|
Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews
Trends
im Markt für Document Related Technologies (Teil 2)
Artikel
erschienen in
Ausgabe Januar 2001
Von
Ulrich Kampffmeyer
Inhaltsübersicht:
Dokumentenmanagement
hat sich zu einer Basistechnologie entwickelt und wird immer mehr
Allgemeingut. Die Funktionalität findet sich inzwischen in
allen Arten von Anwendungen wieder überall dort, wo
es darum geht, unstrukturierte Informationen zu erfassen, zu verwalten,
zu erschließen und zu reproduzieren. Doch wer soll auf einem
Markt im Umbruch noch den Überblick behalten?
In
Teil 1 dieses Beitrages
in der Dezember-Ausgabe der doculine news konnten Sie Einblick
nehmen in einen sich wandelnden Markt sowie den State of the Art
vorhandener Lösungen und die Zukunft bei elektronischer Archivierung
und Dokumentenmanagement. Im Folgenden nun Gegenwart und Zukunft
weiterer Document Related Technologies (DRT).
Workflow
Workflow
begann als das Routing von Dokumenten in Verbindung mit deren
Archivierung. In den letzten Jahren entwickelten sich drei wesentliche
Typen des Workflows:
- der Production-Workflow
zur Abbildung komplexer, kontrollierter Abläufe
- der Ad-hoc-Workflow
auf Basis von E-Mail und elektronischen Formularen
- der Collaborative
Workflow zur Abbildung von einfachen Abläufen mit kooperativen
Groupware-Produkten
Der
Production-Workflow wurde ergänzt um Design- und Geschäftsprozessoptimierungs-Tools
zur Gestaltung der Prozesse. Inzwischen ist Workflow-Funktionalität
in fast allen kaufmännischen Anwendungen, Groupware und zahlreichen
Branchenapplikationen direkt integriert. Ähnlich wie beim
klassischen Dokumentenmanagement wird dieser Produktbereich als
eigenständige Disziplin mittelfristig verschwinden.
|
Workflow
(Process Management)
|
|
State
of the Art 1999
Merkmale und Eigenschaften der Produkte
|
State
of the Art 2001
zusätzliche zukünftige Merkmale und Zusatz-Module
|
|
eigenständige
Anwendungen und Kombination mit vorhandenen Applikationen
|
nachgeordnete
Dienste, integrierte Engines; spezielle CCM-, CRM-, CMS-
und Web-Publication-Anwendungen; Ablösung herkömmlicher
E-Mail durch kontrollierten Nachrichtenversand
|
|
Client-Server-basiert,
seltener Host-basiert (obwohl traditionelle Host-Anwendungen
schon lange Ablaufsteuerungen beinhalten sic!)
|
Web-Server-basiert
|
|
lokale
und zentrale, eigenständige Lösungen
|
E-Business-Basis-Komponenten,
verteilte Systeme mit Abarbeitung von Workflow-Tasks an
verschiedenen Arbeitsplätzen und zentraler Konsolidierung/Zusammenführung;
ASP-Lösungen; webbasierte Formulare; Mini-Workflows
als Infrastruktur-Komponenten; Workflow für Enterprise
Portals; WAP-Unterstützung mittels Nachrichten
|
|
eigene
Oberflächen für die Bearbeitung der Workflows,
Host-Emulation für Anwendungsintegration, Dokumenten-Viewer;
vorrangig Client-Server-Clients
|
Integration
in kaufmännische Lösungen, Groupware, Office und
andere Anwendungen; Enabling-Module auf Browser und Applet-Basis
|
|
SQL-
und Volltext-Datenbanken
|
Meta-Datenbanken,
Lokalisierer, Workflow-Agenten, objektorientierte Datenbanken
|
|
eigene
Benutzerverwaltung, Download aus Host-Benutzerverwaltungen
|
Nutzung
von LDAP und an X.500 angelehnten Directory Services; Rollenmodelle
|
|
Nutzung
separater Archivsystemkomponenten für die Faksimile-Dokumentenerfassung
|
hochautomatisierte,
spezielle Subsysteme mit direkter Integration in die Workflow-Funktionalität
|
|
manuelle
Indizierung mit freier Eingabe, Auswahllisten und Prüfung
gegen vorhandene Stammdaten, Barcode-Steuerung
|
automatische
Klassifikation und Indizierung, selbstlernende Systeme
|
|
diverse
Verfahren der elektronischen Unterschrift
|
digitale
Signatur nach europäischer Richtlinie
|
|
eigenständige
Formate für die Speicherung von Prozess- und Meta-Daten,
Container und Profile
|
Austausch
und Interaktion auf Basis von XML
|
|
separate
Prozess-Design-Komponenten oder -Tools
|
Integration
selbstlernender Komponenten zur Prozessoptimierung; Extraktion
von Prozessdaten zur Laufzeit und dynamische Prozessanpassung
im Rahmen eines permanenten, automatisierten Re-Designs
|
|
Office-Produkte-Anbindung;
Schnittstellen zu SAP, Exchange und Notes; Kombination mit
Dokumentenmanagement und Archivierung
|
Integration
in Groupware wie Outlook, Exchange, Notes, Domino und webfähige
Internet-Office-Anwendungen; Outputmanagement; Intranet-,
Extranet- und Internet-Publikation; Basiskomponente für
Wissensmanagement-Anwendungen; Web-Workflow-Hosting und
ASP-Modelle, Ablaufsteuerung in beliebigen E-Business-Anwendungen
|

Wissensmanagement
Der
Begriff Wissensmanagement ist noch vielfach umstritten: Beinhaltet
er nur das explizite Wissen, das definierbar, erfassbar, nachlesbar
und nachvollziehbar ist oder aber auch das implizite Wissen in
den Köpfen der Mitarbeiter, das auf persönlichen Erfahrungen,
Ad-hoc-Prozessen der Erkenntnis und subjektiven Einsichten beruht?
Man kann sogar einen Schritt weiter gehen und vom kollektiven
Wissen sprechen, das erst durch die Zusammenführung von Informationen
auf Basis von partizipativen, kooperativen oder kollektiven Lernprozessen
entsteht. Kleinster gemeinsamer Nenner der Definition ist das
Meta-Wissen, das Wissen über die Quellen der Information,
seien es Datenbanken, Personen oder Papierarchive.
Auch
die Anwender von solchen Lösungen definieren diesen Begriff
für sich jedes Mal neu und anders. Gleiches gilt für
die systemtechnischen Ursprünge: Hier reicht die Bandbreite
vom Groupware-Ansatz über ein erweitertes Dokumentenmanagement,
Enterprise-Portal-Lösungen, Data Warehouses, Management-Informationssysteme
bis hin zu den klassischen Expertensystemen. Man gewinnt den Eindruck,
Wissensmanagement sei derzeit nur ein Etikett für die Zusammenführung
bereits bestehender Technologien zur verbesserten Informationserschließung.
Neue Ansätze kommen nur durch die automatische Klassifikation
und neuartige Retrieval-Technologien hinzu.
|
Wissensmanagement
(Knowledge Management)
|
State
of the Art 1999
Merkmale und Eigenschaften der Produkte |
State
of the Art 2001
zusätzliche zukünftige Merkmale und Zusatz-Module |
|
eigenständige
Anwendungen; Zusammenführung von Informationen aus
unterschiedlichen Quellen
|
integrative
Middleware-Dienste; Verdichtungsdatenbanken; Enterprise
Portals
|
|
Client-Server
oder Web-Server-basiert
|
Web-Server-basiert
|
|
lokale
und zentrale, eigenständige Lösungen
|
verteilte
Systeme, ASP-Lösungen
|
|
eigene
Clients für Client-Server und Browser
|
Bestandteil
von Portal-Lösungen; Enabling-Module auf Browser- und
Applet-Basis für beliebige Anwendungen
|
|
eigene
Datenbanken, Repositories und Data Warehouses optimiert
auf die Trainings-, Auswertungs- und Logik-Software
|
Meta-Datenbanken,
Agenten, Suchmaschinen, objektorientierte Datenbanken; Knowledge-Warehousing;
XML-Repositories; Profiler-Software
|
|
eigene
Benutzerverwaltung, Kombination mit herkömmlichen Netzwerk-Berechtigungssystemen
|
Nutzung
von LDAP und an X.500 angelehnten Directory Services; Rollenkonzepte
|
|
manuelle
Indizierung mit freier Eingabe, Auswahllisten und Prüfung
gegen vorhandene Stammdaten, wissensbasierte Vorschläge,
Logikprüfung; Trainings-Software
|
selbstlernende
Systeme, Rollen-Profile, automatische Klassifikation, neuartige
Navigations-Anwendungen, Informationsverdichtung und -bewertung,
Entscheidungshilfe-Systeme, Informationsentsorgung
|
|
Übernahme
von Ergebnissen aus Internet-Recherchen
|
Wissensdienstleistung
durch automatisierte externe Agenten und Service-Provider;
Kombination von öffentlichem Wissen mit internem Wissen
|

Content Management
Die
Bezeichnung Content Management ist inzwischen sehr beliebt geworden.
Content, der Inhalt, ist zukünftig Messlatte für die
Attraktivität eines Angebotes. Hierbei spielt es keine Rolle,
ob es um die Akzeptanz-Steigerung im Unternehmen oder um die Gewinnung
von Kunden im E-Commerce geht. Im Wesentlichen geht es bei Content
Management um die Verwaltung von Informationen, die in Intranet-,
Extranet- oder Internet-Sites bereitgestellt werden. Einerseits
kommen hier als nachgeordnete Dienste herkömmliche Host-
und Client-Server-Systeme zum Einsatz. Andererseits werden aber
immer mehr Web-Server-basierte Produkte angeboten, die besser
mit den URL-Strukturen, HTML- und XML-Dokumenten umgehen können.
Es
zeichnet sich ab, dass Content Management ein eigenständiges
Marktsegment wird. Auch die Anbieter von kaufmännischer Software,
von Datenbanken und besonders von E-Business-Anwendungen haben
sich inzwischen dieses Themas angenommen.
Da
Content Management relativ neu ist, bleibt die Spalte "State of
Art 1999" der Übersichtstabelle relativ leer.
|
Contentmanagement
(Web Content Management)
|
State
of the Art 1999
Merkmale und Eigenschaften der Produkte |
State
of the Art 2001
zusätzliche zukünftige Merkmale und Zusatz-Module |
|
nur
wenige echte Produkte
|
eigenständige
Datenbanken und Anwendungen auf XML-Basis; Ablösung
herkömmlicher Dokumentenmanagement-Anwendungen im Internet-Umfeld
|
|
File-System-
oder Datenbank-basiert
|
Web-Server-basiert;
Web-Space-Archive
|
|
lokale,
verteilte und zentrale, proprietäre Lösungen
|
Web-Portal-Lösungen
für B2E, B2B und B2C, ASP-Lösungen
|
|
Browser
|
Bestandteil
von Portal-Lösungen; Enabling-Module auf Browser- und
Applet-Basis für beliebige Anwendungen; WAP-Unterstützung
|
|
elektronische
Unterschriften; kryptografische Absicherung des Informationsaustausches
|
digitale
Signatur nach europäischen Richtlinien; Kryptografie;
Abrechnungs-, Zahlungs- und Accountingmodule; MultiMedia
Clearing Right Systems (MMCRS)
|
|
File-System-orientierte
Link-HTML-Seiten-Strukturen; meistens nur herkömmliche
Datenbanken (vorrangig Oracle)
|
XML-Repositories;
Profiler-Software; erweitere Multimedia-Datenbanken
|
|
bisher
unzureichende Benutzerverwaltungen, Kombination mit herkömmlichen
Netzwerk-Berechtigungssystemen
|
Nutzung
von LDAP und an X.500 angelehnten Directory Services; Rollenkonzepte,
Profil-Konzepte
|
|
Speicher-
und Bereitstellungsformate: HTML, GIF, Real-Video u.a.
|
neue
Formate, vorrangig XML
|

Die Implementierungslücke
Die
IT-Hersteller bringen kontinuierlich neue Innovationen auf den
Markt. Die Zyklen für Produkte, sei es Hardware oder Software,
haben sich auf ein Jahr reduziert quasi von Fachmesse zu
Fachmesse. Ungeachtet dessen wird es zunehmend schwieriger, eine
gute Qualität der Produkte zu gewährleisten. Von diesem
Marktdruck sind insbesondere kleinere Software-Hersteller hart
getroffen, in besonderem Maße die DRT-Hersteller. Hinzu
kommt, dass die Anwender einen besonderen Spagat fordern: Einerseits
soll das Produkt natürlich technologisch up to date sein
und über die aktuellsten Funktionen verfügen, andererseits
wird verlangt, dass die gespeicherten Informationen jahre- oder
gar jahrzehntelang zur Verfügung stehen.
Die
zunehmende Konzentration im DRT-Markt macht deutlich, dass nicht
jeder Anbieter in diesem Wettlauf gewinnen kann. Dies trifft besonders
Anbieter, die nur ein Produkt verkaufen oder nur in einem einzelnen
kleinen Marktsegment ohne ausgesprochene Branchenspezialisierung
tätig sind. Viele Anbieter von herkömmlichen, eigenständigen
DMS-Produkten sind bereits vom Markt verschwunden, wurden aufgekauft
oder sind in das Lager der Systemintegratoren gewechselt.
Die
Implementation Gap mit "Implementierungslücke" mehr
schlecht als recht ins Deutsche übertragen ist der
Widerspruch zwischen den Anforderungen an die Produkte, der Werbung,
den Marktprognosen, dem Anspruch der Branche und den tatsächlich
installierten Lösungen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen
hier weit auseinander.
Betrachtet
man beispielsweise die Vielfalt der DMS-Lösungen, die bereits
installiert wurden, so ist festzustellen, dass es sich bei den
meisten lediglich um Abteilungslösungen und in der Mehrzahl
um relativ einfache Archivierungs-Systeme handelt. Die Unternehmen,
die Workflow- oder Wissensmanagement als Unternehmenslösung
eingeführt haben, kann man fast an den Fingern einer Hand
abzählen. Bei den im Einsatz befindlichen Lösungen kam
es denn auch weniger auf die modernsten Funktionalitäten
als auf die Verlässlichkeit der Systeme an. Wie auch bei
Textverarbeitungs-Software oder anderen komplexen Software-Produkten
wird bis heute meistens nur ein relativ kleiner Ausschnitt der
technischen Möglichkeiten überhaupt genutzt.
Die
Marktdurchdringung ist immer noch sehr gering: Lediglich ca. 10
bis 15% der heute installierten IT-Lösungen, die archivierungswürdige
Daten und Dokumente erzeugen, verfügen über ein Dokumentenmanagement-,
Workflow- oder Archiv-System. Besonders kleine und mittlere Unternehmen
(KMU) haben in den letzten Jahren die Investition in diese Systeme
gescheut. Die Argumente waren: "zu aufwendig", "zu schwierig",
"zu teuer", "zu wenig qualifiziertes Personal dafür", "zu
wenig profitabel", "bringt mir nicht einen neuen Kunden" usw.
Dabei bieten gerade KMU die Chance, mit geringem Aufwand eine
unternehmensweite Lösung zu etablieren, die von allen Mitarbeitern
gemeinsam genutzt werden kann. Hier überlassen die DMS-Anbieter
aber derzeit den großen Groupware-Herstellern wie Microsoft
und Lotus das Feld. Diese beiden Anbieter haben sich inzwischen
selbst zahlreiche Merkmale von DRT einverleibt.
Letztlich
entscheidend für den großen Durchbruch ist die Verfügbarkeit
von effizienten, kostengünstigen und möglichst genau
den Anforderungen des Anwenders entsprechenden Lösungen.
Der Weg zur Überwindung der Implementierungslücke führt
über fertige Branchen- oder Problemlösungen nicht
über die Anhäufung immer neuer Funktionalitäten.
Zudem ist es für den potenziellen Anwender heute wichtiger,
ob das Produkt in einer vergleichbaren Umgebung und Anwendung
bereits erfolgreich läuft.
Der
Wettlauf mit den großen Software-Anbietern, den SAPs, Oracles,
Microsofts und IBMs dieser Welt, kann von den DMS-Anbietern kaum
gewonnen werden. Die DRT-Branche muss den Nutzen ihrer Lösungen
deutlicher vermarkten. Den Anbietern bleibt nicht viel Zeit, sich
und ihre Produkte neu zu positionieren. Bereits heute kommen aus
dem Umfeld von Internet- und Intranet-Lösungen, durch die
Bereitstellung zentraler Dienste für Workflow- und Dokumentenmanagement
und durch die Integration von DRT als Basistechnologie in zahlreiche
andere Anwendungen neue Markttrends auf und wie heißt
es so schön "wer zu spät kommt, den bestraft
das Leben".
|
Glossar
|
|
Applet:
webbasierte Applikation, die im Browser ausgeführt
wird
ASP:
Application Service Providing
B2B:
Business to Business
B2C:
Business to Consumer
B2E:
Business to Employee
CCM:
Call Center Management
CMS:
Content Management System
COLD:
Computer Output on Laser Disk
CRM:
Customer Relationship Management
CRS:
Clearing Right Systems
DMCO:
Document Management Complete Outsourcing
DMS:
Dokumentenmanagement-System
Domea:
Standardisierungsvorhaben der öffentlichen Verwaltung
des KbST
DRT:
Document Related Technologies
|
Engine:
Steuerungs- und Ausführungskomponente eines Workflowmanagement-Systems
ICR:
Intelligent Character Recognition
LDAP:
Lightweight Directory Access Protocol
MMCRS:
Multi Media Clearing Right System
Nearline:
netzlastabhängige Verarbeitung
OCR:
Optical Character Recognition
Profiler-Software:
stellt die Profile für nutzerabhängige Aufbereitung
und Bereitstellung von Informationen zur Verfügung
Recognition:
Erkennung von Daten und Informationen
SCM:
Supply Chain Management Unified Messaging: einheitliche
Bereitstellung von Informationen über verschiedene
Medien
Web-Space-Archiv:
Archivierung von Informationen und Dokumenten über
das Internet (siehe ASP)
WORM:
Write Once Read Many (optisches Speichermedium)
X.500:
Directory Service Spezifikation nach ITU (International
Telecommunication Union)
|

Leserbrief
schreiben
|