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Life Cycle
Management bedingt dadurch, dass jedes Produkt bereits im Hinblick
auf eine optimale Betreuung während dieser Produktlebensdauer
konzipiert werden muss. Die gesamte Lebensdauer eines Produktes
muss bereits in strategische, planerische und konstruktive Überlegungen
Eingang finden. "Kann ein Unternehmen Einflussgrößen
wie Zukunftssicherheit, Wiederverwertbarkeit usw. aus dem gesamten
Produktlebenszyklus frühzeitig und damit gewinnbringend in
seiner Strategie, seinen Produkten, Geschäftsprozessen und
IT-Systemen berücksichtigen, dann hat es Life Cycle Management
erfolgreich angewendet", so Dr. Thomas Friedmann, Practice
Leader Life Cycle Management bei der CSC Ploenzke AG. Virtualität bestimmt nicht nur unser Leben in der Cyberworld, wenn wir uns auf Ausflüge ins Internet begeben, sondern zunehmend auch unsere alltägliche Umwelt. In England hat das Unternehmen Virgin Rail zum Betreiben seiner Bahnstrecken nicht etwa die benötigten 54 Züge gekauft, sondern lediglich den Anspruch auf Mobilität für die folgenden 15 Jahre erworben. Das heißt: Alstom, der Hersteller von Schienenfahrzeugen, stellt Virgin Rail jeden Tag aufs Neue zur rechten Zeit am rechten Ort funktionierende Züge zur Verfügung. Virgin Rail als Betreiber der Bahnstrecke muss nun diese Züge lediglich noch mit Fahrgästen füllen. Alstom ist nun wiederum dafür verantwortlich, dass der Zug dann pünktlich am Zielbahnhof eintrifft. Instandhaltung, Wartung, eventuell anfallende Reparaturen sind Sache des Herstellers. Das bedeutet nun wiederum in der Phase der Produktentwicklung, dass bei der Entscheidung für ein Bauteil nicht mehr unbedingt nur dessen günstiger Preis ausschlaggebend ist, sondern Faktoren wie Verlässlichkeit, Haltbarkeit oder einfache Wartung schon für den Hersteller an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen. Es könnte aber noch weiter gehen: Die Sitze in den Zügen würden dann vom Hersteller seinerseits nicht käuflich erworben, erworben würde wiederum nur der Anspruch auf Sitzleistung vom Hersteller der Sitze. Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Auswirkung auf das Lieferkettenmanagement (Supply Chain Management, SCM). Hersteller und Lieferant müssen bereits in der Entwicklungsphase sehr viel enger kooperieren, als dies bisher der Fall ist. Virgin Rail
hat Zugriff auf die Züge, bezahlt jedoch nur für die
tatsächlich erbrachte Fahrleistung in Kilometern. Bei diesen
Zahlungen werden neben den Fahrkilometern auch Aspekte wie Pünktlichkeit
und Zuverlässigkeit berücksichtigt. "Natürlich
hat Alstom nun ein wesentlich größeres Interesse daran,
die Betriebskosten für die Züge möglichst gering
zu halten", so Thomas Friedmann, dessen Beratungsteam durch die
Einführung einer neuen Produktstrategie, neuer Produktentwicklungsmethoden
und -prozesse sowie durch die Realisierung einer integrierten
IT-Landschaft Alstom in nur acht Monaten in die Lage versetzt
hat, Life Cycle Management anzuwenden und dadurch Wettbewerbsvorteile
zu erringen. Die Vorteile für den Kunden, in unserem Beispiel Virgin Rail, scheinen auf der Hand zu liegen: Das Unternehmen bekommt in der Tat lediglich das, was es benötigt nämlich nicht Tonnen an Stahl, komplizierte Mechanik und Elektronik, sondern Fahrleistung. Virgin Rail kann sich so auf sein eigentliches Geschäft, den Verkauf von Transportleistung an Einzelpersonen konzentrieren. Für Alstom liegt der Vorteil in erster Linie natürlich im Verkauf der Leistung: Als einziges Unternehmen hat sich Alstom auf die Forderung von Virgin Rail eingelassen und dadurch den Zuschlag für den Bau von 54 Zügen erhalten. Eine ganzheitliche Betrachtung von Produkt und Service dient der Differenzierung auf einem immer härter umkämpften Markt und der Kundenbindung. Erkannt hat dies auch der Autohersteller MCC Smart: Mit dem Kauf eines Smart erwirbt man nicht nur ein Auto, sondern man kann sich am Programm Smart Move beteiligen. Auch hier deutet der Name bereits an, dass es weniger um Autos als solche als um deren Wesen, nämlich die Mobilität geht. Der Teilnehmer an diesem Programm kann beim Autoverleiher Avis zu besonders günstigen Konditionen ein Auto mieten, sei es während des Urlaubs oder weil er am Wochenende einfach ein größeres Auto benötigt, um etwas zu transportieren usw. MCC hat erkannt, dass für den Käufer heute Flexibilität ein wichtiger Bestandteil der Lebensgestaltung ist. Die Anforderung
nach Flexibilität ist unter einem weiteren Feature des Smart
auch in die Produktkonzeption eingegangen: Einfach und schnell
und damit kostengünstig können die so genannten Body
Panels ausgetauscht werden, um dem Auto eine neue Farbe zu verleihen.
Life Cycle Management als kontinuierliche Produktbetreuung während des gesamten Produktlebenszyklus bedeutet auch Verfügbarkeit aller produktrelevanten Daten und Dokumente während dieser unter Umständen sehr langen Lebensdauer. Dies kann zum Problem werden, wenn man der langen Produktlebensdauer von industriellen Gütern die kurze Lebensdauer von EDV-Plattformen gegenüberstellt. Darüber hinaus muss auch die Dokumentation selbst erweiter- bzw. anpassbar sein entsprechend den Produktänderungen im Lebenszyklus. Eine große Rolle bei steigender Komplexität der Dokumentenverwaltung spielen entsprechende EDV-Lösungen: Für die meisten technischen Produkte liegen heute CAD-Zeichnungen vor. Die Produktdokumentation besteht jedoch darüber hinaus aus Produktionsdaten, Beratungsanleitungen, Instandhaltungsanleitungen, Produktdatenblättern, Prüfprotokollen usw. Für deren Verwaltung stehen Produktdatenmanagement-Systeme zur Verfügung. Haben diese bisher jedoch in erster Linie den eigentlichen Produktentwicklungsprozess unterstützt, müssen nun im Hinblick auf eine Unterstützung des gesamten Lebenszyklus hier auch verstärkt Überlegungen zur Langzeitdokumentation und demzufolge zur Langzeitarchivierung angestellt werden. Neben diesen
produktorientierten Informationen existieren kundenzentrierte
Informationen in CRM-Systemen (CRM = Customer Relationship Management)
sowie Lieferkettendaten in SCM-Systemen. Die Bedeutung einer effizienten
Verwaltung dieser Daten erwächst aus der integrativen Sicht
auf Produkt und Dienstleistung. LCM-Konzepte integrieren all diese
Informationen unter einem Dach. Informationen über die Wirtschaftlichkeit der Produkte während ihrer gesamten Lebensdauer fehlen normalerweise ganz. Dabei geht es letztlich bei all diesen Aktivitäten ja um eine einzige Frage: "Wie kann das Geschäftspotenzial meines Produktes über dessen gesamte Lebensdauer möglichst optimal ausgenutzt werden?" Für Flugzeuge wird heute häufig vom ersten Tag an ein LTEP (Life Time Earning Potential) ermittelt. Damit steht bereits vor Bau des ersten Flugzeuges fest, welche wirtschaftlichen Ergebnisse mit dem Produkt Flugzeug erzielt werden können. Dies beinhaltet eine frühzeitige Planung von Upgrades und Verbesserungen sowie die Entwicklung und Vermarktung zusätzlicher Services bis hin zu Überlegungen über Wiederverwertbarkeit. Wenn in die
strategische Planung und Entwicklung eines Personenflugzeuges
bereits die Frage nach dessen Weiterverwendbarkeit eingeht, entsteht
daraus eventuell ein Personenflugzeug, das schnell und problemlos
in ein Transportflugzeug umgewandelt werden kann. Für den
Käufer dieses Flugzeuges hat dieses dadurch einen höheren
Wiederverkaufswert, auch wenn eventuell der Erstanschaffungspreis
höher liegt, weil die Ausführung technisch und qualitativ
höherwertig ist. Für den Hersteller liegt darin ein
Verkaufsargument und ein Wettbewerbsvorteil. "Jeder Unternehmer,"
so Friedmann, "muss sich, wenn er im Bereich des Life Cycle
Managements innovative Wege gehen möchte, mit der Frage auseinandersetzen,
wie er nicht nur beim Verkauf eines Produktes, sondern während
dessen gesamter Lebensdauer Erträge erwirtschaften kann."
Produktentwicklung und -vertrieb werden dann gekennzeichnet durch
verstärkte Nachhaltigkeit. Jeder, der heute ein Produkt gleich welcher Art herstellt, sollte sich über Life Cycle Management grundsätzlich Gedanken machen. Daraus ergeben sich, wenn die oben aufgeführten Aspekte beachtet werden, sehr schnell völlig neue Potenziale. Produkt und Dienstleistung sind als Gesamtangebot eines Unternehmens zu verstehen und müssen daher auch gemeinsam entwickelt werden. Dies erfordert neue Strategien und Veränderungen in allen Kernprozessen.
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