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Mit strukturierter Information zur flexibel wiederverwendbaren Dokumentation

 

Artikel erschienen in
Ausgabe April 2002

Von Markus Romberg und Felix A. Ried

Inhaltsübersicht:

GRIPS, das Redaktions- und Informationsmanagement-System der STAR AG trennt den Inhalt strikt von der Form. Die inhaltsorientierte Informationsstruktierung garantiert minimale Redundanz bei maximaler Wiederverwendbarkeit und erlaubt eine flexible, vollautomatische Publikation auf unterschiedlichen Medien und in jeder Sprache. Die MAN Roland Druckmaschinen GmbH, Offenbach, hat sich für GRIPS entschieden, um effizient den Erstellungsprozess ihrer technischen Dokumentation zu unterstützen. Lesen Sie im Folgenden von den Erfahrungen bei diesem Einführungsprojekt.


Die Ausgangssituation

MAN Roland ist weltweit der zweitgrößte Hersteller von Offset-Druckmaschinen. Die mit diesen Maschinen herstellbaren Druckerzeugnisse werden in die Marktsegmente Werbe-, Verlags- und Verpackungsdruck unterteilt. Daraus resultieren unterschiedliche Anforderungen an den Druckprozess, die durch mehrere modular aufgebaute, kundenspezifisch konfigurierbare Baureihen von Bogen-, Rollen- und Digitaldruckmaschinen erfüllt werden. So entsteht eine große Bandbreite verschiedenster Maschinen, die sich in ihrer Funktionalität, ihren mechanischen, elektrischen/elektronischen und softwaretechnischen Bestandteilen unterscheiden.

Abbildung 1
Portfolio der Druckerzeugnisse

Eine Recherche nach produktrelevanten Informationen hat ergeben, dass zahlreiche Dokumenttypen zu einer Druckmaschinenbaureihe existieren (z.B. Berechnung, Montageanweisung, Betriebsanleitung, Schulungsunterlage). Diese Dokumente waren jedoch nicht immer zugänglich, da Art und Ort der Datenablage nicht standardisiert waren. Darüber hinaus war ein Datenaustausch wegen der proprietären Datenformate der Quellsysteme, wie z.B. Interleaf, schwierig oder gar unmöglich. Dies führte zu einer manuellen Datenübernahme, die einerseits Redundanz und andererseits bei Änderungen unterschiedliche Informationsstände ursprünglich identischer Dokumente mit sich brachte.

Die bisher eingesetzten Quellsysteme zur Erstellung der Dokumentation haben darüber hinaus Struktur und Layout fest miteinander verknüpft. Dadurch war es nahezu unmöglich, Dokumentbestandteile in unterschiedlich strukturierten Anleitungsarten wiederzuverwenden, z.B. in Wartungsanleitung und Monteurschulung.


Anforderungen an ein Redaktionssystem

Ein modernes Redaktionssystem soll die technische Dokumentation tiefgreifend optimieren und den Redaktionsprozess vollständig und effizient unterstützen. Im Einzelnen bedeutet das:

  • qualitativ hochwertige Informationen zeitgerecht für individuelle Maschinenkonfigurationen bereitstellen
  • Informationen intelligent, zentral, transparent und reproduzierbar in verschiedenen Sprachen verwalten
  • Handhabung von redundanten Informationen vermeiden
  • Synergien der unterschiedlichen Dokumentationsbereiche fördern
  • eine standardisierte Systematik für eine einheitliche und wiederverwendbare Dokumentation schaffen
  • flexible multimediale Publikation der Inhalte aus einem Datenbestand
  • eine offene Technologie, die die Integration in bestehende EDV-Landschaften und zukünftige Informationen erlaubt



Realsierung und Wahl des Partners

Bei der MAN Roland Druckmaschinen GmbH wurde ein interdisziplinäres Projektteam aufgestellt, mit der Aufgabe, die technische Dokumentation mit innovativen Mitteln zu optimieren. Ziel war die Einführung eines Redaktionssystems, das die oben genannten Anforderungen erfüllt. Das Projekt umfasste die Publikation der Handbücher Bedienung sowie Pflege und Wartung für zwei Baureihen. Die Auswahl des Partners erfolgte anhand eines in konzeptionelle und EDV-technische Gesichtspunkte gegliederten Bewertungskatalogs.

MAN Roland hat sich für das Redaktions- und Informationsmanagement-System GRIPS der Firma STAR AG entschieden. Dieses wurde speziell für das Content Management entwickelt und unterstützt den gesamten Prozess der technischen Dokumentation. Das klare, mehrfach bewährte Einführungskonzept analysiert und strukturiert detailliert die Produktbestandteile und die bestehende Dokumentation. Dieser anfänglich aufwändige Prozess bringt große Transparenz in den Datenbestand und erlaubt es, die Information mit hoher Granularität abzulegen, später mit einfachen Mechanismen aufzufinden, wiederzuverwenden und zu publizieren. Darüber hinaus wird der Redakteur bei der Recherche und der Dateneingabe themenorientiert geführt.

GRIPS ist eine SGML- bzw. XML-basierte Software. Die Daten werden strukturiert in einer relationalen Datenbank abgelegt, auf die schnell und gezielt über ein Navigationstool zugegriffen wird. Die Dateneingabe erfolgt weitgehend redundanzfrei über einen Editor unabhängig vom späteren Layout. Für jeden Publikationstyp, z.B. eine Bedienungsanleitung, wird ein spezifisches Layout definiert und programmiert. Ein Viewer publiziert die eingegebenen Daten entsprechend der Definition auf Knopfdruck im Papier-, Online- oder CD-Layout. Das Ergebnis ist eine automatische Layout-Generierung mit einheitlichem Aussehen aller Dokumente eines Typs und die konsequente Umsetzung des firmeneigenen Corporate Designs.

Abbildung 2
GRIPS – Globales Redaktions- und Informations-Planungs-System


Die Einführung von GRIPS

Die Arbeit mit GRIPS begann bei MAN Roland mit der inhaltlichen Analyse der vorhandenen Dokumentationen. Dies führte zu einem hierarchisch strukturierten Informationsmodell, in dem alle identifizierten Themen abgebildet sind. Jedes Thema hat eine inhaltlich ausgezeichnete Struktur, z.B. die eines Werkzeugs, Einbaus oder Ausbaus.

Nach der Inbetriebnahme und kundenspezifischen Konfiguration des GRIPS-Systems erlernten die Redakteure zunächst in einer dreitägigen Schulung die neue Systematik der Datenerfassung. Anschließend begannen sie, das Informationsmodell mit Basisdaten (z.B. Werkzeuge und Schmierstoffe) zu befüllen. Dann folgten komplexere Themen wie z.B. Einbau und Ausbau.

Generell erfassen die Redakteure nun alle thematisch zusammengehörenden Informationen als Einheit und verknüpfen ergänzende Themen durch Links. Jede Informationseinheit wird so einem Produktbestandteil, einer Variante und einer Sprache zugeordnet.


Fazit

Nach anfänglicher Umgewöhnung bewerten die Redakteure die neue Arbeitsweise und die Benutzbarkeit der Software als positiv. Geschätzt wird vor allem der übergreifend nutzbare Informationsbestand und die einfache Wiederverwendung einmal eingegebener Daten. Die neue Art der Dateneingabe führt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den zu dokumentierenden Inhalten. Fehlerhafte und unvollständige Daten werden gezielt aufgedeckt und beseitigt.

Die Arbeitsweise mit GRIPS verbessert nachweislich Qualität und Einheitlichkeit der Dokumentation hinsichtlich Inhalt, Aufbau und Handhabung. Gleichzeitig werden organisatorisch getrennte, aber informationstechnisch verwandte Unternehmensbereiche enger miteinander verbunden. Dieser Wissensaustausch steigert die Produktivität im Unternehmen. Allerdings fordert die Analyse, Strukturierung und die Grunddatenbefüllung zunächst einen Anfangsaufwand bis zur Publikation des ersten Dokuments. Das ist wohl auch der größte Unterschied zu anderen angebotenen Systemen. Doch der anfänglich erhöhte Aufwand lohnt sich, denn die Modularisierung von Informationen garantiert die transparente und flexible Nutzung des im Unternehmen vorhandenen Wissens über die Produkte.


Literatur

Romberg, Markus: Konzept und Entwicklung eines Redaktionssystems zur Produktion von Anwenderdokumentationen. Anwendergerechte Online- und Papierdokumentation aus einer Datenquelle. Fortschritt-Berichte pak Bd. 1. Kaiserslautern 2000. (ISBN 3-925178-36-8)


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Letzte Änderung: Monday, 31-Oct-2005 17:27:59 CET | Presse-Service | Disclaimer
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