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Cross-Media-Publishing
mit SGML
Artikel
erschienen in
Ausgabe Dezember 1998
Von
Martin Holzmann
Inhaltsübersicht:
Cross-Media-Publishing
oder auch Single-Source-Publishing sind Schlagworte, die in der
technischen Dokumentation in letzter Zeit immer öfter zu
hören sind. Dieser Beitrag zeigt ein Beispiel-Projekt, bei
dem diese Schlagworte mit Leben gefüllt wurden: Die TC-Toolbox
von Schneider Automation.
Dieses
Projekt geht sogar noch einen Schritt weiter: Es integriert die
Arbeitsschritte Erstellen Übersetzen Publizieren
in verschiedenen Medien in einer Anwendung, so daß nahezu
alle Aufgaben einer Dokumentationsabteilung in einer Prozeßkette
zusammengefaßt sind.
Unser Projekt: die TC-Toolbox
Das
Projekt TC-Toolbox (TC= Technical Communications) wurde von Schneider
Automation mit dem Ziel gestartet, die Dokumentationserstellung
zu rationalisieren und dabei den besonderen Anforderungen dieses
Unternehmens gerecht zu werden.
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| Abb.
1: Eine neue Herangehensweise an die Dokumentationserstellung
und Übersetzung: Eine einzige Quelle bei voller Unterstützung
der Stärken und Besonderheiten der Zielformate |
Schneider
Automation ist einer der international führenden Hersteller
automatisierungstechnischer Produkte, mit Entwicklungs- und Fertigungsstandorten
in Frankreich, den USA und Deutschland. Produktentwicklungen finden
standortübergreifend statt; die technische Dokumentation
muß sich diesen Randbedingungen anpassen und ebenfalls verteilt
arbeiten.
Einige Besonderheiten
des Unternehmens beeinflussen die Dokumentationserstellung zusätzlich:
- Die technische
Dokumentation wird immer am Entwicklungsstandort erstellt. Entwicklungsprojekte
sind über die Standorte hinweg verteilt, so daß Autoren
aus drei Ländern mit der Erstellung der Dokumentation für
ein Produkt beschäftigt sind. Jeder dieser Autoren arbeitet
in seiner Muttersprache, so daß sogar zum gegenseitigen
Korrekturlesen eine Übersetzung erforderlich ist. Dies
bedingt aber auch, daß es zwischen den Autoren sehr genaue
Absprachen und Regeln geben muß, wie die Dokumentation
zu strukturieren ist, bis hin zum eigentlichen Schreibstil.
Der Kunde soll nicht erkennen, daß es sich um das Werk
von vielen Autoren handelt.
- Automatisierungstechnische
Produkte bestehen aus Hard- und Software; erst die Gesamtheit
ergibt das Produkt. Neben der herkömmlichen Papier-Dokumentation
muß die Dokumentation als Windows-Hilfe zur Verfügung
stehen, auch die Hardware-Dokumentation.
- Dokumentation
im Bereich der Automatisierungstechnik ist ein äußerst
langlebiges Gut, genauso wie die Produkte selbst. Schneider
Automation gewährt viele Jahre lang Liefergarantien für
Produkte und Ersatzteile, weit über den eigentlichen Vermarktungszeitraum
hinaus. Hiervon ist natürlich auch die Dokumentation betroffen.
Ziele des Projektes und die Schlüsselelemente
zu deren Erreichung
Die Dokumentation
muß in verschiedenen Formaten zur Verfügung gestellt
werden:
- in der
gewohnten Buchform
- im HTML-Format
- als Windows-Hilfe
und
- als HTML-Hilfe,
dem Nachfolgeformat von Windows-Hilfe
All diese
Formate sollen aus einem einzigen Quellformat generiert werden.
Eine Mehrfacherstellung ist nicht praktikabel, da hierzu einerseits
nicht die notwendigen Kapazitäten an Autoren vorhanden sind
und andererseits Inkonsistenzen zwischen den verschiedenen Formaten
zwangsläufig die Folge wären. Das Schlüsselelement
hierfür ist SGML.
Die meisten
Standard-Publishing-Tools sind auf den einzelnen Autor zugeschnitten
und unterstützen die Zusammenarbeit in einer Gruppe nur bedingt.
Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg ist bei diesen
Tools nur durch den Austausch von Dateien möglich. Daß
diese Dateien auch noch übersetzt werden müssen, bevor
ein Autor an einem anderen Standort überhaupt in der Lage
ist, sie zu verstehen, kommt noch erschwerend hinzu. Die Schlüsselelemente
hierfür sind der Einsatz eines Dokumenten-Management-Systems
(DMS) und die Integration des Übersetzungsprozesses mit Hilfe
von Translation Memories (TM).
Die
unterschiedlichen Formate kennen unterschiedliche Methoden für
Querverweise oder Hyperlinks. In einem Buch findet man z.B. einen
Verweis wie siehe Kapitel 5.3, Seite 128, während
man in einem der Online-Formate nur ein unterstrichenes Wort findet,
das bei Anwahl direkt zu der gewünschten Textstelle führt.
Aber
auch innerhalb der Online-Formate gibt es unterschiedliche Arten
von Hyperlinks: HTML kennt z.B. nur den 1-auf-1-Link, ein unterstrichener
Text führt also immer genau zu einem anderen Topic. Dagegen
unterscheidet die Windows-Hilfe zwischen Sprung und Popup (der
Originaltopic bleibt angezeigt) und kennt zusätzlich noch
den 1-auf-n-Link (ein Absprungpunkt liefert eine Auswahlliste
von mehreren Zielen).
Ziel
ist es, daß im Quelldokument ein Hyperlink nur ein einziges
Mal gesetzt werden muß und dann jeweils passend umgewandelt
wird. Auch muß die Integrität der Hyperlinks zwischen
einzelnen Dokumenten gewährleistet sein. Wird z.B. ein Dokument
gelöscht, auf das ein Hyperlink aus einem anderen Dokument
besteht, muß eine passende Reaktion erfolgen. Das Schlüsselelement
hierfür ist ein Dokumenten-Management-System, das nicht nur
Informationen über Dokumente verwaltet, sondern bis zu einem
gewissen Grad auch deren Inhalt.
Insbesondere
die Online-Formate unterliegen einer ständigen Veränderung
oder werden zum Teil ganz und gar ersetzt. Beispiele sind Windows-Hilfe
und HTML-Hilfe oder der aufkommende Standard XML, der HTML ergänzen
wird. Es sollte möglich sein, einmal erstellte Dokumente
in neuen Formaten zu präsentieren, ohne diese zu überarbeiten.
Das Schlüsselelement hierfür ist SGML.
Jeder,
der schon länger mit Dokumentationserstellung zu tun hat,
kennt das Problem: Ein Handbuch, das vor einigen Jahren geschrieben
wurde, soll überarbeitet werden. Nicht selten existieren
die Programme, mit denen das Dokument ursprünglich erstellt
wurde, nicht mehr. Mit etwas Glück lassen sich solche Dokumente
dann in einem anderen Programm öffnen; in den meisten Fällen
werden sie allerdings erheblich nachformatiert werden müssen.
Doch auch der völlige Verlust der Daten ist möglich.
Ein Ziel der TC-Toolbox ist, eben solche Risiken zu minimieren.
Das Schlüsselelement hierfür ist SGML.
Langjährige
Autoren verfügen über ein großes Maß an
Erfahrung im Umgang mit Textverarbeitungs- und DTP-Systemen. Sie
haben gelernt, mit diesen Systemen effizient zu arbeiten. Es ist
nicht zumutbar und verringert die Produktivität erheblich,
wenn sich die Benutzung eines Tools eher an Programmierern orientiert
als an der gewohnten Arbeitsumgebung; es sollte leicht handhabbar
sein. Das Schlüsselelement hierfür ist Adobe FrameMaker+SGML.
Abschließend
ist noch ein Punkt zu berücksichtigen, der in manchem SGML-Projekt
der technischen Dokumentation vernachläßigt wird: Unterschiedliche
Medien benötigen unterschiedliche logische Dokumentstrukturen,
um ergonomische Kriterien zu erfüllen. Um dies zu erreichen,
werden die Dokumente nicht von einem Format in ein anderes gefiltert,
sondern sie werden konvertiert und damit nicht nur formatmäßig
verändert, sondern auch strukturell angepaßt.
Schlüsselelement SGML
SGML
(= Standard Generalized Markup Language) ist ein in ISO 8879 festgelegter
Standard, der eine Sprache beschreibt, mit der man Dokumentstrukturen
definieren kann. Ein SGML-Dokument ist ein reiner ASCII-Text,
in dem die einzelnen Textteile durch spezielle Auszeichnungen
(Tags) markiert sind und der nach festen Regeln strukturiert ist.
Diese Strukturregeln werden in einer eigenen Definitionsdatei
festgelegt, der Document Type Definition (DTD). Das SGML-Dokument
enthält keinerlei Hinweise auf seine optische Aufbereitung,
ist also frei von Formatinformationen.
SGML
überführt geschriebene Informationen in Daten. Ein normaler
Text in einem DTP-System ist eben nichts anderes als Text, der
hier und da durch Formatinformationen optisch strukturiert wird.
Will der Autor diese Formatierung ändern, so muß er
dies von Hand durchführen.
Oftmals
finden sich in solchen Texten allerdings auch noch Daten, die
entweder aus einem anderen System übernommen oder aber einem
anderen Dokument wiederverwendet werden könnten. Die technischen
Daten eines Produktes etwa könnten sowohl in einem Handbuch
als auch in einem Katalog identisch sein. Da es in einer normalen
Textverarbeitung allerdings nicht möglich ist zu erkennen,
welcher Textausschnitt denn nun die technischen Daten sind, müssen
diese für jede Anwendung wieder erfaßt werden.
Mit
SGML wird dieses Problem gelöst: Jeder Text wird durch einen
Tag identifiziert. Der Tag könnte in unserem Beispiel <Technische
Daten> .... </Technische Daten> lauten. Jetzt ist auch
innerhalb eines umfangreichen Dokuments zu erkennen, welcher Bereich
die technischen Daten beschreibt.
Wie
weit man bei der Aufspaltung in identifizierbare Textobjekte geht,
hängt von der Anwendung ab, die man damit realisieren will.
Diese Aufspaltung wird in der Document Type Definition festgehalten.
Hier werden nicht nur alle Elemente definiert, die es in einem
Dokument geben darf, das nach dieser DTD geschrieben worden ist,
sondern es wird darüber hinaus die Reihenfolge definiert,
in der diese Elemente auftauchen dürfen.
Aufgrund
dieser Eigenschaften lassen sich SGML-Dokumente mit Hilfe von
darauf zugeschnittenen Programmen
- wie eine
Datenbank abfragen
- beliebig
umstrukturieren und
- problemlos
und verlustfrei in andere Formate konvertieren
Als ISO-Standard
ist SGML zudem herstellerunabhängig. Im Markt gibt es die
verschiedensten Tools, mit denen SGML Dokumente erstellt, manipuliert
und publiziert werden können. Diese Tools können beliebig
miteinander kombiniert werden, da alles, was diese Tools über
ein Dokument wissen müssen, in der DTD enthalten ist. Die
Dokumentbasis ist also optimal geschützt.
SGML-Dokumente
können vom Autor nur nach der in der DTD vorgegebenen Strukturregel
erstellt werden. Abweichungen von dieser Struktur lassen SGML-Editoren
nicht zu (oder nur temporär in der Erstellungsphase). Autoren,
die an einem Projekt an verschiedenen Standorten arbeiten, erstellen
somit Dokumente, die zumindest strukturell zueinander passen.
Dies bedeutet nicht, daß die Dokumente auch inhaltlich zueinander
passen, hilft jedoch schon ein gutes Stück weiter. Es ersetzt
allerdings nicht die intensive Zusammenarbeit von Autoren auch
über Ländergrenzen hinweg. 
Schlüsselelement Dokumenten-Management-System
(DMS)
Ein
Ziel des Projektes war es, Dokumente in vielen unterschiedlichen
Publikationen wiederverwenden zu können. Deshalb wurden die
Dokumentationen in viele kleine SGML-Dokumente zerlegt, die dann
modular wieder zu einer Publikation zusammengefügt werden
können. Dies erhöht allerdings die Anzahl der Dokumente
erheblich. Ohne entsprechende Unterstützung geht der Überblick
schnell verloren.
Die
verteilte Arbeitsweise von Schneider Automation macht es zusätzlich
erforderlich, daß Dokumente den Autoren aller Standorte
zur Verfügung stehen. Auch hierfür ist ein DMS zwingend
notwendig.
Das
Dokumenten-Management-System muß die folgenden Funktionen
abdecken:
- Zugriff
der Autoren zu den Dokumenten verwalten:
Es muß sichergestellt sein, daß nicht mehrere Autoren
gleichzeitig an einem Dokument arbeiten. Die Autoren müssen
außerdem erkennen können, wer ein Dokument erstellt
hat, Informationen über die Gültigkeit eines Dokuments
erhalten etc.
- Versionen
der Dokumente verwalten:
Dokumente werden oftmals mehrfach überarbeitet, weil sich
das Produkt ändert, das sie beschreiben. Die alten Versionen
sind deswegen nicht ungültig, sie beschreiben nur eine
andere Version des Produktes und müssen gegebenenfalls
auch wieder publiziert werden können.
- Translation
Memories dokumentbezogen verwalten:
Verwaltung und Pflege der Translation Memories (TM) sind ohne
die Einbindung in ein DMS mit erheblichem Aufwand verbunden.
Werden Dokumente übersetzt, muß die automatische
Vorübersetzung anhand der dazu passenden TM erfolgen. Nicht
jede Übersetzung kann als Grundlage der Übersetzung
eines beliebigen anderen Dokuments dienen; sie muß vielmehr
entsprechend dem Themengebiet zugewiesen werden. Dies kann mit
Hilfe des DMS automatisch erfolgen.
- Konsistenz
der Querverweise zwischen Dokumenten sicherstellen:
Querverweise setzen die Autoren zu einem Zeitpunkt, zu dem eine
Publikation noch nicht fertiggestellt ist. Im Laufe der Erstellung
können Dokumente, auf die Querverweise existieren, verändert
oder gar gelöscht werden. Hier muß das DMS entsprechende
Unterstützung bieten, die den Autor z.B. beim Löschen
davor warnt, daß er nun ein Querverweisziel entfernt hat
und nun auch noch ein anderes Dokument überarbeiten muß
nämlich das, von dem der Verweis ausging. Diese
Funktion bedingt, daß das DMS nicht nur Informationen
über ein Dokument hat, sondern auch den Inhalt eines Dokuments
teilweise interpretieren kann.
Anhand dieser
Stückliste kann die Publikation zu jedem Zeitpunkt wiederhergestellt
werden.
Schlüsselelement Translation Memories (TM)
Im
Bereich der technischen Dokumentation stellt nicht die komplette
Neuübersetzung eines Dokuments den Normalfall dar, sondern
das Nachübersetzen von Ergänzungen und Korrekturen an
einem bestehenden Dokument. Hier wird beim herkömmlichen
Übersetzungsprozeß viel Arbeit darauf verwendet, daß
der Autor alle Änderungen in einem Dokument markiert und
dem Übersetzer somit mitteilt, was er zu bearbeiten hat.
Der Übersetzer muß dann mit dem gleichen Programm wie
der Autor die fremdsprachigen Dokumente bearbeiten und neu formatieren.
Die meisten dieser Schritte werden durch Translation Memories
überflüssig.
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Abb.
2: Der Übersetzungsprozeß mit Translation Memories
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Der
erste Schritt bei der Übersetzung mit einem TM-System ist,
daß die Textinformation von der Format- und Grafikinformation
getrennt wird. Der Übersetzer erhält nur einen Text;
Formatierungsarbeiten und die Notwendigkeit, das gleiche Programm
wie der Autor zu benutzen, entfallen. Ist der Text übersetzt,
wird die Formatinformation wieder zum Text hinzugefügt. Ein
fertig formatiertes Dokument ist das Resultat.
Handelt
es sich nun um eine Nachübersetzung, wird der neue Text mit
allen bereits übersetzten Texten verglichen und jene Teile,
die schon übersetzt vorliegen, werden automatisch wieder
in die Datei eingebunden. Der Übersetzer erhält so ein
gemischtsprachliches Dokument und muß nur noch den tatsächlich
neuen Anteil übersetzen. Der Rest geht wie zuvor: Die Formatinformation
wird hinzugefügt, und das Dokument ist fertig.
Zusätzlich
stellt ein TM-System in der Regel eine ausgereifte Terminologiedatenbank
zur Verfügung und hilft somit, die Qualität der Übersetzung
zu verbessern.
Der
Einsatz eines TM-Systems bietet die folgenden Vorteile:
- Es spart
Kosten, da Doppelübersetzungen entfallen.
- Es verringert
den Vorbereitungsaufwand für den Author: Die Differenzen
zwischen zwei Versionen sucht das TM-System selbst heraus.
- Es erhöht
die Konsistenz der Übersetzung, da gleiche Texte immer
gleich übersetzt werden.
- Die Terminologieunterstützung
erhöht die Konsistenz der benutzten Termini und verringert
ebenfalls die Kosten der Übersetzung, da die Terminologie
automatisch in den Text übernommen werden kann.

Schlüsselelement Adobe FrameMaker+SGML
FrameMaker+SGML
ist die Kombination einer Desktop-Publishing-Software mit einem
SGML-Editor. FrameMaker bietet ausgezeichnete Layout- und Gestaltungsmöglichkeiten;
die Unterstützung von SGML ermöglicht es, Dokumente
strukturiert zu erstellen, d.h. dem Autor eine klare Führung
beim Editieren zu geben. Mit Hilfe der Struktur die in
Form eines Baumes dargestellt wird, wie er vom Windows Explorer
her bekannt ist ist es dem Autor möglich, sehr schnell
und effektiv Strukturänderungen am Dokument vorzunehmen.
Die
Umstellung auf eine vollständig strukturierte Editierumgebung
ist eine starke Veränderung in der Arbeitsweise von Autoren.
Reine SGML-Editoren unterscheiden sich von dem, was ein Autor
als Editierumgebung gewohnt ist, erheblich. Die Kombination von
DTP und SGML-Editor beseitigt diese Anfangshürde nahezu vollständig.

Der Clou: Die Konvertierung
Viele
unterschiedliche Tools (von Microsoft Word bis hin zu Doc to Help)
haben sich auf die Fahnen geschrieben, aus einer Quelle auf Knopfdruck
die unterschiedlichsten Formate zu erzeugen. Diese Fähigkeit
ist auch ohne Zweifel vorhanden. Ob diese Formate allerdings tatsächlich
medienspezifisch aufbereitet werden, steht auf einem anderen Blatt.
All diese Formatkonvertierungen sind mehr oder weniger lineare
Konvertierungen: Die Struktur des Ausgangstextes wird ohne
diese Struktur zu verändern in ein anderes Dateiformat
konvertiert. Wenn diese unterschiedlichen Formate dann aber auch
unterschiedliche Medien bedeuten, wird diese Vorgehensweise problematisch.
Probleme
mit herkömmlichen Tools entstehen an zwei Stellen:
- bei der
Anpassung an verschiedene Medien:
Ein Fall, der wohl in jeder Dokumentation vorkommt, ist eine
Abbildung mit einem dazugehörigen Titel. Dieser Titel sollte
nun aus ergonomischen Gründen in einer Papier-Dokumentation
als Bildunterschrift auftauchen. In einer Online-Dokumentation
sollte der Titel hingegen als Bildüberschrift erscheinen,
da hier nicht gewährleistet ist, daß der Leser auf
seinem Bildschirm Text und Bild gleichzeitig sieht. Dies ist
eine Veränderung der Struktur des Dokuments und durch einen
linearen Konverter nicht mehr zu erreichen. Das Ergebnis eines
herkömmlichen Tools ist also strukturell entweder ein Buch
am Bildschirm oder ein Online Dokument auf dem Papier.
- bei der
Übersetzung:
Das Umsetzen in ein anderes Format geschieht zwar auf Knopfdruck,
für ein gutes Hilfe-System beispielsweise ist jedoch noch
eine ganze Menge Nacharbeit notwendig: Soll das Dokument übersetzt
werden, muß man sich entscheiden, was die Quelle ist und
übersetzt wird und was das Ziel ist und damit nach der
Übersetzung wieder aufbereitet werden muß.
In einem
SGML-Dokument läßt sich jedes Element eindeutig identifizieren.
Um bei dem Beispiel mit dem Bild und dem dazugehörigen Titel
zu bleiben, könnte dies in SGML z.B. folgendermaßen
aussehen:
- Es gibt
ein Element Abbildung.
- Das Element
Abbildung besteht aus:
- Bild
- Titel
Die Reihenfolge
von Bild und Titel kann nun für das Editieren fest definiert
sein, z.B. zuerst das Bild und dann der Titel. Dies spielt jedoch
für die Ausgabe auf Papier oder als Online-Dokument keine
Rolle. Da die Elemente identifizierbar sind, können diese
vor der Konvertierung in das eigentliche Zielformat in jede gewünschte
Reihenfolge gebracht werden.
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| Abb.
3: Der Clou: die Konvertierung |
Das Ergebnis:
- Für
jedes Zielformat/Medium kann die optimale Struktur durch Konvertierung
der SGML-Daten gewonnen werden.
- Veränderungen
im Zielformat (z.B. HTML wird erweitert) können durch eine
Veränderung der Konvertierung berücksichtigt werden,
ohne daß dies eine Änderung der Quelldatei bedingt.
Die Quelldaten sind tatsächlich optimal geschützt.

Wie arbeiten die Schlüsselelemente zusammen?
Das Zusammenspiel
der einzelnenSchlüsselelemente gestaltet sich wie folgt:
- Die Dokumentation
wird aus vielen kleinen SGML-Dokumenten aufgebaut. Diese werden
mit FrameMaker+SGML erstellt.
- Die Dokumente
werden zentral im Datenpool gespeichert
- Das Dokumenten-Management-System
übernimmt die Verwaltung aller Dokumente im Datenpool.
- Die SGML-Dokumente
werden unter der Kontrolle des DMS dem Translationsprozeß
übergeben.
- Die übersetzten
Dokumente werden wieder im Datenpool gespeichert.
- In einem
getrennten Prozeßschritt werden die Ausgabeprodukte durch
Konvertierung aus den SGML-Daten hergestellt.
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Abb.
4: Wie arbeitet alles zusammen?
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Vor- und Nachteile der TC-Toolbox
Die dargestellte
Reorganisation des Dokumentationsprozesses mit der TC-Toolbox
führt zusammenfassend zu folgenden Vorteilen:
- Papier-,
HTML- und Hilfe-Dokumente sind konsistent.
- SGML-Dokumente
können mehrfach in verschiedenen Publikationen verwendet
werden; hierdurch wird die Dokumentationserstellung beschleunigt.
- Die Übersetzung
ist zeitlich quasi parallel zur Originalsprache verfügbar;
internationale Märkte können schneller bedient werden.
- Verteilte
Dokumentationserstellung ist tatsächlich möglich,
selbst über Ländergrenzen hinweg.
- Das jeweilige
Zielformat wird optimal unterstützt.
- Eine Anpassung
an neu aufkommende Standardformate wie z.B. XML ist problemlos
möglich ohne die Quelle zu ändern. Die Dokumentbasis
ist auf lange Zeit geschützt.
Einen Nachteil
gibt es allerdings auch: Die TC-Toolbox ist keine Standardlösung.
Sie ist vielmehr eine Applikation, die immer an die Anforderungen
des jeweiligen Unternehmens angepaßt werden muß.
Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen
haben aber gezeigt, daß sich die Aufwände bei Schneider
Automation nach ca. einem Jahr produktiven Einsatzes wieder amortisiert
haben. Weitere Projekte, die auf der gleichen Architektur ansetzen,
können in Zukunft preiswerter erstellt werden.
Fazit
Dokumentationen
und deren Übersetzung waren und sind heute noch oftmals Bremsklötze
für die Markteinführung von Produkten. Dokumentation
wird zumeist im Anschluß an die Produktentwicklung erstellt,
steht damit unter enormem Zeitdruck und wird trotzdem häufig
zu spät fertig die Übersetzung dann noch später.
Dies hat auch negativen Einfluß auf die Qualität der
Dokumentation, da jeder Tag, den man für Korrekturen, Tests
und Optimierungen opfert, den Umsatz negativ beeinflußt.
Lösungen
wie die TC-Toolbox ermöglichen es Unternehmen, ihre Produkte
schneller und kostengünstiger für internationale Märkte
verfügbar zu machen. Höhere Anfangsinvestitionen amortisieren
sich oftmals schon innerhalb von Jahresfrist, selbst wenn der
positive Einfluß auf den Umsatz nicht berücksichtigt
wird.
Fit
zu sein für den globalen Wettbewerb ist auch für die
technische Dokumentation eine Herausforderung, aber keine unlösbare
Aufgabe. 
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