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Information
und Wissen (Teil 3): Informationsmanagement
Artikel
erschienen in
Ausgabe Juni 1999
Von
Annelyse Forst
Inhaltsübersicht:
Immer
mehr Unternehmen erkennen den Wert von Information und Wissen
als wichtige betriebliche Ressourcen; Schlagworte wie Daten-,
Informations- und Wissensmanagement sind derzeit in aller Munde.
Technische Redakteure sind aufgrund ihrer Fähigkeiten prädestiniert
dazu, aktiv am Prozeß der Strukturierung, Dokumentation
und Verbreitung des im Unternehmen vorhandenen Wissens mitzuwirken.
Doch was verbirgt sich hinter diesen neuen Managementkonzepten?
Dieser
Beitrag befaßt sich als dritter Teil einer vierteiligen
Beitragsreihe mit den Zielen und Aufgaben des Informationsmanagements.
(Lesen Sie auch Teil 1: Die
neuen betrieblichen Ressourcen und Teil 2: Datenmanagement.)
Von
der Massendatenverarbeitung zum Informationsmanagement
In
Konzepten zum Informationsmanagement drückt sich die Verlagerung
von der Massendatenverarbeitung zu einer umfassenden Informationsversorgung
des Unternehmens aus. Dies wird in den ersten Arbeiten über
Informationsmanagement besonders deutlich: Martiny [1]
betont, daß Informationsmanagement ein notwendiger Bestandteil
der Unternehmensstrategie ist. Zahn und Rüttler [2]
sehen im Informationsmanagement die Antwort der Unternehmen auf
die zunehmende Bedeutung der Ressource und des Erfolgsfaktors
Information. Diesen Aufgaben können die klassischen EDV-Abteilungen
laut Hübner [3] nicht gerecht
werden. Daraus leitet er die Notwendigkeit ab, daß sich
die EDV zu einem umfassenden Informationsmanagement weiterentwickeln
muß; dieser Prozeß sollte von der Geschäftsleitung
initiiert werden.
Gegenüber
der Datenverarbeitung kommen im Informationsmanagement zwei zentrale
zusätzliche Elemente hinzu:
- Die Aufbereitung von Information als wertvoller Produktionsfaktor
mit strategischer Wertschöpfung. Diese Betrachtungsweise
verschiebt den Schwerpunkt von der Quantität (Datenverarbeitung)
zur Qualität (Informationsmanagement).
- Die Einrichtung von Informationsstrukturen im Unternehmen,
die die folgenden Möglichkeiten bieten:
- Bewertung der Informationen
- Nutzung
der Informationen unter Berücksichtigung der Unternehmensziele
und der Wirtschaftlichkeit
- zielgerechte
Steuerung der Informationen
- Aktualisierung
und Optimierung der Informationen
- individuelle
Beratung und Unterstützung der Mitarbeiter
- kontinuierliches
Anpassen an veränderte Informations- und Kommunikationsbedürfnisse
der Mitarbeiter [4]
Ziele, Aufgaben und Voraussetzungen
Die
Ziele, die Unternehmen in der Regel mit der Einführung von
Informationsmanagement verbinden, lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Verbesserung
der Wettbewerbsfähigkeit durch Information
- Erhöhung
von Produktivität und Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung
durch Bereitstellen aktualisierter Informationen und Informationsrationalisierung
- komplexe
Entscheidungsprozesse unterstützen bzw. beschleunigen
- Informationsverwertung
verbessern
- Informationswerte
herausstellen
- Beseitigung
von Medienbrüchen [4]
Je
nachdem, welche Zielsetzung und Ausrichtung ein Unternehmen dem
Informationsmanagement zuordnet, ergibt sich ein qualitativer
Aufgabenwandel vom Management des täglichen Papierkrams als
einfachster Ausgestaltung bis hin zum Management der strategischen
Informationsnutzung:
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Abb.
1: Aufgabenwandel im Informationsmanagement (Quelle: zitiert
nach [5])
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Um
die genannten Ziele erfolgreich umsetzen zu können, müssen
folgende Voraussetzungen im Unternehmen gegeben sein:
- Die oberste
Leitung ist von der Notwendigkeit des Informationsmanagements
überzeugt.
- Es existiert
eine langfristige Planung für das Informationsmanagement.
- Alle Führungskräfte
kennen die Bedeutung von Information und Kommunikation für
den Erfolg des Unternehmens und verstehen sich als Informationsmanager.
- Die organisatorischen
Voraussetzungen für das Informationsmanagement sind vorhanden.
- Es stehen
ausreichend Ressourcen (Finanzmittel und Personal) zur Verfügung.
- Auf technischer
Seite sind nötig: eine gute und funktionierende IT-Infrastruktur,
eine Beschreibung der Datenorganisation (Datenmodell) sowie
Vorgaben für die Entwicklung und Gestaltung benutzerfreundlicher
Systeme.
- Die Mitarbeiter
sind motiviert, die neuen Technologien zu nutzen. [6;
7]
Dabei
ist es besonders wichtig, daß das Informationsmanagement
nicht ausschließlich technisch orientiert sein darf, wie
dies beim DV-Management der Fall ist; vielmehr sind neben technischen
Aspekten auch organisatorische Gesichtspunkte gleichberechtigt
zu berücksichtigen. Dies führt zu einer unterschiedlichen
Rolle von DV-Manager und Informationsmanager: Während der
DV-Manager technisch orientiert ist, ist der Informationsmanager
eher führungsorientiert und übernimmt eine Rolle als
Denker, Planer und Koordinator. Das bedeutet jedoch
nicht, daß der Informationsmanager den DV-Manager ersetzen
soll, sondern er übernimmt ein neues, zusätzliches Arbeitsgebiet.
[8; 9]
Aktionsfelder
Aus diesen
Zielen und Aufgaben lassen sich konkrete Aktionsfelder zur Einführung
und Realisierung von Informationsmanagement im Unternehmen ableiten.
Dies sind im einzelnen:
- das Entwickeln
einer unternehmensweiten Informationsstrategie
- die laufende
Analyse des Informationsbedarfs
- die Stärkung
der Informationsbereitschaft des Unternehmens und
- die Stärkung
der Informationsfähigkeit des Unternehmens
Am
Anfang steht das Entwickeln einer unternehmensweiten Informationsstrategie.
Dabei gilt es,
- die Informationsintensität
von Produkten, Dienstleistungen oder Geschäftsprozessen
im Unternehmen zu bestimmen
- derzeitige
informationsorientierte Stärken und Schwächen des
Unternehmens zu ermitteln
- die Auswirkung
von Informationen und Informationstechnologien auf Markt, Wettbewerb
bzw. die internen und externen Informationsflüsse zu analysieren
- die Informationsstrategie
in die Unternehmensziele zu integrieren [10]
Das
Ziel der Informationsbedarfsanalyse besteht darin, die erforderlichen
Informationen zu ermitteln, die notwendig sind, um eine Aufgabe
optimal zu erfüllen. Die optimale Versorgung des Unternehmens
mit den erforderlichen Informationen muß selbstverständlich
die Kosten und den Nutzen für das Unternehmen berücksichtigen.
Die
Analyse des Informationsbedarfs ergibt sich aus der Informationsintensität
in der Wertschöpfungskette (z.B. in Beschaffung oder Produktion)
und in den Leistungen (z.B. in Beratung oder Schulung), die in
den letzen Jahren stetig gewachsen ist. [11]
Der
Informationsbedarf ist bestimmt durch die Art, Menge und Beschaffenheit
von Informationen, die ein Mitarbeiter braucht, um seine Aufgaben
optimal zu erfüllen. Es ist zu unterscheiden zwischen dem
objektiven Informationsbedarf, der unabhängig vom Mitarbeiter
ist, und dem subjektiven Informationsbedarf, der die persönliche
Sichtweise des Mitarbeiters ausdrückt. Der Informationsbedarf
muß immer zeitpunktbezogen ermittelt werden. Bei der Analyse
des Informationsbedarfs sind zudem die nachgefragten und angebotenen
Informationen einzubeziehen:
- Die Informationsnachfrage
bezieht sich auf die subjektiv gewünschten bzw. verlangten
Informationen, ist also eine Teilmenge des subjektiven Informationsbedarfs.
- Das Informationsangebot
bezeichnet die Gesamtheit der Informationen, die den Mitarbeitern
zur Verfügung steht. [5; 12].
Die Schnittmengen
zwischen den benötigten, nachgefragten und angebotenen Informationen
zeigt Abbildung 2:
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Abb.
2: Informationsangebot, -nachfrage und -bedarf (nach: [6])
|
Daraus ergeben
sich sieben mögliche Bereiche:
- angebotene,
aber nicht benötigte und nicht nachgefragte Informationen
- angebotene
und nachgefragte, aber nicht benötigte Informationen
- nachgefragte,
aber nicht angebotene und nicht benötigte Informationen
- angebotene
und benötigte, aber nicht nachgefragte Informationen
- angebotene,
benötigte und nachgefragte Informationen
- nachgefragte
und benötigte, aber nicht angebotene Informationen
- benötigte,
aber weder angebotene noch nachgefragte Informationen
Der
effiziente Bereich liegt in Bereich 5, wo sich Informationsangebot,
-nachfrage und -bedarf schneiden. Ziel des Informationsmanagements
muß es also sein, diesen Bereich möglichst groß
zu halten und sowohl Informationslücken als auch Informationsballast
zu vermeiden.
Wenn
die Bereitschaft, Informationen weiterzugeben, im Unternehmen
nicht vorhanden ist oder von der Geschäftsführung nicht
unterstützt wird, ist Informationsmanagement zum Scheitern
verurteilt. Die Informationsbereitschaft des Unternehmens wird
durch die folgenden Maßnahmen gestärkt:
- Gestaltung
und Weiterentwicklung einer informationsflußorientierten
Unternehmensorganisation: Die Unternehmensorganisation wird
an betrieblichen Geschäftsprozessen und Informationsflüssen
ausgerichtet.
- Gestaltung
und Weiterentwicklung einer informationsflußorientierten
Unternehmenskultur: z.B. Abbau von Informationssperren, Schaffung
von offenen Informationszirkeln.
- Die Weiterentwicklung
des Unternehmens berücksichtigt die geänderte Bedeutung
von Informationen und Informationstechnologien. [13]
Um
weiterhin die Informationsfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten,
muß eine Vielzahl von Aufgaben bewältigt werden, die
die Analyse, Strategie, Realisierung und operative Umsetzung betreffen.
Die folgende Tabelle führt diese Aufgaben im Überblick
auf:
|
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Analyseaufgaben
|
strategische
Aufgaben
|
Realisierungs-
aufgaben
|
operative
Aufgaben
|
|
Informatik-
strategie
|
vorhandene
und gewünschte Potentiale ermitteln
|
Strategie-
entwicklung
|
Vermittlung
der Strategie an die Mitarbeiter
|
laufende
Überprüfung der Strategie
|
|
Kommuni-
kationsbedarf
|
-
Zeit, Partner usw.
-
Defizite
|
Entwicklung
eines Kommuni-
kationskonzepts
|
-
Kommunika-
tionsplan
- Kommunika-
tionsnetz
|
laufende
Revision und Aktualisierung des Kommunika-
tionsbedarfs
|
|
Technologie-
bedarf
|
Art
und Umfang benötigter technischer Systeme
|
-
Architektur
-
Kompo-
nenten
-
Art der Technik
|
Festlegung
des zu erfüllenden Technologie-
bedarfs
|
laufende
Revision und Aktualisierung des Technologie-
bedarfs
|
|
Hardware
|
-
benötigte Kompo-
nenten
- Kapazitäten
-
Leistungs-
daten
|
Entwicklung
einer Hardware-
Architektur
|
-
Beschaffung
-
Installation
-
Einstellung
|
-
Betrieb
-
Wartung
|
|
Software
(allgemein)
|
Ermittlung
des Software-Bedarfs
|
strategische
Gesamtplanung
|
-
Schulung
-
Umstellungs-
planung
-
Einführung
|
Anwender-
betreuung
|
|
Standard-
Software
|
Marktanalyse
|
-
Software-
Architektur
-
Vergleich mit Individual-
Software
|
-
Beschaffung
-
Installation
-
Customizing
|
-
Betrieb
-
Wartung
-
Anpassung
-
Aktualisierung
- Erweiterung
|
|
Individual-
Software
|
|
-
Software-
Architektur
-
Vergleich mit Standard-
Software
|
Systement-
wicklung
|
-
Betrieb
-
Wartung
-
Anpassung
-
Aktualisierung
-
Erweiterung
|
|
externe
Infor-
mations-
beschaffung
|
Marktanalyse
|
Abstimmung
externer Informations-
beschaffung mit Gesamtkonzept zur Informations
versorgung
|
-
Installation der Infrastruktur für externe Informations-
beschaffung
- Schulung
|
konkrete
Beschaffungs-
maßnahmen
(z.B. Datenban-
krecherchen)
|
|
Informations-
bereitstellung
|
Anforderungen
an die Bereitstellung
|
Konzept
für optimale Informations-
bereitstellung
|
-
Benutzer-
schnittstellen
- bedarfsge-
rechte Präsentation
|
-
richtige Informationen
-
Zeitpunkt
-
Ort
-
Adressat
|
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Tab.
1: Aufgaben im Informationsmanagement (nach: [6])
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Zukunftstrends
Im Informationsmanagement
spielen drei Bereiche eine immer wichtigere Rolle [10]:
- Informationswirtschaft:
Die ökonomische Bedeutung von Information und Wissen führt
dazu, daß Informationen genauso wie auch andere Produktions-
und Kostenfaktoren beschafft, aufbereitet und bereitgestellt
werden. Für diese Aufgaben werden Betriebswirte mit informationsmethodischen
Zusatzkenntnissen (wie z.B. Inhaltserschließung oder Dokumentationssprachen)
gebraucht. In den letzten Jahren wurde das Studienfach Informationswirtschaft
an Fachhochschulen (Darmstadt und Köln) und Universitäten
(Karlsruhe und Konstanz) eingeführt. Gegenstand dieses
Studienfaches ist der wirtschaftliche Umgang mit Informationen;
dazu gehören auch Planung, Organisation und Betrieb von
Informationsabläufen in Unternehmen.
- Informationstechnologie-Management:
Die Informationstechnologie wird zu einem immer bedeutenderen
Kostenfaktor: Experten gehen davon aus, daß die Kosten
für die Informationstechnologie derzeit etwa 5% des Umsatzes
ausmachen; Anfang des neuen Jahrtausends werden sie auf 10 bis
15% des Umsatzes anwachsen. [10]
- Wissensmanagement:
Informationsmanagement wird zunehmend in ein umfassendes Wissensmanagement
eingebunden. Dieses relativ neue Managementkonzept verfolgt
das Ziel, Unternehmens- oder Organisationswissen zu identifizieren,
zu entwickeln, aufzubewahren und auf allen Ebenen bzw. in allen
Abteilungen zu verteilen, damit es allen Mitarbeitern zur Erfüllung
ihrer Aufgaben zur Verfügung steht. (Mit dem Konzept des
Wissensmanagements wird sich Teil 4 dieser Beitragsreihe in
der September-Ausgabe der doculine news beschäftigen.)
Literaturhinweise
und Quellennachweise
[1]
Martiny, Lutz: Informationsmanagement auf der Basis gewachsener
Unternehmensstrukturen. Diss. TU Berlin 1989.
[2]
Zahn, Erich/Rüttler, Martin: Ganzheitliches Informationsmanagement
Informationsbereitschaft, Informationspotential, Informationsfähigkeit.
In: Heilmann, Heidi/Gassert, Herbert/Horvàth, Péter
(Hrsg.): Informationsmanagement. Stuttgart 1990.
[3]
Hübner, Heinz: Informationsmanagement. Wien 1984.
[4]
Fickenscher, Helmut/Hanke, Peter/Kollmann, Karl-Heinz: Zielorientiertes
Informationsmanagement. Braunschweig 1991.
[5]
Engelmann, Jörg: Grundlagen des Informationsmanagements.
Unterlagen zum Workshop an der Universität/GH Kassel am 5.3.1999.
[6]
Schwarze, Jochen: Informationsmanagement. Herne, Berlin 1998.
[7]
Pradervand, Marc-André: Die Rolle des Informationsmanagements
beim Aufbau strategischer Erfolgspositionen. Diss. Universität
Zürich 1995.
[8]
Lauser, Rolf/Schweizer, Michael: Informationen müssen als
Ressourcen gemanaged werden IT entspricht meist nicht mehr
den Unternehmenszielen. In: Computerwoche Nr. 30 vom 29.7.1994,
S. 38-39.
[9]
Heinrich, Lutz: Informationsmanagement. München 1996.
[10]
Kmuche, Wolfgang: Inhaltliches Informationsmanagement. In: Herget,
Josef/Schuchow, Werner (Hrsg.): Strategisches Informationsmanagement.
Schriften zur Informationswissenschaft Band 29. Konstanz 1997.
[11]
Picot, Arnold/Franck, Egon: Informationsmanagement. In: Frese,
Erich (Hrsg.): Handwörterbuch der Organisation. Stuttgart
1990, Spalte 886-899.
[12]
Picot, Arnold/Franck, Egon: Die Planung der Unternehmensressource
Information Teil II. In: WISU 11 (1988), S. 608-614.
[13]
Herget, Josef: Strategisches Management für Informationsvermittlungsstellen
Informationsmanagement als Herausforderung. In: Herget,
Josef/Schuchow, Werner (Hrsg.): Strategisches Informationsmanagement.
Schriften zur Informationswissenschaft Band 29. Konstanz 1997.
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