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Barrierefreie Informationstechnik – ein Thema nicht nur für behinderte Menschen

 

Artikel erschienen in
Ausgabe Oktober / November 2002

Von Roland Heuwinkel

Inhaltsübersicht:

Abgeflachte Bürgersteige, Rampen statt Stufen, tiefergelegte Busse – an den alltäglichen baulichen Barrieren für Kinderwägen und Rollstuhlfahrer wird gearbeitet. Im IT-Bereich dagegen ließ Barrierefreiheit bislang auf sich warten: Viele Websites sind nicht für jeden zugänglich. Mit dem Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen sind öffentliche Institutionen seit Anfang Mai 2002 verpflichtet, ihre Websites barrierefrei zu gestalten.

Nach dem Behindertengleichstellungsgesetz muss die Benachteiligung von behinderten Menschen beseitigt und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ermöglicht werden. Öffentliche Einrichtungen müssen ihre digitalen Informationsangebote (also Internet, CD-ROM, Software, Kioskterminals etc.) so realisieren, dass sie von allen Menschen grundsätzlich uneingeschränkt genutzt, d.h. bedient und gelesen, werden können. Bis spätestens 2005 sollten Websites barrierefrei sein, zwischenzeitlich regelt die Behinderten-Informationstechnik-Verordnung (BITV) im Detail, was wie und wann barrierefrei sein muss. Dieses Gesetz gilt verbindlich für alle Bundesbehörden und muss seit Ende Juli 2002 angewandt werden.


Accessibility betrifft auch kommerzielle Websites

Mancher schreckt erst jetzt auf. Sind Informationsangebote etwa nicht allen zugänglich? Leider nicht, wie man sehr gut am Beispiel Internet erkennen kann. Für viele ist das World Wide Web keineswegs immer ein Tor zur Welt, da mit dem Anklicken vieler Sites plötzlich ungeahnte Hindernisse auftauchen: Zu geringe Kontraste, zu kleine Schriften, verwischte Farben, winzige Schaltflächen machen nicht nur behinderten, sondern auch älteren Menschen das Computerleben schwer. Gefragt ist hier ein barrierefreies Webdesign, wobei diese Übersetzung des Begriffes "Accessibility" etwas unglücklich ist, da der Eindruck entsteht, es handle sich "nur" um das Problem einer kleinen Gruppe von behinderten Menschen in unserer Gesellschaft.

Dabei zählt der Verein für Behinderte in Gesellschaft und Beruf (BiGuB e.V.) jeden fünften Internetsurfer zu den Betroffenen. Manche können schlecht oder gar nicht sehen, andere haben mit motorischen Einschränkungen zu kämpfen, andere können sich schwer konzentrieren oder haben Verständnisschwierigkeiten. Berücksichtigt man zudem, dass das Durchschnittsalter der Internetnutzer permanent steigt, altersbedingte Einschränkungen also zunehmen, dann wächst die Gruppe der Betroffenen täglich. Dabei sind gerade Menschen mit Behinderungen überdurchschnittlich häufig im Netz und nutzen die Möglichkeiten von E-Commerce über E-Goverment bis E-Health. Handlungsbedarf besteht also nicht nur für Bundesbehörden, sondern für alle Institutionen der öffentlichen Hand und auch für Wirtschaftsunternehmen, wenn sie nicht 20 Prozent ihrer potenziellen Nutzer aussperren wollen.


So testen Sie Ihr Internet-Angebot

Die größten Probleme beim Surfen im Web allerdings haben die 155.000 Blinden und die 500.000 Sehbehinderten in Deutschland. Ausgestattet mit Sprachausgabe-Software, Blindenschrift-Ausgabegerät, Vergrößerungssoftware etc. quälen sich täglich viele durch den Internet-Dschungel. Das Problem bei der Nutzung dieser technischen Hilfsmittel ist, dass sie nur dann verlässlich funktionieren, wenn die Programmierer der Websites ihre Hausaufgaben gut gemacht haben. Schätzungsweise 80% aller Internetseiten kommerzieller oder öffentlicher Betreiber sind aber nicht barrierefrei, also für die erwähnten Hilfsmittel nicht oder nur teilweise lesbar und handhabbar.

Wie kann man nun feststellen, ob man zu den betroffenen Betreibern einer nicht barrierefreien Website gehört? Es gibt einen 5-Minuten-Crashtest, den jeder für sich machen kann. Wir verwenden als Beispiel den Internet Explorer. Rufen Sie Ihre Website auf, stellen nun im Browser unter "Extras > Internet-Optionen > Eingabehilfen" die Formatierungen aus (Farbangaben, Schriftart und Schriftgrad) und dann unter "Ansicht > Schriftgrad" die Schrift auf "sehr groß". Nun erkennen viele ihre Seite nicht mehr wieder! Was ist passiert? Sie haben nur dasselbe getan, was ein Mensch macht, der schlecht sehen kann und deshalb eine größere Schriftdarstellung benötigt oder auch die Kontraste verändern möchte. Manche verwenden zu diesem Zweck sogar eigene Stylesheet-Dateien (CSS) mit ihren eigenen Schrift- und Farbformatierungen. Man kann sich denken, was dieser Besucher macht, wenn er nun nicht mehr navigieren oder die Inhalte nicht lesen kann: Er schließt die Seite und sucht ein anderes Angebot, das für ihn besser zu lesen ist.

Beispielseite, wie sie die meisten sehen
Beispielseite, wie sie die meisten sehen
Beispielseite nach Ausschalten der Farbflächen und Schriftformatierung
Beispielseite nach Ausschalten der Farbflächen und Schriftformatierung:
Die Navigation ist unsichtbar, der Text in der Infobox rechts ist abgeschnitten.


Nur-Text-Version oder eine Website für alle?

Ein Website-Betreiber hat nun generell zwei Alternativen: die "Nur-Text-Version" oder "Eine Website für alle". Die einfachste und schnellste Möglichkeit ist die Nur-Text-Version, bei der zusätzlich zur bestehenden Website eine zweite, grafisch schlichte Variante erzeugt wird, die auf Barrierefreiheit hin optimiert ist. Um den Aktualisierungsaufwand in Grenzen zu halten, ist dabei ein professionelles Content-Management-System sehr hilfreich. Mit dem Content Management Server (CMS) der RedDot Solutions AG kann eine Website beispielsweise parallel in verschiedenen Layouts ausgegeben werden, ohne dass für Redakteure oder Administratoren zusätzlicher Aufwand entsteht. Neben der HTML-Version können darüber hinaus sogar andere Formate wie etwa WML (für mobile Endgeräte) oder eine Print-Version zum Ausdrucken erzeugt werden.

Manche User haben aber bei der Nur-Text-Version Bedenken, da sie annehmen, aktuelle Inhalte vorenthalten zu bekommen. Daher bevorzugen sie die Variante "Eine Website für alle". Auch hier kann RedDot CMS gute Dienste leisten. Häufig sind Dutzende von Personen an der Pflege der Inhalte einer Website beteiligt. Es wäre sehr aufwendig, allen die Bestimmungen der BITV näher zu bringen und vor allem die technische Umsetzung in HTML und CSS zu erklären. Stattdessen ist es durch den Einsatz eines Content-Management-Systems möglich, von vornherein Templates (Seitenvorlagen) zu definieren, die Barrierefreiheit garantieren. Fehlbedienungen können dadurch nahezu ausgeschlossen werden. Im Bearbeitungsmodus, dem so genannten RedDot SmartEdit-Modus, können außerdem Erläuterungen für den Redakteur angezeigt werden. RedDot prüft auch, ob zu allen Grafiken Alternativtexte (ALT-Texte) eingegeben wurden – eine wichtige Voraussetzung, um Webseiten für Blinde verständlich zu machen. Auch die Eingabe weiterer Informationen wie Bildunterschriften kann vorgeschrieben werden, so dass ein Bearbeiter eine Seite erst veröffentlichen darf, wenn alle relevanten Daten eingegeben wurden. Gerade wenn es darum geht, Gewohnheiten zu ändern, sind solche programmierbaren Hilfsfunktionen sehr nützlich.

Des weiteren ist es möglich, Seiteninhalte nicht nur über die – für Sehende sehr komfortable – WYSIWYG-Oberfläche zu pflegen, sondern auch über einen Formularmodus, der einfach strukturiert die Variablen einer Seite hintereinander abfragt und komplett über die Tastatur bedienbar ist. So ist es sogar möglich, dass blinde Autoren oder solche mit Sehbehinderungen RedDot CMS nutzen können. Barrierefrei ist für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter anderem der BMBF-Patentserver von der Mulitmediaagentur Informedia mit RedDot CMS realisiert worden.


Kriterien und Nutzen eines barrierefreien Webdesigns

Die wesentlichen Kriterien und Hinweise für ein barrierefreies oder so genanntes behindertengerechtes Webdesign finden sich u.a. in den Web Content Accessibility Guidelines 1.0 (WCAG), die 1999 vom World Wide Web Consortium veröffentlicht wurden und an der die Inhalte der BITV stark orientiert sind. Mit Einhaltung der WCAG wird insbesondere blinden und sehbehinderten Surfern der Zugang zur Website gewährleistet.

Davon profitiert auch der Website-Betreiber selbst: Sein Internetauftritt wird leichter von Suchmaschinen gefunden, denn Robots und Spider (kleine Programme, die rund um die Uhr Webseiten durchsuchen und die Inhalte in Datenbanken für Suchmaschinen speichern) finden leichter Zugang. Manch einer hat noch gar nicht bemerkt, dass seine schlechte Position in den Suchmaschinen damit zusammenhängt, dass die Robots noch nie über die Startseite hinaus gekommen sind!

Initiativen

Digitale Chancen
(www.digitale-chancen.de)

Daten, Analysen und Tipps zu Barrieren im Internet,
Datenbank mit barrierefreien Internet-Cafés,
Beratungshotline zum Thema barrierefreies Internet unter 01805 902070 von Montag bis Freitag 9 bis18 Uhr (0,12 EUR/Min.)

Forschungsinstitut Technologie-Behindertenhilfe
(www.ftb-net.de)

Studien, Beratung, Fortbildung

Dienstleister

informedia GmbH
(www.informedia.de)

Analyse, Beratung, Realisierung, Workshops, Vorträge, Schulungen

Kompetenzzentrum "Barrierefreie Informations- und Kommunikationstechnologie für alle" des Fraunhofer Instituts FIT
(www.fit.fraunhofer.de)

Beratung, Analyse, Studien, Forschung, Entwicklung von Softwarewerkzeugen

Software-Anbieter

RedDot Solutions AG
(www.reddot.de)

Content-Management-System RedDot CMS


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Letzte Änderung: Monday, 31-Oct-2005 17:27:59 CET | Presse-Service | Disclaimer
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