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Cross-Media-Publishing mit SGML

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Dezember 1998

Von Martin Holzmann

Inhaltsübersicht:

Cross-Media-Publishing oder auch Single-Source-Publishing sind Schlagworte, die in der technischen Dokumentation in letzter Zeit immer öfter zu hören sind. Dieser Beitrag zeigt ein Beispiel-Projekt, bei dem diese Schlagworte mit Leben gefüllt wurden: Die TC-Toolbox von Schneider Automation.

Dieses Projekt geht sogar noch einen Schritt weiter: Es integriert die Arbeitsschritte Erstellen – Übersetzen – Publizieren in verschiedenen Medien in einer Anwendung, so daß nahezu alle Aufgaben einer Dokumentationsabteilung in einer Prozeßkette zusammengefaßt sind.


Unser Projekt: die TC-Toolbox

Das Projekt TC-Toolbox (TC= Technical Communications) wurde von Schneider Automation mit dem Ziel gestartet, die Dokumentationserstellung zu rationalisieren und dabei den besonderen Anforderungen dieses Unternehmens gerecht zu werden.

Abb. 1: Eine neue Herangehensweise an die Dokumentationserstellung und Übersetzung: Eine einzige Quelle bei voller Unterstützung der Stärken und Besonderheiten der Zielformate

Schneider Automation ist einer der international führenden Hersteller automatisierungstechnischer Produkte, mit Entwicklungs- und Fertigungsstandorten in Frankreich, den USA und Deutschland. Produktentwicklungen finden standortübergreifend statt; die technische Dokumentation muß sich diesen Randbedingungen anpassen und ebenfalls verteilt arbeiten.

Einige Besonderheiten des Unternehmens beeinflussen die Dokumentationserstellung zusätzlich:

  • Die technische Dokumentation wird immer am Entwicklungsstandort erstellt. Entwicklungsprojekte sind über die Standorte hinweg verteilt, so daß Autoren aus drei Ländern mit der Erstellung der Dokumentation für ein Produkt beschäftigt sind. Jeder dieser Autoren arbeitet in seiner Muttersprache, so daß sogar zum gegenseitigen Korrekturlesen eine Übersetzung erforderlich ist. Dies bedingt aber auch, daß es zwischen den Autoren sehr genaue Absprachen und Regeln geben muß, wie die Dokumentation zu strukturieren ist, bis hin zum eigentlichen Schreibstil. Der Kunde soll nicht erkennen, daß es sich um das Werk von vielen Autoren handelt.
  • Automatisierungstechnische Produkte bestehen aus Hard- und Software; erst die Gesamtheit ergibt das Produkt. Neben der herkömmlichen Papier-Dokumentation muß die Dokumentation als Windows-Hilfe zur Verfügung stehen, auch die Hardware-Dokumentation.
  • Dokumentation im Bereich der Automatisierungstechnik ist ein äußerst langlebiges Gut, genauso wie die Produkte selbst. Schneider Automation gewährt viele Jahre lang Liefergarantien für Produkte und Ersatzteile, weit über den eigentlichen Vermarktungszeitraum hinaus. Hiervon ist natürlich auch die Dokumentation betroffen.



Ziele des Projektes und die Schlüsselelemente zu deren Erreichung

Die Dokumentation muß in verschiedenen Formaten zur Verfügung gestellt werden:

  • in der gewohnten Buchform
  • im HTML-Format
  • als Windows-Hilfe und
  • als HTML-Hilfe, dem Nachfolgeformat von Windows-Hilfe

All diese Formate sollen aus einem einzigen Quellformat generiert werden. Eine Mehrfacherstellung ist nicht praktikabel, da hierzu einerseits nicht die notwendigen Kapazitäten an Autoren vorhanden sind und andererseits Inkonsistenzen zwischen den verschiedenen Formaten zwangsläufig die Folge wären. Das Schlüsselelement hierfür ist SGML.

Die meisten Standard-Publishing-Tools sind auf den einzelnen Autor zugeschnitten und unterstützen die Zusammenarbeit in einer Gruppe nur bedingt. Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg ist bei diesen Tools nur durch den Austausch von Dateien möglich. Daß diese Dateien auch noch übersetzt werden müssen, bevor ein Autor an einem anderen Standort überhaupt in der Lage ist, sie zu verstehen, kommt noch erschwerend hinzu. Die Schlüsselelemente hierfür sind der Einsatz eines Dokumenten-Management-Systems (DMS) und die Integration des Übersetzungsprozesses mit Hilfe von Translation Memories (TM).

Die unterschiedlichen Formate kennen unterschiedliche Methoden für Querverweise oder Hyperlinks. In einem Buch findet man z.B. einen Verweis wie “siehe Kapitel 5.3, Seite 128“, während man in einem der Online-Formate nur ein unterstrichenes Wort findet, das bei Anwahl direkt zu der gewünschten Textstelle führt.

Aber auch innerhalb der Online-Formate gibt es unterschiedliche Arten von Hyperlinks: HTML kennt z.B. nur den 1-auf-1-Link, ein unterstrichener Text führt also immer genau zu einem anderen Topic. Dagegen unterscheidet die Windows-Hilfe zwischen Sprung und Popup (der Originaltopic bleibt angezeigt) und kennt zusätzlich noch den 1-auf-n-Link (ein Absprungpunkt liefert eine Auswahlliste von mehreren Zielen).

Ziel ist es, daß im Quelldokument ein Hyperlink nur ein einziges Mal gesetzt werden muß und dann jeweils passend umgewandelt wird. Auch muß die Integrität der Hyperlinks zwischen einzelnen Dokumenten gewährleistet sein. Wird z.B. ein Dokument gelöscht, auf das ein Hyperlink aus einem anderen Dokument besteht, muß eine passende Reaktion erfolgen. Das Schlüsselelement hierfür ist ein Dokumenten-Management-System, das nicht nur Informationen über Dokumente verwaltet, sondern bis zu einem gewissen Grad auch deren Inhalt.

Insbesondere die Online-Formate unterliegen einer ständigen Veränderung oder werden zum Teil ganz und gar ersetzt. Beispiele sind Windows-Hilfe und HTML-Hilfe oder der aufkommende Standard XML, der HTML ergänzen wird. Es sollte möglich sein, einmal erstellte Dokumente in neuen Formaten zu präsentieren, ohne diese zu überarbeiten. Das Schlüsselelement hierfür ist SGML.

Jeder, der schon länger mit Dokumentationserstellung zu tun hat, kennt das Problem: Ein Handbuch, das vor einigen Jahren geschrieben wurde, soll überarbeitet werden. Nicht selten existieren die Programme, mit denen das Dokument ursprünglich erstellt wurde, nicht mehr. Mit etwas Glück lassen sich solche Dokumente dann in einem anderen Programm öffnen; in den meisten Fällen werden sie allerdings erheblich nachformatiert werden müssen. Doch auch der völlige Verlust der Daten ist möglich. Ein Ziel der TC-Toolbox ist, eben solche Risiken zu minimieren. Das Schlüsselelement hierfür ist SGML.

Langjährige Autoren verfügen über ein großes Maß an Erfahrung im Umgang mit Textverarbeitungs- und DTP-Systemen. Sie haben gelernt, mit diesen Systemen effizient zu arbeiten. Es ist nicht zumutbar und verringert die Produktivität erheblich, wenn sich die Benutzung eines Tools eher an Programmierern orientiert als an der gewohnten Arbeitsumgebung; es sollte leicht handhabbar sein. Das Schlüsselelement hierfür ist Adobe FrameMaker+SGML.

Abschließend ist noch ein Punkt zu berücksichtigen, der in manchem SGML-Projekt der technischen Dokumentation vernachläßigt wird: Unterschiedliche Medien benötigen unterschiedliche logische Dokumentstrukturen, um ergonomische Kriterien zu erfüllen. Um dies zu erreichen, werden die Dokumente nicht von einem Format in ein anderes gefiltert, sondern sie werden konvertiert – und damit nicht nur formatmäßig verändert, sondern auch strukturell angepaßt.


Schlüsselelement SGML

SGML (= Standard Generalized Markup Language) ist ein in ISO 8879 festgelegter Standard, der eine Sprache beschreibt, mit der man Dokumentstrukturen definieren kann. Ein SGML-Dokument ist ein reiner ASCII-Text, in dem die einzelnen Textteile durch spezielle Auszeichnungen (Tags) markiert sind und der nach festen Regeln strukturiert ist. Diese Strukturregeln werden in einer eigenen Definitionsdatei festgelegt, der Document Type Definition (DTD). Das SGML-Dokument enthält keinerlei Hinweise auf seine optische Aufbereitung, ist also frei von Formatinformationen.

SGML überführt geschriebene Informationen in Daten. Ein normaler Text in einem DTP-System ist eben nichts anderes als Text, der hier und da durch Formatinformationen optisch strukturiert wird. Will der Autor diese Formatierung ändern, so muß er dies von Hand durchführen.

Oftmals finden sich in solchen Texten allerdings auch noch Daten, die entweder aus einem anderen System übernommen oder aber einem anderen Dokument wiederverwendet werden könnten. Die technischen Daten eines Produktes etwa könnten sowohl in einem Handbuch als auch in einem Katalog identisch sein. Da es in einer normalen Textverarbeitung allerdings nicht möglich ist zu erkennen, welcher Textausschnitt denn nun die technischen Daten sind, müssen diese für jede Anwendung wieder erfaßt werden.

Mit SGML wird dieses Problem gelöst: Jeder Text wird durch einen Tag identifiziert. Der Tag könnte in unserem Beispiel <Technische Daten> .... </Technische Daten> lauten. Jetzt ist auch innerhalb eines umfangreichen Dokuments zu erkennen, welcher Bereich die technischen Daten beschreibt.

Wie weit man bei der Aufspaltung in identifizierbare Textobjekte geht, hängt von der Anwendung ab, die man damit realisieren will. Diese Aufspaltung wird in der Document Type Definition festgehalten. Hier werden nicht nur alle Elemente definiert, die es in einem Dokument geben darf, das nach dieser DTD geschrieben worden ist, sondern es wird darüber hinaus die Reihenfolge definiert, in der diese Elemente auftauchen dürfen.

Aufgrund dieser Eigenschaften lassen sich SGML-Dokumente mit Hilfe von darauf zugeschnittenen Programmen

  • wie eine Datenbank abfragen
  • beliebig umstrukturieren und
  • problemlos und verlustfrei in andere Formate konvertieren

Als ISO-Standard ist SGML zudem herstellerunabhängig. Im Markt gibt es die verschiedensten Tools, mit denen SGML Dokumente erstellt, manipuliert und publiziert werden können. Diese Tools können beliebig miteinander kombiniert werden, da alles, was diese Tools über ein Dokument wissen müssen, in der DTD enthalten ist. Die Dokumentbasis ist also optimal geschützt.

SGML-Dokumente können vom Autor nur nach der in der DTD vorgegebenen Strukturregel erstellt werden. Abweichungen von dieser Struktur lassen SGML-Editoren nicht zu (oder nur temporär in der Erstellungsphase). Autoren, die an einem Projekt an verschiedenen Standorten arbeiten, erstellen somit Dokumente, die zumindest strukturell zueinander passen. Dies bedeutet nicht, daß die Dokumente auch inhaltlich zueinander passen, hilft jedoch schon ein gutes Stück weiter. Es ersetzt allerdings nicht die intensive Zusammenarbeit von Autoren auch über Ländergrenzen hinweg.


Schlüsselelement Dokumenten-Management-System (DMS)

Ein Ziel des Projektes war es, Dokumente in vielen unterschiedlichen Publikationen wiederverwenden zu können. Deshalb wurden die Dokumentationen in viele kleine SGML-Dokumente zerlegt, die dann modular wieder zu einer Publikation zusammengefügt werden können. Dies erhöht allerdings die Anzahl der Dokumente erheblich. Ohne entsprechende Unterstützung geht der Überblick schnell verloren.

Die verteilte Arbeitsweise von Schneider Automation macht es zusätzlich erforderlich, daß Dokumente den Autoren aller Standorte zur Verfügung stehen. Auch hierfür ist ein DMS zwingend notwendig.

Das Dokumenten-Management-System muß die folgenden Funktionen abdecken:

  • Zugriff der Autoren zu den Dokumenten verwalten:
    Es muß sichergestellt sein, daß nicht mehrere Autoren gleichzeitig an einem Dokument arbeiten. Die Autoren müssen außerdem erkennen können, wer ein Dokument erstellt hat, Informationen über die Gültigkeit eines Dokuments erhalten etc.
  • Versionen der Dokumente verwalten:
    Dokumente werden oftmals mehrfach überarbeitet, weil sich das Produkt ändert, das sie beschreiben. Die alten Versionen sind deswegen nicht ungültig, sie beschreiben nur eine andere Version des Produktes und müssen gegebenenfalls auch wieder publiziert werden können.
  • Translation Memories dokumentbezogen verwalten:
    Verwaltung und Pflege der Translation Memories (TM) sind ohne die Einbindung in ein DMS mit erheblichem Aufwand verbunden. Werden Dokumente übersetzt, muß die automatische Vorübersetzung anhand der dazu passenden TM erfolgen. Nicht jede Übersetzung kann als Grundlage der Übersetzung eines beliebigen anderen Dokuments dienen; sie muß vielmehr entsprechend dem Themengebiet zugewiesen werden. Dies kann mit Hilfe des DMS automatisch erfolgen.
  • Konsistenz der Querverweise zwischen Dokumenten sicherstellen:
    Querverweise setzen die Autoren zu einem Zeitpunkt, zu dem eine Publikation noch nicht fertiggestellt ist. Im Laufe der Erstellung können Dokumente, auf die Querverweise existieren, verändert oder gar gelöscht werden. Hier muß das DMS entsprechende Unterstützung bieten, die den Autor z.B. beim Löschen davor warnt, daß er nun ein Querverweisziel entfernt hat und nun auch noch ein anderes Dokument überarbeiten muß – nämlich das, von dem der Verweis ausging. Diese Funktion bedingt, daß das DMS nicht nur Informationen über ein Dokument hat, sondern auch den Inhalt eines Dokuments teilweise interpretieren kann.
  • Zusammenstellung der Endprodukte unterstützen:
    Die einzelnen Module, aus denen sich eine Publikation zusammensetzt, müssen in einer Art Stückliste hierarchisch zusammengestellt werden. Diesen Vorgang muß das DMS unterstützen. In der Stückliste muß enthalten sein:
  • - die Dokument-ID
    - die Dokumentversion
    - die Dokumentsprache

Anhand dieser Stückliste kann die Publikation zu jedem Zeitpunkt wiederhergestellt werden.


Schlüsselelement Translation Memories (TM)

Im Bereich der technischen Dokumentation stellt nicht die komplette Neuübersetzung eines Dokuments den Normalfall dar, sondern das Nachübersetzen von Ergänzungen und Korrekturen an einem bestehenden Dokument. Hier wird beim herkömmlichen Übersetzungsprozeß viel Arbeit darauf verwendet, daß der Autor alle Änderungen in einem Dokument markiert und dem Übersetzer somit mitteilt, was er zu bearbeiten hat. Der Übersetzer muß dann mit dem gleichen Programm wie der Autor die fremdsprachigen Dokumente bearbeiten und neu formatieren. Die meisten dieser Schritte werden durch Translation Memories überflüssig.

Schlüsselelement Translation Memories (TM)

Abb. 2: Der Übersetzungsprozeß mit Translation Memories

Der erste Schritt bei der Übersetzung mit einem TM-System ist, daß die Textinformation von der Format- und Grafikinformation getrennt wird. Der Übersetzer erhält nur einen Text; Formatierungsarbeiten und die Notwendigkeit, das gleiche Programm wie der Autor zu benutzen, entfallen. Ist der Text übersetzt, wird die Formatinformation wieder zum Text hinzugefügt. Ein fertig formatiertes Dokument ist das Resultat.

Handelt es sich nun um eine Nachübersetzung, wird der neue Text mit allen bereits übersetzten Texten verglichen und jene Teile, die schon übersetzt vorliegen, werden automatisch wieder in die Datei eingebunden. Der Übersetzer erhält so ein gemischtsprachliches Dokument und muß nur noch den tatsächlich neuen Anteil übersetzen. Der Rest geht wie zuvor: Die Formatinformation wird hinzugefügt, und das Dokument ist fertig.

Zusätzlich stellt ein TM-System in der Regel eine ausgereifte Terminologiedatenbank zur Verfügung und hilft somit, die Qualität der Übersetzung zu verbessern.

Der Einsatz eines TM-Systems bietet die folgenden Vorteile:

  • Es spart Kosten, da Doppelübersetzungen entfallen.
  • Es verringert den Vorbereitungsaufwand für den Author: Die Differenzen zwischen zwei Versionen sucht das TM-System selbst heraus.
  • Es erhöht die Konsistenz der Übersetzung, da gleiche Texte immer gleich übersetzt werden.
  • Die Terminologieunterstützung erhöht die Konsistenz der benutzten Termini und verringert ebenfalls die Kosten der Übersetzung, da die Terminologie automatisch in den Text übernommen werden kann.



Schlüsselelement Adobe FrameMaker+SGML

FrameMaker+SGML ist die Kombination einer Desktop-Publishing-Software mit einem SGML-Editor. FrameMaker bietet ausgezeichnete Layout- und Gestaltungsmöglichkeiten; die Unterstützung von SGML ermöglicht es, Dokumente strukturiert zu erstellen, d.h. dem Autor eine klare Führung beim Editieren zu geben. Mit Hilfe der Struktur – die in Form eines Baumes dargestellt wird, wie er vom Windows Explorer her bekannt ist – ist es dem Autor möglich, sehr schnell und effektiv Strukturänderungen am Dokument vorzunehmen.

Die Umstellung auf eine vollständig strukturierte Editierumgebung ist eine starke Veränderung in der Arbeitsweise von Autoren. Reine SGML-Editoren unterscheiden sich von dem, was ein Autor als Editierumgebung gewohnt ist, erheblich. Die Kombination von DTP und SGML-Editor beseitigt diese Anfangshürde nahezu vollständig.


Der Clou: Die Konvertierung

Viele unterschiedliche Tools (von Microsoft Word bis hin zu Doc to Help) haben sich auf die Fahnen geschrieben, aus einer Quelle auf Knopfdruck die unterschiedlichsten Formate zu erzeugen. Diese Fähigkeit ist auch ohne Zweifel vorhanden. Ob diese Formate allerdings tatsächlich medienspezifisch aufbereitet werden, steht auf einem anderen Blatt. All diese Formatkonvertierungen sind mehr oder weniger lineare Konvertierungen: Die Struktur des Ausgangstextes wird – ohne diese Struktur zu verändern – in ein anderes Dateiformat konvertiert. Wenn diese unterschiedlichen Formate dann aber auch unterschiedliche Medien bedeuten, wird diese Vorgehensweise problematisch.

Probleme mit herkömmlichen Tools entstehen an zwei Stellen:

  1. bei der Anpassung an verschiedene Medien:
    Ein Fall, der wohl in jeder Dokumentation vorkommt, ist eine Abbildung mit einem dazugehörigen Titel. Dieser Titel sollte nun aus ergonomischen Gründen in einer Papier-Dokumentation als Bildunterschrift auftauchen. In einer Online-Dokumentation sollte der Titel hingegen als Bildüberschrift erscheinen, da hier nicht gewährleistet ist, daß der Leser auf seinem Bildschirm Text und Bild gleichzeitig sieht. Dies ist eine Veränderung der Struktur des Dokuments und durch einen linearen Konverter nicht mehr zu erreichen. Das Ergebnis eines herkömmlichen Tools ist also strukturell entweder ein Buch am Bildschirm oder ein Online Dokument auf dem Papier.

  2. bei der Übersetzung:
    Das Umsetzen in ein anderes Format geschieht zwar auf “Knopfdruck“, für ein gutes Hilfe-System beispielsweise ist jedoch noch eine ganze Menge Nacharbeit notwendig: Soll das Dokument übersetzt werden, muß man sich entscheiden, was die Quelle ist und übersetzt wird und was das Ziel ist und damit nach der Übersetzung wieder aufbereitet werden muß.

In einem SGML-Dokument läßt sich jedes Element eindeutig identifizieren. Um bei dem Beispiel mit dem Bild und dem dazugehörigen Titel zu bleiben, könnte dies in SGML z.B. folgendermaßen aussehen:

  • Es gibt ein Element Abbildung.
  • Das Element Abbildung besteht aus:
          - Bild
          - Titel

Die Reihenfolge von Bild und Titel kann nun für das Editieren fest definiert sein, z.B. zuerst das Bild und dann der Titel. Dies spielt jedoch für die Ausgabe auf Papier oder als Online-Dokument keine Rolle. Da die Elemente identifizierbar sind, können diese vor der Konvertierung in das eigentliche Zielformat in jede gewünschte Reihenfolge gebracht werden.

Abb. 3: Der Clou: die Konvertierung

Das Ergebnis:

  • Für jedes Zielformat/Medium kann die optimale Struktur durch Konvertierung der SGML-Daten gewonnen werden.
  • Veränderungen im Zielformat (z.B. HTML wird erweitert) können durch eine Veränderung der Konvertierung berücksichtigt werden, ohne daß dies eine Änderung der Quelldatei bedingt. Die Quelldaten sind tatsächlich optimal geschützt.



Wie arbeiten die Schlüsselelemente zusammen?

Das Zusammenspiel der einzelnenSchlüsselelemente gestaltet sich wie folgt:

  1. Die Dokumentation wird aus vielen kleinen SGML-Dokumenten aufgebaut. Diese werden mit FrameMaker+SGML erstellt.
  2. Die Dokumente werden zentral im Datenpool gespeichert
  3. Das Dokumenten-Management-System übernimmt die Verwaltung aller Dokumente im Datenpool.
  4. Die SGML-Dokumente werden unter der Kontrolle des DMS dem Translationsprozeß übergeben.
  5. Die übersetzten Dokumente werden wieder im Datenpool gespeichert.
  6. In einem getrennten Prozeßschritt werden die Ausgabeprodukte durch Konvertierung aus den SGML-Daten hergestellt.

Abb. 4: Wie arbeitet alles zusammen?


Vor- und Nachteile der TC-Toolbox

Die dargestellte Reorganisation des Dokumentationsprozesses mit der TC-Toolbox führt zusammenfassend zu folgenden Vorteilen:

  • Papier-, HTML- und Hilfe-Dokumente sind konsistent.
  • SGML-Dokumente können mehrfach in verschiedenen Publikationen verwendet werden; hierdurch wird die Dokumentationserstellung beschleunigt.
  • Die Übersetzung ist zeitlich quasi parallel zur Originalsprache verfügbar; internationale Märkte können schneller bedient werden.
  • Verteilte Dokumentationserstellung ist tatsächlich möglich, selbst über Ländergrenzen hinweg.
  • Das jeweilige Zielformat wird optimal unterstützt.
  • Eine Anpassung an neu aufkommende Standardformate wie z.B. XML ist problemlos möglich – ohne die Quelle zu ändern. Die Dokumentbasis ist auf lange Zeit geschützt.

Einen Nachteil gibt es allerdings auch: Die TC-Toolbox ist keine Standardlösung. Sie ist vielmehr eine Applikation, die immer an die Anforderungen des jeweiligen Unternehmens angepaßt werden muß.

Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen haben aber gezeigt, daß sich die Aufwände bei Schneider Automation nach ca. einem Jahr produktiven Einsatzes wieder amortisiert haben. Weitere Projekte, die auf der gleichen Architektur ansetzen, können in Zukunft preiswerter erstellt werden.


Fazit

Dokumentationen und deren Übersetzung waren und sind heute noch oftmals Bremsklötze für die Markteinführung von Produkten. Dokumentation wird zumeist im Anschluß an die Produktentwicklung erstellt, steht damit unter enormem Zeitdruck und wird trotzdem häufig zu spät fertig – die Übersetzung dann noch später. Dies hat auch negativen Einfluß auf die Qualität der Dokumentation, da jeder Tag, den man für Korrekturen, Tests und Optimierungen opfert, den Umsatz negativ beeinflußt.

Lösungen wie die TC-Toolbox ermöglichen es Unternehmen, ihre Produkte schneller und kostengünstiger für internationale Märkte verfügbar zu machen. Höhere Anfangsinvestitionen amortisieren sich oftmals schon innerhalb von Jahresfrist, selbst wenn der positive Einfluß auf den Umsatz nicht berücksichtigt wird.

Fit zu sein für den globalen Wettbewerb ist auch für die technische Dokumentation eine Herausforderung, aber keine unlösbare Aufgabe.

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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