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"Erst
lesen dann einschalten" jetzt in Nürnberg
Artikel
erschienen in
Ausgabe Juni 1998
Von
Alexander von Obert
Inhaltsübersicht:
Der
Ausstellungstitel "Erst
lesen dann einschalten" ging bereits im letzten
Jahr durch die Fachkreise. Damals veranstaltete das Museum für
Post und Kommunikation in Berlin eine gleichnamige Ausstellung
nach einem Konzept von Clemens Schwender in Zusammenarbeit mit
der TU Berlin. Erst waren die Veranstalter skeptisch, ob das Thema
Bedienungsanleitung nicht doch etwas abseitig sei; es wurde aber
die bislang am besten besuchte Ausstellung des Museums.
Das
Berliner Museum hat zwei Geschwister: in Nürnberg und in
Frankfurt. Sie gehören zur Museumsstiftung für Post
und Telekommunikation, die bei der Privatisierung der Deutschen
Bundespost deren Museen übernahm. Nach dem großen Erfolg
in Berlin wurde deshalb im April eine Ausstellung mit ähnlichem
Konzept in Nürnberg eröffnet, und ab September wird
eine weitere in Frankfurt zu sehen sein.
Geschichtliche
Zusammenhänge
Manche
Elemente heutiger Bedienungsanleitungen gibt es schon seit 500
Jahren, Warnhinweise eingeschlossen. So enthält ein Feuerwerk-(Artillerie-)Buch
von 1420 den Warnhinweis, man solle vor und während der Arbeit
keinen Alkohol trinken. Und Explosionszeichnungen gab es schon
bei Leonardo da Vinci.
Die
Nürnberger Ausstellung konzentriert sich weniger auf das
Telefon als ihre Vorgängerin, schließlich steht nebenan
eine umfangreiche Dauerausstellung zum Thema. Hier konzentrierten
sich die Ausstellungsmacher mehr auf die Ausrüstung der Haushalte
in den dreißiger, fünfziger und siebziger Jahren.
Als Strom
nur zum Beleuchten benutzt wurde
Das
Wohnzimmer aus den Dreißigern zeigt einen Volksempfänger
und einen der ersten Fernseher mit Bildschirmgröße
im Briefmarkenformat. Die Küche der Fünfziger enthält
einen Kühlschrank und die erste Küchenmaschine; im Wohnzimmer
gibt es eine Musiktruhe und ebenfalls einen Fernseher.
So
wird deutlich, daß immer mehr technische Geräte in
den Alltag eindringen, aber nach einiger Zeit zu selbstverständlichen
Teilen der Alltagskultur werden. In den Anleitungsbeispielen kann
man sehen, wie sehr die Anleitungen sich mit dem Kenntnisstand
der Nutzer veränderten und wie sehr sie Einstellungen und
Zeitgeist vermitteln. Wer käme heute noch auf die Idee, die
Hausfrau für bestimmte einfache Tätigkeiten auf die
Unterstützung durch ihren Mann zu verweisen? Da sind schon
die Gewerkschaften vor.
Ein
ganz typischer Effekt dieses Ausstellungskonzepts ist der des
Wiedererkennens: So einen Fön hatte meine Oma auch!
Wir erkennen, wie sehr sich unsere Umwelt verändert und wie
dem auch unsere Arbeitsweise folgt. In 20 Jahren werde ich meinen
ersten Eigenbau-Rechner (1 kB ROM, 1 kB RAM, Taschenrechneranzeige)
für eine solche Ausstellung zur Verfügung stellen...
Noch bis 26. Juli
Die
Ausstellung ist noch bis zum 26. Juli 1998 im Museum
für Post und Kommunikation (einem Teil des Verkehrsmuseums)
in der Nürnberger Lessingstraße zu sehen. Der recht
lesenswerte Katalog der Berliner Ausstellung ist auch hier erhältlich.
Geöffnet ist dienstags bis sonntags, von 9 bis 17 Uhr.
Anschließend
wandert "Erst lesen dann einschalten" zur Frankfurter
Schwester des Museums, wo sie ab 24. September 1998 zu sehen
sein wird.

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