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Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews
Gebrauchsanleitungen
auf dem Prüfstand
Artikel
erschienen in
Ausgabe Dezember 1999
Inhaltsübersicht:
In
den vergangenen Jahren hat die tekom
mehrere Wettbewerbe für Gebrauchsanleitungen von Konsumgütern
durchgeführt. Der tekom-Wettbewerb diente dazu, verständliche,
gut umgesetzte und übersichtliche Gebrauchsanleitungen zu
ermitteln und auszuzeichnen.
In
diesem Jahr wurde auf die Durchführung eines tekom-Wettbewerbs
verzichtet. Stattdessen führte die tekom in Kooperation mit
der Stiftung
Warentest einen Vergleichstest von Brotbackgeräten und
ihren Anleitungen durch, dessen Ergebnisse in der Ausgabe 12/1999
der Zeitschrift test veröffentlicht werden.
Lesen
Sie im Folgenden eine Zusammenfassung der Testergebnisse für
die Gebrauchsanleitungen.
Unter die
Lupe wurden zwölf Brotbackautomaten genommen und drei Tage
lang von Benutzern und Gutachtern geprüft. Das Ergebnis des
Tests vorab: Keiner der Prüflinge schnitt besser als befriedigend
ab, sechs erreichten ausreichend als Gesamtnote. Für
zwei Gebrauchsanleitungen gab es sogar die Note mangelhaft.
Die beste Anleitung im Test war die des Herstellers LG, die mit
der Note 2,7 den Test abschloss. (Geräte und Gebrauchsanleitungen
zweier Hersteller waren identisch, daher gab es nur elf unterschiedliche
Anleitungen im Test.)
Von
einem Testsieger wollte von den Auswertern allerdings
keiner sprechen, sagt Prof. Rolf Schwermer, einer der Verantwortlichen
für die Durchführung der Tests. Schwermer unterrichtet
seit 1993 an der Fachhochschule Hannover im Studiengang
Technische Redaktion und betreute bisher den tekom-Wettbewerb.

Prüfverfahren
Das
Prüfverfahren erstreckte sich über drei Tage und teilte
sich in einen Praxistest und in Gutachten von Experten auf. Für
den Praxistest wurden 22 Testpersonen unterschiedlicher Herkunft
eingeladen, die nacheinander an jeweils einem Gerät sechs
verschiedene Aufgaben nur mit Hilfe der Gebrauchsanleitung durchführen
mussten. Bei der Bewältigung dieser Aufgaben wurden die Personen
von Experten der tekom beobachtet. Den Aufgaben lagen Probleme
zugrunde, die bei einem Brotbackautomaten im normalen Gebrauch
anzutreffen sind. Um eine optimale Verzahnung zwischen Praxistest
und Gutachten herzustellen, untersuchten die Aufgaben im Praxistest
aus Anwendersicht unterschiedliche Bereiche, die später im
Gutachten aus Expertensicht erneut beurteilt wurden.
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Im
Praxistest sollten die Versuchspersonen mehrere Aufgaben
lösen wie z.B. Sie haben das Gerät soeben
gekauft und wollen es nun auspacken und in Betrieb nehmen.
Suchen Sie in der Gebrauchsanleitung die Stelle, an
der beschrieben steht, wo Sie das Gerät aufstellen
müssen und was Sie dabei beachten müssen.
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Zur
Lösung der Aufgabe war jeweils eine bestimmte Maximalzeit
vorgegeben, die nicht überschritten werden durfte. Bei
dieser Zeit handelte es sich um die maximal zumutbare Zeit,
in der eine Testperson in der Anleitung die nötigen Informationen
zur Problemlösung auf jeden Fall gefunden haben muss.
Vor
dem Test erhob der Beobachter statistische Daten von der Person
u.a. über das Vorwissen der Testperson zu Brotbackautomaten
und zu Gebrauchsanleitungen im Allgemeinen. Dieses Vorwissen floss
später in die Auswertung mit ein. Nach dem Test erfolgte
ein Nachgespräch, in dessen Verlauf sowohl Testperson als
auch Beobachter ein Resümee aus dem Testlauf zogen. Auch
diese Daten flossen in die Auswertung ein.
Die
Gutachten der Experten sollten klären, wie gut die Anleitungen
im Vergleich zu eingeführten Standards der heutigen technischen
Dokumentation sind, inwieweit sie also dem heutigen Stand der
Dokumentationstechnik entsprechen.
Die
tekom lud dazu acht neutrale, aber fachkundige Gutachter ein,
um die Gebrauchsanleitungen aus Expertensicht beurteilen zu lassen.
Bei den Gutachtern handelte es sich um ausgewiesene Dokumentationsfachleute,
die zum Teil selbst als Ausbilder in der technischen Dokumentation
tätig sind und deren Neutralität in Bezug auf die zu
begutachtenden Gebrauchsanleitungen und Geräte nach den Maßstäben
der Stiftung Warentest gewährleistet ist.
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Bei
der Begutachtung wurde von den Experten der tekom auch
überprüft, ob Informationen in der Gebrauchsanleitung
mit der Funktionsweise des Brotbackautomats übereinstimmten.
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Die
Gebrauchsanleitungen wurden auf sechs verschiedene Kriterien
hin untersucht:
- Gestaltung
- Navigations-
und Orientierungshilfen
- Gliederung
und Text
- Abbildungen
- Sicherheitshinweise
- Umfang/Informationsangebot
Jedes
Kriterium wurde von drei Gutachtern beurteilt. Die Gutachterurteile
zu den einzelnen Kriterien wurden nach ihrer Gewichtung zusammengefasst
und daraus eine Endnote Gutachten errechnet.

Benotung
Das
gesamte Benotungsverfahren spiegelt den Versuch wider, eine
Verzahnung vom Testverfahren zum wirklichen Leben herzustellen.
Im Praxistest wurde dies dadurch erreicht, dass anwendernahe
Probleme mit Hilfe der Anleitung gelöst werden sollten.
Dabei flossen Daten sowohl der Testpersonen als auch der Beobachterpersonen
in den Auswertungskreislauf ein.
Die Experten beurteilten dagegen die Anleitungen im Vergleich
zu aktuellen Standards der technischen Dokumentation. Unter
Berücksichtigung des Vorwissens der Testpersonen beim Praxistest
ergab sich ein Gewichtungsverhältnis von 40% für die
Ergebnisse der Praxistestläufe und 60% für die Ergebnisse
der Expertengutachten als Endnote für den gesamten Test.

Die Resultate
Spätestens
bei der Begutachtung zeigte sich, dass die Herstellerfirmen
offensichtlich wesentlich weniger Geld für brauchbare,
benutzerfreundliche Gebrauchsanleitungen ausgaben, als dem Käufer
später lieb ist. Für die Gutachter war offensichtlich,
dass die Anleitungen meist laienhaft und ohne Konzept erstellt
wurden. Letzteres ist übrigens viel kostenintensiver, als
in ein vernünftiges Konzept zu investieren, um dann zielgenau
und adressatengerecht gute Dokumentation nach dem erarbeiteten
Plan zu erstellen. Bei den meisten Anleitungen war laut den
Gutachtern zu erkennen, dass die Autoren nicht einmal die einfachsten
Grundregeln zur Erstellung benutzerfreundlicher Dokumentation
kennen.

Abbildungen
Eine
der Hauptschwächen in den untersuchten Gebrauchsanleitungen
sind die Abbildungen. Wenn sie überhaupt an der richtigen
Stelle vorhanden waren, dann waren sie oft zu klein, schlecht
zu interpretieren, zeigten eine ungünstige Perspektive
oder eine unübersichtliche Nummerierung.

Sicherheitshinweise
Ein
weiteres großes Minus erzielten durchgängig alle
Anleitungen bei den Sicherheitshinweisen. Für die Gestaltung
und Formulierung von Sicherheitshinweisen lassen sich aus den
einschlägigen Normen und Gesetzen klare und eindeutige
Maßstäbe ableiten. Dabei muss bei Sicherheitshinweisen
zunächst unterschieden werden zwischen allgemeinen und
speziellen Sicherheitshinweisen. Die allgemeinen Hinweise stehen
im günstigsten Fall am Anfang der Anleitung und sollen
den Benutzer vor allgemeinen Gefahren im Umgang mit dem Gerät
warnen. Die speziellen Hinweise müssen vor den Handlungsanweisungen
stehen und warnen den Benutzer vor dem nächsten Handlungsschritt
vor einer möglichen Gefährdung seiner Person oder
des Gerätes.
Keine
einzige der getesteten Anleitungen erfüllte die Anforderungen
aus Normen und Gesetzen weder bei den allgemeinen noch
bei den speziellen Sicherheitshinweisen. Meist schienen die
allgemeinen Sicherheitshinweise bunt zusammengetragene Warntexte
aus einem Musterkatalog zu sein, ohne Sortierung nach Gefahrenart
und -schwere. Auch die speziellen Sicherheitshinweise entsprachen
keinesfalls dem Standard. Sie waren weder vom Fließtext
hervorgehoben, noch wiesen sie das geforderte Format auf. Oft
waren sie mit Kundendienstadressen, Tipps und Hinweisen vermischt.

Navigations- und Orientierungshilfen
Schon
beim Praxistest und später bei der Begutachtung zeigte
sich, dass die Testpersonen Schwierigkeiten hatten, gezielt
an Informationen in den Anleitungen zu gelangen. Keine der Gebrauchsanleitungen
wies ein Stichwortverzeichnis oder einen Advanced Organizer
auf, zwei nicht einmal ein Inhaltsverzeichnis.

Bedienung des Geräts mit Hilfe der Anleitung
Wie
die Ergebnisse des Praxistests belegen, schnitt nur ein Gerät
besser als befriedigend ab. Die Handlungsanweisungen
für den Benutzer, die ihn anleiten sollen, wie er sein
Gerät in der richtigen Reihenfolge bedienen soll, ließen
in Gestaltung und Formulierung sehr zu wünschen übrig.
Manche Testpersonen konnten einige der gestellten Aufgaben an
ihrem Gerät gar nicht lösen, weil sich darüber
keine Informationen in der Anleitung befanden.

Umfang der Anleitung/Informationsangebot für
den Benutzer
Nur
wenige Anleitungen waren schlank gehalten und verzichteten auf
unnötige Randinformationen, die beim Benutzer ohnehin meist
Verwirrung auslösen, weil er oft nicht weiß, ob er
sie nun benötigt oder nicht. Und welcher Benutzer liest
schon gerne eine Anleitung vom Umfang einer Illustrierten?

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