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Forum für Hilfe-Autoren:
On-Line Help Conference Europe ’98

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Juli/August 1998

Von Petra Ntoufas

Inhaltsübersicht:

Gegensätzlicher hätte das Veranstaltungsangebot im Londoner Olympia Centre am 4. und 5. Juni kaum sein können: Während im Hauptgebäude eine Messe für antike Bücher stattfand, trafen sich nebenan rund 250 Teilnehmer zur zweiten europäischen “On-Line Help Conference“. Sie diskutierten aktuelle Entwicklungen der Online-Hilfe-Techniken – und natürlich die vielen neuen Aufgaben und Herausforderungen, die Online-Texte im Unterschied zum über 500 Jahre alten Buchdruck stellen.


Auf dem Weg zum europäischen Forum

Viele Unternehmen honorieren Programmierarbeiten noch immer höher als die Tätigkeiten technischer Autoren, die “nur“ für den Inhalt und die Informationsaufbereitung von Hilfe-Texten zuständig sind. Wichtig für das Selbstverständnis dieser Hilfe-Autoren ist daher ein Forum, das

  • den direkten Erfahrungsaustausch mit anderen Autoren ermöglicht
  • eine Diskussions-Schnittstelle zu den Kollegen Programmierern bietet und
  • über aktuelle Entwicklungen in diesen beiden eng miteinander verbundenen Bereichen informiert

Den Grundstein für ein solches Online-Hilfe-Forum hatten die Veranstalter Digitext (England) und WinWriters (USA) mit ihrer letztjährigen Windows Help Conference gelegt. Zwar findet in den USA bereits seit 1993 alljährlich eine Konferenz für Hilfe-Autoren und -Programmierer statt, dies war jedoch die erste ihrer Art in Europa.

Sowohl die Vorgänger- als auch die diesjährige Konferenz zeichnete sich durch eine sehr gute Organisation aus:

  • In einem begleitenden Tagungsband erhielt man hilfreiche Wegweiser und Zeittafeln sowie Unterlagen zu sämtlichen Referaten, die viel Mitschreiben ersparten.
  • Bei allen Referaten wurde reichlich Zeit für anschließende Diskussionen bzw. Zwischenfragen eingeplant.
  • Auch zwischen und nach den Veranstaltungen standen die Referenten bereitwillig für weitere Fragen zur Verfügung.

Zudem haben die Veranstalter das Tagungskonzept behutsam weiterentwickelt. So konnte man separat von der Konferenz einen vorgeschobenen Tutorialtag mit zusätzlichen Seminaren besuchen. Und das Konferenzprogramm wurde erheblich erweitert, so daß die Teilnehmer nun zwischen bis zu drei parallel stattfindenden Referaten wählen konnten.

Dabei wäre in Zukunft sicher ein noch stärkeres Aufsplitten des Programms in Einzelveranstaltungen sinnvoll, um eine Diskussion in Kleingruppen zu ermöglichen. Das Bedürfnis nach einem solchen intensiven Erfahrungsaustausch mit Kollegen zeigte sich in den Pausen, die hierfür rege genutzt wurden.

Mittlerweile scheint sich die On-Line Help Conference auch als echtes europäisches Hilfe-Forum zu etablieren: Man traf einige Kollegen wieder, die man bereits von der letzten Konferenz kannte. Und während im vergangenen Jahr noch die große Mehrzahl der Teilnehmer Briten waren, lockte die Konferenz nunmehr zahlreiche Interessierte aus nahezu allen Ländern Europas, die weder die lange Anreise noch die Konferenzsprache Englisch abschreckte. Ein Großteil der Referenten allerdings kam auch dieses Mal aus den USA – was sicherlich den noch immer unterschiedlichen Stand der Entwicklung repräsentiert.


HTML Help versus Windows Help

Im vergangenen Jahr hatte Microsoft durch die Herausgabe der Beta-Version von HTML Help, das mittelfristig das bewährte Hilfesystem Windows Help ablösen soll, Unsicherheit bei den Erstellern von Online-Hilfe ausgelöst: “Müssen wir nun wechseln?“, lautete die Frage, mit der sich plötzlich manch einer konfrontiert sah. Inzwischen gibt es HTML Help bereits in der zweiten Version, die Wogen haben sich ein wenig geglättet, und man besinnt sich allmählich wieder auf die alltäglicheren Problemstellungen der Online-Hilfe.

Diese Entwicklung spiegelte sich auch im Konferenzprogramm wider: Die neuen HTML-basierten Hilfesysteme waren ein Schwerpunktthema unter anderen – und nicht mehr das alles beherrschende Veranstaltungsthema.

Eine Veranstaltung war dennoch der Präsentation von HTML Help vorbehalten. Viel Neues gab es nicht, außer daß für Pop-ups noch immer Windows Help herhalten muß und Microsoft derzeit an der Update-Version 1.1a arbeitet, die ein web-ähnlicheres Design haben und lokalisiert sein soll. Die derzeit aktuelle HTML Help-Version 1.1 können Sie sich bei Bedarf von den Microsoft-Webseiten herunterladen.

In Ergänzung dazu wurden alternative Hilfe-Techniken wie JavaHelp, NetHelp und Oracle Help for Java in einer weiteren Veranstaltung analysiert und Windows Help, HTML Help sowie Standard-HTML gegenübergestellt.

Selbstverständlich beschäftigten sich einige Referenten auch mit den Problemen, die nach mittlerweile einem Jahr des Arbeitens mit HTML Help bekannt sind. Sie warnten insbesondere davor, nur um des Umstellens willen von Windows Help zu HTML Help zu wechseln. Immerhin habe man mittlerweile 9 Jahre wertvolle Erfahrungen mit dem stabilen Windows Help gesammelt, und zudem bestünde die Gefahr, bekannte Bugs durch unbekannte zu ersetzen. Als Kriterien für einen Wechsel sollten daher die folgenden Fragen dienen:

  • Verbessert der Einsatz von HTML Help die Benutzerfreundlichkeit der jeweiligen Online-Hilfe?
  • Bietet HTML Help ein für den typischen Anwendungsfall unverzichtbares Merkmal, das auf anderem Wege nicht zu bekommen ist (z.B. externe Links oder die Definition von sogenannten information types für unterschiedliche Benutzergruppen)?
  • Ist HTML Help ohne allzu großen Aufwand im Vergleich zu Windows Help implementierbar?

Ein weiteres Kriterium ist das Betriebssystem, das die Anwender benutzen. So ist beispielsweise nach Auskunft von Microsoft HTML Help für Windows 3.1 nicht geplant – und das, obwohl noch immer etwa die Hälfte aller Windows-User eine Version niedriger als Windows 95 verwenden.

Allerdings sollte man sich laut Joe Welinske, dem Präsidenten von WinWriters, bis spätestens Mitte 1999 auf einen Wechsel zu HTML Help vorbereiten, sofern man Windows-Anwender bedient. Denn Windows 98 benutzt bereits HTML Help und auch für Office 99 und Windows NT 5 wird es eingesetzt werden.


Und was gab es sonst?

Neben dem Thema Hilfe-Techniken galt das Hauptaugenmerk der Konferenz den täglichen Aufgabenstellungen aus der Praxis von Hilfe-Autoren und -Programmierern. Man konnte zwischen kompetenten Referaten u.a. aus den folgenden Bereichen wählen:

  • Hilfe-Design
  • Indexing
  • Navigationshilfen
  • Lokalisierung
  • Modularisierung von Windows Help
  • geeignete Autorensysteme
  • Single-Source-Publishing mit SGML

Dabei wurden auch hier, wenn notwendig, die Unterschiede zwischen Windows Help und HTML Help sowie die teilweise auftretenden Schwierigkeiten beim Konvertieren thematisiert. So konnten die Teilnehmer viele wertvolle Praxis-Tips mit nach Hause nehmen – unabhängig davon, mit welchem Hilfesystem sie derzeit arbeiten.

Ein sogenanntes Help Programmers Forum war außerdem speziell den Belangen der Hilfe-Programmierer gewidmet.

Abgerundet wurde die Konferenz durch die Präsentation von Autorensystemen in zwei separaten Anbieter-Veranstaltungen sowie in einer begleitenden Ausstellung. Bei dieser Gelegenheit konnte man sich näher über das für die eigenen Zwecke geeignetste System informieren und die eine oder andere Demo-Version einstecken, die eventuell auf der Konferenz-CD nicht enthalten war.


Fortsetzung folgt...

Der Termin für die nächste On-Line Help Conference steht bereits fest: Sie wird am 10. und 11. Juni 1999 in London stattfinden. Nach dem diesjährigen überzeugenden Konferenzprogramm darf man gespannt sein, was die Veranstalter für die kommende Konferenz planen. Sicher wären sie auch dankbar für weitere kompetente Referenten aus Europa, die ihren Sachverstand gewinnbringend in die Veranstaltung einbringen möchten. Interessenten können sich wenden an:

Digitext
Matthew Ellison
15 High Street
Thame, Oxon
OX9 2BZ
England
Telefon ++44 (0) 1844 214690
Telefax ++44 (0) 1844 213434

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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