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Technische
Kommunikation in den Bergen: tekom-Frühjahrstagung in Innsbruck
Artikel
erschienen in
Ausgabe Juni 1999
Von
Petra Ntoufas
Inhaltsübersicht:
Direkt
am Inn gelegen, mit Blick auf die Berge bot der Congress Innsbruck
den Teilnehmern der diesjährigen tekom-Frühjahrstagung
am 6. und 7. Mai ein malerisches Ambiente. Neben einer reizvollen
Umgebung erlebten rund 380 Weiterbildungshungrige ein vielseitiges
Tagungsprogramm mit zahlreichen kompetenten Referaten und Workshops.
Schwerpunktthema:
Produzieren und Dokumentieren für Europa
Um
fit zu sein für den europäischen Binnenmarkt, müssen
Hersteller ihre Produkte mit einer technischen Dokumentation versehen,
die den erforderlichen, stetig wachsenden qualitativen und rechtlichen
Anforderungen genügt. Hier stellt sich eine Vielzahl von
Fragen: Welche Gesetze, Normen und Richtlinien gilt es zu beachten?
In welchen Sprachen ist die Dokumentation zu erstellen? Welche
Medien soll man bedienen? Und wie sind all diese Anforderungen
wirtschaftlich zu bewältigen?
Unter
dem Motto Produzieren und Dokumentieren für Europa
war diesen und weiteren Fragen das diesjährige Schwerpunktthema
der tekom-Frühjahrstagung gewidmet. In sieben moderierten
Sessions mit anschließender Diskussion wurden jeweils zwei
bis vier Referate zu den folgenden Themenbereichen angeboten:
- europäischer
Verbraucherschutz
- mit CE-konformer
Dokumentation im europäischen Wettbewerb bestehen
- elektronische
Dokumentation
- Terminologie
& WWW
- Übersetzungsmanagement
- gestalterische
Fragen bei mehrsprachigen Anleitungen
- wirtschaftliche
Aspekte in der technischen Dokumentation
Europäischer
Verbraucherschutz: Entschließung des EU-Rates
Im
Mittelpunkt der Session zum europäischen Verbraucherschutz
stand die Entschließung des EU-Rates
über Gebrauchsanleitungen für technische Konsumgüter
vom 17. Dezember 1998. In dieser Entschließung fordert der
Ministerrat die EU-Kommission auf, den Verbrauchererfordernissen
bei Gebrauchsanleitungen angemessene Bedeutung zu schenken. In
einem Anhang sind Hinweise für gute Gebrauchsanleitungen
aufgeführt, die bis hin zu der Forderung reichen, die Verständlichkeit
einer Anleitung zu testen, bevor sie mit dem Gerät ausgeliefert
wird.
Da
die EU-Ministerratsinitiative unter der Ratspräsidentschaft
Österreichs entstanden ist, war es naheliegend, eine Vertreterin
des österreichischen Bundeskanzleramts nach Innsbruck einzuladen,
um mit ihr die Ziele, Inhalte und Auswirkungen der Entschließung
zu diskutieren. Laut Alexandra Hammerl solle mit der Entschließung
ein Signal gesetzt werden zu mehr Verbraucherschutz vor schlechten
Gebrauchsanleitungen. Die unverbindliche Rechtsform sei gewählt
worden, da sich einige Mitgliedsstaaten gegen ein stärkeres
Instrument gesperrt hätten. In die Forderungen der Entschließung
sind die Ergebnisse einer vom österreichischen Bundeskanzleramt
in Auftrag gegebenen Studie eingeflossen; diese Studie mit dem
Titel Erstellung und Gestaltung von Gebrauchsanleitungen
ist kostenlos erhältlich beim Büro
für Konsumentenfragen des Bundeskanzleramts.
Angesichts
der bereits existierenden europäischen und nationalen Normen
zur Benutzerinformation bietet die Ministerratsinitiative eigentlich
nichts Neues, so Carl-Heinz Gabriel, bei der tekom zuständig
für das Ressort Gesetze, Normen und Richtlinien. Hervorzuheben
sei jedoch, daß sie speziell den Konsumgütern gewidmet
ist ein Bereich, den die einschlägigen europäischen
Normen kaum berücksichtigten. Das Ziel der Normenarbeit müsse
das Schaffen einer europäischen Norm zur technischen Dokumentation
sein, die die nationale Normenflut ersetzt; hierzu leiste die
EU-Entschließung einen guten Ansatz.
Eine
Entschließung ist zwar kein Gesetz, betonte tekom-Justitiar
Hans-Joachim Hess, trotzdem kann sie erhebliche Auswirkungen
haben. Indem die Ministerratsentschließung aufliste
und einfordere, was technisch machbar ist, sei sie im Sinne einer
Regel der Technik zu verstehen, die Hersteller zu befolgen hätten
und die im Schadensfall in richterliche Entscheidungen einzubeziehen
sei. Die Tatsache der Entschließung zeige zudem, daß
der technischen Dokumentation ein erhebliches Maß an Bedeutung
zugemessen werde. Mit ihren trotz der milden Rechtsform scharfen
Aussagen sei die Initiative ein enormer Vorstoß im
Bereich des Verbraucherschutzes.
Übrigens
ist in der aktuellen Ausgabe von technische Kommunikation,
dem Organ der tekom, ein Beitrag von Hans-Joachim Hess erschienen,
in dem er die wesentlichen Inhalte und Auswirkungen der Entschließung
zusammengefaßt hat; eine Online-Fassung des Beitrags ist
auf den tekom-Webseiten zu lesen.
Und was gab es sonst?
Neben
den Schwerpunktveranstaltungen stand den Teilnehmern eine Vielzahl
von Workshops und Kurzvorträgen zur Auswahl, um ein individuelles
Tagungsprogramm zusammenzustellen. Die angebotenen Veranstaltungen
behandelten u.a. die folgenden Themenbereiche:
- Grundlagen
zum täglichen Handwerkszeug
- aktuelle
Fragen zu Gesetzen, Normen und Richtlinien
- medienübergreifende
Dokumentation
- technische
Übersetzung/multilinguales Informationsmanagement
- Erkenntnisse
aus Wissenschaft und Forschung
Stets
wagen die tekom-Tagungen auch einen Blick über den Tellerrand
der technischen Kommunikation. Dieses Mal befaßten sich
zwei Veranstaltungen mit dem immer wichtiger werdenden Thema Wissensmanagement.
Hier bietet sich für viele Technikredakteure eine Herausforderung,
das eigene Betätigungsfeld zu erweitern, sind sie doch aufgrund
ihrer Fähigkeiten in der Informationsaufbereitung prädestiniert
dafür, bei der Erfassung und Verbreitung des unternehmensweiten
Wissens eine tragende Rolle zu spielen.
Daneben
boten die begleitende tekom-Messe sowie zahlreiche Ausstellervorträge
ausreichend Gelegenheit, sich umfassend über neue Produkte
zu informieren und geeignete Dienstleister zu sondieren.
Für
Daheimgebliebene: der Tagungsband
Ein
Tagungsband vereinfachte den Teilnehmern die Auswahl der zu besuchenden
Veranstaltungen. Und auch wer nicht an der Tagung teilnehmen konnte,
erhält hier auf 140 Seiten eine Zusammenfassung der meisten
Referate. Den Tagungsband können Sie bei der tekom-Geschäftsstelle
anfordern (tekom-Mitglieder DM 30, Nicht-Mitglieder DM 50); auch
die Tagungsbände einiger früherer Tagungen sind noch
verfügbar.
Wiedersehen in Mannheim
Die
kommende tekom-Herbsttagung findet am 25. und 26. November 1999
im Mannheimer Rosengarten statt. Falls Sie einen Vortrag beisteuern
oder einen Workshop leiten wollen, können Sie sich an Ulrike
Bornemann, die Leiterin des Tagungsteams, wenden.
Aussteller
erhalten bei einer vorbereitenden Besprechung am 9. Juni 1999
die Möglichkeit, den Tagungsort kennenzulernen und ihre Bedürfnisse
einzubringen. Wer an diesem Treffen teilnehmen möchte, kann
sich dazu beim tekom-Geschäftsführer Michael
Fritz anmelden.
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