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Informationsqualität
als Instrument des Informationsmanagements
Artikel
erschienen in
Ausgabe März 2001
Von
Holger
Nohr und Alexander
W. Roos
Inhaltsübersicht:
Der
Informationsbedarf von Unternehmen in komplexen und dynamischen
Wettbewerbsumwelten nimmt stetig zu, die Zeit zur Prüfung
und Auswertung von Information wird aber gleichzeitig immer knapper.
Auch können ja die Qualitätseigenschaften einer Information
nun einmal nicht besichtigt werden. Die Bewertung der Informationsqualität
ist aber zu einem der wichtigsten Instrumente im Informationsmanagement
der Unternehmen geworden [1].
Der
Qualitätsbegriff
Der
Qualitätsbegriff unterliegt heute einer Reihe verschiedener
und zum Teil komplementärer Sichtweisen:
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Qualitätsauffassung
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Beschreibung
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anwenderbezogen
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Gebrauchsnutzen
für den Anwender
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produktbezogen
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Produkteigenschaften
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prozessbezogen
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Fehler
im Prozess erst gar nicht entstehen lassen
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wertorientiert
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Preis-/Leistungsverhältnis
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transzendent
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Hochwertigkeit
im Sinne von Vortrefflichkeit
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Die
gängige Qualitätsdefinition ist stark an physische Produkte
angelehnt. Qualität ist nach DIN ISO 8402 die Gesamtheit
von Merkmalen einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte
und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen.
Ein
Qualitätsmerkmal ist eine an einem Qualitätsobjekt feststellbare
qualitative oder quantitative Eigenschaft, durch die gleichartige
Qualitätsobjekte unterschieden werden können und die
für die Messung, die Beurteilung und die Bewertung von Qualität
herangezogen werden kann [2].
Für
die Wahrnehmung von Qualitätseigenschaften bei Dienstleistungsunternehmen
muss neben der Prozessqualität (z.B. der Qualitätsbeherrschung
eines Rechercheprozesses) und der Ergebnisqualität (z.B.
der Vollständigkeit des Ergebnisses) auch das Dienstleistungspotenzial
(z.B. die Größe und Ausstattung eines Informationsanbieters)
herangezogen werden.

Was ist Informationsqualität?
Die
Qualität einer Information wird intuitiv zunächst mit
ihrer Korrektheit gleichgesetzt. Ob eine Information korrekt ist,
können wir ihr aber nicht ansehen. Daher werden entsprechende
Beurteilungen häufig abhängig gemacht von der Zuverlässigkeit
des Anbieters bzw. des Lieferanten einer Information. Information
besitzt zudem häufig eine begrenzte Gültigkeit (z.B.
bei Preislisten oder Angeboten).
Qualitätskriterien
lassen sich objektiv formulieren, der Maßstab ihrer Bewertung
ist hingegen abhängig von den spezifischen Anforderungen
des Nutzers. Die folgende Systematik für Qualitätskriterien
kann einer jeweils individuellen Beurteilung zugrunde gelegt werden
[3]:
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Kategorie
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Dimensionen
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innere
Qualität
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Genauigkeit,
Objektivität, Vertrauenswürdigkeit (z.B. Quellenangabe,
Erstellungsdatum)
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Zugangsqualität
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Zugänglichkeit,
Sicherheit (z.B. Bereitschaft und sicherer Zugang zu einem
Server)
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kontextuelle
Qualität
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Bedeutung,
Mehrwert, Zeitgerechtheit, Vollständigkeit, Informationsgehalt
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Darstellungsqualität
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Interpretierbarkeit,
Verständlichkeit, Knappheit, Durchgängigkeit
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Qualität
der Metainformationen
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Existenz,
Angemessenheit, Interpretierbarkeit
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Qualität
der Strukturierung
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Existenz,
Angemessenheit, Nachvollziehbarkeit
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Management von Informationsqualität
Für
das Management der Qualität von Informationen im Rahmen des
Informationsmanagements bedarf es eines an zentraler Stelle verantwortlichen
Mitarbeiters, eines Information Quality Officers (IQO).
Informationsmanagement
und damit auch die Informationsqualität ist eine gesamtbetriebliche
Aufgabe, zu der jeder Mitarbeiter im Rahmen seines Verantwortungsbereiches
beiträgt. Daher sind geregelte Abläufe zwischen den
verschiedenen Organisationseinheiten eines Unternehmens und dem
IQO notwendig.
Für
das Qualitätsmanagement (QM) existieren einschlägige
Standards mit überbetrieblicher Bedeutung, so etwa die Normenreihe
DIN ISO 9000. Für die Beurteilung der Qualität von Informationen
und Informationsquellen sind detailliertere Spezifikationen vonnöten.
Diese Spezifikationen sind in einem speziellen Teil der Qualitätsmanagement-Dokumentation
festzuhalten, etwa in entsprechenden QM-Verfahrensanweisungen
oder sonstigen QM-Anweisungen.

Aufbau einer QM-Dokumentation
Spezifikationen
für die Informationsqualität können Verfahrensanweisungen
für die interne Behandlung von Informationen sein, z.B. für
die Erstellung von internen Dokumenten wie Projektberichten, Produktbeschreibungen,
Präsentationen oder auch unternehmensinternen Datenbanken.
Verfahrensanweisungen in diesem Sinne haben einen präskriptiven
und damit normsetzenden Charakter für die Qualitätssicherung
von Informationen.
Eine
ebenso hohe Bedeutung haben heute auch die vielfältigen
meist elektronischen Informationsquellen im externen Umfeld
eines Unternehmens, wie kommerzielle Datenbankprodukte einschlägiger
Anbieter oder unzählige Angebote im Internet. Aus diesem
Angebot gilt es eine sinnvolle Auswahl zu treffen: Welche externen
Datenbanken sollen abonniert und den Mitarbeitern angeboten werden?
Auf welche Internet-Ressourcen lohnt der Zugriff? Auswahl und
Beschränkung ist die Aufgabe, die durch das Informationsmanagement
zu leisten ist. Das wohl wichtigste Auswahlkriterium dabei ist
die Qualität einer Information bzw. einer Informationsquelle.

Qualitätssicherung der Information
Die
präskriptiven Spezifikationen zielen auf die Informationsqualität
der im Unternehmen produzierten Informationsobjekte ab. Sie geben
Anweisungen für deren Erstellung und schreiben Metadaten
vor, die der Produzent dem Objekt beizufügen hat. Diese Metadaten
ermöglichen es potenziellen Nutzern, die Qualität eines
Informationsobjekts einzuschätzen. Informationsqualität
in Unternehmen ist gegeben, wenn
- die allgemeinen, gesellschaftlich anerkannten Konventionen
für Informationsqualität eingehalten werden
- die explizit im Unternehmen kommunizierten Regeln eingehalten
werden
- die Informationsnutzer innerhalb und außerhalb des
Unternehmens den Informationsobjekten Qualität zusprechen
Zur Sicherstellung
der Informationsqualität gilt es ein unternehmensweit gültiges
Instrumentarium zu entwickeln und einzuführen, z.B.:
- Qualitätskriterien
- Messgrößen und Messmethoden (z.B. Feststellen,
ob Metainformationen existieren: Autor, Gültigkeitsangabe;
Kundenzufriedenheit usw.)
- Abweichungsanalysen und Maßnahmen für eine Korrektur
Ziel
der internen Informationsqualität ist auch eine verstärkte
Wiederverwendung und Wiederverwertung von Informationsobjekten
im Rahmen der Digitalisierung. Dazu brauchen Informationsobjekte
bestimmte und unternehmensweit definierte Qualitäten. Die
Eigenschaften eines Qualitätscontainers, d.h. der abstrakten
Beschreibung eines funktionierenden Informationsmediums, geben
z.B. eine klare Vorstellung über Zweck, Einordnung, Lebensdauer
und Gültigkeitsanspruch der Information und spiegeln außerdem
die gemeinsame Erwartungshaltung der Menschen, die mit dem Medium
in Kontakt kommen, wider. Das Informationsprofil ist im Medium
selbst erkennbar durch Stil, äußere Gestalt etc., d.h.
durch so genannte Metainformationen. Zu den Qualitäten von
Informationsobjekten gehören auch Labels, d.h. Informationswegweiser
wie z.B. Vertraulich-Stempel, TV-Senderlogos, Header Files usw.
Metainformationen
für Informationsobjekte können u.a. sein:
- Angaben über Zielgruppen
- Angaben zum Lieferanten bzw. Produzenten der Information
- Speicherzyklen
- Verantwortlichkeit für die Aktualisierung
- Lebensdauer bzw. Gültigkeit der Information
- Eigentümer des Informationsobjekts
- Zweck oder Anlass für die Produktion der Information
- Anspruch
- Vertraulichkeitsstufe der Information
Die
entsprechenden Metadaten müssen jedem Informationsobjekt
in einer möglichst unternehmensweit standardisierten Form
beigefügt werden. Diese Metadaten sind vom IQO zu erarbeiten.
Funktionen zur Umsetzung bieten z.B. gängige Dokumentenmanagement-Systeme.

Qualitative Beurteilungskriterien externer Informationsquellen
Beurteilungskriterien
sind für verschiedene Formen von Informationsquellen erstellt
worden. Von besonderem Interesse ist die Qualitätsbewertung
von externen Ressourcen wie Datenbanken und Internet-Angeboten.
Auch hier erarbeitet der IQO unternehmensweit einheitliche Kriterien.
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Brauchbare
Kriterien für die qualitative Bewertung von Datenbanken
wurden von Online User Groups wie z.B. der Southern California
Online User Group (SCOUG) in Form einer Rating List for
Database Quality entwickelt: [4]:
- Consistency
(Konsistenz der Daten)
- Coverage and Scope
(Abdeckungsgrad eines Fachgebiets)
- Timeliness
(Aktualität der Datenbank)
- Error Rate/Accuracy
(Fehlerraten und Genauigkeit)
- Accessibility/Ease of Use
(Zugangszeiten und Benutzerfreundlichkeit)
- Integration
(Vergleich mit anderen Datenbanken des Fachgebiets bzw.
des selben Typs)
- Output
(Ausgabe- und Download-Möglichkeiten)
- Documentation
(Hintergrund- und Hilfsmaterial)
- Customer Support and Training
(Kundendienst des Anbieters und Schulungsmöglichkeiten)
- Value-to-Cost-Ratio
(Kosten/Nutzen-Bewertung)
Für
die qualitative Beurteilung von Internet-Ressourcen steht
u.a. eine im EU-Projekt DESIRE (Development of an European
Service for Information on Research and Education) erarbeitete
Liste mit Qualitätskriterien zur Verfügung [5]:
1. Scope
Policy: Considering your Users
(Reichweite der Webseite im Hinblick auf die Nutzer)
- Information Coverage
(Abdeckungsgrad)
- Access
(Zugang)
- Cataloguing Policy
(Katalogisierung)
- Geographical Issues
(geografische Aspekte)
2. Content
Criteria: Evaluating the Information
(Inhaltliche Kriterien: Bewerten der Information)
- Validity
(Gültigkeit)
- Authority and Reputation of Source
(Vertrauenswürdigkeit der Quelle)
- Substantiveness
(Gehalt)
- Accuracy
(Genauigkeit)
- Comprehensiveness
(Reichhaltigkeit)
- Uniqueness
(Einmaligkeit)
- Composition and Organisation
(Zusammensetzung und Organisation)
- Currency, and Adequacy of Maintenance
(Häufigkeit, Angemessenheit der Pflege)
3.
Form Criteria: Evaluating the Medium
(Formale Kriterien: Bewerten des Mediums)
- Ease of Navigation
(Navigationsfreundlichkeit)
- Provision of User Support
(Bereitstellen von User Support)
- Use of Recognised Standards
(Benutzen anerkannter Standards)
- Appropriate Use of Technology
(angemessener Technikeinsatz)
- Aesthetics
(Erscheinungsbild)
4. Process Criteria: Evaluating the System
(Prozessuale Kriterien: Bewerten des Systems)
- Information Integrity (Work of the Information Provider)
(Integrität der Information)
- Site Integrity (Work of the Web-Master/Site Manager)
(Integrität der Webseite)
- System Integrity (Work of the Systems Administrator)
(Integrität des Systems)
5.
Collection Management Policy: Considering your Service
(Angebotsumfang im Hinblick auf die Dienstleistungen)
- Collection Coverage and Balance
(Abdeckungsgrad und Ausgewogenheit des Angebots)
- Availability of Internet Resources
(Verfügbarkeit von Internet-Ressourcen)
- Availability of Library Resources
(Verfügbarkeit von Bibliotheksquellen)
Diese
Qualitätskriterien werden bei der Produktion einer
Reihe von so genannten Subject Gateways bereits angewendet
und sind auf betriebliche Auswahlprozesse im Rahmen eines
Programms zur Etablierung von Informationsqualität
übertragbar.
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Fazit
Die
Informationsqualität muss Teil eines umfassenden Qualitätsverständnisses
bei unternehmensinternen wie externen Informationsanbietern im
Sinne eines Total Quality Managements werden: Total Quality
Management is a systematic learning process that achieves a culture
of customer focus and quality through continuous business improvement"
[6]. Kontinuierliches
Lernen und Verbessern mit dem originären Ziel der Kundenzufriedenheit
muss das Handeln bestimmen. In diesem Beitrag wurden erste Ansätze
zum Erreichen und Messen von Informationsqualität vorgestellt,
die sich in qualitätsfähigen und beherrschbaren Informationsprozessen
[7] auswirken können.

Literatur
[1]
Ernst, M./Köberlein, C.: Bedarf und Unsicherheit: Eine ökonomische
Betrachtung von Information und Qualität auf Informationsmärkten.
In: Cogito 10 (1994) 1, S. 6-10.
[2]
Schwarze, J.: Informationsmanagement. Herne 1998, S. 280.
[3]
Königer, P./Reithmayer, W.: Management unstrukturierter Informationen:
Wie Unternehmen die Informationsflut beherrschen können.
Frankfurt 1998.
[4]
Hofman, P./Worsfold, E.: Specification for Resource Description
Methods. Part 2: Selection Criteria for Quality Controlled Information
Gateways. Lund 1996.
[5]
www.ukoln.ac.uk/metadata/desire/quality/toc.html
[6]
Brown, J. H./Watts, J.: Enterprise Engineering: Building 21th
century organisations. In: The Journal of Strategic Information
Systems, Dec. 1992, S. 243-249.
[7]
Nohr, H.: Management der Informationsqualität. In: Informationswirtschaft.
Innovation für die New Economy. Wiesbaden 2001 (im Druck)

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