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Dokumentenmanagement:
Von der Papierablage zur Prozessorientierung
Artikel
erschienen in
Ausgabe April/Mai 2000
Von
Renate Mayer und
Ulf Freiberg
Inhaltsübersicht:
Die
Produktivität in der Verwaltung und im Büro bleibt in
vielen Unternehmen noch immer weit hinter den technischen Möglichkeiten
zurück: Zu viel Zeit wird mit der Ablage von Papier und der
Suche nach Dokumenten und Informationen verbracht, wobei die Anzahl
der täglich erstellten, weitergeleiteten und kopierten Dokumente
stetig steigt.
Die
Nachteile der Papierverarbeitung zeigen sich in der platz- und
kostenintensiven Aufbewahrung sowie der zeitintensiven Suche,
da nur nach einem Stichwort abgelegt werden kann. Eine viel gravierendere
Auswirkung auf die Produktivität hat jedoch die fehlende
ganzheitliche Unterstützung bei der integrierten Bearbeitung
von Geschäftsprozessen.
Eine
ganzheitliche Unterstützung der Geschäftsprozesse erfordert
eine neue Sicht der Unternehmensaktivitäten und stellt neue
Anforderungen an die technischen Systeme, die diese Unterstützung
leisten.
Im
Rahmen von Beratungsprojekten hat die CSC Ploenzke AG umfassende
Erfahrungen mit verschiedenen Anwendern und Anwendungsumgebungen
gesammelt. Aus zwei unterschiedlichen Bereichen der Finanzdienstleistung
und der Pharmaindustrie seien im Folgenden Lösungen
zum Dokumentenmanagement vorgestellt. Zu Beginn der Projekte lag
der Schwerpunkt auf einer elektronischen Archivierung mit einigen
Aspekten der Dokumentenverwaltung; im Laufe der Projektarbeit
hat sich jedoch meist ein prozessorientierter Ansatz durchgesetzt.
DMS: mehr als ein Archiv
Ein
zentraler Bestandteil eines Dokumentenmanagement-Systems (DMS)
ist das elektronische Archiv, das die Dokumente statt wie
bei der Papierablage im Schrank oder in der Registratur
aufbewahrt. Ein elektronisches Archiv hat die Aufgabe, Dokumente
- aufzubereiten,
d.h. aus Papierdokumenten (NCI-Daten) durch Einscannen (Imaging)
eine elektronische Form zu generieren und elektronische Dokumente
durch Konvertierung in ein bestimmtes Format (z.B. PDF, TIFF)
zu überführen
- zu indizieren,
d.h. dem Dokument beschreibende Attribute (z.B. Datum, Sachbearbeiter,
Dokumententyp, Schlagwort) hinzuzufügen
- langfristig
aufzubewahren, d.h. sie auf einem Informationsträger (Magnetplatte
oder optische Platte) sicher zu speichern
Dokumentenmanagement-Systeme
gehen jedoch weit über eine elektronische Archivierungs-Lösung
hinaus und stellen weitere Funktionalitäten zur Verfügung:
- Ein DMS
bietet erweiterte Recherchemöglichkeiten wie Volltextindexierung,
Verknüpfung von Suchbegriffen und Einbinden von Suchspeichern.
- Neben
der langfristigen Speicherung unveränderlicher Daten verwaltet
ein DMS auch die kurzfristige Ablage und die Dokumentenänderung.
- Ein DMS
bietet Werkzeuge zur Annotation von Dokumenten in Form von gesprochenen
und geschriebenen Bemerkungen (Post-it und Redlining).
- Die Bearbeitung
der Dokumente wird durch das Einbinden von Anwendungen wie Textverarbeitung,
Tabellenkalkulation u.ä. ermöglicht bzw. durch Check-in-
und Check-out-Funktionen.
- Durch
das Management von Versionen, Releases und Varianten (z.B. anderssprachige
Dokumente gleichen Inhalts) können Änderungen dokumentiert
werden.
- Ein DMS
unterstützt die Strukturierung von Dokumenten sowie das
Anlegen von Compound Documents und virtuellen Dokumenten.
Zusammenfassend
lassen sich die Vorteile elektronischen Dokumentenmanagements
wie folgt skizzieren:
- Einsparung
von Raum: Platz- und kostenintensive Papierarchive können
entfallen.
- Einsparung
von Zeit bei der Suche nach Dokumenten: Die Recherche kann am
Arbeitsplatz gestartet werden, das Rechercheergebnis ist unmittelbar
verfügbar.
- Erhöhte
Zugriffsgenauigkeit: Ein Dokument kann unter verschiedenen Sichten
und mehreren Stichworten gefunden werden.
- Redundanzfreie
Dokumente: Es sind keine Kopien mehr notwendig; das System stellt
virtuelle Kopien bereit bzw. erstellt Versionen und verwaltet
diese.
- Gesteigerte
Dokumentensicherheit: Man ist nicht länger angewiesen auf
ein Papierarchiv, das in einem möglicherweise feuer- und
wassergefährlichen Raum untergebracht ist.

Von der Daten- zur Prozess-Sicht
Elektronisches
Dokumentenmanagement ermöglicht und erfordert eine neue Gestaltung
der informationsverarbeitenden Prozesse. Das macht es notwendig,
die sich hinter einem Geschäftsvorgang verbergenden Prozesse
zu verstehen sowie die betrieblichen Abläufe ganzheitlich
und als Wertschöpfungskette zu betrachten. Neben der Neugestaltung
der Abläufe müssen sich auch die Organisationsformen
entsprechend anpassen: Abteilungen lösen sich auf, die Mitarbeiter
arbeiten kundennah in kleinen, operativen Einheiten eingebunden
in die Wertschöpfungskette. Heute sind noch immer viele Prozesse,
Arbeitsweisen und Vorschriften an der papiergestützten Bearbeitung
und Verwaltung von Dokumenten ausgerichtet; das elektronische
Dokumentenmanagement ermöglicht hingegen eine Prozessorientierung,
die ein starkes Umdenken von allen Beteiligten erfordert und daher
gut vorbereitet, begleitet, unterstützt und gefördert
sein will.
Ein
erster Schritt von der Daten- zur Prozess-Sicht ist die elektronische
Dokumentenverteilung: In einem DMS kann ein Dokument nach der
Erstellung oder ersten Bearbeitung elektronisch weitergeleitet
werden, z.B. zur Weiterbearbeitung, zum Unterzeichnen oder zur
Qualitätssicherung. Dabei kann das Weiterleiten verschiedene
Formen annehmen, z.B. parallel oder in einer bestimmten Reihenfolge
an mehrere Personen senden, und der Status kann vom Absender abgefragt
und überwacht werden. Das DMS kann so konfiguriert werden,
dass bei in der Weiterberarbeitung vorgenommenen Änderungen
automatisch eine neue Version erstellt wird, das System die Änderungen
protokolliert und den Autor über die Änderungen an seinem
Dokument informiert. Zudem kann ein Dokument auf Wiedervorlage
gesetzt werden, d.h. das System verwaltet eine To-Do-Liste.
Ein
zweiter, weitergehender Schritt besteht darin, die gesamten Abläufe
in Büro und Verwaltung prozess- und kundenorientiert zu betrachten.
Um ein Unternehmen prozessorientiert auszurichten, müssen
die Kernprozesse identifiziert und anschließend organisatorisch
neugestaltet werden. Dabei gilt es, nicht nur die Daten und Funktionen
von Abteilungen zu betrachten, sondern abteilungsübergreifend
alle Tätigkeiten im Unternehmen und zwar vom Kundenauftrag
(dem Initiieren des Prozesses) bis zur Lieferung an den Kunden.
Nur eine konsequent kundenorientierte Betrachtungsweise erbringt
die volle Effektivität und das erhoffte Einsparpotenzial.
Die optimierten Prozesse werden beschrieben und entsprechend technisch
unterstützt, so dass bei bestimmten Prozess-Schritten die
notwendigen Informationen und Dokumente direkt beim Sachbearbeiter
eingestellt werden.
Eine
prozessorientierte Sicht wird technisch von Workflow- und Groupware-Systemen
unterstützt. Man spricht dabei auch vom Push- oder Pull-Prinzip:
- Push-Systeme
übernehmen selbst die Initiative. Die Steuerungssoftware
übernimmt die Verteilung von Informationen, die Kontrolle
der Vorgänge und fordert den Benutzer auf, Tätigkeiten
durchzuführen. Der Benutzer hat also eine Bringschuld.
Push-Systeme eignen sich dort, wo ein hoher Grad an Strukturierung
der Sachbearbeitung vorliegt. Workflowmanagement-Systeme arbeiten
nach dem Push-Prinzip.
- Bei Pull-Systemen
liegt die Initiative beim Benutzer; er hat eine Holschuld. Das
System verhält sich passiv und liefert Informationen nur,
wenn der Benutzer aktiv darauf zugreift. Pull-Systeme eignen
sich dort, wo eine ganzheitliche, eigenverantwortliche Sachbearbeitung
vorliegt. Groupware-Systeme arbeiten nach dem Pull-Prinzip.
In
den folgenden Abschnitten seien beide Ansätze ausführlicher
beschrieben.
Der Workflow-Ansatz
Unter
Workflowmanagement-Systemen (WfMS) versteht man proaktive DV-Systeme,
die den Arbeitsfluss anhand eines vordefinierten Ablaufes zwischen
verschiedenen Beteiligten steuern. Das System hat die Aufgabe,
Personen, Services und Anwendungen innerhalb eines Vorganges zu
synchronisieren. WfMS sind hochkomplexe DV-Systeme mit großem
Integrationscharakter, d.h. alle notwendigen Applikationen und
Services sind in das System integriert. Aus diesem Grund werden
sie häufig auch als Middleware bezeichnet, die zwischen den
Aktivitäten der Clients und den Anwendungen auf dem Server
agiert.
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Die
Module eines Workflowmanagement-Systems
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Das Herz
eines Workflowmanagement-Systems bildet die so genannte Workflow-Engine,
welche das System kontrolliert, die Prozesse, Applikationen, Clients
und Services steuert, die Prozessdefinitionen verwaltet und die
Benutzer synchronisiert. Ein Organisator-Modul ermöglicht
die Definition der Geschäftsprozesse, damit die Engine sie
später durchführen kann. Dafür stellt das WfMS
eine inzwischen meist grafische Komponente bereit, mit deren Hilfe
Aktivitäten, Abläufe und Rollen beschrieben werden können.
Zur Laufzeit sind die Workperformer (Clients) eingebunden. Über
eine Notifikation (E-Mail) werden ihnen Aufgaben zugeteilt bzw.
angeboten. Die Verteilung auf die Workperformer kann von der Engine
durch eine Zuteilungsstrategie (Policy) unterstützt werden,
die die Auslastung der einzelnen Benutzer und anhand von
User Models deren Kenntnisstand berücksichtigt. Ein
weiteres wichtiges Modul der Laufzeitumgebung ist der Supervisor,
der bei Fehlern, Überlastung und Staus in die Bearbeitung
der Prozesse eingreift, um sie zu optimieren oder umzuleiten.
Die Engine stellt ihm dafür Protokolle und Statusinformationen
zu Verfügung.
Der Groupware-Ansatz
Unter
dem Begriff Groupware fasst man Methoden und Werkzeuge zusammen,
die das Arbeiten von Teams unterstützen. Drei wichtige Aspekte
kommen bei Groupware zusammen, es sind die drei Ks Kommunikation,
Kooperation und Koordination:
- Der Kommunikationsaspekt
wird durch Werkzeuge wie Videokonferenz, Bildtelefon oder E-Mail
abgedeckt.
- Die Koordination
verschiedener Aktivitäten wird durch Werkzeuge wie Gruppenkalender
und gemeinsame Ressourcenverwaltung (Datenbank etc.) realisiert.
- Die Kooperation
wird durch Werkzeuge zum Brainstorming, Hypertext oder kleine
Workflows unterstützt.
Die
klassischen als Groupware bezeichneten Produkte integrieren mehrere
dieser Kategorien bzw. bieten wie Lotus Notes neben E-Mail-Funktionen
und einer Dokumentendatenbank darüber hinaus noch eine Entwicklungsplattform.
Weitere marktgängige Groupware-Produkte sind z.B. Novell
Groupwise, MS Exchange und Collabra Share. Keines dieser Produkte
kann allerdings bisher alle Groupware-Kategorien unterstützen.
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gleicher
Ort
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verteilt
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synchron
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Brainstorming
Entscheidungsfindung
elektronischer
Arbeitsraum
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Videokonferenz
Shared
Screen
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asynchron
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Dokumentenmanagement
Ressourcenverwaltung
Ablagen
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Projektunterstützung
E-Mail
Workflow
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Einordnung
von Unterstützungskomponenten für Gruppenarbeit
Der gemischte Ansatz
Betrachtet
man die Entwicklung der Produkte am Markt, so ist zu beobachten,
dass Workflow- und Groupware-Ansätze sich aufeinander zu
bewegen: Workflow-Systeme werden flexibler und können zunehmend
auch mit unstrukturierten Vorgängen umgehen und Groupware-Systeme
werden um Komponenten ergänzt, die zur Laufzeit im Hintergrund
einen Statusbericht bzw. eine Historie mitführen und kleine
strukturierte Abläufe steuern.
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Workflow
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Groupware
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Prozesstyp
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strukturierte
Abwicklung
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Abwicklung
im Einzelfall
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Stabilität
der Zusammenarbeit
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gleichbleibend,
festgelegt
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wechselnd,
nicht festegelegt
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Anspruch
an Robustheit, Integrität, Sicherheit
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hoch
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niedrig
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Komplexität
des Prozesses
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hoch
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niedrig
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Informationsbedarf
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bestimmt
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unbestimmt
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Planbarkeit
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hoch
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offen
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Lösungsweg
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im
Ablauf fest
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niedrig
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Strukturiertheitsgrad
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hoch,
wiedererkennend
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niedrig,
im Einzelfall
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Eignung
von Workflow- und Groupware-Systemen für strukturierte bzw.
offene Prozesse
Generell
gilt jedoch: Groupware-Systeme decken die eher offenen Prozesse
ab, da sie
- die unternehmensweite,
länderübergreifende Kommunikation durch elektronische
Konferenzen, schwarze Bretter und jederzeit verfügbare
konsistente (replizierte) Informationen unterstützen
- spontanes
Agieren und Reagieren der Anwender erlauben, ohne durch Richtlinien
und Arbeitsweisen eingeengt zu sein
- die Ablage
unstrukturierter Informationen erlauben und vielfältige
Möglichkeiten des Suchens von relevanten Informationen
eröffnen
Von
Workflowmanagement-Systemen werden hingegen eher die strukturierten
Prozesse abgedeckt, da sie
- die zu
erledigenden Aktivitäten aufgreifen und die Module der
Bürokommunikation zu arbeitsplatzbezogener und aufgabenorientierter
Anwendungssoftware verbinden
- aktive,
selbständig arbeitende, überwachende DV-Systeme sind,
die dem Anwender Routineaufgaben abnehmen und ständig wiederkehrende
Aufgaben abwickeln
- parallel
mehrere Aktivitäten gleichzeitig ausführen können
und die Vorgänge termingerecht an die zuständigen
Mitarbeiter weiterleiten
In
der Regel ist in einem Produkt die überwiegende Mehrzahl
der abzubildenden Prozesse nur einer Prozessklasse zugeordnet.
Damit kann die Entscheidung entweder für ein Groupware- oder
für ein Workflow-Produkt fallen. Falls in einer Anwendung
jedoch gegensätzliche Prozessklassen in einem Produkt abzubilden
sind, kann es unter Umständen erforderlich sein, sowohl ein
Workflowmanagement- als auch ein Groupware-System einzusetzen
oder aber ein Produkt auszuwählen, welches sich durch ein
hohes Maß an Flexibilität auszeichnet.
Beispiel 1:
Pharmazeutische Industrie
Für
die Zulassung eines neuen Medikamentes muss der länderspezifischen
Genehmigungsbehörde ein Dossier vorliegen. Der formale Aufbau
eines solchen Dossiers, das 500.000 Seiten und mehr umfassen kann,
ist in Vorschriften geregelt. Der gesamte Prozess von der Identifizierung
eines Wirkstoffes im Labor bis zur Freigabe eines Medikaments
für den Markt kann im Extremfall bis zu 12 Jahren dauern.
Viele Tests müssen durchgeführt, Testergebnisse und
Patientenverhalten dokumentiert und Expertengutachten, die die
Testergebnisse bewerten, erstellt werden. Jede dieser Aktivitäten
ist mit der Generierung von Daten und Dokumenten verbunden.
Die
meisten Pharmabetriebe führen ein Dokumentenmanagement-System
ein, um schnell auf relevante Dokumente zugreifen zu können
und insbesondere die komplexe Verwaltung der Massendaten technisch
in den Griff zu bekommen. In einem zweiten Schritt muss es aber
zudem um eine Verschlankung der Prozesse gehen sowie um die Unterstützung
der einzelnen Phasen und Abschnitte durch eigene Anwendungen,
die zusammen spielen. In diesem Fall hilft eine offene Plattform,
auf der diese Anwendungen laufen und die es ermöglicht, dass
die Sachbearbeiter, Ärzte und Forschungsassistenten Informationen
austauschen und miteinander kommunizieren können.
Die
pharmazeutische Industrie verspürt durch die Kostendämpfung
im Gesundheitswesen und aufgrund der immer schwierigeren und damit
kostenintensiven Forschung nach neuen Wirkstoffen und Heilmitteln
einen immer stärkeren Druck. Die Investitionen in ein neues
Medikament sind sehr hoch, der Return on Investment startet erst,
wenn das Mittel auf dem Markt ist. Je früher ein Medikament
auf den Markt kommt, desto schneller kann sich die Investition
auszahlen und der Mitbewerber überrundet werden. Daher arbeiten
viele Pharmaunternehmen daran, die Ablauf- und Aufbauorganisation
neu zu gestalten.
Da
es sich hier um sehr langanhaltende Prozesse handelt und jedes
Medikament andere Typen von Untersuchungen, Bearbeitungen, Tests
etc. erfordert, ist nicht zu erwarten, dass der Einsatz eines
Workflowmanagement-Systems Vorteile erbringt. Kleine Abläufe
innerhalb des Gesamtprozesses lassen sich zwar strukturiert abwickeln,
ihr Wiederholungsgrad ist hoch. Meist handelt es sich jedoch um
Verfahren, die für jeden Wirkstoff neu generiert werden müssen.
Daher liegt der Groupware-Ansatz nahe.
Beispiel 2:
Bausparkasse
Bausparkassen
sind Finanzdienstleistungsunternehmen, die Geldeinlagen ihrer
Kunden verwalten, anlegen und nach Ablauf bestimmter Zeiten zweckgebunden
(Neubau, Umbau, Erweiterungsbau etc.) zu vereinbarten Zinssätzen
zur Verfügung stellen. Dieses Geschäft ist noch mit
viel Papier verbunden; es beginnt zum Beispiel mit einem Auftrag,
den der Kunde erteilt oder einem Lastschrifteinzug. Diese Dokumente
müssen von der Bausparkasse aufbewahrt werden. Viele Bausparkassen
setzen dazu den Mikrofilm ein, der zwar die Archivfläche
stark einschränkt, dafür aber einige Nachteile hat.
So können etwa telefonische Anfragen von Kunden nicht sofort
vom Sachbearbeiter beantwortet werden: Eine Mikrofilm-Reprografie
muss erstellt und mit der Hauspost versandt werden, der Sachbearbeiter
muss sich erneut in den Sachverhalt eindenken, den Kunden zurückrufen
und kann ihm erst dann die gewünschte Auskunft geben.
Durch
den Einsatz eines elektronischen Dokumentenmanagement-Systems
stehen die Dokumente direkt am Arbeitsplatz zur Verfügung.
Die Sachbearbeiter werden entlastet, eine größere Kundennähe
kann praktiziert werden.
Konsequent
weitergedacht reicht jedoch diese statische Unterstützung
nicht aus: Sollen die Dokumente gleich beim Posteingang gescannt
werden, muss mindestens die Möglichkeit der elektronischen
Post gegeben sein, um Dokumente umzuleiten, weiterzubearbeiten,
Kollegenmeinungen einzuholen etc.
Das
Dokumentenmanagement-System bot den idealen Ausgangspunkt, an
die Büroprozesse zu gehen und diese zu unterstützen.
Zu Beginn wurden die wesentlichen Kernprozesse wie Bausparantrag
anlegen, Bausparsumme ändern, Darlehen auszahlen etc. identifiziert.
Da
die Bearbeitung der Kundenaufträge in einer Bausparkasse
meist keine langandauernden Prozesse darstellt, viele Abläufe
zudem durch Gesetze geregelt sind und somit der Spielraum für
individuelle Bearbeitung eingeschränkt ist, liegt der Einsatz
eines Workflowmanagement-Systems nahe. Die identifizierten Prozesse
wurden optimiert und mit Hilfe eines Workflowmanagement-Systems
modelliert und eingerichtet, das Anwendungsprogramme wie auch
das Dokumentenmanagement integriert. Zur Laufzeit wird ein Prozess
durch ein Dokument (z.B. Kundenauftrag) oder einen Event (z.B.
Ablauf eines Bausparvertrages) ausgelöst. Das System überwacht
die Bearbeitung des Prozesses, stellt Anwendungen zur Verfügung,
erledigt Routinetätigkeiten und leitet den Sachbearbeiter
an.
Das
Dokumentenmanagement-System verwaltet die Masse von Dokumenten
und wird für die Bearbeitung von Prozessen mit dem Workflowmanagement-System
kombiniert. Der Nutzen für die Bausparkasse liegt in einer
ganzheitlichen, qualitativ abgesicherten und gleichbleibenden
Bearbeitung von Kundenaufträgen.
Fazit
Dokumentenmanagement-Systeme
bilden eine gute Ausgangslage für eine ganzheitliche Sichtweise
des Kerngeschäftes eines Unternehmens. Hierbei macht sich
auch der beschriebene Wandel von der statischen Daten- und Dokumenten-
zur Prozess-Sicht bemerkbar.
Bei
dem Beispiel aus der pharmazeutischen Industrie lag die Bearbeitung
von Massendaten, die zu einem Vorgang gehören, im Vordergrund.
Die Prozessorientierung war motiviert durch schnellere Durchlaufzeiten.
Im Fall der Bausparkasse war die Kundenorientierung Trigger für
das Dokumentenmanagement, um schnell auf telefonische Kundenanfragen
reagieren zu können. Die Prozessorientierung war motiviert
durch einen gesicherten Ablauf der Aktivitäten.
Das
Thema ganzheitliche, integrierte Bearbeitung von Geschäftsprozessen
ist einem starken Wandel unterworfen: Die Anforderungen bei den
Anwendern ändern sich stetig, der Markt bietet immer neue
Produkte und Technologien wie das Internet bringen neue Aspekte
ein. Kundennähe und die schnelle Reaktion auf Kundenwünsche
sind der Motor für den Trend, das Internet in die Vorgangsbearbeitung
einzubeziehen oder über das Intranet Dokumente zugänglich
zu machen.
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