zugreifen, die sie für ihre tägliche Arbeit benötigen:

  • Adressen- und Telefonverzeichnisse
  • Preislisten
  • Qualifikationsprofile einzelner Mitarbeiter
  • Prozeduren
  • PR-Informationen
  • Kundeninformationen
  • historische Projektinformationen


Navigation

Die Navigation in diesem Informationssystem verläuft analog zu der Navigation in den bekannten Hilfe-Systemen von EDV-Programmen. Auch dabei erfolgt der Zugriff von einem dezentralen Lotus Notes-Client auf den zentralen Lotus Notes-Server über das Internet. Der Benutzer muß also seine gewohnte Lotus Notes-Oberfläche nicht verlassen und auch keinen Internet-Browser aufrufen, um die benötigten Daten abrufen zu können. Auch hier erfolgt der eigentliche Datenaustausch innerhalb des Internet in verschlüsselter Form.


Projektbearbeitung über Datenbanken

Neben der Kommunikation und der Bereitstellung von allgemeinen Informationen bietet sich ein solches Intranet selbstverständlich auch für die direkte Projektbearbeitung an. Jeder Mitarbeiter der Sturz-Gruppe kann – unabhängig von seinem Standort – über einen Internet-Zugang auf die Auftragsverwaltung in Reutlingen zugreifen und

  • Angebote anlegen und kalkulieren
  • Auftragsbestätigungen auslösen
  • Projektdaten bearbeiten und aktualisieren
  • Statusinformationen eingeben
  • Statusberichte anfordern
  • Kapazitätsbestimmungen durchführen

Selbstverständlich sind die Projektdatenbanken mit entsprechenden weiterverarbeitenden Programmen (Controlling-Programmen, Finanzbuchhaltung usw.) verknüpft, so daß nach Abschluß der Projekte stets eine zügige Abwicklung und Nachkalkulation bis hin zur Rechnungsstellung möglich ist.


Kommunikation mit den Kunden

Das Sturz-Intranet stellt nicht nur Informationen und Daten für die Sturz-Mitarbeiter zur Verfügung; auch die Kunden sollen in den Genuß dieser modernen Kommunikationsmöglichkeiten kommen. Deshalb erhält jeder Kunde auf Wunsch eine Zugriffskennung, mit der er sich in das Extranet einloggen kann.

Da nicht von jedem Kunden erwartet werden kann, daß er sich die Client-Software beschafft, erfolgt dieser Zugriff mit Hilfe eines klassischen Internet-Browsers (Explorer, Netscape o.a.). Der Kunde kann sich also mit seinem Browser und der normalen Internet-Technik auf den Rechner in der Reutlinger Hauptverwaltung einwählen. Nach Eingabe seiner Kennung stehen ihm – je nach Sicherheitsfreischaltung – spezifische Projektinformationen zur Verfügung. Im Einzelfall kann dem Kunden sogar die Änderung von Prioritäten bei der Bearbeitung seiner Aufträge gestattet werden. Der Kunde kann über diese Kommunikationsschnittstelle nicht nur Aufträge an die Sturz-Gruppe absetzen, sondern sich die fertigen Übersetzungen auch wieder abholen.

Allerdings können bei diesem Konzept Sicherheitsprobleme entstehen: Da die Kunden zunächst nicht über einen Lotus Notes-Client verfügen, erfolgt die Datenkommunikation zwischen dem Rechner in der Sturz-Zentrale und dem Kundenrechner transparent. Die Daten können also (theoretisch) an jedem zwischengeschalteten Internet-Knoten ausgefiltert und gelesen werden. Bei sensiblen Kundeninformationen besteht jedoch jederzeit die Möglichkeit, kundenseitig einen Lotus Notes-Client nachzurüsten.


Kommunikation mit den freien Mitarbeitern

Analog dazu läßt sich das Extranet auch für die Kommunikation mit den vielen freien Mitarbeitern der Sturz-Gruppe einsetzen. Diese Mitarbeiter haben die Möglichkeit, ihre Spezialgebiete und Arbeitssprachen selbst einzugeben. Lediglich die Eingabe und Pflege der Bewertungsdaten (Qualität der geleisteten Arbeit dieser Mitarbeiter) und der Abrechnungsdaten bleibt den Projektleitern vorbehalten.

Besonders interessant sind die Möglichkeiten, die den freien Mitarbeitern über diese Kommunikationsschnittstelle zur Abstimmung ihrer Kapazität geboten werden:

  • Sie können ihren Urlaub selbst planen und eintragen.
  • Für bestimmte Zeiträume können sie bestimmte Kapazitäten freischalten (z.B. zwei Stunden pro Tag).
  • Und wenn sie Großaufträge für Drittkunden bearbeiten, können sie sich für diesen Zeitraum sogar vollständig durch das System sperren lassen.

Auch für die freien Mitarbeiter besteht die Möglichkeit, wahlweise über einen Lotus Notes-Client mit gesicherter Datenübertragung oder über einen Standard-Internet-Browser auf das Extranet zuzugreifen.


Allgemein zugängliche Daten im Internet

Daneben gibt es noch den klassischen Einsatz des Internet in der Sturz-Gruppe: Im World Wide Web werden – für jeden zugänglich – aktuelle Daten und Informationen über die Sturz-Gruppe und ihre Tochtergesellschaften der allgemeinen Internet-Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Hierbei sind natürlich die Standardregeln im Internet zu beachten: So verfügt jede einzelne Seite innerhalb des Informationsangebotes über eigene Meta-Informationen, mit denen sich die Suchmaschinen automatisch füttern lassen. Dadurch können potentielle Kunden über die Suchmaschinen gezielt auf einzelne Seiten innerhalb des Informationspaketes geführt werden. Einzelne Informationen werden dabei nicht mehr statisch, sondern dynamisch über hinterlegte Datenbanken bereitgestellt.

Dies stellt jedoch letztlich nur die Abrundung des gesamten Informationssystems der Sturz-Gruppe dar.

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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