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Farbrichtige Reproduktionen mit Farbmanagement

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Juli/August 2000

Von Ulrich Thiele

Inhaltsübersicht:

Mit der Vernetzung von Datenbeständen über neue Kommunikationswege spielt die farbrichtige Wiedergabe auf dem lokalen Monitor oder Drucker eine neue, wichtige Rolle. Zumal die Bedeutung von Farbe in Dokumenten rasch zunimmt. Dieser Beitrag beleuchtet die Notwendigkeit von Farbmanagement und die Vorteile in der Praxis der Dokumentenverteilung.


Kein Dokument ohne Farbe

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, konsequent Farbe für die Gestaltung von Dokumenten einzusetzen. Durch farbig angelegte Dokumente lassen sich insbesondere die Wissensvermittlung mit Langzeiteffekt und die Lesemotivation deutlich steigern. In der Praxis sind auf allen Ebenen der Kommunikation längst die Hardware-Voraussetzungen zum didaktisch fundierten Arbeiten mit Farbe geschaffen:

  • Farbbildschirme sind seit Jahren von keinem Computerarbeitsplatz mehr wegzudenken.
  • Auf Farbdrucker in Tintenstrahl- oder zunehmend in Lasertechnik hat inzwischen eine Vielzahl von Sachbearbeitern Zugriff.
  • Flachbettscanner und digitale Kameras gehören in vielen Unternehmensbereichen zum Standard.
  • Die Reproduktion in höheren Druckauflagen ist dank aktueller Digitaldrucktechnik für viele Anwendungen wirtschaftlich geworden.

Der Umgang mit farbigen Dokumenten gehört mittlerweile also zum Tagesgeschäft.

Gründe für das Verwenden von Farbe in Dokumenten (nach: Publishing Praxis/Tektronix)


Probleme mit Farbe

Oft sieht ein Scan oder ein Digitalfoto am Monitor "schön bunt" aus, aber leider ganz anders als das fotografierte Original oder die Vorlage auf dem Scannerglas. Mit dem Ausdruck auf dem Farbdrucker oder aus der Druckerei erhält man dann weitere (unerwünschte) Farbvarianten. Davon sind nicht nur Fotos betroffen, sondern häufig auch am Rechner gezeichnete Grafikelemente. Hinzu kommt noch die Enttäuschung beim elektronischen Versand von Bildschirmdokumenten, die auf jedem Rechner einen anderen Farbeindruck vermitteln. Mit Trial & Error verschwendet man wertvolle Arbeitszeit, um auf Vortragsfolien zumindest die Corporate-Design-Farben hinzutrimmen.

Der Druck in höheren Auflagen wird zwar zur Zeit noch vorwiegend von Druckvorstufen-Profis betreut, allerdings deuten die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich eine kurzfristige Wende an: Die Abkehr von der teuren Belichtung der Druckfilme hin zum digitalen Offsetdruck per Dateitransfer ist in vielen Druckereien schon Realität. Mit den Offsetfilmen und den auf deren Basis erzeugten Analog-Proofs entfällt eine wichtige Kontrollinstanz im Druckprozess; der Ersteller eines Dokumentes muss schon am Bildschirm die Sicherheit haben, welche Farben er später auf dem Papier vorfinden wird.

Dokumentenmanagement heißt auch, vernetzte Daten aus unterschiedlichen Quellen (teil-) automatisiert und datenbankgestützt zum fertigen Dokument zusammenzustellen. Wenn übergeordnete Systeme hier nicht für Farbrichtigkeit sorgen, sind sogar Farbabweichungen innerhalb eines Dokumentes kaum zu vermeiden.

Farbmanagement ist die Lösung der Probleme mit der Farbtreue. Eine Technik, die sich innerhalb naher Zukunft in jedem Kommunikationsbereich durchsetzen wird.


Der Ausweg: Farbmanagement

Farbmanagement-Systeme wollen vor allem zwei wesentliche Ziele erreichen:

  1. die farbrichtige Darstellung von Grafiken und Bildern, egal aus welcher Quelle und egal auf welchem Ausgabegerät
  2. die genaue Farbreproduktion ohne Zutun des Anwenders

Mit dem Verzicht auf den Eingriff von Fachleuten in den Verlauf einer Reproduktion ist Farbmanagement wirtschaftlich effizient und auch für den lithografisch unvorbelasteten Dokumentenersteller erreichbar.

Auf die Grundlagen von Farbmanagement und auf die Verknüpfungen zwischen Anwendungsprogrammen und Betriebssystem soll hier nicht näher eingegangen werden. Zur Information über die Funktionsweise von Farbmanagement-Systemen nur soviel:

  • Ein- und Ausgabegeräte sowie Monitore sind konzept- oder konstruktionsbedingt fehlerbehaftet und arbeiten farbmäßig nicht linear. Diese Fehler kann man mit geeigneten Messverfahren ermitteln und in standardisierten Geräteprofilen speichern.
  • Die am Farbprozess beteiligten Geräte arbeiten nach verschiedenen physikalischen Verfahren – vom CCD-Chip der Digitalkamera über die Röntgenröhre des Monitors bis hin zu den genormten Druckfarben einer Offsetdruckerei. Jedes Verfahren verfügt über einen typischen Farbraum, dessen darstellbare Farben begrenzt sind. In der gesamten Wiedergabekette von der Kamera bis zum Ausdruck wird der ursprüngliche Farbraum des Bildes Zug um Zug zwangsläufig verkleinert und beschnitten.

Die folgende Abbildung zeigt als Schuhsohlen-förmige Fläche die Gesamtheit aller vom (durchschnittlichen) menschlichen Auge unterscheidbaren Farben. Darin eingezeichnet finden Sie als Dreieck die Begrenzung des idealisierten RGB-Farbraumes, den beispielsweise Scanner, Digitalkameras und Röhrenmonitore mit ihren drei Grundfarben Rot, Grün und Blau physikalisch nutzen (können). Das in das RGB-Dreieck eingebettete Fünfeck zeigt die idealisierte Fläche jener Farben, die nach dem CMYK-Farbdruck – den Farblaser, Offsetdruckmaschinen und Tintenstrahldrucker verwenden – nur noch übrigbleiben.

RGB- und CMYK-Farbräume als Polygone im Vergleich mit der Gesamtheit der sichtbaren Farben (so genannte "Schuhsohle")

Farbmanagement-Systeme korrigieren im Hintergrund des Betriebssystems die Gerätefehler und führen die Umrechnungen der Farben zwischen den unterschiedlichen Farbräumen so durch, dass das Endergebnis der Realität – unter Berücksichtigung physikalischer Grenzen – möglichst nahe kommt.

Farbraumtransformation zwischen geräteabhängigen Farbräumen und Arbeitsfarbraum über Geräteprofile


Nutzen und Kosten von Farbmanagement

Einmalig durchgängig eingerichtete Farbmanagement-Systeme, die alle an einem Dokumentenerstellungs-Prozess beteiligten Arbeitsstationen einbeziehen, bieten außer der Sicherheit bei der Farbreproduktion vor allem folgende Vorteile:

  • Höhere Effizienz bei der Dokumentenerstellung durch Farbsicherheit ohne Fehldrucke.
  • Verbrauchsmaterialien können eingespart werden – vor allem durch das Vermeiden teurer Neubelichtungen von Offsetfilmen und der entsprechenden Analog-Proofs.
  • Teure Analog-Proofs können durch farbrichtige, preisgünstige Digital-Proofs ersetzt werden, die zudem weniger zeitintensiv sind.
  • Der Ersteller eines Dokumentes kann sich auf die Inhalte konzentrieren; umständliche Farbkorrekturen und Mehrfachausdrucke können entfallen.
  • Zeitkritische Druck-Produktionen lassen sich besser kalkulieren, da Farbprobleme ausgemerzt werden können.
  • Durch den Verzicht auf externe Druckvorstufen-Dienstleister können verschiedene Produktions- und Abstimmungswege eingespart werden.
  • Bestimmte datenbankbasierte Dokumentenmanagement-Abläufe – für Bildschirm- oder Druckausgabe – werden erst durch automatisierte Farbmanagement-Systeme in hoher Qualität möglich. Das betrifft unter anderem etwa die automatisierte Katalogerzeugung.

Zur Realisierung eines durchgängigen Farbmanagement-Systems sind hardwaremäßig keine Investitionen notwendig. Die Kalibrierung der farbkritischen Ein- und Ausgabegeräte und Monitore bieten in der Regel Dienstleistungsunternehmen als die wirtschaftlichste Lösung an. Auch die Einrichtung des Farbmanagement-Systems ist zusammen mit externen Spezialisten empfehlenswert.

Voraussetzung ist allerdings, dass die verwendeten Anwendungsprogramme zum farbrichtigen Arbeiten grundsätzlich geeignet sind. Gegebenenfalls sind Software-Updates nötig.

Die Schulung der Mitarbeiter beschränkt sich auf minimale Verhaltensweisen, da Farbmanagement-Systeme nach der einmaligen Einrichtung in der Regel wartungsfrei sind. Lediglich beim Aufspielen neuer Programme oder Betriebssystem-Erweiterungen sowie beim Einrichten neuer Hardware kann im Einzelfall externe Hilfestellung wichtig werden.


Der Stand der Technik

Farbmanagement-Systeme für farbrichtige Monitorwiedergabe und für den Auflagendruck sind heute bereits wirtschaftlich einsetzbar. Aber auch wenn Einrichten und Betrieb eines Farbmanagement-Systems grundsätzlich kein Geheimnis mehr darstellen, so gibt es doch Gründe, weswegen derzeit (noch) häufig Farbmanagement by experience verbreitet ist.

Organisatorische Hemmnisse:

  • Die Einrichtung eines Farbmanagement-Systems macht einerseits Farbspezialisten in verschiedenen Unternehmensbereichen entbehrlich, erfordert andererseits aber auch kompetente Dienstleister, die noch recht selten sind.
  • Eingespielte Arbeitsabläufe müssen im Sinne des Qualitätsmanagements modifiziert oder sogar neu definiert werden.
  • Schnittstellen zu Belichtern, Digitaldruckern und Layoutstudios sind neu zu ordnen.

Technische Einschränkungen:

  • Es fehlen noch Standards für webbasiertes Farbmanagement sowie Farbmanagement auf Zielrechnern für Multimedia-Anwendungen. Allerdings wird daran weltweit mit Hochdruck gearbeitet.
  • Einige Anwendungsprogramme unterstützen Farbmanagement noch unvollkommen oder können nur mit Tricks und Zusatzsoftware zur farbrichtigen Wiedergabe gezwungen werden. Auch hier befinden sich Farbmanagement-Systeme in einer Phase geradezu stürmischer Entwicklung, so dass kurzfristig mit Lösungen für die verbleibenden Problemstellungen zu rechnen ist.


Fazit

Farbmanagement-Systeme ermöglichen vom Scan bis zum Druck eine farbrichtige Anzeige- und Druckwiedergabe. Damit lassen sich endlich Dokumente wirtschaftlich in Farbe produzieren, für die bislang noch ausgebildete Fachleute herangezogen werden mussten. Manche datenbankgestützte Projekte im Katalogbereich können unter Kostengesichtspunkten besonders effizient farblich umsetzt werden.

Farbmanagement-Systeme lassen sich – je nach verwendeter Anwendungssoftware – schnell und kostengünstig einrichten. Einige Anwendungsprogramme sind noch nicht konsequent auf Farbmanagement ausgerichtet; hier muss man durch Definition eines geeigneten Arbeitsablaufs heute noch Mängel kompensieren, um zu einer farbrichtigen Ausgabe zu kommen.

Da Farbmanagement-Systeme nach einer einmaligen Konfiguration keine weiteren Eingriffe mehr erfordern, sind sie eine ideale Investition in alle Arbeitsplätze, an denen ohne Repro- und Litho-Vorkenntnisse gearbeitet wird.


Zum Weiterlesen und -surfen

Agfa Deutschland: Die Geheimnisse des Farbmanagements. Die digitale Farbe – Teil 5. 1997.

FOGRA – Forschungsgesellschaft Druck e.V.: www.fogra.org.

Homann, J.-P.: Digitales Colormanagement. Farbe in der Publishing-Praxis. Berlin u.a.: Springer 1998 (Edition Page).

ICC – International Color Consortium: www.color.org.

Linotype CPS GmbH: CD PrintOpen ICC 3.0/Color Management Books. 1997. (ColorManagement.pdf und Scannen Anhang.pdf)

Thiele, U./Kaffka, M.: Farbmanagement. Ein Leitfaden für die praktische Anwendung. Reutlingen: doculine 2000.

Thiele, Ulrich: Ergänzungen und Aktualisierungen zum Farbmanagement: www.thiele-colorconsult.de.

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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