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My office is where my heart is (?)

 

Artikel erschienen in
Ausgabe November 2001

Von Reinhard Lucas

Inhaltsübersicht:

Wer träumt ihn nicht, den Traum, seinen Arbeitsort und seine Arbeitszeit völlig frei wählen zu können? So genannte Mobile-Office-Lösungen ermöglichen bereits seit einigen Jahren einen mehr oder minder bequemen ortsunabhängigen Zugriff auf Unternehmensinformationen. Neue drahtlose Übertragungstechniken versprechen hier für die Zukunft weitere Fortschritte – dem Traum ist man dadurch ein Stück näher gekommen. Doch die verschiedenen Facetten der Mobilität stellen nicht nur unterschiedliche Anforderungen an Übertragungstechniken und mobile Geräte, sondern auch an die Software.


Das mobile Büro ist schon heute Realität

Wenn vom Büro der Zukunft gesprochen wird, so ist immer häufiger die Rede vom mobilen Büro. Tatsächlich verbringen Entscheider und Angestellte in wissensintensiven Branchen schon heute einen großen Teil ihrer Arbeitszeit nicht mehr im eigenen Büro. Und nicht nur die Mitarbeiter eines Unternehmens sind unterwegs, auch die Informationen, mit denen sie umgehen müssen, und die Geräte, mit denen sie auf diese Informationen zugreifen, sind nicht an einen Ort gebunden. Das mobile Büro ist also auf ganz unterschiedliche Art schon heute Wirklichkeit:

  • Ein Manager oder Außendienstmitarbeiter eines Unternehmens verlässt das Büro, um z.B. Kunden zu treffen, neue Aufträge zu akquirieren oder Projektbesprechungen durchzuführen. Er möchte von außen auf Firmendaten zugreifen, hat aber gegebenenfalls Geräte (PDA, Telefon, Handheld-PC) bei sich, die lediglich eine eingeschränkte Darstellung und Verarbeitung der Informationen ermöglichen, da Übertragungsgeschwindigkeit, Übertragungskosten und Geräte-Display Grenzen setzen.
  • Ein Consultant arbeitet die meiste Zeit vor Ort beim Kunden, muss aber dennoch auf Firmendaten zugreifen. Dafür stehen ihm meist Geräte und Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung, die sich nur wenig von seinem Firmenarbeitsplatz unterscheiden.
  • Ein Telearbeiter hat zu Hause zwar einen PC zur Verfügung, aber keine ständige Verbindung zum Unternehmensnetz.
  • Ein flexibler Office-Worker verlässt das Firmengebäude vielleicht überhaupt nicht, sucht jedoch im Laufe des Tages immer wieder die unterschiedlichsten Orte auf (Besprechungsraum, Labor, Multimediaraum, Kaffeeecke usw.), an denen er teilweise auf PCs zugreifen kann, sich aber auch teilweise in einer ähnlichen Situation wie der Außendienstmitarbeiter befindet, also z.B. nur ein Telefon mitführt.
  • Ein klassischer Projektmitarbeiter letztlich ist im eigentlichen Sinne gar nicht mobil, da er jeden Arbeitstag in seinem Büro verbringt. Er arbeitet aber mit Mitarbeitern an anderen Standorten intensiv zusammen, so dass durchaus vom virtuellen Büro gesprochen werden kann, in dem die Informationen mobil sind.

Gründe für diese unterschiedlichen Formen von Mobilität gibt es viele:

  • bessere Ressourcen-Ausnutzung
  • hoher Kommunikationsbedarf bei wissensintensiven Arbeiten
  • serviceorientiertes Arbeiten
  • der Wunsch, Arbeit und Privatleben flexibler miteinander zu verbinden

Technische Entwicklungen, die eine Datenübertragung schnell, komfortabel und preiswert ermöglichen und damit auch die Möglichkeit eines mobilen, flexiblen Arbeitens erst eröffnet haben, sind in der Vergangenheit in starkem Maße vorangetrieben worden und auch die Zukunft verspricht sowohl bei den Kommunikationstechnologien und Protokollen als auch den mobilen Endgeräten noch einiges. Doch neben all diesen Aspekten muss auch die Software betrachtet werden, die entweder einen Teil der Übertragungsaufgabe übernimmt oder als Anwendung dem Nutzer die Informationen zusammenstellt, aufbereitet und präsentiert.


Software für die Mobilität

Software, deren Anspruch es ist, eine oder mehrere Ausprägungen der erwähnten Formen von Mobilität zu unterstützen, hat zum Ziel, sowohl Informationen ubiquitär zur Verfügung zu stellen, auf den unterschiedlichsten Geräten zu präsentieren und zu verarbeiten als auch bedarfsgerecht zuzustellen, also zielgruppenspezifisch oder individuell zu kombinieren und aufzubereiten. Darüber hinaus soll aktiv der potenzielle Informationsbedarf des Empfängers erkannt werden. Einen Teil dieser Aufgaben übernehmen heute bereits eine ganze Reihe von Produkten:

  • Unified-Messaging-Systeme fassen verschiedene Kommunikationsmittel zusammen und übernehmen Konvertierungsaufgaben, so dass es z.B. möglich wird, E-Mails am Telefon abzurufen, sich wichtige Dokumente aus dem Archiv automatisch faxen zu lassen oder den Anrufbeantworter per Web-Browser abzufragen.
  • Verteilte Datenbanken erlauben dank verschiedener Replikationstechniken, einen Teil der Unternehmensdaten mitzunehmen und vor Ort zu ändern, ohne eine ständige Verbindung zum Datenbankserver halten zu müssen. Sie leisten dadurch ebenfalls einen Beitrag, um ubiquitär auf die Firmendaten Zugriff zu erhalten.
  • Unternehmensportale, die meist als Web-Anwendungen realisiert sind, machen Unternehmensdaten ortsunabhängig verfügbar – vorausgesetzt, ein Web-Browser und eine Internetverbindung sind vorhanden. Darüber hinaus sollen Portale Informationen zielgruppenspezifisch anbieten. Das bedeutet z.B., dass die Marketingabteilung ein ganz anderes Informationsangebot erhält als die Entwicklungsabteilung, obwohl beide z.T. auf dieselben Daten zurückgreifen. Personalisierung verstärkt dieses Konzept und richtet das Informationsangebot nicht nur zielgruppenspezifisch, sondern individuell aus.
  • Filter- und Retrieval-Systeme, wie sie z.B. aus E-Mail-Tools bekannt sind, leisten einen wertvollen Beitrag bei der bedarfsgerechten Auswahl von Informationen. Während Filter-Systeme aktiv zugestellte Informationen anhand benutzerdefinierter Profile analysieren und priorisieren, so dass gegebenenfalls die Nachricht des Kunden stärker ins Auge sticht als die Nachricht des Kollegen, haben Retrieval-Systeme die Aufgabe, Suchergebnisse, also Informationen, die durch eine Aktivität des Benutzers gefunden wurden, zu filtern oder zu priorisieren. Die Bandbreite der Konzepte reicht sowohl beim Filtern als auch bei den Retrieval-Techniken von einfachen Stichwortvergleichen bis hin zu einem automatischen Klassifizieren der eintreffenden Informationen.

Alle diese Bausteine sind wertvolle Hilfen für den mobilen Mitarbeiter oder das virtuelle Büro. Durch eine intelligente Verknüpfung wird es möglich, nahezu überall auf Informationen zuzugreifen und Informationen nach definierten Regeln zu gewichten.


Die notwendige Kontextualisierung des Informationsangebotes

Eine Ausrichtung des Informationsangebotes eines mobilen Mitarbeiters auf die eigentlich naheliegenden Aspekte Ort und Zeit fehlt jedoch oft. Elektronische Nachrichten überall abrufen zu können, ist eine große Hilfe, kann jedoch zur Belastung werden, wenn Informationen, die im aktuellen Arbeitskontext nicht relevant sind, nachgesendet werden. Die Nachricht z.B., dass der File-Server heruntergefahren werden muss, interessiert brennend, wenn man sich im Büro befindet und an wichtigen Dokumenten arbeitet, ist aber absolut überflüssig, wenn beim Kunden gearbeitet wird. Alle eintreffenden Nachrichten ohne Rücksicht auf Ort und Zeit mobil zuzustellen, führt dazu, dass die ohnehin immense Nachrichtenflut auch noch auf dem WAP-Handy landet. Hier versuchen Software-Systeme aus dem Wissensmanagement-Bereich anzusetzen und eine intelligente Steuerung des Informationsflusses zu realisieren.

Die immer stärker zum Einsatz kommenden Unternehmensportale, die mit ihrem zielgruppenspezifischen Informationsangebot und z.T. umfangreichen Personalisierungsmöglichkeiten eine Antwort auf die Informationsflut darstellen, sind ein guter Ansatzpunkt. Die meisten Portalanbieter haben sehr gute Lösungen im Programm, die eine zielgruppenspezifische oder sogar persönliche Zusammenstellung von Informationsdiensten unter einer gemeinsamen Oberfläche anbieten. Die Konzepte, die von Web-Portalen übernommen wurden, lassen jedoch außer Acht, dass der Informationsbedarf eines Office-Workers im Laufe des Arbeitstages schwankt. Während zu Beginn des Tages alle Termininformationen und Nachrichten hoch interessant sind, stören sie in Phasen, in denen Projektbesprechungen durchgeführt werden oder konzentriert gearbeitet werden muss. Neben einer Personalisierung, also einer individuellen Ausrichtung des Informationsangebotes, ist also auch eine Kontextualisierung gefordert – eine Anpassung des Informationsangebotes an die aktuellen Arbeitssituation. Hier finden sich jedoch nur wenige Anbieter, die Wissensmanagement-Software mit dieser Fähigkeit produzieren. Dabei sind die notwendigen Informationen zur Ableitung des Kontextes oft sogar vorhanden: Der Terminkalender wird elektronisch verwaltet, die Benutzung von Office-Software oder Groupware-Tools liefert Hinweise, ob gerade kommuniziert oder intensiv am Strategie-Papier gearbeitet wird.

Einen weiteren Ansatzpunkt zur besseren Ausrichtung des Angebots bieten so genannte Location Based Services. Denn auch der Aufenthaltsort des Benutzers bietet Möglichkeiten, Rückschlüsse auf seine konkrete Arbeitssituation zu ziehen. Wer im Auto unterwegs ist, den interessieren neben Stauinformationen vor allem die Informationen, die mit dem Kunden in Zusammenhang stehen, der aktuell angefahren wird.

Die mangelnde Ausrichtung des Informationsflusses auf die Aspekte Ort und Zeit beheben informationslogistische Anwendungen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die richtige Information zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen. Das Fraunhofer ISST hat die ersten Bausteine realisiert, die Orts- und Zeitinformationen neben individuellen Profilen nutzen, um Informationen bedarfsgerecht bereitzustellen. Eine Nutzung dieser Bausteine im Kontext des mobilen Büros ist eine Aufgabe, der sich das Institut im Rahmen des Office Innovation Centers (OIC) gewidmet hat. In diesem Demonstrationszentrum, einem Gemeinschaftsprojekt verschiedener Fraunhofer-Institute, finden sich zur Zeit Lösungen, die ein flexibles und mobiles Arbeiten innerhalb eines ortsfesten Bürogebäudes umsetzen. Die Mitarbeiter des OIC wählen z.B. ihren Arbeitsplatz angepasst an ihre tagesaktuellen Bedürfnisse und lagern ihre physikalischen Arbeitsmaterialien in Rollcontainern. In-house-Mobilität mit drahtlosem Netzzugriff wird hier täglich gelebt. Diese Mobilität mit informationslogistischen Diensten auch außer Haus zu unterstützen, ist der nächste Schritt, den das OIC in den folgenden Phasen umsetzen wird.


Links zu Hintergrundinformationen

Mehr zum Büro der Zukunft finden Sie unter:



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Letzte Änderung: Monday, 31-Oct-2005 17:27:58 CET | Presse-Service | Disclaimer
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