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Information Mapping:
Vorteile durch effizientes Strukturieren

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Januar 2000

Von Martin Holzmann

Inhaltsübersicht:

Die zielgerichtete Strukturierung von Informationen in Dokumenten ist eine wesentliche Voraussetzung für den Nutzen von Informationen und deren Wiederverwendbarkeit. Dieser Beitrag zeigt die Bedeutung dieser Tatsache auf, gibt einen Überblick über die weltweit erfolgreich eingesetzte Methode Information Mapping zur Informationsstrukturierung sowie einen Ausblick auf die technischen Möglichkeiten, die sich aus der strukturierten Dokumenterstellung ergeben.


Probleme bei der Informationsverwertung

Wer kennt das nicht: Jeden Tag kommen die verschiedensten Informationen auf den Schreibtisch – in Papierform als Briefe oder Memos oder elektronisch als E-Mail oder auch als das Ergebnis einer Suche im Intranet oder Internet. Wir verbringen viel Zeit damit, diese Informationen zu sichten, zu werten und zu katalogisieren, damit wir entscheiden können, welche Informationen für uns von Interesse sind und welche nicht.

Bei einigen dieser Dokumente tritt jedoch der Effekt auf, dass wir sie komplett lesen müssen und zum Schluss dann noch immer nicht wissen, was der Autor dieses Dokumentes eigentlich von uns wollte oder ob die E-Mail schlicht für jemand anderen bestimmt war.

Eine Ursache für dieses Phänomen ist unter anderem, dass wir alle in der Schule gelernt haben, was unter einem guten Schreibstil zu verstehen ist. Wir haben Romane und Gedichte gelesen, deren Bedeutung ergründet und gelernt, uns an der Sprache der Autoren zu erfreuen. Wir haben die Regeln beigebracht bekommen, die uns helfen sollen, Texte zu schreiben, die diesem Ideal nacheifern – beim einen mit mehr, beim anderen mit weniger Erfolg. Lesen wir Romane, so ist es durchaus nicht ungewöhnlich, wenn wir erst nach 50 oder 100 Seiten erkennen, wohin uns dieses Buch führen wird.

All dies hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Es dient nicht der schnellen Informationsaufnahme, sondern der Schönheit der Sprache. In der technischen Dokumentation liegt aber der Zweck der geschriebenen Information weniger in der Schönheit der Sprache, als vielmehr in der Verständlichkeit des Textes und in seiner raschen Erfassbarkeit. Der Text ist ein Werkzeug zur Informationsvermittlung.


Anforderungen an Dokumente

Was sind nun die Anforderungen an ein Dokument, das seine Informationen rasch preisgeben soll?

  • Der Zweck des Dokumentes muss sofort erkennbar sein.
  • Die relevanten Informationen müssen schnell gefunden werden können.
  • Das Dokument muss in sich selbst verständlich sein.

Wenn es einen Schritt weiter hin zur Verwaltung der in Dokumenten enthaltenen Informationen geht, ergeben sich weitere Anforderungen:

  • Das Dokument muss verwaltbar sein.
  • Das Dokument muss wiederverwendbar sein.

Der letzte Punkt betrifft die Präsentation des Dokumentes in einem bestimmten Medium. Es ist heute oft beim Erstellen eines Dokumentes nicht mehr vorhersehbar, ob es der Benutzer auf Papier sehen wird oder ob das Dokument am Bildschirm angezeigt werden soll (oder in naher Zukunft z.B. auf dem Display eines Handys).

Hieraus folgt eine weitere Anforderung:

  • Das Dokument muss so gestaltet sein, dass es sich in jedem Medium optimal darstellen lässt.


Der Lösungsansatz: Systematischer Aufbau der Dokumente

Gewohnheiten zu verändern, die wir uns mühsam in vielen Jahren angeeignet haben – wie eben unseren Schreibstil –, ist nie einfach. Ratschläge wie „Schreiben Sie klar strukturiert und in einfachen Sätzen“ sind sehr allgemein und helfen tatsächlich kaum weiter. Um die Dokumente zu einem effektiven Werkzeug zu machen, ist eine systematische, definierte Herangehensweise erforderlich. Eine Methode, die sich genau dies zum Ziel gesetzt hat, soll hier vorgestellt werden: Information Mapping.

Information Mapping basiert auf empirischen Studien im Bereich der menschlichen Wahrnehmung und Informationsverarbeitung. In der Information-Mapping-Methode sind Regeln und Vorgehensweisen definiert, die leicht erlernbar und schnell umsetzbar zu einer Schreib-, Strukturierungs- und Gestaltungsweise führen, mit der Dokumente tatsächlich zu Werkzeugen für den Anwender werden.


Kurzüberblick über die Information-Mapping-Methode

Ausgehend von den empirischen Studien der menschlichen Informationsverarbeitung baut die Information-Mapping-Methode auf den folgenden Grundelementen auf:

  • zwei neu definierten Informationseinheiten
  • sieben genau definierten Informationstypen
  • sieben genau definierten Prinzipien

Herkömmliche Dokumente werden nach dem Prinzip Kapitel, Abschnitt, Unterabschnitt und Absatz gegliedert (oder auch gar nicht). Wann ein neuer Abschnitt, Unterabschnitt oder Absatz beginnt, ist nicht genau definiert und hängt vom Ersteller ab. Information Mapping führt nun zwei neue Informationseinheiten ein:

  1. den Block
  2. die Map

Die Informationseinheiten nach der Information-Mapping-Methode

Ein Block setzt sich aus einem oder mehreren Absätzen, Sätzen, Tabellen, Diagrammen oder Illustrationen zusammen. Er befasst sich immer mit einem abgegrenzten Thema und ist stets betitelt. Zu diesem Thema stellt der Block alle Informationen aus Anwendersicht dar. Ein Block repräsentiert also immer einen Grundgedanken.

Eine Map umfasst mehrere zusammenhängende Blöcke, die ein gemeinsames Thema haben. Eine Map hat ebenfalls einen Titel, der den gemeinsamen Inhalt und den Zweck der gesamten Map beschreibt.

Darüber hinaus unterscheidet Information Mapping sieben Informationstypen, wobei jeder Block sich stets nur mit einem Informationstyp beschäftigt:

  1. Prozeduren
  2. Prozesse
  3. Strukturen
  4. Begriffe
  5. Prinzipien
  6. Fakten
  7. Klassifikationen

Und schließlich definiert Information Mapping sieben Prinzipien, die bei der Strukturierung der Informationen helfen:

  1. Gliederung: Die Information muss in übersichtliche und leicht zu verarbeitende Einheiten gegliedert werden.
  2. Relevanz: Informationseinheiten enthalten immer nur thematisch zusammengehörige und in Bezug auf ihren Zweck für den Leser wesentliche Informationen.
  3. Betitelung: Jede Einheit wird mit einem Titel versehen, der klar den Zweck, die Funktion oder den Inhalt der Informationseinheit bezeichnet.
  4. Einheitlichkeit: Ähnliche Informationen, Gliederungen oder Formate werden ähnlich behandelt.
  5. Gleichwertigkeit der Informationsträger: Diagramme, Bilder, Tabellen und Text können autonom als Informationsträger dienen oder sich gegenseitig ergänzen.
  6. Verfügbarkeit von Einzelheiten: Alle notwendigen Einzelheiten werden dem Leser an der Stelle zur Verfügung gestellt, wo er sie braucht.
  7. Systematische Gliederung und Betitelung: Die Prinzipien der Gliederung und Betitelung werden systematisch auf allen Ebenen des Dokuments angewendet.

Somit werden die folgenden an Dokumente gestellten Anforderungen direkt durch das Anwenden der Information-Mapping-Methode erfüllt:

  • Der Zweck des Dokumentes ist sofort erkennbar.
  • Die relevanten Informationen sind schnell zu finden.
  • Das Dokument ist in sich selbst verständlich.

Nach der Information-Mapping-Methode erstellte Dokumente sind hochwirksame Werkzeuge für ihre Nutzer. Wendet man Information Mapping in einem Unternehmen systematisch für unterschiedliche Dokumenttypen an (z.B. FAQs, Entwicklungsunterlagen wie Lasten- und Pflichtenhefte, Reports oder auch Firmenrichtlinien), so wird das Wissen, das sich in diesen Dokumenten widerspiegelt, für eine breite Nutzergruppe anwendbar.

Der gezielte, unternehmensweite Zugriff auf die Dokumente muss allerdings noch hergestellt werden, doch auch dabei helfen strukturierte Dokumente: Sowohl Verwaltbarkeit als auch Wiederverwendbarkeit als auch die mediengerechte Darstellung der Informationen werden durch Information Mapping nicht sofort erfüllt. Sie lassen sich nur durch eine Kombination der Methode mit dafür geeigneten Tools erreichen. Derartig strukturierte Dokumente sind für diese Aufgaben allerdings optimal vorbereitet und können effizienter in die technische Realisierung eines Dokumentenmanagements integriert werden als dies mit weniger strukturierten Dokumenten der Fall ist.


Was kann strukturierte Information in Verbindung mit entsprechenden Tools leisten?

Dokumente, die nach festen Regeln strukturiert wurden – also z.B. Dokumente, die nach Information Mapping aufgebaut wurden – haben neben der erhöhten Verständlichkeit für den Benutzer noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Die Strukturen bergen Informationen, die durch den Einsatz entsprechender Tools ausgewertet werden können und den Nutzen der Dokumente noch steigern.

Strukturierte Dokumente

  • lassen sich wiederverwenden
  • lassen sich wiederfinden
  • lassen sich effizienter verwalten
  • lassen sich für jedes Zielmedium (Papier, PDF, HTML...) automatisiert optimal aufbereiten

Um Dokumente überhaupt verwaltbar zu machen, müssen Informationen über das Dokument hinzugefügt werden, so genannte Metainformationen. Diese Metainformationen können dann z.B.

  • zum automatischen Aufbau eines hierarchisch strukturierten Inhaltsverzeichnisses für eine Intranet-Site genutzt werden
  • der gezielten selektiven Suche nach Dokumenten dienen oder
  • Voraussetzungen für Zugriffsberechtigungen definieren

Metainformationen werden üblicherweise Dokumenten explizit zugewiesen. Wird beispielsweise ein Dokument der Verwaltung eines Dokumentenmanagement-Systems übergeben, ist oft das Ausfüllen umfangreicher Eingabemasken erforderlich – eine Tätigkeit, der kaum ein Mitarbeiter mit Begeisterung nachkommt. Diese Arbeit kann durch die systematische Strukturierung der Dokumente verringert werden, indem die Metainformationen aus der Struktur gewonnen werden, die der Ersteller beim Schreiben des Dokuments mit den entsprechenden Tools ohne zusätzlichen Aufwand quasi nebenbei miterzeugt.

Beispiele hierfür sind:

  • Der Dokumenttyp kann durch die Verwendung einer definierten Formatvorlage definiert werden.
  • Informationen, um welche Art von Dokument es sich handelt, können aus den Dokumentstrukturen selbst gewonnen werden.

Beispiel 1: Lotus Notes

In vielen Unternehmen sind Lotus-Notes-Datenbanken zum Verwalten vielfältiger Informationen im Einsatz. Information-Mapping-Blöcke oder auch -Maps können ganz gezielt in definierte Felder von Lotus Notes geschrieben werden, so dass sich diese Felder problemlos selektiv zum Auffinden von Informationen nutzen lassen. Lotus Notes kann dann zum effizienten Publizieren der Dokumente in einem Intranet genutzt werden.

Beispiel 2: XML-Dokumente

XML-Strukturen untergliedern die Dokumente noch sehr viel weiter, als dies z.B. mit Lotus-Notes-Datenbanken möglich ist. XML-Dokumente werden nach vordefinierten Strukturregeln geschrieben – so genannten Document Type Definitions (DTD), welche sämtliche möglichen Elemente und deren logische Reihenfolge untereinander definieren. Dadurch wird jeder einzelne Textabschnitt mit weiteren logischen Informationen angereichert – Informationen über den Abschnitt selbst, aber auch über seine Beziehung zu anderen Elementen im Dokument. Diese Informationen können für die Verwaltung der Dokumente benutzt werden.

Die DTD kann in Teilen aus der angewendeten Strukturierungsmethode abgeleitet werden. Für Information Mapping ist eine solche Strukturregel aktuell in Entwicklung. Sie kann als Basis für eine entsprechende Anwendung genutzt werden und verringert damit den Aufwand zum Aufsetzen entsprechender XML-Lösungen deutlich.

XML-Dokumente lassen sich z.B. im Microsoft Internet Explorer direkt anzeigen und mit Hilfe der Extended Stylesheet Language (XSL) in der unterschiedlichsten Art und Weise darstellen.

Durch entsprechende Konvertierungen können XML-Dokumente verlustfrei in andere Formate konvertiert werden. Dies ist ein ganz entscheidender Faktor, wenn es sich um langlebige Informationen handelt, denn heute weiß noch niemand, welche Formate in wenigen Jahren erforderlich sein werden. Ein Beispiel hierzu ist das neue WML-Format (Wireless Markup Language), das zur Darstellung von Web-Informationen auf den Displays entsprechender Handys genutzt wird.


Fazit

Informationen, die so aufgeschrieben wurden, dass sie unverständlich oder auch nur schwer verständlich sind, sind nutzlos. Auch die besten technischen Realisierungen, diese Informationen allen Mitarbeitern eines Unternehmens zur Verfügung zu stellen, helfen da nichts.

Die systematische Strukturierung der Informationen ist also die Basis,

  • um Wissen nutzbar zu machen für den Anwender und
  • um Wissen verwertbar zu machen für die entsprechenden Tools

 

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Letzte Änderung: 31.10.2005 | Presse-Service | Disclaimer
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