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Web-Sites
effizient erstellen und verwalten mit Microsoft Frontpage
Artikel
erschienen in
Ausgabe November 1998
Von
Ulrich
Thiele, Alzenau
Inhaltsübersicht:
Angesichts
der Vielfältigkeit der inzwischen verfügbaren Software-Werkzeuge
zur Erstellung von Web-Sites wird man als Web-Autor vielfach mitleidig
belächelt, wenn man (noch) mit Microsoft Frontpage arbeitet.
In der Tat sind die ersten Schritte mit Frontpage auch in der
Version 98 eher frustrierend; dennoch kann man Frontpage einige
schlagende Vorteile nicht absprechen, die sich vor allem durch
eine bemerkenswert hohe Effizienz bei der Pflege einer Web-Site
bezahlt machen.
Frontpage in Kürze
Das in seiner
ersten Version 1996 erschienene Programm-Paket liegt nun als Version
98 in seiner dritten, gereiften Fassung vor. Wie viele Mitbewerber
bietet Frontpage die Erstellung einer Internet-Seite mit einer
Vielzahl von Sonderfunktionen sowohl im DTP-gewohnten Wysiwyg-Modus
als auch mit der Möglichkeit, den erzeugten HTML-Code komfortabel
zu editieren.
In einem
separaten Programmteil sind alle Funktionen zur effizienten Verwaltung
einer auch großen Web-Site untergebracht.
Hier wird die Web-Site beispielsweise über ein interaktives
Blockdiagramm visualisiert, in welchem der Autor mühelos
per Drag & Drop auch umfangreiche Strukturänderungen
und Erweiterungen vornehmen kann: Sämtliche Links innerhalb
der Site sowie die gesamte automatisch gepflegte Navigations-Oberfläche
der einzelnen Seiten werden dabei ohne weiteren Eingriff auf den
aktuellen Stand gebracht.
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Abb.
1: Strukturverwaltung einer Site in Frontpage
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Abb.
2: Überwachung der Seiten- und Bildverknüpfung
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Microsoft
hat wirklich großen Wert auf die Pflege und Erweiterungsfähigkeit
großer Sites gelegt. Frontpage richtet sich daher eher an
die Autorenteams großer Unternehmen als an den Einzelplatz-Programmierer.
Letzterer muß diese Ausrichtung des Programmes mit einer
Vielzahl von tiefen und unerwünschten Eingriffen in sein
Betriebssystem während des Installationsvorganges bezahlen:
Es werden für den Einzelplatz eigentlich überflüssige
Netzwerkkomponenten installiert, ein sogenannter Personal-Webserver
soll das direkte Arbeiten auf einem (nicht vorhandenen) externen
Server erlauben. Auch als fortgeschrittener PC-Nutzer verliert
man leicht den Überblick über das, was sonst noch installiert
wird oder werden soll. Ein Wunder, wenn nach der Installation
schon vorhandene Browser und andere Kommunikations-Komponenten
noch laufen!
Abschließend
sei noch zu bemerken, daß Frontpage eine ressourcenfressende
Anwendung ist, die sich nicht nur in dieser Beziehung
zwanglos in die Riege der anderen Microsoft-Office-Bausteine einreiht.
Ein potenter PC sollte es also schon sein.
So
klappt es auch mit Frontpage
Einmal davon
abgesehen, daß das beiliegende Handbuch glatt an der Zielgruppe
der engagierten Site-Verwalter vorbeigeht und eher als gut gemachte
Werbeschrift für den Home-Anwender durchgehen kann, muß
man unbedingt einige Eigenheiten von Frontpage kennen und beachten,
um mit dem Programm glücklich zu werden.
Das folgende
10-Punkte-Programm listet die wichtigsten Dinge auf, die man unbedingt
oder keinesfalls tun sollte. Sonst wird man schlimmstenfalls mit
dem Verlust der kompletten Site-Struktur oder zumindest mit stundenlangen
Reparaturarbeiten bestraft.
- Niemals
die Update-Version über Frontpage 97 spielen. Es zahlt
sich aus, statt des Updates die Vollversion Frontpage 98 zu
kaufen.
- Nicht
aus Verzweiflung das Buch "Microsoft FrontPage 98"
aus dem Verlag Microsoft Press kaufen; es führt kaum über
das Originalhandbuch hinaus.
- Niemals
HTML-Dateien mit einer anderen Extension als htm verwenden,
alles andere kennt Frontpage nicht.
- Niemals
die erste Seite anders als index.htm benennen, da sonst die
Site-Struktur nicht korrekt verwaltet werden kann.
- Niemals
irgendwelche Dateifunktionen über den Dateimanager des
Betriebssystems innerhalb der Datenverzeichnisse durchführen.
Die Site-Verwaltung klappt nur dann, wenn der Anwender alle
Dateioperationen über den Frontpage-eigenen Dateimanager
vornimmt.
- Die Referenznamen
aller importierten Grafikelemente in Frontpage nachträglich
bearbeiten: Frontpage ändert die Dateinamen der Referenzen
so, daß sie mit Großbuchstaben beginnen. Das ist
unter Windows ohne Bedeutung, aber sobald die Site später
unter einem Case-sensitiven d.h. einem gegenüber
Groß- und Kleinschreibung sensiblen Webserver wie
z.B. Unix betrieben wird, können die Grafikdateien nicht
mehr aufgefunden werden und die Seiten enthalten stattdessen
nur leere Kästchen.
- Tabellen
nicht mit Drag & Drop grafisch bearbeiten, sondern stattdessen
numerisch über die Tabelleneigenschaften. So wird zum Beispiel
beim Ändern der Spaltenbreite mit der Maus die Angabe der
Breite in absolute Pixel verwandelt, auch wenn sie vorher in
Prozent angegeben war. Das führt zwangsläufig zu unerwünschten
Layoutänderungen, die logischerweise auf dem eigenen Entwicklungsplatz
nicht sichtbar sind, sondern erst dem Websurfer mit seiner abweichenden
Bildschirmaufteilung auffallen.
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Abb.
3: Tabelleneditor in Frontpage
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- Die in
Frontpage integrierte Seitenvorschau nur unter Vorbehalt nutzen;
sie ist weder vollkompatibel mit dem Netscape Navigator noch
witzigerweise mit dem Internet Explorer.
- Lassen
Sie Vorsicht walten, wenn Sie außerhalb von Frontpage
den HTML-Code verändern! Manche manuelle Eingriffe löscht
Frontpage beim erneuten Laden und Abspeichern der Seite schlicht
und ergreifend, andere Änderungen ignoriert das Programm
oder stellt sie falsch dar.
- Vertrauen
Sie nicht auf die Kompatibilität mit verschiedenen Browsern!
Eine harte Testumgebung stellt beispielsweise der AOL-Browser
(Version 3.0) dar, natürlich neben den Pflichtanwendungen
Netscape Navigator und Internet Explorer.
Fazit
Nach
der notwendigen Eingewöhnung und nach einer erfolgreichen
Installation des Programmes entpuppt sich das zunächst etwas
spröde wirkende Frontpage 98 als hervorragendes Programm
zur Erstellung und Verwaltung insbesondere großer Web-Sites.
Bei Verwendung der automatisch mitgepflegten Navigations-Oberfläche
sind selbst tiefgreifende Strukturänderungen der Site völlig
problemlos in Sekundenschnelle durchführbar ohne Makros
und Skripte, nur über Drag & Drop. Damit ist Frontpage
eine der effizientesten Lösungen für die Bearbeitung
großer Web-Sites.
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