| Aktuelle Artikel und Nachrichten rund um die technische Dokumentation finden Sie im Nachfolgemagazin der doculine news, den transline tecNews
CeBIT 2002 Review:
In der Straßenbahn sind um 9 Uhr noch Plätze frei
Artikel erschienen in
Ausgabe April 2002
Von Dr. Ulrich
Kampffmeyer
Inhaltsübersicht:
Jeder wusste, dass es nicht ständig
aufwärts gehen konnte mit den Aussteller- und Besucherzahlen
auf der CeBIT. Die allgemeine Rezession konnte auch an der CeBIT
nicht vorübergehen. Die Leere auf der Autobahn und freie
Sitzplätze in der U-Bahn boten Anlass für viele Kommentare,
die wir hier nicht wiederholen müssen. Der Einbruch der Besucherzahlen
trotz Verlängerung der CeBIT 2002 ist zwar auf den ersten
Blick bedauerlich, hatte aber auf die Geschäfte der Anbieter
von Document Related Technologies (DRT) weniger Auswirkungen als
erwartet.
Trauriger ist schon, dass die CeBIT ihr internationales Flair
verliert. Trafen sich früher noch die Manager aus den unterschiedlichsten
Regionen der Welt auf ihren Ständen, waren noch Ansprechpartner
aus dem Ausland für die Kunden auf den Ständen erreichbar,
so entwickelt sich die CeBIT heute immer mehr zu einer Messe von
nur regionaler Bedeutung. Dies ist die wahre Krise der CeBIT.
Ob der geplante Export des CeBIT-Konzepts ins Ausland, so z.B.
nach New York im kommenden Jahr, hier Abhilfe bringt, ist wenig
wahrscheinlich.
Am bedauerlichsten für die gesamte Wirtschaft ist, dass
trotz bemühter froher Botschaften von Politikern und Wirtschaftsmagnaten
die erwarteten positiven Signale für die Telekommunikations-
und Informationstechnologie-Branche ausblieben. Hinzu kommt, dass
Informationstechnologie und Software inzwischen in vielen Unternehmen
eher als Hindernis denn als Unterstützung für effizientes
Arbeiten betrachtet werden. Ständige Versionswechsel, Unzuverlässigkeit
und Instabilität, umständlicher, aufwendiger Betrieb
und immer größer werdende IT-Folgekosten führen
zu einer allgemeinen Investitionsmüdigkeit.

DRT: Kampf um Marktanteile
Für die Anbieter von Document Related Technologies ist es
zur Zeit noch schwerer geworden, ihre Lösungen an den Mann
zu bringen. Die am Neuen Markt notierten Anbieter galten zumindest
den Analysten immer als der Maßstab der Branche. Kaum ein
Produkthaus oder Systemintegrator blieb vom Niedergang verschont.
Unternehmen wie die SER
Systems AG oder die CEYONIQ
AG werden zerlegt. Im Umfeld der SER Systems haben sich inzwischen
zahlreiche Nachfolgegesellschaften gebildet, die zumindest ansatzweise
für Kontinuität sorgen. Bei CEYONIQ steht noch der Verkauf
von Unternehmensteilen und eine Konsolidierung auf eine überlebensfähige
Unternehmensgröße bevor. In einem Umfeld, wo es auf
die langfristige Verfügbarkeit von gespeicherten Informationen
geht, wo in Jahrzehnten gedacht wird, ist die Schwäche der
ehemals führenden Anbieter tödlich. Bei zahlreichen
Messegesprächen war daher häufig weniger eine Neuanschaffung
als die Migration einer vorhandenen Lösung das Thema. Anbieter
wie FileNET,
Tower Technology und andere bieten inzwischen gezielt die Ablösung
von Wettbewerbssystemen an.
All dies ist auf der CeBIT wenig deutlich geworden, da zahlreiche
führende Anbieter ebenso wie die in Schieflage geratenen
Unternehmen nicht mit eigenen Ständen vertreten waren. Die
Neuordnung des Marktes wird noch einige Zeit benötigen. Die
Überlappung mit dem Content-Management-Markt wird außerdem
bei dem sich dort ebenfalls anstehenden Shake-out erneut negativ
auf Business Process Management (BPM), Enterprise Content Management
(ECM) und alle übrigen DRT-Marktteilnehmer auswirken. Die
Märkte sind inzwischen zu sehr verflochten.
Im Gegensatz zu den allgegenwärtigen negativen Aussagen
zum Besucherschwund war die Stimmung auf den Ständen der
DRT-Anbieter eigentlich gut. Aussteller wie Saperion,
GFT Solutions,
Windream,
GID und andere
berichteten über eine ausgesprochen gute Qualität und
große Anzahl von Interessenten-Leads. Hier wirkte sich die
Abwesenheit zahlreicher Wettbewerber positiv auf das Geschäft
aus. Von einem Schwund der Besucherzahlen auf den Ständen
war selbst in den abgelegeneren hinteren Regionen der Halle 1
nichts zu verspüren.

Wenig wirklich neue Produkte
Die meisten als neu angekündigten DRT-Produkte waren Weiterentwicklungen
bereits bekannter Komponenten. Der Markt ist matur geworden. Die
erreichte Reife lässt nur noch wenig Platz für wirklich
neue Funktionalität. Der Fokus der Neuentwicklungen verschiebt
sich auf die Integration in andere Anwendungsumgebungen und den
Ausbau von Portfolios durch Einbindung weiterer Komponenten aus
angrenzenden Technologiebereichen.
Ein gutes Beispiel für neue Produktentwicklungen ist iXOS.
Das am Neuen Markt notierte Unternehmen hat sich inzwischen gut
erholt. Zu den gezeigten neuen Anwendungen gehörte ein Archiv
für Microsofts Sharepoint Portal Server. Welches Geschäft
mit dieser Ergänzung gemacht werden kann, muss abgewartet
werden, da bereits bei Microsoft im .NET-Umfeld die nächsten
Content-Management-Komponenten sichtbar werden. Weit verbreitet
ist der Sharepoint Portal Server noch nicht und Anwender berichten
über zahlreiche Unzulänglichkeiten. Durch die Nähe
zu SAP ist
iXOS eines der ersten Unternehmen, das für die neue Records-Management-Komponente
von SAP ein nachgeordnetes Archiv anbieten kann. Einige Anwender
fragen sich jedoch, ob man ein separates Archiv überhaupt
noch brauche, wenn man die Records-Management-Komponente von SAP
in einer gesicherten Rechenzentrumsumgebung betreibt. Das Records
Management von SAP wird von vielen eher als Konkurrenz zu herkömmlichen
Archivlösungen betrachtet. SAP beabsichtigt darüber
hinaus, auch in einen anderen Markt einzutreten, den sich Archiv-,
Dokumentenmanagement- und Workflow-Anbieter aufgebaut hatten
bestimmte Komponenten sollen einer DOMEA-Zertifizierung für
den Einsatz in der öffentliche Verwaltung unterzogen werden.
IBM gehört zu den Anbietern,
die derzeit mit am meisten von der Krise der mittelständischen
DRT-Anbieter profitieren. An Produktneuheiten war wenig zu sehen,
dafür kann sich IBM aber mit der Unternehmensgröße,
einer weltweiten Präsenz und einer Vielzahl interessanter
Anwendungen profilieren. Lücken im Portfolio werden mit Partnerprodukten
gestopft und so fanden sich selbst Unternehmen, deren Lösungen
im Wettbewerb zu IBM-eigenen Produkten stehen, auf den Ständen
wieder. Die Rede ist von Vignette
und Interwoven.
Den Beratern fiel es manchmal schwer, potenziellen Kunden zu erklären,
wann man denn nun auf Domino, ECM-Suite, EIP7, Websphere oder
eines der Partnerprodukte setzen sollte. Dies ist jedoch nicht
nur ein Problem der konkurrierenden Produktvielfalt, denn Anforderungen
von Anwendern können heute mit den unterschiedlichsten Technologien
und auf verschiedenen Plattformen gelöst werden. Ob dabei
ein Portal, ein Workflow-System oder eine Content-Management-Lösung
die Basis ist, bleibt unerheblich, wenn die benötigte Anwendungsfunktionalität
bereitgestellt werden kann.
Im Capture-Marktsegment spitzt sich inzwischen alles auf einen
Wettlauf zwischen Kofax
und Captiva
zu. Kofax ist immer noch am weitesten bei Integratoren und Softwarelieferanten
verbreitet. Durch die Übernahme von ActionPoint hat Captiva
erheblich aufholen können. Besonders im High-End-Bereich
liegen die Stärken der Captiva-Produktsuite. Im Capture-Marktsegment
tendieren derzeit alle Produkte auf die Erfassung multipler Eingangskanäle
vom Web, über Scanning und Fax, von der E-Mail bis
hin zum Output aus operativen Anwendungen. Ziel ist, die Informationen
aus unterschiedlichen Quellen gemeinsam zu erfassen und nach einheitlichen
Kriterien aufbereitet Anwendungen bereitzustellen. Nur so lässt
sich die Idee vom "einheitlichen Posteingangskorb",
der alle unterschiedlichen Quellen gemeinsam repräsentiert,
realisieren. Beim Scannen ist inzwischen Farbe nicht mehr wegzudenken.
Bei der automatischen Klassifikation ist eine gewisse Ernüchterung
eingetreten. Zukunftsweisend sind Konzepte, bei denen die automatische
Ordnung und Indizierung mit kontrollierten Wortschätzen oder
Thesauri kombiniert wird und die Ergebnisse gegen vorhandene konsolidierte
Datenbestände abgeglichen werden. Erst wenn die Software
für die automatische Klassifikation zu realistischen Preisen
angeboten wird, ist mit einem Durchbruch auf großer Linie
zu rechnen. Die Anbieter müssen sich hier beeilen, da solche
Komponenten in zukünftigen Standard-Softwarepaketen für
Portale, Middleware, Content Management und Büroautomatisierung
enthalten sein dürften. Was heute noch eine Besonderheit
und ein Alleinstellungsmerkmal ist, kann morgen schon Allgemeingut
sein.
Das Content oder Document Lifecycle Management, früher nur
durch klassische Dokumentenmanagement-Systeme abgedeckt, findet
sich inzwischen auch in Produkten wieder, die nicht in den engeren
Bereich der Branche gerechnet werden. Ein gewisses Eigenleben
haben hier die Zeichnungsarchivierungs- und Produktdatenmanagement-Systeme
entwickelt. Aufgrund der spezifischen Anforderungen an das Management
großformatiger Pläne, der Versionierung von Zeichnungskomponenten
und der Systematik der Erschließung gibt es hierfür
inzwischen spezialisierte Lösungen. Auch im industriellen
Bereich greift man weniger auf die bekannten Dokumentenmanagement-Systeme
denn auf spezielle Lösungen, die sich direkt in die Planungs-
und Produktionssysteme einklinken, wie Pro*File
zurück. In diesem Umfeld gibt es jedoch noch reichlich Potenzial
für Enterprise Content Management als Unternehmenslösung,
wenn es gilt, Pläne, Produktdaten, Handbücher, Qualitätsdaten
und Steuerungsprozessdaten zusammen mit kaufmännischen und
Verwaltungsdaten im Intranet oder Extranet bereitzustellen. Auch
Archivsysteme für Krankenhäuser entwickeln aufgrund
der speziellen Anforderungen von Patientenakten ein Eigenleben.
Lösungen von Optimal
Systems oder Prompt!
haben sich bereits in einigen Anwendungen bewährt.
Im Content Management zeichnen sich weitere Marktsegment-Differenzierungen
ab. Gab es bisher hauptsächlich drei große Gruppierungen
mit Web Content Management (WCM) für die Erstellung und Pflege
von Website-Präsentationen, Portale für E-Business im
Internet- und Extranet-Umfeld sowie Enterprise-Content Management-Systeme
(ECM), die sich schwerpunktmäßig auf interne Anwendungen
konzentrierten, lässt sich nunmehr der Markt wie folgt gruppieren:
- Web-Publikation mit Editoren- und Design-Tools, Workflow
für den Publikationsprozess und Präsentation im
Web mit Schwerpunkt als Internet-Anwendung
- webtechnologiebasierte Portale, die ebenfalls den Editions-
und Pflegeprozess unterstützen, darüber hinaus aber
auch andere Anwendungen integrieren, Personalisierung, E-Business,
Shops, Forum und andere Funktionalität für Internet-,
Extranet- und Intranet-Anwendungen zusammenführen
- Enterprise-Content-Management-Lösungen, die herkömmliches
Dokumentenmanagement, Archive, Workflow und Collaborative-Anwendungen
mit Portalen, Web-Publikation, aktiver Informationsdistribution
und Data-Warehouse-Ansätzen für Intranet- und Extranet-Anwendungen
zusammenbringen
- Multimedia-Asset-Management-Lösungen, die sowohl Content-Management-
als auch Portal- und Webpublikations-Technologien nutzen,
aber zusätzlich Security, Data Rights Management, E-Billing,
Publishing on Demand und andere Funktionalität für
die Bereitstellung von elektronischen Büchern, Digital
Video oder Audio, Online-Datenbanken etc. umfassen
- Middleware-Komponenten und Content Repositories für
die Verwaltung der Inhalte, Zusammenführen von Quellen
und Daten, Enterprise Application Integration, Klassifikation,
Personalisierung und andere Basistechnologien ohne eigene
Anwendungsfunktionalität und ohne eigene Clients
Einige Anbieter fokussieren sich auf Teilbereiche des Content
Managements, andere meinen sich als Universalanbieter in allen
fünf Klassen positionieren zu können. Während sich
in Halle 6 ein Schwerpunkt für Web Content Management mit
Anbietern wie Gauss
Interprise, Infopark,
ObTree, Pironet
NDH, RedDot
und anderen herausbildete, war der Rest der Content-Management-Branche
ebenso wie die anderen DRT-Anbieter über viele Hallen zersplittert.
Auch darf nicht vergessen werden, dass Microsoft
und Lotus
ebenfalls in dieser Liga präsent sind und High-End-Portal-Lösungen
von IBM,
Vignette,
Interwoven,
SAP, Oracle
und anderen die Funktionalität von Web Content Management
quasi nebenbei mit abdecken.
Erfreulich ist, dass sich XML mehr und mehr als Standard etabliert.
Häufig ist es heute nur ein Unterschied im Preis. Der Funktionalitätsumfang
im Web Content Management nähert sich immer mehr einem allgemeinen
State-of-the-Art an und im Internet finden sich inzwischen auch
immer mehr kostenfreie Open-Source-Tools.
Auch wenn die Vielzahl der Websites im Internet einen quasi unendlich
groß erscheinenden Markt suggeriert, werden mittelfristig
nur wenige Unternehmen überleben. Einige Anbieter suchen
daher die enge Kooperation mit ihren Kunden in gemeinsamen Unternehmen
zum Betrieb von Portalen und Websites. Ein Beispiel im Portalumfeld
ist die Firma Ponton,
die Portal-Software entwickelt und zusammen mit dem Verband der
Papierindustrie auch ein Portal betreibt. Die Beteiligung von
Kunden an den Softwareherstellern ist auch ein Geschäftsmodell
für die langfristige Absicherung von Investitionen bei der
elektronischen Archivierung. Der Kunde, der sich durch die Speicherung
seines Wissens und seiner Geschäftsdaten in eine starke Abhängigkeit
von der Verfügbarkeit und Weiterentwicklung der Lösungen
bringt, kann so die Kontrolle behalten und die Softwareanbieter
erhalten ausreichend Kapital, ohne sich den Risiken der Börse
oder des Venture-Capital-Markts aussetzen zu müssen.
Im Storage-Marktsegment verschwinden die traditionellen digitalen
optischen Speicher zunehmend zugunsten von CD und DVD. Bei den
traditionellen sind im Prinzip nur noch die 5 ¼"-Medien
in SoftWORM-Technologie am Markt verfügbar; die Vielfalt
der 90er Jahre ist ausgestorben. Bei der DVD wirkt sich immer
noch hinderlich aus, dass es keine einheitlichen Standards für
selbstbeschreibende Medien gibt. Immer kostengünstigere Festplattenspeicher
drängen darüber hinaus die elektronischen Archivmedien
vom Online-Archiv in die Datensicherung ab. Neben spezialisierte,
von Servern verwaltete Subsysteme treten immer mehr Storage-Area-Network-orientierte
Standardkomponenten. Die Anforderungen an Revisionssicherheit,
indizierte Verwaltung und Auslagerbarkeit von Medien sorgen zwar
für Überlebensfähigkeit elektronischer Archive,
dennoch erhöht sich der Druck durch Techniken zur unveränderbaren
Speicherung von Informationen auf magnetischen Medien. Versuche
der Mikrofilm-Branche, hier noch einmal mit dem Thema Digital
Preservation Boden gut zu machen, haben jedoch in Deutschland
bisher wenig Erfolg. Unternehmen wie Kodak
und GID setzen
auf hybride Konzepte. Performance und übergreifende Online-Retrieval-Anforderungen
spielen den großen, auf Festplatten gehaltenen Content Management
Repositories immer mehr in die Hände. Die herkömmliche
elektronische Archivierung wird zum nachgeordneten Sicherheitsspeicher.
Im Bereich des Outsourcings entwickelt sich das Scan-Outsourcing
immer mehr zum Standardszenario. Bei vollständiger Erfassung
des Posteingangs bei einem Dienstleister gehen Kunden sogar dazu
über, gleich ihre Postanschrift auf das Outsourcing-Unternehmen
umzuleiten. Neben der traditionellen Bereitstellung der erfassten
und vorindizierten Dokumente auf optischen Medien oder auf Bändern
geht der Trend in Richtung Online-Übermittlung. Die Dokumente
können so schneller und frühzeitiger in die Verarbeitungsprozesse
eingespielt werden. Vollständige Application-Server-Providing-
oder Document-Management-Complete-Outsourcing-Lösungen, bei
denen auch das gesamte Archiv vom Dienstleister betrieben wird
und der Anwender nur über Leitung auf seinen Bestand zugreift,
konnten sich immer noch nicht durchsetzen. Zwar stellen solche
Lösungen wie auch elektronische Safes im Internet eine aus
Investitions- und Betriebskostensicht günstige Lösung
dar, jedoch scheitern die Anbieter häufig an der Vertrauensfrage
der langfristigen Verfügbarkeit. Große Outsourcing-Anbieter
wie EDS, T-Systems
oder CSC und
Branchen-Rechenzentren wie z.B. Datev
schließen seit längerem verschiedenste dokumentenorientierte
Services in ihre Lösungen ein, ohne dass dies explizit als
Trend im Markt herausgestellt wurde.

Trendthemen der CeBIT 2002
Betrachtet man die Entwicklungen auf dem DRT-Markt im Verhältnis
zu den allgemeinen Trends der Informations- und Kommunikationstechnik,
so muss man feststellen, dass DRT-Themen gar nicht oder nur indirekt
auf der CeBIT 2002 bestimmend waren. Indirekt beteiligt waren
die Document Related Technologies bei mehr oder weniger hohlen
Schlagworten wie "2nd Phase of E-Business", "Business
Intelligence", "Enterprise Portals" oder "Enterprise
Application Integration". Das zunehmende Zusammenfließen
von Informationstechnologie und Telefonie mit kombinierten "PDA-Telefon-Notebook-GIS-Spiele-usw."-Geräten
dominierte deutlich in den Medien. Auch das Thema Sicherheit wurde
betont, ohne dass dabei jedoch Document Related Technologies explizit
eine Rolle spielten.
Werfen wir auf die CeBIT-Trends im DRT-Umfeld einen Blick aus
zwei Winkeln Besucherinterresse und Marketingaussagen:
Was suchten die Besucher auf den DRT-Anbieter-Ständen?
- Sicherheit für Zugriffe und Verfügbarkeit von
Daten und Dokumenten
- Lösungen, um Kosten einzusparen und einen schnellen
Return on Investment bei geringem Risiko zu erreichen
- Lösungen für bruchfreie Prozesse, z.B. bei Customer
Relationship Management oder Supply Chain Management
- einfache Erschließung von unstrukturierten Informationen
- vorgefertigte, einfach und schnell installierbare Branchenlösungen
- Beratung in der derzeit unsicheren Markt- und Rechtssituation
- Integration unterschiedlicher Quellen unter einer browserbasierten
Oberfläche
- Vereinfachung des Betriebes heterogener Lösungen
- Überführung vorhandener Bestände in neue,
komfortablere und sichere Systeme
Welche Schlagworte und Themen besetzten dagegen die DRT-Anbieter?
- Enterprise Content Management
- automatisierte Posteingangserfassung
- Enterprise Portal
- Enterprise Application Integration
- revisionssichere Archivierung entsprechend den Vorgaben
des Gesetzgebers
- Farbscannen
- E-Mail-Archive für Exchange, Lotus und andere Umgebungen
- Knowledge Management
- Business Process Management
Die Divergenzen zwischen Anwenderanforderungen und Marketingaussagen
der Anbieter machen eines deutlich: Wenn die DRT-Branche überleben
will, ist konzertierter Handlungsbedarf angesagt. Die wichtigen
Themen von der Bewahrung des Gedächtnisses des Informationszeitalters
über die Rechtssicherheit elektronischer Dokumente bis zur
Wirtschaftlichkeit elektronisch unterstützter Prozesse müssen
den potenziellen Kunden besser deutlich gemacht werden.
Die Menge und Komplexität elektronischer Information wächst
ständig. Die DRT-Branche hat hier eine wichtige Schlüsselaufgabe:
die Erfassung, Erschließung, Verwaltung, Bereitstellung
und Sicherung von Information. Unternehmen, Verwaltungen und Organisationen
sind zunehmend abhängig vom Faktor Information sie
sind bei Nichtverfügbarkeit oder Verfälschung in ihrer
Arbeitsfähigkeit bedroht. Die ständige Verfügbarkeit
von Information wird zum Überlebensfaktor unserer hochtechnisierten,
vernetzten Gesellschaft. Für die Bedeutung der Document Related
Technologies muss daher auf Entscheiderebene das entsprechende
Bewusstsein geschaffen werden. Hierzu sind reine Messeveranstaltungen
wie die CeBIT nicht der richtige Weg (die begleitenden Veranstaltungen
einmal außer Acht gelassen). Kongresse, Seminare, Schulungen,
universitäre Ausbildung, Publikationen alle Medien
haben hierzu beizutragen. Die derzeitige Krisenstimmung ist nur
durch vertrauensbildende Maßnahmen zu überwinden und
es wird Zeit, dass die DRT-Anbieter sich entsprechend neu positionieren.
Leserbrief schreiben
|