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Wenn der Kollege nicht mehr nebenan sitzt

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Dezember 2000

Von Frank Kappe

Inhaltsübersicht:

Trotz verstopfter Straßen, übervoller Pendlerzüge und verspäteter Flüge: Immer mehr Menschen erreichen ihren Arbeitsplatz heute schneller und ausgeruhter als früher. Denn der Arbeitsplatz ist das Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung, die Wohnung wird zur Mini-Niederlassung des Arbeitgebers. Die traditionelle Bürokultur ist auf dem Rückzug – flexible Arbeitsmodelle und Telearbeit machen's möglich. Aber, je verteilter die Mitarbeiter eines Unternehmens agieren, desto wichtiger wird ein funktionierendes Informationsmanagement. Eine wichtige Rolle spielen dabei Informationsportale, die Interne und Externe unter einem virtuellen Dach vereinen.

Die Zeiten, als Telearbeit nur eine modernere Form der Heimarbeit war, sind vorbei. Das Büro in den eigenen vier Wänden hat sich zum vollwertigen Arbeitsplatz entwickelt. Der Elektronikkonzern Siemens beschäftigt bundesweit bereits 1.500 Telearbeiter, die bis zu 80 Prozent ihres Pensums zu Hause absolvieren – Tendenz steigend. Unternehmen, die solche Arbeitsmodelle anbieten, sind für die Mitarbeiter attraktiv und verschaffen sich damit einen Vorteil bei der Besetzung neuer Stellen. Wie eine Untersuchung der Nonprofit-Organisation Telecommute America zeigt, sind die meisten Telearbeiter selbst durch eine Verdoppelung ihres Gehalts nicht zur Rückkehr in das normale Arbeitsleben zu bewegen.

Die reine Heimarbeit ist derzeit allerdings noch eher die Ausnahme. Weitaus größer ist das Heer der so genannten Mobilarbeiter – bei Siemens beispielsweise sind es derzeit rund 9.000. Bewaffnet mit Laptop und Handy pendeln sie zwischen Kunden, Büro und Wohnung und unterscheiden sich prinzipiell nur wenig von ihren Telearbeits-Kollegen. Auch sie besitzen meist keinen festen Schreibtisch mehr im Unternehmen, sondern erhalten für die Innendienst-Zeit einen freien Platz zugewiesen – das Schlagwort lautet Desk Sharing. Die deutsche Zentrale von Sun Microsystems beispielsweise rechnete bei der Planung des neuen Bürogebäudes mit einem Arbeitsnomaden-Anteil von mindestens 30 Prozent.

Keine Frage, geringere Büromieten, Einsparungen bei den Fahrtkosten und eine höhere Produktivität der Telearbeiter sind verlockende Aussichten für Unternehmen. Gleichzeitig ist jedoch die Gefahr sehr groß, dass durch den fehlenden bzw. stark eingeschränkten persönlichen Kontakt wichtige Informationen auf der Strecke bleiben. Informationsportale minimieren dieses Risiko und ermöglichen es den Benutzern gleichzeitig, standortübergreifend zusammenzuarbeiten.


Weniger ist mehr

Wenn die Mitarbeiter verteilt sind, müssen im Gegenzug die Daten und Informationen zentral zugänglich sein. Der Zugriff auf das gespeicherte Unternehmenswissen erfolgt idealerweise über ein Intranet und einen Standard-Web-Browser. Als Hürde erweisen sich dabei jedoch die derzeit noch relativ geringen Bandbreiten. Damit die Online-Kosten nicht ausufern und Telearbeit nicht zur Geduldsprobe wird, müssen Informationsportale für eine hohe Informationsdichte sorgen.

Wichtige Voraussetzung dafür sind aktuelle Inhalte, eine leistungsfähige Suche und eine benutzerspezifische Unterteilung des Inhalts in relevante und nicht relevante Bereiche. Diese Aufgabe übernehmen Attribute, die sich Ordnern, Dokumenten und auch Hyperlinks zuordnen lassen. Über das Attribut "Gültigkeit" löscht das System automatisch veraltete Informationen. "Schlagworte" charakterisieren den Inhalt von Dokumenten, wodurch die Zahl der nicht relevanten Treffer verringert wird. Und fein abgestufte Zugriffsrechte zeigen jedem Benutzer nur die für seine persönliche Arbeit nötigen Dokumente und blenden den großen Rest aus. Dies gewährleistet zudem, dass unternehmenskritische Informationen nicht in die falschen Hände gelangen.


Ein Informationsportal bündelt Informationen und stellt sie über variable Zufriffsmöglichkeiten zur Verfügung.

(Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken!)

Eine zentrale Rolle beim effizienten Informationstransfer spielen Hyperlinks. Sie verknüpfen zusammengehörende Dokumente und bringen Tele- und Mobilarbeiter schnell auf den neuesten Wissensstand. Was geschieht jedoch, wenn Dokumente im Intranet verschoben, umbenannt oder gelöscht werden? Bei herkömmlichen Hyperlinks erhält der Mitarbeiter die wenig hilfreiche Meldung "404 File not found". Moderne Systeme arbeiten daher mit dynamischen Links. Sie werden getrennt von den Dokumenten als Objekte in einer Datenbank gespeichert und passen sich Veränderungen automatisch an. In einem Extranet-Projekt von Siemens-Fujitsu sank durch das automatische Link-Management der Anteil toter Links von 40 Prozent auf Null.


Virtuelle Kaffeeküche

In Unternehmen werden Neuigkeiten und wichtige Informationen nicht selten bei Begegnungen auf dem Flur, in der Kaffeeküche oder in der Kantine ausgetauscht. Damit die Telearbeiter und ihre mobilen Kollegen vom kurzen Dienstweg nicht ausgeschlossen werden, muss das Informationsportal die Rolle des Informanten übernehmen. Wertvolle Dienste leisten ein regelmäßiger Newsletter, die digitale Ausgabe eines Schwarzen Bretts sowie Agenten und so genannte Augen.

Agenten sind gespeicherte Suchprofile, die den Dokumentenbestand entweder ständig oder zu definierten Zeiten durchsuchen. Werden Dokumente zu einem bestimmten Thema neu im Intranet publiziert bzw. bestehende Dokumente aktualisiert, schickt der Agent seinem Auftraggeber eine E-Mail oder macht einen Vermerk auf dessen News Page.

Ein ähnliches Instrument sind die Augen. Sie beobachten den Status bestimmter Dokumente oder eines Arbeitsprozesses und melden, wenn sich der Status einer Information im Verlauf eines Projekts wandelt: vom Entwurf über die Diskussion bis zum endgültigen Dokument. Ergänzt durch Bookmarks, die häufig genutzte Quellen markieren, können sich die Mitarbeiter auf diese Weise ein informelles Netz aufbauen.

Die Gefahr einer Trennung in informierte und nicht informierte Mitarbeiter ist gebannt. Wie gelangt jedoch extern produzierter Inhalt in Echtzeit ins Intranet, damit er den übrigen Kollegen sofort zur Verfügung steht? Informationsportale, die spezielle HTML-Kenntnisse oder gar die Mithilfe eines Web-Administrators erfordern, wirken als Flaschenhals. Damit die Informationen im Portal stets aktuell sind, müssen die Mitarbeiter Informationen im Intranet folglich selbst publizieren können. Dies muss entweder direkt aus den entsprechenden Anwenderprogrammen heraus möglich sein oder wie gewohnt per Drag and Drop über den MS-Explorer – immerhin besteht der Inhalt zum größten Teil nach wie vor aus klassischen Dokumenten im Word-, Excel-, PowerPoint- oder PDF-Format.

Im Rahmen eines Freigabe-Prozesses können Dokumente dabei mehrere Stufen durchlaufen: Zunächst wird das Dokument an bestimmte Mitarbeiter verteilt. Diese zeichnen es entweder im Rahmen eines einfachen Umlaufs ab oder bearbeiten es und schicken es an den Autor zurück. Bevor es dieser schließlich publiziert, können Word-Dokumente zusätzlich in das HTML-Format umgewandelt werden. Damit stehen sie den Mobilworkern mittels Handy und Notebook auch unterwegs zur Verfügung. Eine Versionskontrolle gewährleistet einen durchgängigen und transparenten Workflow und Sicherheitslevel wie "Lesen" und "Schreiben" bewahren das Intranet zudem vor Wildwuchs.


Allein, aber nicht isoliert

Bei der Diskussion über Telearbeit warnen kritische Stimmen vor der Vereinzelung der Mitarbeiter und den negativen Folgen. Zum einen erschwert die Trennung in traditionelle Mitarbeiter, Telearbeiter und Mobilworker die gemeinsame Arbeit an Projekten. Zum anderen verteilt sich das in den Köpfen gespeicherte Unternehmenswissen auf viele Standorte und ist damit für die Kollegen nur mehr schwer zugänglich. Dem persönlichen Gespräch am nächsten kommen Videokonferenzen, die sich in Informationsportale einbinden lassen. Die Bandbreite, mit denen Heimbüros und mobile Mitarbeiter an das Unternehmen angebunden sind, reicht für einen sinnvollen Einsatz von Videokonferenzen derzeit allerdings noch nicht aus. Mit der Einführung neuer Technologien wie DSL im Festnetzbereich oder UMTS beim Mobilfunk lässt sich in der Zukunft auch der visuelle Kontakt zu den Kollegen herstellen.

Damit im virtuellen Büro Kommunikation, Teamarbeit und der Erfahrungsaustausch dennoch nicht zu kurz kommen, enthalten Informationsportale verschiedene Werkzeuge zum Aufbau sozialer Strukturen. Gerade für Mitarbeiter, die nicht ständig online oder häufig unterwegs sind, bieten sich Diskussionsforen an. Dort treffen sich die Mitglieder einer Projektgruppe zum Informationsaustausch und zur gemeinsamen Arbeit an Dokumenten, die dort abgelegt sind. Mittels elektronischer Notizzettel werden Fragen, Antworten und Hinweise an den entsprechenden Stellen platziert und so der ursprüngliche Inhalt angereichert. Für den direkten Kontakt gibt es den Online-Chat.

Technisch gesehen ist die Kommunikation also gesichert. Wie aber finden Telearbeiter und Arbeitsnomaden den richtigen Gesprächspartner? Eine Möglichkeit sind die Gelben Seiten des Unternehmens. Sie verzeichnen neben den Kontaktdaten und der Funktion eines Mitarbeiters insbesondere seine speziellen Kenntnisse sowie aktuelle Projekte und Dokumente, an denen er gerade arbeitet.

Experten lassen sich zudem bei der Recherche nach Informationen zu einem bestimmten Thema aufspüren. Neben den bereits erwähnten Attributen wie Gültigkeit und Zugriffsrechte sind die Dokumente im Informationsportal durch das Attribut "Autor" personalisiert und liefern so den Ansprechpartner für weiterführende Fragen gleich mit.


Fazit

Tele- und Mobilarbeiter verändern die Unternehmenskultur. Damit dieser Wandel sich nicht nachteilig auf Geschäftsprozesse und die Zusammenarbeit der Mitarbeiter auswirkt, müssen die verteilten Ressourcen unter einem virtuellen Dach zusammengefasst werden. Informationsportale dienen dabei als zentrale Anlaufstelle für den Austausch von Informationen und ermöglichen die Kommunikation zwischen internen und externen Mitarbeitern.

Gleichzeitig legen sie den Grundstein für den Aufbau einer E-Business-Plattform. Durch Öffnung des Portals für Partner und Kunden können diese Informationen zentral abrufen und aktiv an Geschäftsprozessen teilnehmen. Dadurch lösen sich nicht nur traditionelle Bürostrukturen auf, sondern auch die Unternehmensgrenzen geraten zunehmend in Bewegung.



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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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