|
Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews
Projektmanagement
in der technischen Dokumentation
Artikel
erschienen in
Ausgabe September 1998
Von
Manfred Säufferer
Inhaltsübersicht:
Immer
wieder erleben wir in der Praxis, daß die technische Dokumentation
nicht rechtzeitig mit der Maschine ausgeliefert werden kann. Termin-
und Kostenüberschreitungen bilden hier eher die Regel als
die Ausnahme. Die Folgen sind: unzufriedene Kunden, Imageverlust
und geldwerter Verlust, da der Kunde Zahlungen zurückhält.
Der Ausweg aus diesem Dilemma kann eine genaue Analyse und Planung
der technischen Dokumentation sein, an die sich eine konsequente
Umsetzung mit laufendem Soll/Ist-Vergleich anschließt. Dies
sind typische Aufgabenstellungen für Projektmanagement-Tools,
die richtig eingesetzt viele der genannten Probleme
lösen helfen können.
Technische Dokumentation heute
Die
technische Dokumentation ist heute geprägt von vielen Forderungen
und Ansprüchen aus sehr unterschiedlichen Bereichen:
- Der Kunde
als Nutzer der Dokumentation will ein Produkt so beschrieben
und dargestellt sehen, daß er als Anwender sicher und
gefahrlos damit umgehen kann
- Rechtliche
Vorgaben aus europäischen Richtlinien, Normen und Verordnungen
sowie dem Produkthaftungsgesetz müssen berücksichtigt
werden.
- Eine Vielzahl
unterschiedlicher Dokumentationsarten muß erstellt werden
- Übersetzungen
der Dokumentation in die Sprachen der Zielländer sind zu
erstellen und mit der Maschine auszuliefern.
- Die Dokumentation
ist für unterschiedliche Medien wie Printout, CD-ROM, Internet-
und Intranet-Anwendungen zu konzipieren und zu entwickeln.
Wie
schaffen wir es nun, alle diese Forderungen an die Dokumentation
- termingerecht
- innerhalb
des vorgegebenen Kostenrahmens und
- mit eindeutiger
Zielerreichung, d.h. mit der geforderten Qualität
zu
erfüllen?
Die
Antwort kann lauten: Projektmanagement in der technischen Dokumentation.
Projektmanagement (PM) ist sicher kein Allheilmittel für
alle Probleme, aber richtig und konsequent angewandt ist es ein
wichtiges Hilfsmittel, um die konkurrierenden Anforderungen aus
dem magischen Projekt-Dreieck ins Gleichgewicht zu bringen.
|
Abb.
1: Das magische Projekt-Dreieck
|
Entwicklung des Projektmanagements
Werfen
wir einen Blick zurück zu den Anfängen des Projektmanagements:
Vor rund 40 Jahren hat sich diese Disziplin entwickelt, die
zunächst sehr stark vom Militär und von der NASA
geprägt war. Die PM-Konzepte waren in der Hauptsache
an der Luft- und Raumfahrtindustrie orientiert und wurden
nach und nach an die Bedürfnisse anderer Branchen und
Bereiche angepaßt.
Bei
diesen militärischen Großprojekten stellte man
fest,
- daß
die mittlere zeitliche Verzögerung 50% und die maximale
Zeitüberschreitung sogar 150% betragen hat
- daß
die mittlere Kostenüberschreitung 140% und die größte
Steigerung sogar 600% Kostenerhöhung betragen hat
Was
hat das mit meinen Projekten zu tun?", werden Sie vielleicht
fragen. Aber Hand aufs Herz: Wie oft haben wir bei unseren Projekten
schon die Termine überschritten oder die Kostenvorgaben nicht
eingehalten?
Zwar
kann ich Ihnen nicht versprechen, daß Ihre Projekte durch
den Einsatz von PM-Methoden immer zeit- und kostengerecht fertig
werden, aber eines kann man sicher ableiten: Projektmanagement
zwingt den Anwender, systematisch an seine Aufgaben heranzugehen.
Das heißt:
- eine genaue
Zieldefinition zu erarbeiten (Was soll gemacht werden, innerhalb
welchen Kostenrahmens, in welcher Zeit?)
- eine genaue
Projektstruktur festzulegen (Phasenplan, Projektstrukturplan)
- einen
Termin-, Kosten- und Einsatzmittelplan aufzustellen
- ein Projektteam
und einen Projektverantwortlichen zu benennen und in die Projekt-
und Firmenorganisation zu integrieren
- einen
laufenden Soll/Ist-Vergleich der Projektparameter durchzuführen,
um bei Abweichungen sofort reagieren zu können (Projektmanagement-Regelkreis
- und nicht
zuletzt nach Abschluß des Projektes in einer Erfolgskontrolle
zu ermitteln, ob die wesentlichen Projektgrößen Ziel
(Qualität), Termin und Kosten eingehalten wurden
Dazu gehört
auch eine Dokumentation der Ergebnisse und eine Nachkalkulation
des Projektes, um Schwachstellen zu erkennen und Fehler bei Folgeprojekten
nicht zu wiederholen.
Neue Medien und Projektmanagement
Die
technische Dokumentation wird heute in hohem Maße mit Hilfe
der EDV über vernetzte Arbeitsplätze erstellt. Ein Problem
dabei ist, daß die Daten, die im Betrieb an unterschiedlichen
Stellen anfallen, entsprechend aufbereitet werden müssen.
Hier setzt das Dokumentenmanagement an, das Konzepte für
die durchgängige Datenstruktur im Bereich der Dokumentation
zur Verfügung stellt.
Die
neuen Medien wie Internet, Intranet und E-Mail ermöglichen
es, technische Dokumentation in Telearbeit an unterschiedlichen
Orten zu erstellen. Das kommt der arbeitsteiligen Dokumentenerstellung
entgegen: Projektteams können an beliebigen Orten in der
ganzen Welt sitzen und sich austauschen oder einander zuarbeiten,
bis am Ende die komplette Dokumentation erstellt ist und zusammengefügt
werden kann.
Dies
erfordert einen hohen Abstimmungs- und Koordinationsaufwand, den
der Einsatz von Projektmanagement-Methoden optimieren hilft.
Aufgaben in der technischen Dokumentation
Welche
Aufgaben in der technischen Dokumentation von wem zu erbringen
sind und wo sich hierbei Zeit- und Kostenüberschreitungen
durch mangelnde Koordination und Abstimmung ergeben können,
zeigt Tabelle 1 im Überblick:
|
|
Aufgaben
|
zu
erledigen von
|
zusätzliche
Zeit- und Kostenverursacher
|
|
1
|
Informationen
sammeln,
Interviews
|
technischer
Redakteur
|
Informationen
liegen nicht oder unvollständig vor, Interviewpartner
stehen nicht zur Verfügung
|
|
2
|
Manuskriptentwurf
am Objekt, Entwurf von Text und Bildern
|
technischer
Redakteur
|
keine
genauen Vorgaben, welche Texte und Bilder erstellt werden
müssen
|
|
3
|
Texterfassung
am PC
|
Schreibkraft,
technischer Redakteur
|
Texterfassung
verzögert, weil die Rohtexte nicht oder mangelhaft
vorliegen
|
|
4
|
Bilder
erstellen (Digitalkamera)
|
Fotograf
|
kein
Drehbuch mit Informationen, welche Bilder für welche
Abfolgen notwendig sind
|
|
5
|
Bilder
bearbeiten, Fotos, Strichzeichnungen
|
Grafiker,
Zeichner
|
Strichzeichnungen
nur so gut und detailliert, wie die vorliegenden Bilder
oder Fotos
|
|
6
|
Montage
von Text und Bild
|
technischer
Redakteur
|
keine
konkreten Festlegungen für das Layout
|
|
7
|
Manuskript
zur Prüfung
|
Fachabteilung
|
Manuskriptbeiträge
nicht rechtzeitig fertig
|
|
8
|
Korrekturen
|
Schreibkraft,
technischer Redakteur
|
mehrere
Korrekturdurchläufe nötig
|
|
9
|
Druckverarbeitung
|
Druckerei
|
ungenaue
Vorgaben an Dienstleister
|
|
10
|
Druck
|
Druckerei
|
ungenaue
Vorgaben an Dienstleister
|
|
11
|
Binden,
Verarbeiten
|
Buchbinderei
|
ungenaue
Vorgaben an Dienstleister
|
|
12
|
Versand
|
Fachabteilung
|
unzureichende
interne Abstimmung
|
|
Tab.
1: Aufgaben und zusätzliche Zeit- und Kostenverursacher
in der technischen Dokumentation
|
Vorgehen und Aufgabenstrukturierung mit
Projektmanagement
Effektives
Projektmanagement erfordert eine strukturierte Vorgehensweise
und Aufgabenplanung. Ausgangspunkt dieser Strukturierung ist das
Definieren der Soll-Daten anhand verschiedener PM-Pläne,
um später das Erreichen der Ziele in einem Soll/Ist-Vergleich
überprüfen zu können.
Der
Phasenplan ist die gröbste Form der Darstellung eines Projektes.
Er enthält üblicherweise fünf bis sechs einzelne
Phasen, z.B.:
- Situationsanalyse
(Istzustandserfassung, Sollzustandsdefinition)
- Konzeption
- Entwicklung
des Produktes
- Vorserie
- Produktion
Eine detailliertere
Gliederung des Projektes erfolgt im Projektstrukturplan. Dieser
unterteilt das Projekt aus dem Phasenplan in Teilprojekte und
Arbeitspakete bis hin zu den einzelnen Aktivitäten, die zur
Erreichung des Projektzieles nötig sind. Der Projektstrukturplan
bildet damit die Basis für die anschließende Termin-,
Einsatzmittel- und Kostenplanung.
Die Termin-
und Ablaufplanung legt fest, wie lange ein Vorgang dauert und
wann das gesamte Projekt beendet ist. Aus dem Projektstrukturplan
mit den einzelnen Vorgängen und Aktivitäten werden die
Termine geschätzt oder errechnet. Häufig bestehen zwischen
verschiedenen Projekttätigkeiten logische Abhängigkeiten,
die im Ablaufplan in den Anordnungsbeziehungen der Vorgänge
dargestellt werden.
Die Einsatzmittelplanung
beantwortet die Frage, wie die drei M (Menschen, Maschinen und
Material) kombiniert und eingesetzt werden können.
Was kostet
wieviel und was kostet mein gesamtes Projekt, ist die Frage, die
die Kostenplanung beantworten muß. Die Kosten werden von
der untersten Ebene der einzelnen Vorgänge bis zu der höchsten
Ebene des Projekts hochgerechnet. Dabei sind alle Kosten (Personal-,
Maschinen- und Materialkosten) zu berücksichtigen. Zu den
errechneten Aufwendungen werden Zuschläge für Gemeinkosten
addiert, um die Selbstkosten zu erhalten. Sofern die Dokumentationsabteilung
als Profit-Center arbeitet und sich selbst finanzieren muß,
addiert man zu den Selbstkosten noch einen Gewinnzuschlag, um
den Verkaufspreis zu erhalten.
Wenn die
gesamten Pläne als Soll-Daten vorliegen, ist es möglich,
einen Soll/Ist- Vergleich mit den tatsächlich erreichten
Daten durchzuführen und bei Abweichungen entsprechend korrigierend
einzugreifen. Dieser Projektmanagement-Regelkreis ist eine der
wichtigsten Aufgaben, die der Projektleiter durchzuführen
hat.
Mit den modernen,
EDV-gestützten PM-Programmen kann dies sehr schnell und effektiv
erfolgen: Neuberechnungen der Pläne sind leicht zu erstellen
und auch Alternativen (Was wäre wenn?") können
durchgespielt werden.
Rationalisierungspotentiale durch Projektmanagement
Das
Vorgehen nach Projektmanagement-Methoden erfordert zunächst
einen höheren Aufwand in der Konzeptions- und Planungsphase;
dies wird jedoch in der Realisierungsphase leicht wieder wettgemacht,
da durch den Soll/Ist-Vergleich und die Korrekturmöglichkeiten
ein Arbeiten nach einem Zeit- und Kostenplan möglich ist
(siehe Tabelle 2).
Die
Planungskosten für ein Projekt betragen je nach Komplexität
des Projektes ca. 3 bis 5% der gesamten Kosten. Wenn man
bedenkt, daß durch mangelnde Planung Gesamtkosten-Erhöhungen
von 10 bis 20% oder mehr möglich sind, so sieht man leicht
ein, daß die Planungskosten gut investiert sind.
Nicht
unerwähnt bleiben soll, daß natürlich auch für
die PM-Aufgaben Aufwendungen notwendig sind und dadurch Kosten
entstehen. Deshalb ist dieser Aufwand nur bei komplexen Projekten
gerechtfertigt.
Die
am Markt verfügbaren Projektmanagement-Tools sind leistungsfähig
genug, um die Anforderungen der Dokumentationsersteller abzudecken.
Allerdings gilt auch hier, aus dem großen Angebot das für
die eigenen Bedürfnisse passende Programm auszuwählen.
Mit
dem Kauf eines Programmes ist es aber noch nicht getan: Das Umdenken
muß in den Köpfen stattfinden, die Erkenntnis, daß
nur systematisches Denken und Handeln den gewünschten Erfolg
bringt, muß vorhanden sein!
|
|
Aufgaben
|
Kosten-
und Terminbeeinflußung
|
Ratio-Potentiale
durch PM
|
|
1
|
Situationsanalyse:
Istzustanderfassung, Sollzustandsdefinition
|
Kosten
und Aufwendungen höher, Basis für die weitere
Planungsarbeit
|
hoher Aufwand in der Analysephase
|
|
2
|
Konzeption:
Layoutentwurf,
Manuskriptentwurf am Objekt, Text- und Bildentwurf
|
hoher
Aufwand für die grundsätzliche Planungsarbeit
und die Konzeptentwicklung
|
hoher Aufwand in der Konzeptionsphase durch genaue Vorgaben
und Abstimmungen
|
|
3
|
Entwickeln
der Dokumentation:
Texterfassung am PC,
Fotos, Strichzeichnungen und Zeichnungen erstellen b.z.w.
aus anderen Systemen übernehmen,
Bilder bearbeiten
|
Kosten
und Terminbeeinflussung groß, da durch die vorangegangenen
Schritte die Basis für eine effiziente und zügige
Abwicklung geschaffen wurde
|
durch genaue Vorplanung und Soll/Ist-Vergleich mit Korrekturen
lassen sich Zeit und Kosten einhalten; hoher Abstimmungsaufwand
|
|
4
|
Prototyperstellung:
Layouterstellung,
Einarbeiten von Text, Grafiken, Fotos und Zeichnungen,
Prüfung und Test der Dokumentation,
Korrekturen
|
Kosten
und Terminbeeinflussung groß, da durch die vorliegenden
Termin- und Kostenpläne ein genauer Soll/ Ist -Vergleich
mit Korrekturen möglich ist
|
durch Soll/Ist-Vergleich mit Korrekturen lassen sich Zeit
und Kosten einhalten; geringere Fehlerquote durch bessere
Abstimmung
|
|
5
|
Vorserie
für interne und externe Tests:
Abstimmung,
Korrekturen,
Verabschiedung für die Produktion
|
Kosten
und Terminbeeinflussung groß durch Kosten- und Terminkontrolle
|
durch Soll/Ist-Vergleich mit Korrekturen lassen sich Zeit
und Kosten einhalten
|
|
6
|
Produktion:
Druckaufbereitung,
Druckverarbeitung,
Druck,
Binden und Verarbeiten,
Versand
|
Kosten
und Terminbeeinflussung groß, da durch genaue Abstimmung
mit den externen Dienstleistern eine Umsetzung innerhalb
des Zeit- und Kostenplans möglich ist
|
durch Soll/Ist-Vergleich mit Korrekturen lassen sich Zeit
und Kosten einhalten; Beteiligung der externen Dienstleister
am PM-Konzept
|
|
Tab.
2: Rationalisierungspotentiale in der technischen Dokumentation
(
Ratio-
Potentiale vorhanden;
Ratio-
Potentiale nicht vorhanden)
|
Fazit
Ich
hoffe, Ihnen einige Denkanstöße gegeben zu haben, um
sich mit dem Thema Projektmanagement in der technischen Dokumentation
zu beschäftigen. Sicher liegen auch in Ihrer Dokumentationsabteilung
noch einige Rationalisierungspotentiale. Aber denken Sie nicht
zu lange darüber nach: Fangen Sie heute an!
Hier
muß auch die Frage der durchgängigen Datenstrukturen
und Datenaufbereitung sowie das sinnvolle Einbinden in die Dokumentationen,
das Dokumentenmanagement, berücksichtigt werden. Erst die
Kombination technische Dokumentation Dokumentenmanagement
Projektmanagement wird wirklich die erhofften Einsparungspotentiale
bringen.
|