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Digitaler Pressespiegel respektiert Copyright

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Februar 2002

Von Manfred Hauer

Inhaltsübersicht:

In vielen Unternehmen werden für die Presseschau urheberrechtlich geschützte Dokumente kopiert, ohne die rechtlichen Folgen zu bedenken. Wer den Aufwand durch Digitalisierung verringert, spart Personalkosten und somit Geld, das dann korrekterweise an die VG Wort abgeführt werden kann.

Die elektronische Speicherung von Zeitungsartikeln verstößt gegen das Urheberrecht und ist ohne Erlaubnis durch die Urheber prinzipiell nicht gestattet. Nur sieben Fotokopien eines Artikels sind legal. Wer mehr Kopien benötigt, konnte bisher über erhebliche Abgaben an VG Wort sein Handeln legalisieren. Doch die elektronische Speicherung blieb bisher ein Tabu.

Viele Unternehmen verstoßen gegen diese geltende Rechtslage. Deshalb haben deutsche Verlagshäuser wie Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutscher Verlag, Spiegel, Burda, Axel Springer u.a. die Gesellschaft Presse-Monitor (PMG) mit Sitz in Berlin gegründet. Die Gesellschaft verkauft die Lizenzen zur elektronischen Nutzung. Seit April 2001 ist die PMG aktiv – rund 70 Titel aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bisher im Angebot; die regionalen Zeitungen werden zügig folgen. Die allgemein wichtigsten Publikationen aus Tages- und Wochenpresse sind verfügbar. Die PMG bietet registrierten Kunden über das Internet den Zugang zum elektronischen Text der Artikel. Man kann darin recherchieren, Profile zur Suche einrichten und die gewünschten Artikel als XML-Datei lokal vearbeiten. HTML und PDF werden auch angeboten, bieten aber weniger Möglichkeiten zur lokalen Verarbeitung.

Bilder stehen nicht zur Verfügung, denn die Verlage haben in der Regel selbst nicht das Recht am Bild. Tabellen sollen später angeboten werden. Dies liegt nicht an der PMG, sondern an den Satzsystemen der Verlagshäuser: Tabellen müssen nachträglich aus den Druckdaten herausgeholt werden. Bei der PMG kommen in der Regel die Daten so an, wie sie in den Satz geliefert wurden. Das heißt, die Original-Satzdarstellung ist nicht verfügbar. Dies liegt daran, dass im Satz nicht einzelne Artikel, sondern jeweils ganze Seiten verarbeitet werden.


Scanning in der Firma ist teurer als Download

Wer wegen des Druckbilds weiterhin Scannen und die Artikel elektronisch ausschneiden will, kann sich bei der PMG die Rechte auch dafür kaufen. Jeder einzelne Artikel muss registriert werden. Unter dem Strich ist aber das eigene Scanning deutlich teurer als der Download. Wer weder für das Download noch für das Scanning zahlt, kann bald zur Kasse gebeten werden. Das kann teuer werden: Rund 200 Euro pro Tag kostet durchschnittlich die legale Variante, wie die PMG vorrechnet. Angesichts dessen können schnell Schadenssummen von rund 40.000 Euro pro Jahr entstehen. Somit handelt es sich also weder um Bagatellen noch um Kavaliersdelikte. Die Rechtslage in Österreich und in der Schweiz ist ähnlich.

Die Option, Nachrichten im XML-Format zu kaufen, bietet wesentliche neue Möglichkeiten: Schon bei der Auswahl für die Presseschau kann man sich die Rechercheeigenschaften auf dem Server der PMG zunutze machen und die notwendige Zeit für Blättern und Browsen durch gedruckte Publikationen zurückfahren. Doch die Musik spielt dann zu Hause; die so übermittelten Daten können in iNEWS – der einzigen bisher unter Lotus Notes & Domino verfügbaren Lösung – auf eigenen Servern gespeichert werden, mit dem Recht, diese Artikel der PMG vier Wochen im Domino- oder Intranet zu präsentieren. Profile für Einzelpersonen, Projektteams, Abteilungen oder Geschäftsbereiche aufzusetzen, zuzusenden und auszudrucken, ist dann lokal möglich.

iNEWS 1.0, eine Entwicklung der AGI – Information Management Consultants, greift die von der PMG gezippten XML-Dateien auf und spielt sie in die Datenbank ein. Dort werden die Daten intelligent weiterverarbeitet. Die integrierte maschinelle Indexierungssoftware IC CAI-Engine analysiert mit linguistischen und statistischen Verfahren den gesamten Text. Als Resultat listet sie jeweils die wichtigsten Deskriptoren – Stichworte aus dem Text, Branchen, Facetten sowie Personen und Organisationen – auf. Das Ergebnis dieser maschinellen Indexierung kann sich qualitativ durchaus mit professionellen Dokumentaren messen, wie sie zum Beispiel bei Pressearchiven arbeiten. Doch damit nicht genug: Eine Summary mit den wichtigsten Sätzen aus dem Text rundet die Analyse ab.

AGI – Information Management Consultants haben sich für die IC CAI-Engine und gegen den Lotus Discovery Server entschieden, weil als Hardware bereits eine Workstation genügt, die die gesamte Installation in einer Minute erledigt und das Indexierungsergebnis zumindest im Deutschen besser ist.


Einfache Suche durch Indexierung

Diese Indexierung kann in der sehr ausgereiften Suchmaske genutzt werden, um qualitativ anspruchsvolle Suchen zu formulieren oder als Profil zu speichern. Wer beim Lesen auf einen interessanten Beitrag stößt, kann mit einem speziellen Suchbutton ohne die Eingabe von Deskriptoren ähnliche Artikel finden, seien es thematisch stark verwandte Artikel aus anderen Publikationen vom gleichen Tag oder Vorgänger dieses Themas. Solche Funktionen sind zum Beispiel von der Internet-Suchmaschine Google bekannt.

Auch hier fehlt wie bei Google nicht die maschinelle Übersetzung von Fremdsprachen. Nicht alle Nachrichten, die in iNEWS einfließen, kommen aus deutschsprachigen Quellen. Die Anwendung übernimmt ebenso wie PMG-Daten auch die XML-Daten von Factiva, einem gemeinsamen Unternehmen von Reuters und Dow Jones, den weltweit größten Nachrichtenagenturen. Um die 7.000 Quellen rund um den Globus werden dort angeboten. Aufgrund einer ausgefeilten Indexierung, die dort maschinell und intellektuell vorgenommen wird, können Fragen zielsicher formuliert werden. Factiva sendet die Daten; bei PMG müssen diese derzeit noch selbst geholt werden. Insofern macht es für Deutsche durchaus Sinn, die Factiva-Daten zusätzlich übersetzt zu bekommen. Ähnlich sehen dies wohl viele ausländische Mitarbeiter deutscher Unternehmen, wenn ihnen die deutsche Tagespresse in ihrer Muttersprache angeboten wird.

Dank Lotus Notes & Domino ist auch die Übernahme von Web-Seiten oder die Volltext-Indexierung von Dateianhängen kein Problem. Einige dieser Dateianhänge kommen zum Beispiel aus dem Scanning und OCR. Dabei handelt es sich um eine Integration von Adobe Acrobat Capture 3.0, in der Scanning und OCR wie eine Notes-Funktion erscheinen. So generierte PDF-Dateien sehen aus wie das Original, sind aber recherchierbare Texte. Auch für Fachzeitschriften ist eine Lösung integriert, die mit der internationalen Zeitschriftenagentur Swets Blackwell zusammenarbeitet. Die Inhaltsverzeichnisse von derzeit bis zu 18.000 Publikationen, teils mit einer URL auf den Original-Artikel, können eingespielt werden.

Natürlich – für Notes-Profis – ist die Datenbank eine Mail-In-Datenbank. Das heißt, neue Nachrichten, Pressemitteilungen, interne Berichte, Vorstandsreden und andere sonst kaum verfügbare Daten lassen sich einfach per E-Mail dahin schicken. Allerdings wird so eine E-Mail erst nach der Freigabe durch den Administrator allgemein verfügbar; Junk hat keine Chance.

Mit Cut & Paste lassen sich auch einzelne Seiten aus dem Internet hereinholen – bei Google nennt sich die vergleichbare Funktion aus Benutzersicht "Im Archiv". Mit einer Option in Adobe Acrobat können aber ganze Webseiten in eine einzige PDF zusammengesammelt werden. Auch solche Daten sind technisch möglich, wenn auch oft nicht erlaubt, denn auch im Web gilt das Urheberrecht.

Bei soviel Content fehlt einem leicht die Zeit zum Lesen. Dank der ausführlichen maschinellen Indexierung und der Volltext-Indexierung in Domino kann jeder Leser aber seine Informationsmenge individuell zuschneiden und drucken. Viele haben dazu trotz aller Technik keine Lust. Selbstverständlich können diejenigen, die schon heute die Presseschau zusammenstellen, die Auswahl treffen und die Presseschau zusenden – als Word, PDF oder gedruckt. Der Multimedia-Mix bereitet beim Drucken in Version 1.0 noch einige Probleme, die jeder vom Internet kennt: Unterschiedliche Datenformate lassen sich nicht einfach als Gruppe ausdrucken. Das Release 2.0 im nächsten Jahr soll Abhilfe schaffen. Die Daten von PMG und Factiva werden schon jetzt wie eine klassische Presseschau dargeboten: mit Titelblatt, Einleitung, Inhaltsverzeichnis, den Artikeln und mit Rückseite. Dahinter steht MS Word 2000, mit dem ein attraktives Druckbild realisiert werden kann, gemäß dem Corporate Design für diejenigen, die den Pressespiegel doch auf Papier lesen möchten.


Budget für Copyright leicht verwalten

Die bisherige Praxis bei der Presseschau verursachte insbesondere Personalkosten, aber kaum externe Kosten, da die Urheberrechte meist sowieso missachtet werden. Wer aber seinen kopierten Pressespiegel korrekt bei VG Wort bezahlt, benötigt ein anderes Budget. iNEWS hat deshalb die Kostenstellenrechnung gleich mit implementiert, um die Kosten entsprechend dem Aufwand an die jeweiligen Empfänger gerecht weiterzubelasten. So lassen sich unternehmensintern durchaus Profite realisieren. Die Software-Kosten mit 800 Euro pro Monat sind angesichts von soviel Leistung eigentlich geschenkt. Optional kann ein externer Server mit gemietet werden und wer will, wird auch noch mit Content versorgt. Nur Lesen muss man selbst. Der Button "Lies mir bitte vor" kommt vielleicht im nächsten Jahr...


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Letzte Änderung: Monday, 31-Oct-2005 17:27:59 CET | Presse-Service | Disclaimer
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