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Technische Illustration in der militärischen Luftfahrt

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Juli/August 1999

Von Wolf-Rüdiger Hempel

Inhaltsübersicht:

In Deutschland wurde eigenes Know-how für die Erstellung technischer Illustrationen in der militärischen Luftfahrt erst Anfang der 70er Jahre erworben. Mit Beginn der Serienfertigung von MBB-Eigenentwicklungen wurde erstmals in größerem Umfang nach dem Zweiten Weltkrieg eigene Dokumentation erstellt, von einzelnen Projekten speziell bei Dornier abgesehen.

Ab diesem Zeitpunkt begann man auch, ständig nach neuen, günstigeren Methoden der aufwendigen Illustrationserstellung zu suchen. Dabei spielten zunächst die Illustrationswerkzeuge eine wichtige Rolle. In zunehmendem Maße werden jedoch Quelldaten aus dem Entwicklungsbereich und Multimedia-Werkzeuge diese Funktion übernehmen.

Diese Entwicklung soll Ihnen am Beispiel der Illustrationserstellung bei der DaimlerChrysler Aerospace AG (vormals MBB) in Ottobrunn veranschaulicht werden.


Am Anfang stand das leere Blatt

Bevor in Deutschland Miltärflugzeuge in Serie gefertigt wurden, kaufte die Bundeswehr amerikanische Flugzeuge bzw. Lizenznachbauten – inklusive deren Dokumentation. Bei den deutschen Lizenzherstellern beschränkten sich die Dokumentationsabteilungen auf die Anpassung der vorhandenen Illustrationen an Bundeswehr-Vorschriften.

Bei MBB wurden erste eigene Illustrationen mit der Serienfertigung des Kampfflugzeugs Tornado erstellt, traditionell über Zeichenbrett und Transparentpapier und unterstützt durch das Know-how von englischen und französischen Illustratoren als Unterauftragsnehmer.


Erste digitale Gehversuche

Mit der Möglichkeit, Kampfflugzeuge in Bodennähe digital gesteuert zu fliegen, wurde es nötig, Landkarten des zu überfliegenden Gebietes digital zu erfassen. Spezialisten bei MBB entwickelten hierzu einen großformatigen Flachbettscanner für Formate bis DIN A1 mit einem Auflösungsvermögen von 100µ (508dpi). Damit ließen sich auch – sozusagen als Abfallprodukt – hervorragend technische Illustrationen als Pixeldaten erfassen. So wurden Mitte der 80er Jahre ca. 50 000 Illustrationen eigescannt, welche mit einem ebenfalls selbst entwickelten Raster-Editor modifiziert werden konnten.

Da es in dieser Phase bei MBB keine nennenswerten Projekte für Illustrationsneuerstellungen gab, konnten die Entwicklungen auf dem Markt genau beobachtet und abgewartet werden.


Als die Mäuse das Laufen lernten

Die meisten Illustrationswerkzeuge, welche für die technische Illustration (schwarz/weiße Strichgrafik) geeignet schienen, befaßten sich mit der Umsetzung von 3-Seiten-Ansichten in Isometrie. Das reichte vom Nachzeichnen der entsprechenden Kanten in den Bauunterlagen (Tri-Vector) bis zur Erstellung von teilweise rotierbaren 2½D-Darstellungen (PC Draft und Autotrol).

Da wir unsere Illustrationen in einer auf Adabas Natural basierenden Datenbank abspeicherten und zudem das Produkt Context als DTP-Tool auf Apollo Domain Workstations nutzten, konnten Apple-Macintosh-Produkte nicht berücksichtigt werden. Wir entschieden uns daher gegen Ende der 80er Jahre für den Illustrator II von Intercap, der zu diesem Zeitpunkt das wohl leistungsstärkste Illustrations-Tool außerhalb der Apple-Welt war.

So fand das Grafikwerkzeug IsoDraw von Itedo als Isometrie-Baustein in der Apple-Produktpalette wohl große Beachtung wegen seiner praktischen Benutzeroberfläche, wurde von uns aber erst mit seiner Portierung auf Windows NT eingeführt. Lediglich die freien Dokumentations-Büros als Unterauftragsnehmer arbeiteten für uns bereits mit IsoDraw und – als damals noch notwendige Ergänzung – mit dem Adobe Illustrator.


CGM – das Maß aller Dinge

Zwar steht CGM (Computer Graphic Metafile) als Datenaustauschformat in nahezu allen Zeichnungsrichtlinien, aber noch gibt es wenig Anbieter, die neben dem CGM-Standard 1 auch die neueren Standards ausreichend unterstützen. So werden Kreise und Bézier-Kurven beim Datenaustausch oft zu Multilines. Und auch der Exportfilter Publish des Konstruktionswerkzeugs CATIA bereitet uns derzeit noch Sorgen (CGM 1).

Mehr und mehr Illustratoren lernten das sich rasch entwickelnde Produkt IsoDraw als Illustrationswerkzeug schätzen. Ich selbst empfand es als bemerkenswert, wie sich die Firma Itedo mit dem ständig an Bedeutung gewinnenden Datenformat CGM auseinandersetzte.

In einer Zeit, in der für intelligente Grafiken mit Hotspot-Technologie die Weichen gestellt werden, ist ein Produkt ohne CGM 4-Import/Export-Filter nicht mehr konkurrenzfähig. Das Produkt ActiveCGM von Intercap bietet zwar ebenfalls alle Möglichkeiten einer Verlinkung von Text und Illustration bzw. von Illustrationen untereinander, stellt allerdings keine echte Alternative als Illustrationswerkzeug dar.

Es ist doch alles schon gezeichnet! Digitales Mock Up über CATIA erstellt und gerendert dargestellt.



In Zukunft ist doch schon alles gezeichnet!

Mit zunehmendem Umfang von 3D-Konstruktion – zugegeben die Kollegen beim Autobau waren früher dran als wir Militärflugzeugbauer – stellt sich natürlich schnell die Frage: Müssen wird das alles denn überhaupt noch einmal zeichnen? In der Tat ist der zeitliche Benefit enorm, wenn der Illustrator sich die Geometrie-Daten ableiten kann, um sie in der gewohnten Illustrationsumgebung nach entsprechenden Richtlinien aufzubereiten.

Erste erfolgversprechende Schritte sind getan, aber es sind noch genügend Illustrationen traditionell zu erstellen in Form von:

  • Hydraulik-Schemata
  • Blockschaltbildern für elektronische Schaltungen oder
  • Leistungsdiagrammen für theoretische Flugsituationen

Zwar wird sich auch in diesen Disziplinen noch einiges im Hinblick auf Animation und Multimedia-Anwendungen verändern, doch momentan ist hier eine Lücke spürbar. Für orthogonale Illustrationen mit den Prämissen Text, Layout und CGM 4 haben wir derzeit kein wirklich zufriedenstellendes Werkzeug an der Hand – IsoDraw hat seine Stärken eindeutig auf Seiten der isometrischen Neuerstellung.

Unbearbeitete CGM-Ableitung aus CATIA



Digital Product Assembly: neue Aufgaben für den Illustrator

Waren früher bei der Dokumentationserstellung einzelne überschaubare Prozeßschritte von der Erstellung bis zur Drucklegung nacheinander aufgereiht, so wird der bereits anlaufende digitale Dokumentationsprozeß im Rahmen der Digital Product Assembly (DPA) zunehmend zu einem vernetzten Mikrokosmos, bei welchem auch dem Illustrator ganz neue Aufgaben zufallen werden. Statt bienenfleißig aus 3-Seiten-Ansichten isometrische Darstellungen zu erzeugen, wird ihm zunehmend die Aufgabe zuteil, sich Gedanken über die möglichst wirksame visuelle Darstellungsweise eines technischen Vorgangs zu machen:

  • Welche Daten stehen ihm zur Verfügung, was soll die Aussage sein?
  • Mit welchen Werkzeugen kann er diesen Sachverhalt am wirkungsvollsten darstellen: z.B. interaktiv in Animationsschritten oder als Videoclip eingebettet in Datenmodule, die in XML-Textbausteinen erstellt sind?

Interaktive elektronische technische Dokumentation (IETD) nennen wir dies. Wir stehen zwar noch am Anfang, haben aber schon mit dem eigenen Produkt CIROS einen großen Schritt nach vorn getan. Dieses Retrievalsystem übernimmt derzeit bei der Bundeswehr und einigen zivilen Firmen u.a. das Blättern und Suchen quer durch bebilderte Teilekataloge, Benutzerhandbücher und elektrische Verdrahtungstabellen. In diesem Zusammenhang sind schnell 50 000 Illustrationsseiten in der militärischen Luftfahrt beisammen.

Die fertig aufbereitete, druckbare Illustration nach derzeitigen Richtlinien

 

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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