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Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews

Textverständlichkeit:
DTV-Kurzlehrgang für optimale Ausgangstexte

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Oktober 1999

Von Gerhard Mark

Inhaltsübersicht:

Die Informationsflut wächst mit jedem Tag. Im technischen Bereich ist sie kaum noch zu bewältigen. Jahr für Jahr entstehen Millionenverluste in der Industrie durch Mängel und Schwächen bei technischen Texten und in der technischen Dokumentation. Dieser Trend wird sich noch weiter verschärfen, denn durch die zunehmende internationale Verflechtung wird es immer wichtiger, die Informationen in die jeweilige Landessprache des Anwenders zu übersetzen. 

Die Auswirkungen: Der jetzt schon herrschende Zeitdruck für technische Redakteure wird noch größer, und die Anforderungen an die technische Information steigen weiter an. Das typisch deutsche Verwirr-Syndrom der Ausgangstexte zwingt die Übersetzer zu noch mehr zeit- und kostenaufwendigen Vorarbeiten; es fallen immer höhere Übersetzungskosten an.



Texte strukturieren mit der DTV-Methode

Kostspielige Kettenreaktionen entstehen durch unnötige Kommunikations-Schwächen. Viele technische Redakteure haben ausgezeichnete Fachkenntnisse in Theorie und Praxis; dies qualifiziert sie aber nicht automatisch, leicht verständliche Texte zu erstellen. Viele Redakteure produzieren vorwiegend trockene Langtexte; diese sind

  • schwer zu verstehen und
  • aufwendig zu übersetzen

Eine Lösung bietet die DTV-Methode, das Didaktisch Typografische Visualisieren. DTV bedeutet das Einbinden

  • der Didaktik (das Einsetzen von Lern-Regeln)
  • der Typografie (das Gestalten mit Schriftzeichen) und
  • der Visualisierung von Langtexten (das Erzeugen von sogenannten „Textbildern")

Die Informationen werden nach einfachen Regeln übersichtlich strukturiert und klar gegliedert. Mit dieser Methode erfasst der Leser technische Texte sehr viel schneller

Im folgenden erhalten Sie in Form eines Kurzlehrganges eine Zusammenfassung wirksamer Verständlich-Macher und Übersetzungs-Vereinfacher nach der DTV-Methode. Tests haben ergeben, dass sich mit Befolgen dieser einfachen Regeln 30% und mehr an Übersetzungskosten einsparen lassen.

Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, dass gestresste Dokumentations-Ersteller ein ersehntes Ziel erreichen: Ein Minimum an Mühe und Aufwand bringt ein Maximum an optimaler Textwirksamkeit – bei erheblich reduzierten Kosten für nachfolgende Übersetzungen.


Zehn Empfehlungen für technische Redakteure

1 Keine Schachtelsätze mit Satzklammern

Nicht so: 

„Bei jedem Kaltstart hat der Motor durch unvollständige Verbrennung und Niederschlagen von Schwefelsäure an den Zylinderwänden besonders hohen Verschleiß."

Besser so: 

„Bei jedem Kaltstart verschleißt der Motor besonders stark durch  
- unvollständiges Verbrennen und  
- Niederschlagen von Schwefelsäure an den Zylinderwänden" 

Nachteile:  

  • Die Kernaussage ist auseinandergerissen und umklammert den ganzen Satz.
  • Das Wichtigste kommt erst am Satzende.

Vorteile: 

  • Das Wesentliche steht zusammen am Satzanfang.
  • Die Details folgen übersichtlich in der Art einer Checkliste.

Die Folgen: 

  • erschwertes Verstehen
  • schwieriges Übersetzen

Die Auswirkungen: 

  • leichtes, behaltensfestes Erfassen
  • schnelles, sicheres Übersetzen

Nicht so: 

„In vielen Prozessen, besonders aber in der Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung sowie im Schwimmbadbereich, werden für Dosieraufgaben Pumpen benötigt, die sehr genau in ihrer Dosierleistung und dem benötigtem Funktionsspektrum beistimmt werden können."

Besser so: 

„In vielen Prozessen sind Pumpen für Dosieraufgaben erforderlich:  
- beim Aufbereiten von Wasser  
- beim Behandeln von Abwasser  
- im Schwimmbad-Bereich  
Dosierleistung und Funktionsspektrum der Pumpen lassen sich sehr genau bestimmen."

Nachteile:  

  • verwirrender, verschachtelter Bandwurmsatz
  • wesentliche Aussagen über den ganzen Satz verstreut
  • erhebliche Schwierigkeiten beim Übersetzen

Vorteile:  

  • Trennen des Langsatzes in zwei in sich geschlossene Aussagen
  • Aufzählungen nach Checklisten-Art
  • kurzer und übersichtlicher Satzbau

Die Folgen:  

  • wenig Leseanreiz durch erschwertes, z.T. mehrmaliges Lesen-Müssen
  • unsicheres, mühsames Erfassen des Wesentlichen
  • zeit- und kostenaufwendige Entwirr-Prozeduren vor dem Übersetzen

Die Auswirkungen:  

  • größerer Anreiz durch selektive Lesbarkeit
  • leicht erkennbare Zusammenhänge bei geringem Leseaufwand
  • schnelles, sicheres Übersetzen


2 Keine langen Aufzählungen innerhalb von Sätzen

Nicht so: 

„Hauptstromversorgungskabel, TelefonkabeI und Faxdatenleitung von der Aussparung in der Mittelkonsole bis zur Steckerleiste zwischen Faxeinbausatz und Chassis nachziehen. Massekabel unter der Schalthebelabdeckung mit dem Fahrzeug verbinden und alte Kabel entsprechend dem Verkabelungsplan einstecken."

Besser so: 

„Nachziehen:  
Hauptstrom-Versorgungskabel, Telefonkabel und Fax-Datenleitung  
- von der Aussparung in der Mittelkonsole

- bis zur Steckerleiste zwischen Fax-Einbausatz und Chassis

Verbinden:  
das Massekabel unter der Schalthebel-Abdeckung mit dem Fahrzeug  
Einstecken:  
alle Kabel, entsprechend dem Verkabelungs-Plan"

Nachteile:  

  • Texte zu lang und unübersichtlich
  • Hauptworte (am Satzanfang) sind getrennt von den dazugehörigen Tätigkeitswörtern durch Einschübe
  • zu lange unübersichtliche Silben-Anhäufungen

Vorteile:  

  • Das zur Handlung auffordernde Verb ist vorgezogen.
  • Typografische Textbilder mit Blickfangzeichen motivieren zum Einsteigen, ermöglichen spontanes Orientieren und ergeben einen schnellen Überblick.

Die Folgen:  

  • keinerlei Leseanreize durch fehlende Lesehilfen
  • mühsames Erfassen des Wesentlichen
  • erschwertes, unsicheres Nachvollziehen
  • kostenaufwendige Entwirr-Prozeduren vor dem eigentlichen Übersetzen

Die Auswirkungen:  

  • jeder Handlungsschritt ist klar vorgegeben
  • kaum Fehlermöglichkeiten bei der Installation

Tip:
Vier Voraussetzungen sind entscheidend für das problemlose Verstehen von Texten:

  • Die Leser nicht belasten mit unnötigem Lese- und Denkaufwand.
  • Mit dem Wesentlichen beginnen.
  • Informationen in kleinen Lese- oder Lernschritten zusammenfassen.
  • Diese Informationen in sachlogischer Reihenfolge aufbauen.


3 Keine überladenen Bandwurmsätze

Nicht so: 

„Der Probenehmer wurde für ein aseptisches Probeentnahmesystem zur Entnahme einer repräsentativen Probe aus einer Massenflüssigkeit von biologischem Material für externe Prüfungen entwickelt."

Besser so: 

„Der Probenehmer wurde entwickelt für:  
- ein aseptisches Probeentnahme-System für externe Prüfungen

- das Entnehmen einer repräsentativen Probe aus einer Masse-Flüssigkeit von biologischem Material" 

Nachteile: 

in einem zu langen Schachtelsatz:   

  • zu viele Informationen
  • sachlogisches Durcheinander
  • keine typografischen Lesehilfen
  • keine Anreize zum Einsteigen

Vorteile:  

  • zwei kurze Sätze
  • transparente Textstruktur

Die Folgen:  

  • wiederholtes Lesen-Müssen
  • mühseliges, unsicheres Erfassen
  • schwieriges Übersetzen mit höheren Kosten

Die Auswirkungen:  

  • starker Leseanreiz
  • leichtes Orientieren
  • spontanes, müheloses Erfassen

Nicht so: 

„Es wird ein Verfahren zum Herstellen von Folien mit geringer Oberflächenklebrigkeit auf der Basis von PVB oder von Polymeren mit ähnlichen Eigenschaften durch Extrusion mit einem Breitschlitzwerkzeug beschrieben, bei dem die..."

Besser so: 

Es wird ein Verfahren beschrieben  
- zum Herstellen von Folien mit nur geringer Klebrigkeit der Oberfläche  
- auf der Basis von PVB oder Polymeren  
- mit ähnlichen Eigenschaften wie durch Extrusion mit einem Breitschlitz-Werkzeug  
Bei diesem Verfahren...

Nachteile: 

Dies ist ein Gestrüpp aus:   

  • Verschachtelung mit Satzklammer
  • sachlogischem Durcheinander
  • Trennen wichtiger Aussagen
  • Silben-Bandwürmern

Vorteile: 

kurze, klare Aussagen   

  • in übersichtlicher Auflistung
  • in sachlogischer Reihenfolge

Die Folgen:  

  • mühsames, unsicheres Verstehen
  • Leseverdruss und mehrmaliges Lesen-Müssen
  • nicht übersetzbar ohne vorheriges zeitraubendes und aufwendiges Entwirren

Die Auswirkungen:  

  • leichtes, selektives Lesen
  • schnelles, sicheres Verstehen
  • einfaches, kostengünstiges Übersetzen


4 Keine Bedingsungssätze ohne „wenn"

Nicht so: 

„Leuchtet die Lampe, dann..."

Besser so: 

„Wenn die Lampe leuchtet, dann..."

„Besteht die Anlage aus mehreren Elementen, darauf achten, dass Teile verschiedener Maschinen nicht untereinander vertauscht werden."

„Wenn die Anlage aus mehreren Elementen besteht, vermeiden Sie das Vertauschen von Teilen verschiedener Maschinen."

„Versagen die Bremsen, dann blinkt das rote Licht."

„Wenn die Bremsen versagen, blinkt das rote Licht."

„Prüfen Sie die Spannung, da Block A nicht überall belegt ist."

„Wenn Block A nicht überall belegt ist, dann prüfen Sie die Spannung."

Nachteile:   

  • So nur schwierig übersetzbar!

Vorteile:   

  • schnell und sicher nachvollziehbar
  • problemlos übersetzbar


5 Auf klare, eindeutige Bezüge achten

Nicht so: 

„Alle Motoren haben ein eigenes Überstromrelais, welches eine Kontrollampe einschaltet und bei angeschlossener Alarm-Anlage diese betätigt."  

Frage: Betätigt das Relais die Kontrollampe, die Alarmanlage oder beide?

Besser so: 

„Alle Motoren haben ein eigenes Überstromelais. Dieses Relais  
- schaltet eine Kontrollampe ein und  
- betätigt eine angeschlossene Alarm-Anlage" 

Nicht so: 

„Wird der Hauptschalter auf AUS gebracht, kann die Maschine spannungsfrei geschaltet werden."  

Frage: Wenn der Hauptschalter auf AUS steht, ist die Maschine dann schon spannungsfrei, oder lässt sie sich dann erst spannungsfrei schalten?

Besser so: 

„Maschine spannungsfrei schalten: Hauptschalter auf AUS stellen."

Nicht so: 

„Leitungsluft verbindet den Behälter mit dem Bremszylinder. Dieser befindet sich links vom Rückschlagventil."  

Frage: Was befindet sich links vom Rückschlagventil: der Behälter oder der Bremszylinder?

Besser so: 

„Leitungsluft verbindet den Behälter mit dem Bremszylinder. Der Behälter befindet sich links vom Rückschlag-Ventil."

Tip:
Achten Sie stets auf die richtige sachlogische Reihenfolge sowie klare und eindeutige Bezüge.


6 Keine langen Silben-Anhäufungen

 

Nicht so: 

„Lagerschildzentrierung"

Besser so: 

„Lagerschild-Zentrierung" (Trennung bzw. Auflockerung mit Bindestrich) oder „Zentrierung des Lagerschildes"

„Hauptstromversorgungskabel"

„Hauptstrom-Versorgungs-Kabel" oder „Hauptkabel für die Stromversorgung"

„Zwischenspeicherbelegung"

„Zwischenspeicher-Belegung" oder „Belegung des Zwischenspeichers"

„Computerhandbuchinhaltsverzeichnis"

„Computer-Handbuch-Inhaltsverzeichnis" oder „Inhaltsverzeichnis des Computer-Handbuches"

Nachteile:   

  • mühsam erfassbar
  • so nicht übersetzbar

Vorteile:   

  • leicht erfassbar
  • problemlos und schnell übersetzbar

Tip:
Ob mit oder ohne Übersetzung – lockern Sie lange Wörter wenigstens auf durch Trennstriche.


7 Keine substantivierten Aufblähungen

Nicht so: 

„Alle Kontakte sind einer Überprüfung zu unterziehen."

Besser so: 

„Überprüfen Sie alle Kontakte."

„ein Telefonat führen", „in Erwägung ziehen", „unter Beweis stellen"

„telefonieren", „erwägen", „beweisen"

„Die Berührung blanker, stromführender Kabel muss auf alle Fälle vermieden werden."

„Blanke, stromführende Kabel nicht berühren!" oder „Berühren Sie auf keinen Fall blanke, stromführende Kabel!"

„Die Auswechslung der Lamellensicherungen einer Steckdose ist nur nach Außerbetriebsetzung des Netzschalters vorzunehmen."

„Vor dem Auswechseln von Lamellen-Sicherungen einer Steckdose: Netzschalter stets auf AUS!"

Nachteile:   

  • Niemand würde sich mündlich so ausdrücken.
  • Solche substantivierten Sätze duften nach Amtsschimmel, wirken unnatürlich, hemmen schnelles Verstehen und sind schwer übersetzbar.

Vorteile:   

  • einfache, leicht verständliche Sprache
  • spontanes Erfassen des Wesentlichen

Tip:
Schreiben Sie so einfach, wie Sie sich auch mündlich ausdrücken würden.


8 Kein passives „wird" oder „werden"

Nicht so: 

„Die Zylinder werden in horizontaler Lage justiert und positioniert."

Besser so: 

„Justieren und Positionieren Sie die Zylinder in horizontaler Lage."

„Die Berührung blanker Kabel muss vermieden werden."

„Keine blanken Kabel berühren!"

„Bei Vollast sollte die aufgenommene Leistung festgestellt werden."

„Bei Vollast: Kontrollieren Sie die aufgenommene Leistung."

„Es sollte darauf geachtet werden, den Motor ausreichend zu kühlen."

„Motor ausreichend kühlen."

„Der Raum darf nicht betreten werden."

„Raum nicht betreten!"

„Der Fehler muss gemeldet werden."

„Fehler unbedingt melden!"

„Durch diese Maßnahme wird die Vermischung der beiden Medien beendet."

„Diese Maßnahme beendet das Vermischen beider Medien."

Nachteile: 

Passive Sätze sind  

  • umständlicher
  • verführen zu Satzklammern
  • sind schwerer übersetzbar

Vorteile: 

Aktive Sätze sind  

  • motivierender
  • schneller verständlich
  • leichter übersetzbar

Tip:
Handlungs-Aufforderungen deutlich herausheben, entweder in der Nennform oder im „Sie"-Stil.


9 Vorsicht mit Beifügungen

Nicht so: 

„Der auftretende Fehler"

Besser so: 

„Wenn ein Fehler auftritt" oder „Beim Auftreten eines Fehlers"

„Das ertönende Signal"

„Wenn das Signal ertönt" oder „Beim Ertönen des Signals" 

„Die einzusetzende Software"

„Wenn die Software einzusetzen ist" oder „Beim Einsetzen der Software"

Nachteile:   

  • Solche Konstruktionen sind sehr schwierig zu übersetzen bzw. in viele Sprachen gar nicht übersetzbar.

Vorteile:   

  • präzisere Bestimmung
  • problemlos übersetzbar


10 Keine unterschiedlichen Schreibweisen

Nicht so: 

einmal „Abschlussblech", einmal „Abschlussplatte"

Besser so: 

entweder nur ,,Abschlussblech" oder nur ,,Abschlussplatte"

einmal „Dreh-Potentiometer", einmal „Dreh-Widerstand"

entweder nur ,,Dreh-Potentiometer" oder nur ,,Drehwiderstand"

Nachteile: 

  • unnötige Verwirrung durch unterschiedliche Benennung derselben Begriffe

Vorteile:   

  • absolute Klarheit und schnelleres Verstehen durch einheitliche Schreibweisen
  • rationelleres Einsetzen von elektronischen Wörterbüchern (Translation-Tools)

Tip:
Achten Sie unbedingt auf eine einheitliche Terminologie: keine Synonyme!


Zwölf ergänzende Übersetzungs-Vereinfacher

1    Beachten Sie die Wortwahl

Vermeiden Sie:

  • seltene oder schwierige Wörter
  • Fürwörter
  • unnötige Füllwörter wie z.B. ,,quasi", ,,also", ,,wohl", ,,eigentlich" etc.

Bevorzugen Sie wenige, kurze Attribute.


2    Vermeiden Sie das Wort ,„beziehungsweise"

Das Bindewort „beziehungsweise" kommt aus der Kanzleisprache. Es zwingt den Übersetzer

  • zum Weglassen oder
  • zum wörtlichen Übersetzen, was meist nicht dem jeweiligen Sprachgebrauch entspricht

Vermeiden Sie das Wort „beziehungsweise" oder ersetzen Sie es durch „oder", „vielmehr", „besser gesagt" (je nach Aussage).


3    Vermeiden Sie Ausdrücke mit „-mäßig"

Wortbildungen mit der Endung „-mäßig"

  • stehen oft aus Bequemlichkeit
  • umschreiben etwas ungenau
  • sind so nicht übersetzbar

Nicht so: 

„Die Pumpen arbeiten verhältnismäßig gut." 

Besser so: 

„Die Pumpen arbeiten ausreichend." 

„Übersetzungsmäßig gesehen ergeben sich hier keine Vorteile." 

„Für Übersetzungen ergeben sich hier keine Vorteile." 


4    Vermeiden Sie Infinitiv-Konstruktionen

Nicht so: 

„Es ist erforderlich, die Lager wöchentlich zu schmieren." 

Besser so: 

„Lager wöchentlich schmieren."  

„Um Bedienungsfehler zu vermeiden, sollten Sie die Betriebsanleitung lesen." 

„Sie vermeiden Bedienungsfehler, wenn Sie vorher die Betriebsanleitung lesen." oder „So vermeiden Sie Bedienungsfehler: Lesen Sie vorher die Betriebsanleitung." 


5    Vorsicht bei Abkürzungen

Abkürzungen sind oft Fallen für Übersetzer, die dann raten müssen:

  • Handelt es sich um Typenangabe, Norm oder Befehlsfolge?
  • Ist die Abkürzung fach- oder firmenspezifisch?
  • Ist diese Bezeichnung international?
  • Wie kann oder sollte man sie übersetzen?

Dies zu klären erfordert Rückfragen, Zeit und Nerven. Damit steigt der Aufwand für das Übersetzen.

Tip:
Wenn Sie Abkürzungen verwenden, dann nur übliche, die allgemein zu verstehen sind. Spezifische Abkürzungen immer erklären: direkt hinter der Abkürzung in Klammern und/oder in einem Abkürzungsverzeichnis.


6    Vorsicht bei Texten in Abbildungen

Stehen erklärende Texte innerhalb von Abbildungen, lassen sich die Bilder für Fremdsprachen nicht mehr verwenden.

Tip:
Entsprechende Stellen in der Grafik mit Ziffern versehen und Texte unter/neben der Grafik aufführen mit denselben Ziffern als Legende. Bei Legenden mehr Platz lassen, da übersetzte Texte oft länger sind als im Deutschen.

Vorteil:
Texte als Legenden lassen sich leichter übersetzen als Textbrocken innerhalb von Grafiken.


7    Vorsicht bei Fremdwörtern und Fachbegriffen

Vermeiden Sie das Eindeutschen von englischen Fachbegriffen wie z.B. ,,uploaden", ,,timen", ,,upgedated", ,,gehighlighted". Fremdwörter entweder vermeiden oder erklären.

Hierzu sagt der Duden: ,,Man kann über Fremdwörter nicht pauschal urteilen. Ein Fremdwort ist immer nur dann gut und nützlich, wenn man sich damit deutlicher und kürzer ausdrücken kann. Solche Fremdwörter werden im allgemeinen auch ohne weiteres verstanden. Es ist ausschlaggebend, dass ein fremdes Wort allgemein verständlich ist und das Verständnis nicht unnötig erschwert oder gar unmöglich macht".


8    Selektives Lesen durch typografische Mittel

Ermöglichen Sie dem Leser selektives Lesen durch den Einsatz von:

  • Blickfangpunkte und Lernleitzeichen
  • Zwischen-Uberschriften und Einrückungen
  • unterschiedlichen Größen und Stärken der Schrift


9    Klare Aussagen in Handlungs-Aufforderungen

Vermeiden Sie das Kombinieren von Beschreibungen und Handlungs-Aufforderungen:

  • möglichst nur eine Handlungs-Aufforderung pro Satz
  • bei Begründungen: immer zuerst die einfache Handlungs-Aufforderung und dann erst die Zusatzinformation
  • komplexe Sachverhalte und Folgen von Zusammenhängen der Arbeitsschritten möglichst in tabellarischer Form auflisten


10    Umgang mit Tätigkeitswörtern

Vermeiden Sie:

  • ungenaue Hilfsverben wie ,,kann" oder ,,sollte" etc.
  • zusammengesetzte Zeiten
  • das Aneinanderreihen von vielen Infinitiven

Bevorzugen Sie stattdessen:

  • bekannte, geläufige Verben
  • die Zeiten Präsens (z.B. „er montiert"), Imperfekt (z.B. „er montierte") oder Futur (z.B. „er wird montieren")

Sie vermeiden damit unübersichtliche, kaum zu übersetzende Sätze bei zusammengesetzten Zeiten mit zusätzlichen Hilfsverben.


11    Modalverben vermeiden

Nicht so: 

„Der Raum darf nicht betreten werden." 

Besser so: 

„Raum nicht betreten!" 

„Die Wartung der Maschine soll regelmäßig erfolgen." 

„Warten Sie die Maschine regelmäßig!" 

„Der Fehler muss gemeldet werden." 

„Jeder Fehler ist zu melden!" oder „Melden Sie jeden Fehler!". 

   


12    Vermeiden Sie Stilsalat

Vermeiden Sie ein Durcheinander von:

  • direkter Anrede (z.B. ,,Öffnen Sie die Tür.")
  • passiven Formulierungen (z.B. ,,Die Tür darf nicht geöffnet werden.")
  • Infinitiv-Formulierungen (z.B. „Türe öffnen")

Ein solcher Stilsalat erschwert indirekt das Übersetzen und verringert die Wirkung von Aufforderungen zum Handeln.

Entscheiden Sie sich für einen einheitlichen Stil, d.h. nur direkte Anrede, nur passive Formulierungen oder nur Infinitiv-Formulierungen.

Tip:
Die Erfahrung zeigt: Am einfachsten für alle Beteiligten sind Formulierungen mit Infinitiv. Setzen Sie diese bevorzugt ein.


Literaturhinweis:

Reichert, Günther W.: Kompendium für Technische Dokumentationen. Anwendungssicher mit Didaktisch-Typografischem Visualisieren (DTV). 2. Aufl. Leinfelden-Echterdingen 1993.

 

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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