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Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews
Sonnenschein
im hohen Norden:
tekom-Frühjahrstagung 98 in Lübeck
Artikel
erschienen in
Ausgabe Juni 1998
Von
Alexander von Obert
Inhaltsübersicht:
Ein Kollege
aus Hamburg war fast euphorisch: Er könne sich kaum erinnern,
wann er zu Hause eine so lange Schönwetterperiode erlebt
habe wie Mitte Mai 1998. Zwar bekam er davon in der Musik- und
Kongreßhalle Lübeck auch nicht viel mit, aber der Verzicht
lohnte sich: Rund 500 Teilnehmer erlebten eine vielseitige Tagung
mit zahlreichen hochkompetenten Referenten.
Auch
für Daheimgebliebene: der Tagungsband
Das
Team um die Tagungsreferentin Ulrike Bornemann und den Geschäftsführer
Michael Fritz hat das Tagungskonzept der tekom
in den letzten Jahren erfolgreich weiterentwickelt. Eine ihrer
ersten Maßnahmen war, einen Tagungsband einzuführen.
Also keine fliegenden Blätter mehr direkt vom
Referenten, die am zweiten Tag dann vergriffen sind, kein Reinhuschen
in Vorträge, nur um die Unterlagen abzufassen.
Und
das Beste: Über die tekom-Geschäftsstelle
kann man sich den Tagungsband bestellen (30 DM für tekom-Mitglieder,
sonst 50 DM). Auch die Tagungsbände einiger früherer
Tagungen sind noch greifbar, zu ermäßigten Preisen.
Sicher eine der preiswerteren Möglichkeiten, zu reichlich
200 Seiten gedruckter Fachkompetenz zu kommen.
Bilder
und mehr
Das
Schwerpunktthema der diesjährigen tekom-Frühjahrstagung
lautete Visuelle Kommunikation der bessere Weg zur
Dokumentation? Die einschlägigen Themen reichten vom
Einsatz von Comics bis zum Aufbereiten von Videos für elektronische
Anleitungen. Auch Praxistips, wie etwa zur Auswahl eines für
technische Redakteure geeigneten Zeichenprogramms, waren zu finden.
Viele
Kollegen schrecken vor dem Grafikeinsatz zurück. Das ist
verständlich, hat man doch keine grafische Ausbildung genossen.
Aber Visualisierung kann durchaus schon mit ein paar Kästen
und Pfeilen beginnen, und noch nie war es so einfach und schnell,
Fotos mit einer elektronischen Kamera zu schießen und in
eine Website einzubauen. Ans Zeichenbrett stellt sich sowieso
niemand mehr, um eine Zeichnung in Essig und Öl
zu erstellen.
Kollege Übersetzer
Schon
seit einiger Zeit beteiligt sich der BDÜ
(Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer) an den
tekom-Tagungen. Diese Kombination tut beiden Seiten gut, schließlich
überschneiden sich in der Praxis beide Berufsfelder. So manche
Übersetzerin muß auch die paar Seiten Bedienungsanleitung
fabrizieren, die bei ihrem Arbeitgeber anfallen, und viele technische
Redakteure brauchen ihre Anleitungen in verschiedenen Sprachen.
Die
Stärke des BDÜ sind eher die vielen Veranstaltungen
in den Landesverbänden und Bezirksgruppen als bundesweite
Tagungen. Darin spiegelt sich wohl auch die unterschiedichen Organisationsstruktur
der beiden Verbände wieder.
Die
Zusammenarbeit zeigte sich auch in der angeschlossenen tekom-Messe,
auf der nicht nur Firmen wie Adobe vertreten waren, sondern auch
Hersteller von Translation Memory-Systemen wie Star. Für
die Übersetzerbranche war es sicher hilfreich, daß
sie sich auf neutralem Boden befand und deshalb der
Stand des BDÜ-Bundesverbandes in Sichtweite des ADÜ
Nord, einem früheren BDÜ-Landesverband, stehen konnte.
Die Gemüter der Funktionäre haben sich zwar wohl etwas
beruhigt, aber die Wunden sind sicher noch nicht völlig vernarbt.
Internationales
Ein
anderer internationaler Aspekt dieser Tagung war die Nähe
Skandinaviens. Von den Fähren aus dem ganzen Ostseeraum aus
konnte man die tekom-Tagung mit städtischen Bussen erreichen.
So traf man einige Kollegen wieder, die man z.B. von den Forum-Tagungen
(1990 in Stockholm oder 1995 in Dortmund) kannte. Mal sehen, ob
sie auch zu Forum 2000 nach England kommen.
Vielleicht
sollte die tekom die Internationalität unterstützen,
indem sie mehr Referenten aus dem Ausland einlädt und grundsätzlich
einen gewissen Anteil der Vorträge auf Englisch halten läßt.
Englisch war offensichtlich kein Grund, bestimmte Referate zu
meiden, und der INTECOM-Stand
allein bietet nicht genügend Anlaß, eine tekom-Tagung
zu besuchen. So mancher vertiefende Blick über den eigenen
Gartenzaun wäre so möglich.
EG-Recht und
andere Fußangeln
Mittlerweile
hat die tekom eine beachtenswerte Kompetenz in juristischen Fragen
aufgebaut. Die Justitiare der tekom beschäftigen sich schon
im Rahmen des tekom-Rechtsdienstes recht intensiv mit Themen,
die technische Redakteure betreffen. Bei den einschlägigen
Vorträgen konnte man sich auch davon überzeugen, daß
Hans-Joachim Hess und Bettina Kox die einschlägige Materie
intensiv und zeitnah verfolgen.
Der
(außergerichtliche) Rechtsdienst der tekom ist sicher einer
der wichtigeren Gründe, tekom-Mitglied zu werden. Über
250 Anfragen in eineinhalb Jahren sprechen für sich. Schließlich
gibt es juristische Hilfestellung zu CE-Kennzeichnung oder Haftung
im Internet noch nicht allzu lange.
Weg vom Papier
Natürlich
läßt sich auch das Thema Multimedia/Cross Media-Publishing
auf einer solchen Tagung nicht aussparen. Die beiden bereits in
breiterem Rahmen praxiserprobten Techniken sind hier PDF und HTML.
Mittlerweile kommen aber auch SGML-Systeme in finanzielle Größenordnungen,
die nicht nur in Spezialfällen wie der Luftfahrtindustrie
akzeptabel sind. Hier bereitet sich nach DTP der nächste
Kulturschock für die Branche vor: Cross Media-Publishing
bedeutet u.a., nicht mehr unmittelbar mit Blick auf das Ausgabemedium
zu arbeiten; schließlich gibt es davon jetzt mehrere
vom Papier über CD-ROM bis WWW.
Der
aktuelle Stand der Diskussion ließ sich recht schön
an den Vorträgen ablesen: Diese beschäftigten sich mehr
mit der Beschreibung oder Einführung entsprechender Systeme
und weniger mit dem Handwerkszeug, das der technische Redakteur
für den Umgang damit braucht. Für die meisten Kollegen
ist es sicher nicht trivial, wenn sie sich plötzlich auf
inhaltliche Auszeichnung und Strukturdefinition
einlassen sollen und dafür keinen direkten Zugriff auf die
Seitengestaltung und andere Aspekte ihres Werkes mehr haben. Das
Werkzeug der Wahl ist beim gegenwärtigen Stand der Technik
wohl FrameMaker + SGML. 
Akademische Redakteure
1991
begann die Fachhochschule
Hannover mit der Ausbildung technischer Redakteure. Mittlerweile
haben noch einige Fachhochschulen von Furtwangen bis Merseburg
diese Möglichkeit entdeckt, den Studentenrückgang in
den technischen Fächern aufzufangen. Diese Fachhochschulen
waren mit einem Gemeinschaftsstand vertreten, und die Anwesenheit
der Professoren aus Hannover über Leipzig bis Aalen zeigte,
wie sehr sie am Kontakt zur Praxis interessiert sind.
Die
tekom bietet
übrigens einen Studienführer an, in dem die einzelnen
Studiengänge beschrieben sind. Allerdings kann der nicht
unbedingt immer den aktuellen Stand wiedergeben. So laufen gerade
an wenigstens drei Fachhochschulen Berufungsverfahren für
Professoren.
Die
Fachhochschulen bemerkte man auch an anderer Stelle: Zahlreiche
Studenten waren als Hilfskräfte eingesetzt und erhielten
so die Möglichkeit, kostenlos an Teilen der Tagung teilzunehmen.
Bei der Gelegenheit brachte ich auch mal wieder unter die Leute,
daß ich speziell für diese Personengruppe die Mailingliste
t-studi* betreibe. Vielleicht findet sich auch hier noch der
eine oder andere Interessent.
tekom entwickelt sich
weiter
Anläßlich
der Frühjahrstagung fand auch die diesjährige Mitgliederversammlung
der tekom statt. Nachdem im letzten Jahr die Satzung runderneuert
wurde, war in diesem Jahr die Geschäftsordnung dran. Dieses
Thema nahm so breiten Raum ein, daß viele Themen aus Zeitgründen
entfallen mußten. Schade, denn viele Aktivitäten im
Rahmen des Vereins hätten eine Vorstellung verdient.
So
gibt es eine Arbeitsgruppe Information und Kommunikation,
die für die tekom u.a. Kommunikationsstrukturen erarbeitet.
Schließlich ist es kein triviales Unterfangen, über
den ganzen deutschsprachigen Raum verteilte Aktivisten miteinander
zu vernetzen und die Aktivitäten den 2700 Mitgliedern möglichst
einfach zugänglich zu machen und nahezubringen. Die tekom
wird hier auf absehbare Zeit nicht um ein zweigleisiges Vorgehen
Papier/Online herumkommen, denn nach der letzten Umfrage haben
nur 40% der Mitglieder überhaupt Zugang zum Internet und
regelmäßig nutzt es nur eine Minderheit. Aber welchen
Sinn hat es, eine E-Mail zu schicken, wenn der Empfänger
nur einmal im Monat seinen Briefkasten leert?
Wiedersehen in München
Die
nächste tekom-Tagung findet am 12. und 13. November 1998
in München statt. Das Schwerpunktthema werden dann Dokumentenmanagement-Systeme
sein. Falls Sie einen Vortrag beisteuern oder einen Workshop leiten
wollen, sollten Sie sich bei der Tagungsreferentin Ulrike
Bornemann melden. Sie ist bereits bei den Vorbereitungen.
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