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Übersetzungsgerechtes
Schreiben spart Zeit und Kosten
Artikel
erschienen in
Ausgabe April 2001
Von
Jens
Hasler
Inhaltsübersicht:
Die
meisten heute verfassten technischen Dokumente werden aufgrund
der Internationalisierung der Märkte in mehrere Sprachen
übersetzt. Dabei machen eine Reihe von Aspekten eine Übersetzung
technischer Dokumente erforderlich:
- die
Forderung nach technischen Dokumentationen in der Muttersprache
der Zielgruppen
- die
Produkthaftungsbestimmungen in den Ländern der Zielgruppen
sowie
- Marketingaspekte,
da eine bessere Verständlichkeit der Produkte zu einer
höheren Akzeptanz bei den Anwendern führt
Es
besteht ein deutlicher Handlungsbedarf, technische Dokumente den
internationalen Gegebenheiten anzupassen, da Sprachprobleme reale
und messbare Konsequenzen hervorrufen können [1].
Denn juristische Folgen, wie wir sie besonders aus Fällen
des amerikanischen Marktes kennen, sind sehr einfach messbare
Konsequenzen.
Aber
auch weniger medienwirksame Folgen von Übersetzungsproblemen
verdeutlichen den Handlungsbedarf. Technische Dokumentationen,
die ohne internationale Ausrichtung verfasst worden sind, bedingen
häufig
- einen
hohen Aufwand für den Übersetzer, um Kerninformationen
und Sachverhalte zu verstehen, sowie
- erhöhte
Übersetzungs- und Lokalisierungskosten durch aufwendige
Korrekturen oder sogar substanzielle Änderungen in den
Quelldokumenten
Und
schließlich bewirkt eine nicht übersetzungsgerechte
Dokumentation eine Abnahme der Übersetzungsqualität,
was oftmals noch durch zu enge Zeitpläne verschärft
wird: Kaum einhaltbare Zeitvorgaben verhindern den erforderlichen
Spielraum des Übersetzers für Recherchen oder Korrekturen,
die ihrerseits häufig durch schlechte Qualität in den
Quelldokumenten notwendig werden.

Warum übersetzungsgerechtes Schreiben?
Viele
der genannten Probleme können Sie durch ein übersetzungsgerechtes
Schreiben bereits im Vorfeld vermeiden. So hält eine leichtere
Verständlichkeit des Textes nicht nur den Aufwand für
Recherchen von Seiten des Übersetzers minimal, sondern hat
auch positive Auswirkungen für das dokumentierte Produkt
und somit für das Image des Unternehmens im eigenen
Land.
Darüber
hinaus unterstützen übersetzungsgerechte Ausgangsdokumente
den effizienten Einsatz maschineller Übersetzungswerkzeuge,
wie etwa von Translation-Memory-Systemen. Nicht zuletzt dadurch
werden die Durchlaufzeiten zur Erstellung mehrsprachiger technischer
Dokumentationen erheblich verkürzt.
Eine
übersetzungsgerechte Dokumentation reduziert also nicht nur
den Übersetzungsaufwand, sondern auch die inhaltlichen Fehler
und die Gesamtkosten.

Der Übersetzungsprozess
Um
zu wissen, wie er nun übersetzungsgerecht schreiben kann,
sollte der technische Redakteur zunächst ein Verständnis
für den Übersetzungsprozess entwickeln.
Der
Übersetzungsprozess beginnt nicht erst mit der Übergabe
der Dokumente an das Übersetzungsbüro, sondern bereits
mit der Erstellung der technischen Dokumentation. Der Prozess
kann in die Teilschritte Internationalisierung, Lokalisierung
und Nachbearbeitung unterteilt werden, für die der technische
Redakteur zuständig ist.
Mit
einer Internationalisierung soll erreicht werden, dass ein Dokument
bereits im Entstehungsprozess möglichst kulturneutral formuliert
und gestaltet ist. Dazu zählen Formalien, wie z.B. die landesübliche
Anrede, sowie die Verwendung kulturneutraler nonverbaler Mittel,
wie z.B. international anerkannter Piktogramme. Eine spätere
Anpassung eines solchen Dokumentes an die Gegebenheiten des Ziellandes
erfordert damit nur noch einen geringen Aufwand [2].
Die Internationalisierung ist in diesem Sinne der erste Schritt
des übersetzungsgerechten Schreibens.
Der
nächste Schritt, die Lokalisierung, erfolgt in enger Zusammenarbeit
zwischen Übersetzer und technischem Redakteur. Dieser Arbeitsschritt
beinhaltet die Anpassung der Dokumentation an die Gegebenheiten
des Ziellandes. Man kann hier zwischen einer so genannten Oberflächenlokalisierung
und einer Tiefenlokalisierung unterscheiden [2].
Bei der Oberflächenlokalisierung findet lediglich eine Anpassung
der Sprache, Währung und Einheiten sowie deren Umrechnung
statt. Bei der Tiefenlokalisierung werden zudem kulturelle Aspekte
berücksichtigt und es wird zielgruppengerecht übersetzt.
Die
Schreibweise des englischen Wortes für "Farbe"
verdeutlicht dies: Die Lokalisierung des Wortes ins amerikanische
Englisch ergibt die Schreibweise "color" und ins britische
Englisch die Schreibweise "colour". So muss auch ein
in britischem Englisch verfasster Text für die Verwendung
in den USA lokalisiert werden, um dort die Benutzer zielgruppengerecht
anzusprechen [1].
Die
Nachbearbeitung umfasst schließlich die Kontrolle und gegebenenfalls
die Anpassung und Korrektur des lokalisierten Textes im Layout
des Enddokuments.

Maschinelle Übersetzungswerkzeuge
Der
Übersetzungsprozess kann maßgeblich durch maschinelle
Übersetzungswerkzeuge unterstützt werden. Häufig
werden Translation-Memory-Systeme
(TMS) eingesetzt, die einen neuen Ausgangstext mit bereits
vorliegenden Übersetzungen vergleichen und Übereinstimmungen
von Sätzen und Formulierungen bis zu einem bestimmten Grad
identifizieren. Satzteile bis hin zu Textblöcken können
als "bereits übersetzt" oder "teilweise übersetzt"
erkannt und entsprechend schneller übersetzt werden. TMS
arbeiten auf Grundlage von Terminologiedatenbanken, die nicht
auf einzelne Wörter beschränkt sind und auch in komplexen
Sätze nach Übereinstimmungen suchen können.
Ein
wichtiger Aspekt für ein effizientes Arbeiten mit TMS ist
eine konsistente Verwendung von Formatvorlagen, um die Trefferwahrscheinlichkeit
zu erhöhen und die Nacharbeit möglichst gering zu halten.
Ebenso ist die Einhaltung von Konventionen in der Textdarstellung
für den Übersetzter bei der Arbeit mit TMS sehr hilfreich
[3].
Programme
für maschinelles Übersetzen (MÜ) werden für
eine automatische Übersetzung von Texten eingesetzt. Das
maschinelle Übersetzen spielt derzeit jedoch noch keine große
Rolle, da die Komplexität von Sprache nicht ausreichend abgebildet
und somit nicht ausreichend analysiert werden kann [2;
4]. Es handelt sich dabei um eine Technologie, die nur unter
sehr strengen Rahmenvorgaben (beispielsweise eine stark reglementierte
Sprache) wirtschaftlich einsetzbar ist. Maschinelles Übersetzen
erfordert somit ein recht hohes Maß an Nacharbeit.
Unter
Beachtung bestimmter Vorgaben sind maschinelle Übersetzungswerkzeuge
als effiziente Hilfsmittel in der Übersetzung einsetzbar.
Insbesondere TMS werden bereits sehr erfolgreich eingesetzt. Wichtig
ist die Verwendung einer konsistenten Terminologie sowie konsistente
Formulierungen bei der Erstellung von Dokumenten [2].

Kontrollierte Sprache
Eine
auf diese Art eingeschränkte Sprache wird häufig als
kontrollierte Sprache bezeichnet. Als Merkmale sind zum einen
ein reduzierter Wortschatz und zum anderen die Anwendung eines
ausgewählten Bereichs der Grammatik zu nennen. Ein einheitliches
sprachliches Regelwerk als Basis könnte folgende Rahmenbedingungen
vorgeben [5]:
- Festlegen logischer Reihenfolgen für Textbausteine
- Handlungsaufforderungen in zeitlich richtiger Abfolge
- vorgegebene Satzstrukturen und Satzbaupläne für
untergeordnete Textsorten
Ähnlich
wie es auch bei Programmiersprachen der Fall ist, sollte der technische
Redakteur versuchen, seine Texte nach klaren Strukturen und grammatischen
Regeln aufzubauen. Das bedeutet zum Beispiel, dass Sie Kausalsätze
immer nach demselben Satzbau gliedern sollten. Genauso sollten
Sie Überschriften einheitlich formulieren, also entweder
nominal ("Öffnen der Motorhaube") oder verbal ("Motorhaube
öffnen") [3].
Zusammenfassend
ergeben sich durch die Verwendung einer kontrollierten Sprache
die folgenden Vorteile [2; 4: 5; 6]:
- Sie ist leichter lesbar und verständlich.
- Mehrdeutigkeiten lassen sich besser vermeiden.
- Die Konsistenz von Dokumenten hinsichtlich Terminologie und
Stil wird verbessert.
- Texte sind durch TMS und MÜ einfacher zu analysieren
und bedürfen weniger Nacharbeit.
- Es ergeben sich einheitliche Dokumente, selbst wenn mehrere
Autoren gleichzeitig daran arbeiten.
Insbesondere
im Hinblick auf den Einsatz von TMS und MÜ in der Übersetzung
ist die Erstellung technischer Dokumente für eine multilinguale
Zielgruppe in einer kontrollierten Sprache das Mittel der ersten
Wahl.

Arbeiten mit Übersetzungssystemen
Aber
nicht nur die fachlich-inhaltliche Umsetzung spielt beim übersetzungsgerechten
Schreiben ein Rolle, sondern auch das Wissen über die Werkzeuge
des Übersetzers. So bestimmen die Kenntnisse des technischen
Redakteurs über die Arbeitsweise von Übersetzungssystemen
die Qualität der Dokumentation in der Zielsprache mit.
Der
erste Schritt ist die terminologische Konsistenz der Texte zur
Verbesserung der Trefferquote. So sollten Sie beispielsweise bindend
festlegen, ob Komposita zusammengeschrieben oder durch einen Bindestrich
getrennt werden. Ebenso sind Vereinbarungen über Darstellungen
und Formate für Handlungsbeschreibungen festzulegen, da einzelne
Direktformatierungen bei TMS zu einer zusätzlichen Unterteilung
von Sätzen führen, also die Trefferquote verringert
würde.
Indexmarken
unterteilen ebenfalls Sätze und können die Identifikation
von übereinstimmenden Segmenten verhindern. Dasselbe gilt
für Grafiken, die innerhalb eines Satzes platziert sind.
Setzen Sie also nach Möglichkeit Textmarken am Satzanfang
oder am Satzende und platzieren Sie Grafiken als Marginalie außerhalb
des Textes [3].
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Regelvorschläge
Regeln,
nach denen technische Dokumente im Hinblick auf übersetzungsgerechtes
Schreiben verfasst werden sollten, lassen sich wie folgt
zusammenfassen [3; 6]:
- eine festgelegte Bedeutung für jedes Wort
- keine Verwendung von Synonymen
- neue Begriffe und Abkürzungen erläutern
- keine Füllwörter
- keine komplexen Satzstrukturen
- direkte Aufforderungen durch Satzbau unterstützen
- logische Reihenfolge einhalten (erst Ursache, dann
Wirkung)
- Tempus: Präsens
- pro Satz eine Handlungsaufforderung
- sprachunabhängige Illustrationen einsetzen
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Fazit
Zum
übersetzungsgerechten Schreiben gehören neben den Forderungen
nach Verständlichkeit und Konsistenz des Ausgangstextes insbesondere
die Kenntnisse über die eingesetzten maschinellen Übersetzungswerkzeuge.
Je besser ein Text auf eine automatisierte Verarbeitung zugeschnitten
ist, desto schneller, preiswerter und von einheitlicherer Qualität
wird eine Übersetzung in eine beliebige Sprache erfolgen
können.

Literatur
[1]
Hoft, Anne: International Technical Communication. New York: Wiley
1995.
[2]
Göpferich, Susanne: Interkulturelles Technical Writing. Tübingen:
Narr 1998.
[3] Göpferich, Susanne: Verständlich und übersetzungsgerecht
schreiben. tekom-Workshop am 18.11.2000 in Karlsruhe.
[4] Lehrndorfer, Anne: Kontrolliertes Deutsch. Tübingen:
Narr 1996.
[5]
Willaschek, Detlef: Untersuchungen zur Verständlichkeit von
AECMA Simplified English. Saarbrücken: Universität des
Saarlandes 1997.
[6]
Nübel, Jutta: Teamarbeit zwischen Technischem Redakteur und
Übersetzer: Optimierung der Schnittstellen. In: technische
kommunikation Heft 5/1999, S. 4-7.
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