Fachbücher

 
  Programm
Appetithappen
Bestellung

 

doculine Archiv

  Übersicht
Index
Autoren
Streifzüge

 
 

Service

 
  transline tecNews
Suche
Impressum
 

Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews

Information und Wissen (Teil 1): Die neuen betrieblichen Ressourcen

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Februar 1999

Von Annelyse Forst

Inhaltsübersicht:

Immer mehr Unternehmen erkennen den Wert von Information und Wissen als wichtige betriebliche Ressourcen; Schlagworte wie Daten-, Informations- und Wissensmanagement sind derzeit in aller Munde. Technische Redakteure sind aufgrund ihrer Fähigkeiten prädestiniert dazu, aktiv am Prozeß der Strukturierung, Dokumentation und Verbreitung des im Unternehmen vorhandenen Wissens mitzuwirken. Doch was verbirgt sich hinter diesen neuen Managementkonzepten? Dieser Beitrag klärt als Auftakt einer vierteiligen Beitragsreihe die wichtigsten Grundbegriffe.


Daten – Informationen – Wissen

In der Fachliteratur unterscheidet man zwischen den Begriffen Zeichen, Daten, Informationen und Wissen, die eine Begriffshierarchie bilden:

Abb 1: Wissenpyramide

Zeichen sind zusammenhanglose Datenelemente. Sie bestehen aus Buchstaben, Ziffern, Sonderzeichen etc. Die Menge aller Zeichen bildet den Zeichenvorrat.

Nach DIN 44300 werden Daten durch Zeichen dargestellt. Daten bestehen aus Zeichen bzw. Zeichenfolgen, die nach bestimmten Ordnungsregeln (Code oder Syntax) kombiniert werden. Sie sind aber nur Symbole, die Daten sind sozusagen neutral: Es gibt noch keinen Hinweis auf Bezug, Kontext, Zusammenhang u.ä.

Daten entstehen in Betrieben als Belege von Geschäftsvorgängen. Ziel ist es, aus den Daten relevante Informationen zu gewinnen oder – anders ausgedrückt – Daten zu Informationen zu verdichten.

Aus Daten werden Informationen, wenn sie in einem bestimmten (sinnvollen) Kontext angeordnet und für die Erreichung eines Vorhabens benutzt werden. Dabei ist die Interpretation von Informationen in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich.

Informationen könnte man definieren als “Kenntnisse über Sachverhalte, die ein Handelnder benötigt, um eine Entscheidung darüber zu fällen, wie er sein Ziel am günstigsten erreichen kann“ [1]. Leider gibt es jedoch keine allgemein gültige Definition und auch keine einheitliche Betrachtungsweise.

Information kann laut Bode [2] folgendes sein:

  • Produktionsfaktor (z.B. Börseninformationen für Finanzdienstleister)
  • Zwischenprodukt (z.B. selbsterstellte Konstruktionszeichungen)
  • Endprodukt (z.B. eine technische Produktdokumentation)

Und Picot und Franck [3] charakterisieren Informationen wie folgt:

  • Informationen werden auch bei mehrfacher Nutzung nicht verbraucht.
  • Informationen haben Kosten, die von ihrer Beschaffung, Produktion, Nutzung und Weiterleitung abhängen, und können daher als Ware gehandelt werden.
  • Informationen können verdichtet werden.
  • Informationen sind transportierbar.
  • Informationen sind in unterschiedlicher Qualität erhältlich.
  • Information erweitert sich während der Nutzung.

Wissen wiederum besteht aus vielen Daten und Informationen, weist aber eine größere Komplexität auf als Information. Es ist handlungsorientiert, weil es zu Handlungen und Anwendungen führt. Wissen bezeichnet “die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Dies umfaßt sowohl theoretische Erkenntnisse als auch praktische Alltagsregeln und Handlungsanweisungen.“ [4]

Wissen kann auf mehreren Ebenen angesiedelt sein: individuelle Personen, organisatorische Einheiten (z.B. Teams oder Abteilungen), Unternehmen, Branchen und Länder.

Man unterscheidet die folgenden Formen von Wissen:

  • Implizites versus explizites Wissen:
    Implizites Wissen ist persönliches, verborgenes Wissen und besteht aus Können, Handlungsroutinen, Überzeugungen, Glaubenssätzen und geistigen Schemata. Explizites Wissen ist formales, kodifiziertes Wissen, das leicht durch Worte, Zahlen oder technische Angaben darstellbar ist. Explizites Wissen kann leicht vermehrt werden, implizites dagegen nicht. [5]

  • Know-how:
    Probst und Knaese interpretieren Know-how als “den für die Leistungserstellung relevanten Teil des Wissens“ und unterscheiden hierbei:
         - Humankapital: alle individuellen Kenntnisse und Fähigkeiten
           der Mitarbeiter, also personengebundenes Wissen
         - strukturelles Kapital: das in einem Betrieb organisatorisch verankerte
            Wissen, das auch erhalten bleibt, wenn alle Mitarbeiter auf einmal das
            Unternehmen verlassen würden [6]

Diese Begriffsbestimmungen verdeutlichen, daß eine scharfe Trennung zwischen Daten, Informationen und Wissen nicht möglich ist. Vielmehr handelt es sich um ein Kontinuum mit stetigem Qualitätswandel zwischen den beiden Polen Daten und Wissen: 

Abb 2:  Daten, Informationen und Wissen als Kontinuum (Nach: [4])



Information und Wissen als Produktionsfaktor

Während man in der Volkswirtschaftslehre die Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital unterscheidet, die die Wirtschaft braucht, um Güter zu produzieren, sind es in der Betriebswirtschaftslehre die Produktionsfaktoren Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe, die ein Unternehmen benötigt, um neue Güter herzustellen.

Eine zielgerichtete Kombination dieser Produktionsfaktoren setzt den Einsatz von Informationen bzw. Wissen voraus. Information und Wissen werden aber auch als eigenständige Produktionsfaktoren angesehen, weshalb man die klassische Dreiteilung der Produktionsfaktoren um Informationen (4. Produktionsfaktor) und Wissen (5. Produktionsfaktor) erweitert hat.

In einer Untersuchung des Instituts für Lernende Organisation und Innovation (ILOI) bescheinigen 78% der befragten Unternehmen dem Wissen eine hohe Bedeutung bei der Wertschöpfung; sie rechnen mit einem Anteil von 60 bis 100% [7]. Genutzt werden in den Unternehmen offenbar jedoch lediglich 20 bis 40% des internen Wissens [8; 9].

Informationen erlangen als Produktionsfaktoren allerdings nur einen Wert, wenn sie als Wissen im Unternehmen umgewandelt werden und wenn aus diesem Wissen neue Produkte, Dienstleistungen, Verfahren, Geschäftsprozesse etc. entstehen.

Die Unterschiede zwischen materiellen Produktionsfaktoren und den immateriellen Produktionsfaktoren Information und Wissen zeigt die folgende Tabelle:

Materielle Produktionsfaktoren

Information

Wissen

Individueller Besitz Vielfacher Besitz möglich Vielfacher Besitz möglich
Wertverlust durch Verbrauch Wertgewinn durch Gebrauch Wertgewinn durch Gebrauch
Wertverlust durch Teilung Wertgewinn oder Wertverlust durch Teilung Wertgewinn oder Wertverlust durch Teilung
Hohe Vervielfältigungskosten Niedrige Vervielfältigungskosten u.U. hohe Vervielfältigungskosten
Schwierige Verbreitung Einfache Verbreitung Schwierige Verbreitung
Identifikations- und Schutzmöglichkeiten Probleme des Datenschutzes und der Datensicherheit Probleme des Datenschutzes und der Datensicherheit
Preisbildungsmechanismen bekannt; Preis/Wert objektiv ermittelbar Preisbildungsmechanismen teilweise bekannt; Preis/Wert-bestimmung problematisch Preisbildungsmechanismen teilweise bekannt; Preis/Wert-bestimmung problematisch
Kosten leicht identifizierbar Kosten nur schwer identifizierbar Kosten nur schwer identifizierbar
Bestandsbewertung möglich Bestandsbewertung problematisch Bestandsbewertung problematisch
Angleichung der Grenzkosten an die Durchschnittskosten Grenzkosten gegen Null Angleichung der Grenzkosten an die Durchschnittskosten

Tab. 1: Unterschiede zwischen den Produktionsfaktoren (Quelle: [1])

Stuft man Information und Wissen als wichtige Ressourcen bzw. wertvolle Produktionsfaktoren ein, so hat diese Betrachtungsweise weitreichende Konsequenzen auf die Unternehmensführung:

  • Informationen dienen nicht mehr als Kontroll-, sondern als Kommunikationsinstrument; der Informationsfluß verläuft über kollegiale Netzwerke statt über die Instanzen der Unternehmenshierarchie.
  • Wissen wird als Mittelpunkt des Geschäftes betrachtet und nicht mehr als ein Instrument neben anderen. [10]


Information und Wissen als Wettbewerbsfaktor

Bereits vor mehr als 10 Jahren betonten Picot & Franck, daß Wissen der wichtigste Faktor für die Wettbewerbsposition eines Unternehmens sein wird [3]. Wettbewerbsvorteile sind hauptsächlich auf einen Informations- und Wissensvorsprung der Anbieter zurückzuführen, die dadurch über neue bzw. bessere Möglichkeiten verfügen, um die Bedürfnisse der Nachfrager zu befriedigen. So führen etwa Nonaka und Takeuchi die hohe Wettbewerbsfähigkeit japanischer Unternehmen auf deren Fähigkeit, Wissen im Unternehmen zu schaffen, zurück [11].

Zudem entwickeln sich die Wettbewerbsfaktoren Information und Wissen immer mehr zu einem Kriterium für Standortentscheidungen. Sie machen möglicherweise den einzigen wettbewerbsdifferenzierenden Faktor aus, den Unternehmen in Deutschland noch nutzen können [1].

Abb 3:  Wettwewerbsfaktor Wissen (Nach: [11])

Verschiedene Studien belegen die Bedeutung von Informationen und Wissen in Unternehmen:

  • Laut einer Untersuchung der Delphi Consulting Group betrieben 1997 nur 28% der befragten Unternehmen Wissensmanagement in irgendeiner Form; bis zum Jahr 2002 soll dieser Anteil allerdings auf 98% wachsen [12].
  • Und nach einer Untersuchung des Fraunhofer Instituts für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO) halten 96% der befragten Unternehmen das Thema Wissensmanagement für wichtig bis sehr wichtig [8].

Informationen und Wissen als Wettbewerbsfaktor sind jedoch nicht nur aus Unternehmenssicht relevant, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht: Viele Autoren, wie z.B. North, betrachten den internationalen Wettbewerb auf der Ebene des Wissensvorsprungs, den sich die einzelnen Länder erarbeiten [13].


Der Wert von Information und Wissen

Seit Ende der achtziger wurde in Schweden und in den USA versucht, den Wert eines Unternehmens besser zu beurteilen. Bei wissensintensiven Unternehmen fiel die Diskrepanz zwischen Marktwert und Buchwert (also dem offiziellen Eigenkapitalwert) auf. Diese Differenz ist der Wert des Wissens bzw. des immateriellen Vermögens eines Unternehmens.

Der Marktwert eines Unternehmens hängt sowohl vom Eigenkapitalwert als auch von immateriellen Vermögenswerten ab:

Sichtbares Eigenkapital


(= Eigenkapitalwert)
Immaterielle Vermögenswerte
(= Überschuß  des Buchwertes über das ausgewiesene
Eigenkapital)
Kompetenz der Mitarbeiter Interne Struktur Externe Struktur
Materielle Vermögenswerte abzüglich sichtbarer Verbindlichkeiten

- Ausbildung
- Erfahrung
- Fähigkeit für die Bewältigung unterschiedlicher Situationen
- Kollektive Problem-Lösungs-Kompetenz

- Rechtsform
- Management
- Konzepte
- Modelle
- Computersysteme
- Software
- Verwaltungs-
systeme
- Unternehmens-
kultur
- Forschung & Entwicklung
-Geschützes geistiges Eigentum (Patente...)

- Markenname
- Warenzeichen
- Ansehen bzw. Image des Betriebes
- Kundenbeziehungen
- Lieferanten-
beziehungen
- Marktwissen
- Kundenstamm

Tab. 2: Eigenkapitalwert und immaterielle Vermögenswerte  (Nach: [10])

Die schwedische Versicherungsgesellschaft Skandia und die kanadische Imperial Bank of Commerce sind Pionierunternehmen auf dem Gebiet der Bewertung des Wissens in einem Unternehmen. In ihrer Bilanz ergänzen sie das Finanzkapital durch das intellektuelle Kapital. Somit wird dem Wissen ein bestimmter Wert zugeordnet; zudem wird das schwer greifbare Wissen besser strukturiert und dadurch besser meßbar gemacht. 1993 veröffentlichte Skandia erstmalig eine Wissensbilanz, die folgende Elemente enthält:

Abb. 4: Wissensbilanz (Nach: [13])

Je nach Unternehmen bzw. Branche kann das Verhältnis zwischen Eigenkapitalwert und immateriellem Vermögenswert höchst unterschiedlich ausfallen:

  • Beim Automobilhersteller Ford ist das ausgewiesene Eigenkapital noch viermal höher als die immateriellen Vermögenswerte.
  • Bei US Steel sind beide Werte gleich hoch.
  • Bei Unilever ist das Verhältnis umgekehrt wie bei Ford: Die immateriellen Vermögenswerte sind viermal höher als das ausgewiesene Eigenkapital.
  • Bei Oracle ist dieses Verhältnis noch stärker ausgeprägt: Die immateriellen Vermögenswerte sind vierzehnmal höher als das ausgewiesene Eigenkapital des Unternehmens. [10]


Quellennachweise

[1] Krcmar, Hellmut/Rehäuser, Jakob: Die Ressource Wissen im Betrieb. Studienbrief 02284 für die Weiterbildung “Wissensmanagement“. Deutsches Institut für Fernstudienforschung an der Universität Tübingen 1995.

[2] Bode, Jürgen: Der Informationsbegriff in der Betriebswirtschaftslehre. In: ZfbF 49 (1997), S. 449-468.

[3] Picot, Arnold/Franck, Egon: Die Planung der Unternehmensressource Information (I). In: WISU 10 (1988), S. 544-549.

[4] Probst, Gilbert/Raub, Steffen/Romhardt, Kai: Wissen managen – Wie Unternehmen ihre wertvollste Ressource optimal nutzen. Frankfurt, Wiesbaden 1998 (Gabler Verlag).

[5] Osterloh, Margrit/Wartburg, Iwan von: Wissensmanagement. In: Handelszeitung Nr. 18 vom 30. April 1997.

[6] Probst, Gilbert/Knaese, Birgit: Risikofaktor Wissen – Wie Banken sich vor Wissensverlusten schützen. Wiesbaden 1998 (Gabler Verlag).

[7] Institut für Lernende Organisation und Innovation (ILOI): Knowledge Management – Ein empirisch gestützter Leitfaden zum Management des Produktionsfaktors Wissen. München 1997.

[8] Palass, Brigitta: Der Schatz in den Köpfen. In: Manager Magazine 1 (1997), S. 112-121.

[9] Zucker, Betty/Schmitz, Christof: Wissen nutzen statt verspielen. In: Gabler Magazine 11/12 (1994), S. 62-65.

[10] Sveiby, Karl Erik: Das Wissenskapital – das unentdeckte Vermögen. Landsberg 1998 (Verlag Moderne Industrie).

[11] Nonaka, Ikujiro/Takeuchi, Hirotaka: Die Organisation des Wissens – Wie japanische Unternehmen eine brachliegende Ressource nutzbar machen. Frankfurt 1997 (Campus Verlag).

[12] Delphi Group: Delphi On Knowledge Management – Research & Perspektives On Today’s Knowledege Landscape. (http://www.delphigroup.com/pubs/sample/KM-HIGHLIGHT-1997-11.pdf*)

[13] North, Klaus: Wissensorientierte Unternehmensführung. Wiesbaden 1998  (Gabler Verlag).

 

* URL ist inzwischen nicht mehr verfügbar, daher wurde dieser externe Link deaktiviert.

  Doculine durchsuchen:   

  

Empfehlenswerte Seiten zur technischen Übersetzung
von transline - Übersetzungsdienst für technische Übersetzung
technische Übersetzungen | Übersetzung Software | Software Lokalisierung
Spez. Seiten zu Sprachen
Chinesisch Übersetzung | Englisch Übersetzung | Französisch Übersetzung | Niederländisch Übersetzung | Russisch Übersetzung | Spanisch Übersetzung | Portugiesisch Übersetzung | Italienisch Übersetzung | Japanisch Übersetzung
Infos zum Übersetzungsservice transline

Übersetzungen Ihrer Patente - Dr. Sturz Patentübersetzungen

Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
© doculine Verlags-GmbH, ein Unternehmen der transline Gruppe